Der Tag, an dem die Woche geboren wurde
Eine Geschichte, genauso tiefsinnig wie unsinnig und nicht im üblichen Sinne erotisch. Eine philosphische Betrachtung der Klagen über den Tag, der nach Sonntag kommt, und wie das heutige Datingverhalten schon bei der Entstehung des Universums seinen Ursprung nahm.Der Tag des Mondes kommt nach dem Tag der Sonne.
Nur so kann die Diskrepanz zwischen den beiden Himmelskörpern verdeutlicht werden.
Wie Ebbe und Flut,
Tag und Nacht,
Sommer und Winter…
Aber ich greife vor, denn vor dem Licht war die Dunkelheit.
Unfassbare, unmessbare, ja - unsichtbare und unhörbare Dinge geschahen.
In der Finsternis konnte man nichts sehen, und Augen gab es sowieso noch gar nicht.
Ohren waren unvorstellbar.
Die leisen Geräusche und erst recht der unerträgliche Lärm litten unter Minderwertigkeitskomplexen.
Also beschwerten sie sich beim Universum, das ja ohnehin gerade erst am Entstehen war.
Die einzige Konstante war die Veränderung.
So auch die omnipräsente Energie.
Wäre ja blöd, wenn direkt am Anfang Komplexe dabei sind und sich womöglich noch ausbreiten.
Die omnipräsente Energie des Lärms zeigte sich kreativ und verwandelte sich in Licht.
Aber auch das war noch nicht genug, denn Licht will reflektiert werden.
Das Licht war unglücklich, weil es sich einfach unbeachtet in den Weiten verlor.
Es beschwatzte folglich den Staub und Dreck, der durch den Raum schwebte, sich zusammenzutun.
Es vertrug sich nicht jeder Staub mit jedem Dreck.
Sie verbanden sich und stießen sich ab.
Für dauerhafte Verbindungen muss schließlich die Chemie stimmen.
Es dauerte es eine unbezifferbare Weile, bevor sich Körper gebildet hatten, die die Wellen einfangen konnten.
Hätte es Augen gegeben, hätten sie ein buntes Durcheinander an großen und kleinen pulsierenden Klumpen gesehen, die noch lange nicht zur Ruhe kommen wollten.
Bald schon waren diese Klumpen im Wettstreit, wer das Licht am besten wiedergab.
Das ist nur eine Mutmaßung, schließlich war ich nicht dabei.
Und Moderatoren gab es genauso wenig wie Schiedsrichter.
Das Licht wurde zornig.
Es versammelte sich im Mittelpunkt, verstärkte so seine Kraft.
Man könnte es als Brainstorming bezeichnen, was es da trieb.
Das Licht fand sich zu Tornados, blitzte im Zickzack und zeigte alles, wozu es fähig war.
Aber das konnte ohnehin niemand sehen.
Nicht, dass das Licht Geltungsbedürfnis hatte - oder vielleicht doch?
Was scherte es das Licht, ob jemand seiner Show folgt?
Das konfuse Treiben der Drecksklumpen indes war nicht zum Aushalten.
Sie stießen zusammen, zerbrachen, vereinigten sich.
Das Licht beschloss, die Klumpen zu zügeln.
Sollte es jemals einen Sehsinn geben, sollte er nicht diesen ewigen Krieg dargeboten bekommen.
In harschem Ton befahl es zunächst, der Staub und Dreck solle sich gefälligst in gefälligen Farben und Formen darbieten.
Wie es so ist - unter gefällig versteht ja jeder was anderes.
So auch damals.
Flache Scheiben in wüstem Grau.
Wilde Körperformen, die man sich gar nicht vorstellen will.
Als diese sich intern organisierten, entstanden die ersten Polyeder.
Da stieß sich das Licht allerdings an den Kanten, aber zumindest erblickte es die zweieiigen Zwillinge Asymmetrie und Besymmetrie, das später zu Symmetrie abgekürzt wurde.
So wurde übrigens auch der Ausdruck ‘das Licht der Welt erblicken’ geboren.
In diesem ganzen Getümmel und Variation trieb es ein mittelgroßer Klumpen auf die Spitze mit dem Poly und bestand nur noch aus Edern.
Das gefiel dem Licht gar nicht so schlecht, wurde es auf diese Weise doch unendlich oft gebrochen und somit scheinbar vervielfältigt.
Ein kleiner, unscheinbarer Brocken trieb durch die Weite, unbeeindruckt durch das alberne Buhlen um - ja, um was eigentlich? Dieser Wettstreit um Wahrnehmung ließ ihn völlig kalt.
Dennoch konnte er es nicht verhindern, dass er mit dem mittelgroßen Ederklumpen kollidierte.
Die Karten wurden neu gemischt - oder vielmehr die Elemente, die sich gerade erst gebildet hatten. Für immer zusammenbleiben wollten die beiden Brocken nicht; jeder schnappte sich schnell, was er glaubte, gebrauchen zu können.
Sie durchsuchten sich selbst und drehten so immer schneller um die eigene Achse, die noch gar nicht wusste, dass sie der Dreh- und Angelpunkt dieses Tanzes war.
Die Rotation war geboren und damit entstand die Reinform der Symmetrie oder das, was wir heute Kugel nennen.
Aber nicht nur das - das Licht konnte so den Klumpen von allen Seiten beleuchten. Wo jedoch Licht ist, ist auch Schatten. Das eine kann nicht existieren ohne das andere. Später, viel, viel später würde man Tag und Nacht dazu sagen.
Und hier kommt der kleine Brocken wieder ins Spiel, der inzwischen eine kleine Kugel geworden war. Eine fast magische Anziehungskraft ließ ihn den mittelgroßen Klumpen, der inzwischen eine mittelgroße Kugel geworden war, nicht gänzlich verlassen. Gleichzeitig gab er alles, was er konnte, und reflektierte das gesamte Lichtspektrum, so dass auch die schattige Seite seiner großen Schwester eine Leuchte hatte.
Das allesschaffende Licht fand außerordentlichen Gefallen an dem ungleichen Pärchen und band es an sich, auf dass es immer in Sichtweite bliebe. Der Schwung ihrer Geburt trieb das Pärchen jedoch stets voran, ohne jemals den Abstand vergrößern zu können.
Die restlichen Klumpen und Brocken hatten zwar keinen Verstand, aber sie reihten sich ein in den Tanz um sich selbst und um das zentrale Licht, das später als Sonne bezeichnet werden würde.
Das ist auch der Grund, warum die Woche am Sonntag geboren wurde, denn am Anfang war das Licht.
Der Mondtag - kurz Montag - ist nur eine Reflektion der Geburt.
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