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Wieviel Erotik verträgt Kunst?

*****888 Frau
23 Beiträge
Themenersteller 
Wieviel Erotik verträgt Kunst?
Hallo Ihr Lieben,
als Künstlerin beginne ich damit, immer mehr Grenzen zu überschreiten - gerade jetzt, in diesem Moment.
Aus meiner sehr unschuldigen Malerei wurde durch persönliche innere Prozesse der Wunsch immer größer, mich im künstlerisch-erotischen Bereich auszudrücken.
Aus Tiermotiven, phantasievollen Welten, Frauengesichtern und Herzbäumen wurden immer mehr Bilder mit körperlichem Ausdruck und erotisch provokanten Aktbildern, auch von mir selbst. ...
Deshalb denke ich schon länger über folgende Fragen nach. ...
Vieviel Erotik verträgt seriöse Kunst?
Muss Kunst überhaupt "seriös" im Sinne der gesellschaftlich vorherrschenden "Meinung" sein?
Beschreite ich mit meiner körperlichen Kunst eine künstlerische Parallelwelt? ... und ...
Wer erklärt Kunst überhaupt zu Kunst?
Vielleicht ist meine Entscheidung, künstlerisch Grenzen zu überschreiten und sichtbar zu machen schon Teil meiner Kunst. ...
Eure Gedanken zu dem Thema werden mich sicherlich bereichern. ...
Schonmal lieben Dank.
Eure
CaRo :-*
L*ICH*t und Farbe, 1,20 x 1,00 m, Acryl auf Leinwand, von CaRo Caparazzi
**********baden Mann
766 Beiträge
Hi, ich finde Aktmalerei seriös und erotisch und es macht mir grossen Spass als Model dazu beizutragen, dass solche Kunstwerrke entstehen können.
*******pser Mann
67.910 Beiträge
@*****888

Vieviel Erotik verträgt seriöse Kunst?
Was ist denn "seriöse Kunst"???
Für mich ist KUNST ...KUNST!

Muss Kunst überhaupt "seriös" im Sinne der gesellschaftlich vorherrschenden "Meinung" sein?
NEIN!
Wenn Du an "seriös" oder an "vorherrschende Meinung" denkst versuchst du da "Konsens" mit den Betrachtern herzustellen? Wenn ja ändert sich meiner Meinung nach das was an "Kunst" entsteht.

Beschreite ich mit meiner körperlichen Kunst eine künstlerische Parallelwelt?
Meiner Meinung nach NEIN. ... und ...

Wer erklärt Kunst überhaupt zu Kunst?
Zuerst du selbst wenn du dein Werk kritisch betrachtest und wenn du es anderen zugänglich machst - Der/Die Betrachter.
Für die einen ist es Kunst für die anderen kann es weg.

Vielleicht ist meine Entscheidung, künstlerisch Grenzen zu überschreiten und sichtbar zu machen schon Teil meiner Kunst
Überschreitet Kunst nicht permanent Grenzen?
Ist Kunst nicht genau dafür gedacht?

...nur meine Meinung
**********artin Mann
417 Beiträge
Jede Menge, solange im Sinne der Kunst ist, also einen bewegt sich Gedanken zum Kunstwerk zu machen.
Die Grenzen zur Pornografie sind da nicht eindeutig sondern verschieben sich nach moralischen Standpunkten.
Beispiel das Gemälde L’Origine du monde („Der Ursprung der Welt“) von Gustave Courbet, 1866. Mittlerweile hängt es im Musée d’Orsay in Paris, auf facebook wird es wieder gelöscht.
*********0815 Mann
3.683 Beiträge
@*****888

Mache ich sonst nicht, aber hier mal ne Gegenfrage vorweg: "Was macht dich zur Künstlerin?"
Mit der Anzahl der Personen die du befragst, steigt ambivalent die Anzahl der unterschiedlichen Definitionen von Kunst, Kitsch, Voyeurismaus, Geldmacherei.....!

