@**********n_NRW
Vielen lieben Dank für deine Antwort und deine Wünsche. Du hast Recht, diesen Kampf gibt es auch auf der anderen Seite des BMI. Ich stimme dir auch absolut darin zu, dass der Glaube, irgendwann mal "angekommen" zu sein, ein Fehlglaube ist. Einmal auf diesen Seitenweg abgebogen, wird man ein ganzes Leben davon begleitet.
Nun zu mir:
Ich gehöre zu den Frauen, für die das eigene Körpergewicht, bzw. der Umfang schon mindestens seit der Pupertät immer wieder und zunehmend (har har) ein Thema war. Und tatsächlich sind es, wie aus dem Lehrbuch für Essstörungen, auch meine sehr nahe Verwandtschaft gewesen, die mein Aussehen kritisiert hat. Wenn ich mir heute Fotos von damals ansehe, könnte ich jedes Mal heulen. Ich war ein ganz normales Kind ohne jedes Gewichtsproblem. Ich war nur eben nicht knabenhaft-dürr
In meiner Jugend und frühem Erwachsenenalter hatte ich kaum Probleme mit meinem Gewicht. Gut, ich war nie superschlank, aber ich fühlte mich wohl und auf jeden Fall im gesunden Rahmen schwer.
Dann geriet ich an einen Mann, der am Kindheitsängstebaum rüttelte und nahm zu. Immer mehr.
Bis er mir sagte, ich sei fett geworden.
Erste Abnahme
Fettreduzierte Ernährung (kann seitdem keine Puten- oder Hähnchenbrust mehr sehen), Sport (ich habe das Gym mit jeder Faser meines Körpers gehasst) und schwupps waren 15kg verschwunden.
Am Ende war ich schlanker, schwanger und meine Beziehung am Ende.
In der Schwangerschaft nahm ich normal zu, nach der Entbindung und den ersten Monaten hatte ich mein Vorhergewicht wieder. Ja, ein paar Kilos mehr als Idealgewicht, aber es ging mir gut.
Dann starb mein Vater und ich nahm, ohne, dass es mir bewusst war, mindestens 25kg zu.
Gemerkt habe ich es erst, als eine F+, die ich lange nicht gesehen hatte, den Sex mit mir verweigerte (höflich, ohne es auszusprechen, aber dennoch deutlich).
Doch mein Leben im Hamsterrad (Alleinerziehung, Job und Co) ließ mich nicht zur Ruhe kommen und so wuchsen die Kilos im selben Maß wie die Hosengrößen.
Ich lernte im JC meinen damaligen Partner kennen und ..nunja.. Typ Teddybär und Genussmensch. Da passte irgendwie auch keine Diät.
Das Ende dieser Beziehung fiel zusammen mit einem Rauchstopp und diverser anderer ungünstiger, depressionsbegünstigender Parameter und dann verlor ich komplett die Kontrolle über mein Essverhalten.
Als ich mich irgendwann wieder im JC anmeldete und die ersten Dates sich ankündigten, MUSSTE ich der Wahrheit ins Gesicht schauen. JA, ich gehörte zu den Damen, die sich irgendwie versuchten um ein Treffen in the reality herumzumogeln (was absolut schwachsinnig ist, ich weiß), aber mein Selbstbewusstsein war auf dem Nullpunkt angekommen.
Es gab da diesen einen Typen, den ich wirklich sehr sehr gern kennenlernen wollte, doch ich verschob ein Treffen immer weiter in die Zukunft. Irgendwann, als er (zu Recht) die Nase voll hatte, borgte ich mir eine Waage aus (natürlich besaß ich keine!) und stellte mich drauf.
EINHUNDERTFÜNFUNDREIßIG KILOGRAMM LEBENDGEWICHT
Ja, so habe ich auch geschaut. Nur, war das nicht irgendeine Uschi in einem Forum, sondern ICH
Zweite Abnahme
Intervallfasten, Bewegung (Garten im Sommer, Gym im Winter) und schwupps ... 29kg weg.
"Schwupps" - ja ich weiß, das schreibt sich so leicht, aber eigentlich ist es ne verdammt harte Zeit. Nur nicht im Ansatz so hart, wie das "Danach".
Dating war wieder im Rennen, ich hatte Sex und lernte einige tolle Männer und auch meinen Jetzt-Partner kennen. Tja und irgendwie habe ich damit auch mein Ziel wieder aus den Augen verloren. Das ist jetzt 4 Jahre, zehn hoch und sechs Kilo runter her.
Ich werde im nächsten Jahr 50 Jahre alt und auch wenn mir mein einziges Kind keine Hoffnung auf Enkel macht, so möchte ich doch irgendwann einmal ENDLICH wieder "normal" aktiv sein. Wirklich hemmungslos Sex haben, in einen Flugzeugsitz passen ohne die Nachbarn anzustoßen, Ziplining und SUP ausprobieren, tanzen auch nach dem ersten Lied, Klamotten tragen, die mir passen UND gefallen usw. usw.
Dritte Abnahme
Wieder Intervallfasten mit 1600 kcal max am Tag. Ich bin jetzt seit ein paar Wochen dabei und ja, die erste Erfolge habe ich natürlich bereits verbuchen können. Dieses Mal versuche ich es etwas "ganzheitlicher", ich möchte auch die Ursachen zu beheben und nicht nur das Symptom. Das ist ziemlich spannend, aber mein größter Feind ist im Moment meine Ungeduld.
Natürlich weiß ich, dass dieser Job ein Marathon ist und kein Sprint, aber Durchhalten manchmal WIRKLICH schwer. Wie Spurrinnen auf der Straße sind die Muster eingefahren. Sie zu durchbrechen erfordert unfassbar viel Reflexion und Disziplin.
Was ich auch bemerke ist, dass sich die Sucht scheinbar immer irgendeinen neuen Weg sucht. Ich bemerke ein zu großes Interesse am Kalorienzählen und muss aufpassen, dass es im gesunden Rahmen bleibt.
Deshalb dachte ich daran, mich hier mit anderen darüber auszutauschen und würde mich freuen, wenn dieser Thread sich weiter füllt.
Ach ja .. ganz liebe Grüße an alle Mitglieder, die heute auf dem Suche nach meinem Gewicht mein Profil besucht haben

Wer rechnen mag, findet es hier heraus
