Ich bin aus vielen Gründen ein eher unsicherer Mensch, sprich, ich habe ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis. Unklare, ungeregelte Situationen stressen mich oft. Das heißt nicht, dass ich nicht mal damit fertig werde, aber es ist anstrengend.
Ich bin auch eher ängstlich, im Sinne von ich zerdenke alles und habe dann eben viele Bedenken, die ich besprechen muss. Ich bin aber auch mutig und kann zwischen erregter, vorfreudiger "Angst" und echter Angst im Normalfall gut unterscheiden. Wie? Ich merke das ich etwas
trotz "Angst" möchte vs. ich merke, dass ich etwas
wegen Angst
nicht möchte.
Ich habe sehr lange sehr viele negative Glaubenssätze mit mir herumgetragen. Manche konnte ich inzwischen bearbeiten, andere nicht. Ich bin dran
Spannenderweise hatte ich in aktiven BDSM Sessions selten Probleme bei denen die Grenze nicht körperlicher Natur gewesen wäre. Mein Herr kann mich aber auch sehr gut lesen. Bei manchen Dingen brauchte es für mich etwas Überwindung oder mehr Sicherheit durch ihn, aber das war immer möglich. (Und die Erlebnisse gut)
Unsicherheiten und Ängste spreche ich immer an.
Was das körperliche betrifft, gebe ich im Normalfall auch bevor ich überhaupt beim Safeword ankomme durch, dass es sich in die Richtung bewegt. Oder teile mit, wenn ich nicht glaube, dass ich einen Plan noch durchziehen kann. Dann muss im Zweifel der Plan geändert werden. Das sticht bei mir mehr als bei meinem Gegenüber, aber besser so, als dann am Schluss nen Schaden zu haben.
Aftercare brauche und bekomme ich nach den Sessions immer und wir besprechen auch viel.
Ich hatte in dem vorherigen Beitrag (vllt wohlwollend

) herausgelesen, dass er nicht jedes mal "auffangen" möchte - und das ist für mich nochmal ein bisschen was anderes. Zum Auffangen gehört für mich vorher ein Drop. Aftercare soll für mich diesen Drop verhindern. Man kann schon argumentieren, dass das zusammengehört. Aber das war eben meine Interpretation. (Egal ob so gemeint, oder nicht.)
Und auch wenn ich hier so schön schreibe, ich könnte das gut unterscheiden - mir ist es auch schon passiert, dass ich mich komplett verschätzt habe. KOMPLETT.
Nicht in einer Session. Das hat es aber leider eher schlimmer gemacht.
Mein Herr hatte mir eine "einfache" Aufgabe gegeben. Etwas was ich eh machen wollte. Etwas bei dem mir meine eigene innere Hürde im Weg stand und bei dem ich dachte, das müsste ich halt durchdrücken. Mein Mann hielt es für eine gute Idee. Meine beste Freundin hielt es für eine gute Idee. Mein Herr hielt es für eine gute Idee.
Ich hielt es für eine gute Idee.
So saß ich also an einem Samstag, komplett alleine, daheim am PC und verfasste Anschreiben an Personen hier im Joy, die ich spannend fand. Hört sich einfach an, oder?
Mein Herr hatte vorgegeben, mindestens 3. Es waren dann 5.
Und das war nicht gut. Ich kam mir bei den Anschreiben vor wie ein Bittsteller. Als würde ich Bewerbungen schreiben. Mein gesamtes Mindset war dafür nicht am richtigen Ort. Ich war total getriggert.
Ich hab gemerkt wie mein Puls hoch ging und weiter gemacht. Ich hab gemerkt wie ich anfing zu schwitzen und hab weitergemacht. Mir wurde schlecht und mein Herz raste und ich hab weitergemacht.
Es waren doch "nur" Anschreiben. Leider waren sie das für mich nicht. Es schwang so viel anderes mit.
Es endete mit einer heftigen Panikattacke. Meinen Herrn konnte ich nicht erreichen. Zum Glück kam mein Mann irgendwann heim und hat mich aufgefangen. Später konnte ich dann mit meinem Herrn darüber sprechen und er war ziemlich bestürzt. Und hat mich auch da mal wieder darauf hingewiesen, dass ich bitte auf mich aufpassen soll. Das ich bitte abbrechen soll, wenn ich Anzeichen merke, dass es mir nicht gut tut.
Ich versuche es. Aber manchmal gibt es Dinge bei denen ich mir denke, jeder "normale" Mensch bekommt das hin, dann muss ich das auch schaffen. Und dann gehe ich über meine Grenzen. Das sind nicht die "krassen" BDSM Dinge. Da hab ich ein ganz anderes und gesundes Mindset für.
Es sind die "einfachen" und "alltäglichen" Dinge. Wenn der Perfektionismus zuschlägt. Wenn ich gerne normal wäre. Wenn ich gerne mehr schaffen würde. Alles autobiografisch bedingt. Inzwischen bin ich mir dessen bewusst und kann besser aufpassen. Trotzdem schlägt es im Alltag immer mal wieder zu. Und dann sind es eben auch mein Mann und mein Herr, die mir sagen ich muss auf meine Grenzen achten und sie auch durchsetzen. (Okay, und meine beste Freundin und mein Psychologe

)
Wie gehe ich also damit um? Ganz viel Reflektion. Ganz viele Gespräche. Und vor allem versuche ich aus Situationen die schief liefen zu lernen. Es fühlt sich extrem beschissen an, aber man kann auch aus Situationen in denen es schlecht lief was mitnehmen. (Zum Bsp. bei Aufgaben außerhalb der Session ebenfalls Aftercare einzuplanen
hust )
Klar kann es passieren, dass man mehrmals in die gleiche Falle läuft, aber dann gibt es da ja auch Muster die hintendran stehen. Und dann kann und sollte man sich damit beschäftigen.