Ein Professor sprühte mal bunte Farbkleckse auf seine Ente (Auto), und auf die Motorhaube schrieb er in Normschrift: Kunst ist Mut *zwinker* Ähnliche Geschichten kann ich dir noch zuhauf erzählen, die würden aber hier den Rahmen sprengen!

Kunst findest du in allen Lebensbereichen, wo du es schaffst, mit deinen Werken, Ideen..... Menschen zum Innehalten und Staunen zu bringen! Jede/-r Einzelne wird auf seine/ihre Art davon "berührt" sein!
Genau für diese Personen ist dein Schaffen Kunst, und du die Künstlerin!
*****888 Frau
23 Beiträge
Themenersteller 
@*********0815

Danke für Deine Gegenfrage.

Zur Künstlerin macht mich, dass ich mich durch meine Kunst ausdrücken kann und auf vielfältige Weise das umsetze, was ich gerade fühle bzw. was mich bewegt.

Ich will auch nicht gefallen.

Das was ich erschaffe, darf gerne polarisieren. ... Ich mache tiefsinnige, melancholische Sachen, krasses Zeug, Projekte, die nachdenklich machen und Menschen bewegen.

Außerdem fühle ich das was ich tue mit tiefster Seele. Meine Kunst ist letztendlich das Ergebnis meines persönlichen Selbstausdrucks.

Und doch habe ich den Anspruch, dass etwas Schönes, Ästhetisches oder Besonderes entsteht.

Ich möchte mein authentisches ICH so zeigen wie es ist, ohne gefällig zu sein.
Tatsächlich mag ich es durchaus "edgy" und "außergewöhnlich".
********me79 Mann
18 Beiträge
Kunst ist für mich entweder die Gestaltung von etwas schönem, oder etwas, dass etwas bestimmtes ausdrücken soll. Im Idealfall beides.
Wie das am Ende aussieht, spielt erstmal keine Rolle. Ich muss es sehen und es muss mich in den Bann ziehen. Ich finde sowas ist immer eine ganz persönliche und individuelle Sache die jeder für sich entscheiden muss. Wenn ein Künstler anfängt fragen an Personen zu stellen, ob das was er macht Kunst ist, dann ist er für mich kein Künstler mehr. Denn dann zielt er ja darauf ab zu gefallen anstelle einfach das zu erschaffen und zu machen was im ganz persönlich zusagt.
Ein Künstler scheißt auf Meinungen, er macht was ihm gefällt, was er will, was ihn erfreut oder was er für sich versucht auszudrücken mit dem was er macht. Die Meinung Anderer sollte dabei keinerlei Rolle spielen, denn dann fängt er an sein Schaffen anzupassen was die Persönlichkeit seiner Werke zerstört.

Ob es dann anderen gefällt oder nicht, sollte vollkommen egal sein. Ich persönlich finde Akte ziemlich langweillig. Besonders in der Fotografie, da man eigentlich immer nur das Selbe zusehen bekommt. Ebenso bei gemalten Bildern. Es ist selten, dass mal jemand was wirklich Neues erschafft. Aber das ist eine rein persönliche Ansicht. Solche Aussagen sollten dir einfach... direkt gesagt.... scheiß egal sein. Mach das, was dir gefällt, gib ein scheiß auf das was andere sagen. Kritiker sind immer am lautesten. Die genießer deiner Arbeit sind meist die leisesten. *happy*
******fer Mann
115 Beiträge
Sehr spannendes Thema. Mir ist davon schon einiges begegnet. Keine Ahnung wo die Grenzen liegen:

• Die slowenische Künstlerin Maja Smrekar ließ sich eine Zelle ihres Hundes in ihre eigene Eizelle implantieren. War ein Kunstprojekt.
• Eine Frau, die mit Periodenblut und Sperma Bilder zeichnet. Als Pinsel dienen ihre Nippel.
• Eine Frau, die aus getrockneter Muttermilch und Sperma, Schmuck anfertigt.
*******r91 Mann
3.435 Beiträge
Kunst verträgt so viel Kunst wie es ein Mensch erträgt. Solange du im Rahmen gesellschaftlicher Konventionen bleibst, bist du brav und verschiebst keine Grenzen. Erst das neu setzen von vorhandenen Grenzen verschiebt sie und bewegt etwas in den Menschen der deine Kunst betrachtet. Also setze fröhlich weiter Grenzen und verändere den Betrachter in seiner Sichtweise *ja*
*******el22 Mann
84 Beiträge
Spannendes Thema und eine sehr ehrliche Fragestellung.

Ich glaube, Kunst verträgt grundsätzlich so viel Erotik, wie die Künstlerin oder der Künstler ausdrücken möchte. Kunst war schon immer auch körperlich, provozierend und grenzüberschreitend – von Aktmalerei in der Renaissance bis hin zu moderner Performancekunst. Erotik ist ja letztlich ein Teil des Menschseins und damit auch ein legitimer Teil von Kunst.

Die Frage nach „seriöser Kunst“ finde ich besonders interessant. Wer definiert überhaupt, was seriös ist? Gesellschaftliche Normen verändern sich ständig, und vieles, was früher als provokant galt, hängt heute in Museen. Insofern entsteht Kunst oft genau dort, wo jemand den Mut hat, persönliche Themen sichtbar zu machen – auch den eigenen Körper oder Erotik.

Ich würde daher nicht von einer Parallelwelt sprechen, sondern eher von einer Erweiterung des künstlerischen Ausdrucks. Wenn deine innere Entwicklung dich dorthin führt, ist das wahrscheinlich ein authentischer Teil deiner Kunst und kein Bruch damit.

Am Ende entscheidet ohnehin nicht eine Instanz, was Kunst ist – sondern das Zusammenspiel aus Künstler, Betrachter und Wirkung. Wenn ein Werk Emotionen, Gedanken oder Reaktionen auslöst, erfüllt es bereits eine zentrale Funktion von Kunst.

Gerade in der erotischen Kunst liegt oft viel Ehrlichkeit, weil sie direkt mit Identität, Körper und Intimität arbeitet. Das macht sie nicht unseriös, sondern eher mutig.

Mich würde interessieren: Geht es dir dabei mehr um Selbstausdruck oder auch darum, beim Betrachter bewusst zu provozieren oder Grenzen zu hinterfragen?

Gruß Hell
*****888 Frau
23 Beiträge
Themenersteller 
@*******el22
Danke für Deine tolle Antwort. ...
Es geht mir nicht darum, bewusst zu provozieren. Zum einen geht es mir um Selbstausdruck, aber auch darum Grenzen zu hinterfragen.
Deshalb habe ich aktuell auch entsprechende Projekte. Eines davon nennt sich "(Un)zensierte Linien", dabei hinterfrage ich bewusst Zensur und "spiele" mit unterschiedlichen ArtSpaces. Dabei entsteht die Frage: Wer darf was sehen und warum?
Darüber hinaus mache ich auch Fotoprojekte oder wirke daran mit.
Z.B. zum Thema Freiheit/Anarchie oder einem Genderfluiden Projekt mit dem Schwerpunkt von innerer und äußerer Zensur sowie die Überwindung von Grenzen.
Eigene Erotik interessiert mich genauso wie die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit freiheitlich-erotischen Themen.
*******uble Paar
114 Beiträge
Kunst ist für mich im Grunde grenzenlos, weil sie keinem festen System folgt. Anders als in Wissenschaft oder Technik gibt es hier keine Regeln, die für alle gelten. Alles ist möglich, alles kann Ausdruck sein.

Wenn es um Erotik geht, sagt schon der Begriff „Pornart“ viel darüber aus, wie viel davon überhaupt „tragbar“ ist. Für mich ist das an sich kein Problem.

Viel mehr beschäftigt mich die Frage, wo eigentlich die Grenzen der Erotik liegen. Manche Darstellungen wirken auf mich eher verstörend als erotisch und bei einigen frage ich mich sogar wie es um den psychischen Zustand der Künstler bestellt ist, dass solche Bilder überhaupt entstehen.
Nocturnal Romance
*******ark Frau
2.562 Beiträge
Zitat von *****888:
Beschreite ich mit meiner körperlichen Kunst eine künstlerische Parallelwelt?

Jein.

Um es mal ganz nüchtern zu betrachten, ist Erotik und auch Porn eine Gattung der Kunst die nicht allen zugänglich sein sollte (Jugendschutz in diversen Graden). Also nicht wirklich Parallelwelt, aber auch nicht offenen Raum.
Je nach Motiv, dass bei dir entsteht bist du dir schnell bewusst, was du in einer neutralen Runde zeigen kannst oder wo du eine spezielleren Rahmen brauchst. Wie hier.

Die Sache mit dem seriös verstehe ich nicht ganz. Stellst du deine Bilder aus? Hast du Angst, dass sie für andere Plattformen zu anstößig sind?
Und nein, 'seriös' hat nicht zwangsläufig etwas mit gesellschaftlich vorherrschenden Meinung, sondern auch hier mit dem Kontext zu tun.

In der Kunst selbst, gibt es keine Grenzen, die nicht schon jemand eingerissen hat... also... oft macht einfach das Handwerk den Unterschied. Und um in der erotischen Kunst Grenzgänger zu sein, bedarf es nicht ausschließlich Ästhetik, sondern auch Thematik.
*****888 Frau
23 Beiträge
Themenersteller 
@*******uble
Lieben Dank für Deinen/Euren Beitrag.

Das was Du schreibst, da interessiert es mich weiter nachzuhaken. ...
Schau doch mal bei mir im Profil unter dem Ordner "Aktuelles". Da ist mein Projekt."Eros" gepostet. Du erkennst die 3-teilige Serie daran, dass ich dort in Interaktion mit Dildos trete.
Findest Du diese Bilder erotisch oder verstörend?
Mit Sicherheit ist das Projekt ziemlich krass, das visuelle Thema hinter dem kurzen Namen "Eros" ist die dargestellte Selbstermächtigung im Zusammenhang mit meiner Sexualität.
Und genau da entsteht ja die Frage:
Ist es noch tragbar? Und vor allem: Wo kann das gezeigt werden?
In Ü18 Locations, in Museen mit Zutritt ab 18? Welche Grenze ist überschritten, dass es in einer öffentlichen klassischen Location nicht mehr gezeigt werden kann?
Freue mich auf Deine Rückmeldung.
*****888 Frau
23 Beiträge
Themenersteller 
@*******ark
Um erstmal Deine Fragen zu beantworten:
Ja, ich stelle meine Kunst auch aus und wähle dort schon bewusst den passenden Raum und Kontext.
Eine Thematik ist sexuelle Selbstermächtigung, eine andere Zensur.
Damit habe ich auf jeden Fall eine Thematik hinter meinen unterschiedlichen Projekten.
Ästhetik und Thematik sind mir dabei gleichermaßen wichtig.
Auf anderen Plattformen würde ich absolut die Grenzen sprengen. Hier mache ich mir überhaupt keine Gedanken.
Schau doch gerne mal in meinen Ordner "Aktuelles". Da siehst Du meine fantasievolle verträumte Kunst, die ich überall zeigen/posten kann, aber *zwinker* ebenso einige Bilder, die in neutraler Runde ziemlich unpassend wären.
Bin gespannt auf Deine weitere "Einordnung". ...
Vielen Dank für Deinen Beitrag.
LG CaRo Caparazzi
*********ariya Paar
2.900 Beiträge
• Kunst liegt im Auge des Betrachters -, sagt ein alter Spruch. Und so sehe ich das auch.
Ein anderer modernerer Spruch lautet, -ist das Kunst, oder kann das weg -. Spätestens da zeigt sich, dass Kunst nicht an Daten und Fakten zu messen ist, ebensowenig an gesellschaftlichen Normen.
Man denke nur an Josef Beuys, Jeff Koons, oder andere Künstler, die das „Normale“ einfach nicht als für sie gültige Norm annahmen.
Was ihre Kunst außergewöhnlich macht, ist nicht das was man auf den ersten Blick sieht, sondern, dass Gefühl des Künstlers bei deren Erschaffung, welches dazu führt, dass beim Betrachter ähnlich intensive ( nicht unbedingt gleiche) Gefühle geweckt werden.
Schon Michelangelo schuf etwas derartiges mit der „Entstehung des Adams“. Trotz detailgetreuer Nacktheit kein Porno, aber in jedem Fall provokant und beeindruckend.
Schlussendlich kann, glaube ich, zum Beispiel das naturgetreue Bild einer Vulva viel mehr als wissenschaftliche Studie, erregende Pornographie, oder ein Abbild schöner Natur sein.
CaRo, lass Dich nicht einschränken, sonder erschaffe mit Hingabe und Gefühl Deine (!) Kunst
*****und Mann
764 Beiträge
Ich denke, so groß und tief und weit die Erotik ist, so adäquat darf die Kunst sein, die sie ans Licht bringt. Ästhetisch gesehen sind beide grenzenlos und und es kommt auf die Ausdruckskraft an und die Wahrnehmungskompetenz der Betrachtenden. Es kommt auf das erotische Wechselspiel (denn es ist eine Spielbeziehung der Sinne und Emotionen).
Und ja, auch darin ist Kunst immer grundsätzlich frei! Die Grenzen liegen allein bei der Künstlerin und ihrer Fähigkeit des Ausdrucks und ihres Konzept der Ästhetik.
*******el22 Mann
84 Beiträge
Zitat von *****888:
@*******el22
Danke für Deine tolle Antwort. ...
Es geht mir nicht darum, bewusst zu provozieren. Zum einen geht es mir um Selbstausdruck, aber auch darum Grenzen zu hinterfragen.
Deshalb habe ich aktuell auch entsprechende Projekte. Eines davon nennt sich "(Un)zensierte Linien", dabei hinterfrage ich bewusst Zensur und "spiele" mit unterschiedlichen ArtSpaces. Dabei entsteht die Frage: Wer darf was sehen und warum?
Darüber hinaus mache ich auch Fotoprojekte oder wirke daran mit.
Z.B. zum Thema Freiheit/Anarchie oder einem Genderfluiden Projekt mit dem Schwerpunkt von innerer und äußerer Zensur sowie die Überwindung von Grenzen.
Eigene Erotik interessiert mich genauso wie die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit freiheitlich-erotischen Themen.

@*****888
Danke dir für die ausführliche Einordnung, das macht deinen Ansatz nochmal deutlich greifbarer.

Ich finde besonders spannend, dass es dir nicht um Provokation an sich geht, sondern um Selbstausdruck und das Hinterfragen von Grenzen. Gerade das Projekt „(Un)zensierte Linien“ klingt sehr interessant, weil es ja im Kern eine gesellschaftliche Frage berührt: Wer entscheidet eigentlich, was gezeigt werden darf und was nicht – und nach welchen Maßstäben? Kunst wird dadurch fast zu einem Spiegel von Normen und Tabus.

Auch der Ansatz mit Freiheit, Anarchie und genderfluiden Projekten passt für mich gut in dieses Bild. Erotik wird dabei nicht nur als körperlicher Reiz verstanden, sondern als Ausdruck von Identität, Freiheit und persönlicher Entwicklung. Das gibt dem Ganzen eine deutlich tiefere Ebene als reine Provokation oder Ästhetik.

Ich finde es generell spannend, wenn Kunst gesellschaftliche Themen wie Zensur, Körper, Identität und Freiheit miteinander verbindet, weil genau dort oft die interessantesten Diskussionen entstehen. Gerade in der erotischen Kunst zeigt sich ja sehr deutlich, wie stark Moral, Kultur und Wahrnehmung den Blick auf den menschlichen Körper beeinflussen.
Arbeitest du bei deinen Fotoprojekten eher mit festen Konzepten und Models oder entstehen die Projekte eher spontan aus Begegnungen und Ideen heraus?
*******ley Mann
137 Beiträge
Was ist Kunst? Was darf Kunst? Was muss Kunst?
Und wer zum Teufel entscheidet das?
Hat Kunst Grenzen? Persönlich? Politisch? Gesellschaftlich?

Kunst ist in erster Linie eine Ausdrucksform eines Individuums. In zweiter Linie ist die Definition oftmals abhängig von einer Intention oder Zweckgebundenheit.

Soll Kunst den Lebensunterhalt sichern bzw. tut sie das? Galeristen dürften hierzu einen klaren Standpunkt haben.

Muss Kunst gesellschaftliche Regeln, ob geschrieben oder nicht, respektieren?
Oder ist es (sollte es sein) das Wesen von Kunst Tabus zu brechen und Grenzen zu negieren?

Ich denke, nur ein Mensch kann, zumindest für sich hier eine Definition finden: Die Künstlerin, der Künstler, das kunstschaffende Wesen.

In meinen Augen ist eine Intention wesentlich, der Wille "Kunst" zu erschaffen.

Wenn eine Katze mit Farbe an den Pfoten über Leinwand läuft, ist das per se Kunst oder nur dann, wenn ein Künstler seine Finger mit im Spiel hatte. Die Katze hatte sicher nicht die Intention Kunst zu schaffen.

Erotik, Sex, Schmerz, Tod, Grenzerfahrungen und -Überschreitungen waren schon immer wesentlicher Bestandteil der Kunstgeschichte.

Gerade in der Performance-Kunst hat es z.T. schon sehr extreme Sachen gegeben (siehe z.B. "Wolfgang Flatz").
Jenny Holzer hat 1993 die Titelzeile des SZ- Magazins Nr. 46 gestaltet. in der Druckfarbe war ihr Blut beigemischt.
Explizit pornografisch sind die Fotografien von Noboyushi Araki.

Usw. usw.

Hast Du Ängste, dass Du zu extrem wirst? Lass es zu. Aber, ist halt abhängig von einer evtl. Intention.
Eine Leinwand voll mit gebrauchten Tampons kann ein grossartiges Werk sein. Ich vermute nur eher schwer verkäuflich und weniger galeriegeeignet.

Mein Rat ist der Nike-Slogan, "Just Do It" und guck danach, was dabei rauskommt.
*****888 Frau
23 Beiträge
Themenersteller 
@*******el22
Meine Projekte entstehen spontan und aus Begegnung heraus. So bleibt es kreativ und wird nicht ein starres Konzept, was dann abgearbeitet wird. Ich mag einfach Echtheit und Präsenz, auch Spontanität.
Ich bin dabei selbst Konzeptgeber oder auch Model für andere Projekte, wenn diese in mein "Genre" passen, also das was ich selbst fühle, nicht Teilnahme um jeden Preis. Ich kann und will mich nicht (mehr) verbiegen. Aber ich liebe jede Minute der Umsetzung, das ist mein Lebenselixier.
*****888 Frau
23 Beiträge
Themenersteller 
@*******ley
Wow, was für ein Statement im Sinne der Kunst.
Just do it muss ich mir merken. ...
Letztendlich will ich extremer werden. Du machst mir dafür wirklich Mut. ...
Meine Lust mich auszuprobieren staut sich ja schon länger auf. ...
Ich werde es tun und schauen was passiert.
Vielen Dank für Deine wertvolle Antwort.
*******ley Mann
137 Beiträge
********Bird Frau
224 Beiträge
Liebe Caro,
Dein Bild hat mich gerade angesprochen und ich wollte einfach ein paar Worte dazu dalassen.

"Kunst ist das, was den Anspruch erhebt, Kunst zu sein." Das hat meine Kunstlehrerin früher immer gesagt, wenn jemand gezweifelt hat, ob sein Werk "gut genug" ist.
Ich persönlich bin für empathische Anarchie in der Kunst. Ich meine damit, dass man tun sollte, wonach einem ist, solange man niemanden wissentlich oder willentlich verletzt. Rauslassen, was in einem steckt. Frust, Wut, Liebe, Schmerz, Provokation, Träume, Erfahrungen, Wünsche, Begierde, Demut, Angst, Zerstörung, Hingabe, Lust und noch viel mehr.
In meinen schwersten Zeiten habe ich viel gemalt. Mit Wut, Schmerz und Trauer. Es war mir egal, was dabei rauskommt oder was andere dazu sagen. Ich habe mich heulend mit Kohle auf großer Leinwand ausgetobt. Meine Hände waren schwarz, ich hatte verschmierte Spuren im Gesicht, auf dem Boden lagen schwarzer Staub und abgebrochene Kohlestückchen. Und hinterher fühlte ich mich wie nach einem Marathon, aber auch befreit.

Kunst ist Gefühl. Kunst ist total persönlich. Kunst ist zum Teil intim. Man gibt etwas von sich preis, wenn man damit nach außen geht. Und Künstler:innen waren schon immer progressiv, modern, oft auch missverstanden oder man erkannte erst sehr viele Jahre später den Wert (und ich meine nicht den monetären) ihrer Werke.

Meine Meinung dazu ist: Hau alles raus. Denk nicht an Konventionen. Lass Dich voll darauf ein, was in Dir ist und was raus möchte. Lass es provokant sein, wenn Dir danach ist. Lass es liebevoll sein, wenn Du gerade so fühlst. Lass es Last abnehmend oder Neues erschaffend sein.
Du hast die Gabe und die Möglichkeit, Dich auf diese Weise auszudrücken. Das ist total toll.
Und irgendwie kriege ich gerade Lust, mal nachzuschauen, ob meine Farben vielleicht noch nicht alle eingetrocknet sind... *zwinker*

Alles Liebe *blume*
*****888 Frau
23 Beiträge
Themenersteller 
@********Bird
Danke für Deinen liebevollen Beitrag. ...

Wenn man mit Kunst nach draußen geht, macht man seine Seele nackter als man den Körper je ausziehen könnte. ...

Es ist sehr intim und persönlich.

Aber ich werde es raushauen so wie ich es fühle und so wie Du es geschrieben hast.

Fühl Dich herzlich umarmt.

Alles Liebe auch für Dich.
*****a_S Mann
10.618 Beiträge
Meine Erfahrungen und Gedanken dazu als Künstler, der auch teils Erotik in seiner Kunst hat, sind:

Es geht gar nicht so sehr darum, was Kunst genau ist - das wird eh total unterschiedlich gesehen - sondern eher, für wen die einzelne Kunst jeweils gemacht ist. Wenn man Kunst nur für sich und für Freund*innen macht, kann da Erotik rein, wenn man selbst und die Freund*innen die halt mögen. Wenn man Kunst für teure Gallerien macht, damit sie von reichen Leuten und Unternehmen zur Deko gekauft wird, eher nicht. Und wenn man für den "Kunstmarkt" arbeitet, gibt es dort eh verschiedene Nischen, sodass die Provokation mit Erotik in manchen erwünscht ist.
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