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Restwärme

*****f_k Mann
291 Beiträge
Themenersteller 
Dieser Beitrag wurde als FSK18 eingestuft.
Zur Freischaltung

*****f_k Mann
291 Beiträge
Themenersteller 
Sein Ton wollte leichthin klingen und geriet unterwegs in etwas Vorsichtigeres.

Sie sah ihn an, von der Krawatte bis zur Stirn, als nehme sie Maß für etwas, das sie vielleicht kaufen, vielleicht zerreißen wollte.

„Levin.“

Mehr nicht. Aber sein Name lag bei ihr nicht weich. Eher wie eine Münze, die man gegen den Tisch schnippt, um zu hören, ob sie echt ist.

Er setzte sich, ohne noch einmal zu fragen. Zwischen ihnen stand das Glas Weißwein wie ein drittes Wesen, mager, wachsam.

„Du siehst“, sagte er und verzog den Mund, „unverändert aus.“

„Das sagt man Frauen, wenn einem nichts einfällt oder wenn man lügt.“

Er ließ ein kurzes Lachen hören. „Ich hatte gehofft, ich könnte mit Höflichkeit anfangen.“

„Kannst du. Nur nicht bei mir.“

Der Kellner kam vorbei, Gesicht wie ein schlecht gefaltetes Tuch. Levin bestellte einen Whiskey, dann korrigierte sich, nahm Kaffee. Mara bemerkte das kleine Stocken. Natürlich bemerkte sie es. Männer seines Schlages tranken oft das, was sie sich gerade erlauben konnten. Nicht, was sie wollten.
Als der Kellner weg war, strich Levin den Ärmel seines Mantels glatt. Eine unnötige Bewegung. Ein Mann, der einen ganzen Tag Zahlen geprüft hatte, suchte Halt in Stoff.

„Wie lange ist das her?“, fragte er.

„Dass du verschwunden bist? Oder dass du dich wieder meldest, wenn du in Frankfurt ein Fenster offen hast?“

„Ich bin nicht verschwunden.“

„Nein.“ Sie hob das Glas, trank einen kleinen Schluck. „Du bist nur in das Leben zurückgegangen, für das man Hemden bügelt.“

Ein Zug lief draußen ein. Für einen Moment vibrierte das Glas unter ihrer Hand. Die Scheibe klirrte leise in der Fassung, als hätte die Stadt kurz mit den Zähnen aufgebissen.

Levin sah hinaus und gleich wieder zurück. Fluchtreflex, dachte sie. Ach, du schöner, sauberer Feigling.
Er trug keinen Ring. Die helle Stelle am Finger war trotzdem da.

„Ich bin beruflich hier“, sagte er.

„Natürlich bist du beruflich hier. Männer wie du sind immer beruflich irgendwo. Selbst wenn sie fremdgehen, klingt es, als hätte ein Ausschuss sie entsandt.“

Sein Blick zuckte. Da war er, der erste kleine Schnitt. Nicht tief, aber sauber gesetzt.

„Ich bin nicht hergekommen, um mich beleidigen zu lassen.“

„Dann war die Bahnhofskneipe eine schlechte Ortswahl.“

Der Kaffee kam, der Weißwein blieb knapp über dem Boden des Glases. Levin legte Zucker neben die Tasse und rührte nicht um. Er sah aus, als hätte er in einem anderen Lokal sitzen sollen, in einer Bar mit Messing und gedimmtem Licht, wo man Affären geschniegelt beginnen konnte. Stattdessen dies hier: ausgebleichte Speisekarten, die klebrige Kante des Tisches, eine Frau mit wachem Gesicht und schmalen Händen, die ihn schon jetzt besser las, als ihm lieb sein konnte.

Er nahm die Tasse, trank zu früh, verbrannte sich beinahe, ließ sich nichts anmerken. Einmal kurz zuckte die Sehne an seinem Kiefer.

Mara lehnte sich zurück. Ihr Blick blieb an seiner Krawatte hängen. Dunkelblau, fast schwarz. Teuer, unauffällig, die Farbe von Dingen, die nicht erklären müssen, was sie kosten.

„Also“, sagte sie. „Warum jetzt?“

„Darf man jemanden nicht wiedersehen wollen?“

„Man darf auch Lotto spielen. Die Frage ist, warum.“

Er sah sie lange an. Vielleicht zu lange für eine einfache Antwort. In seinem Gesicht stand die Müdigkeit eines Mannes, der gewohnt war, mit Sprache Dinge glattzuziehen, und plötzlich merkte, dass sie hier an den Kanten hängen blieb.

„Ich habe an dich gedacht.“

„Schwerer Satz. Meistens kommt danach etwas Schmutziges oder etwas Lächerliches.“

„Vielleicht beides.“

Sie stellte das Glas ab und legte zwei Finger daran, als prüfe sie Restwärme. Nichts warm hier, dachte sie. Nicht mal das Glas. Nur Menschen, die so tun.

„Du hast also an mich gedacht“, sagte sie. „Jahre lang? Oder immer dann, wenn es zu Hause nach Spülmaschinen-Tab und Ehe klang?“

Er hob den Blick. „Du musst nicht gleich–“

„Doch. Muss ich. Sonst reden wir in diesen weichen Erwachsenensätzen weiter, die nur dafür da sind, dass niemand sich die Hände schmutzig macht.“

Ein Mann am Tresen hustete in sein Bier. Irgendwo fiel ein Besteckkorb um. Niemand drehte sich um. Bahnhofsorte hatten die gute Eigenschaft, dass sie jede Peinlichkeit sofort verschluckten, solange sie laut genug war.

Levin stellte die Tasse ab. Vorsichtiger diesmal.

„Ich habe nicht vergessen, wie du damals warst.“

„Und wie war ich damals?“

„Direkt.“

Sie lächelte, klein und kalt. „Das Wort nehmen Männer gern, wenn sie 'nicht gut kontrollierbar' meinen.“

Er sah ihr ins Gesicht, als hätte er sich daran gestoßen. Dann kam etwas anderes in seine Augen. Kein Ärger noch. Eher diese alte, dumme Genauigkeit, mit der manche Männer schauen, wenn sie sich erinnern, wie nah ein Körper einmal war oder hätte sein können. Mara kannte diesen Blick. Er machte Dinge leichter und gefährlicher zugleich.

Sie zog die Jacke fester um die Schultern, obwohl der Raum warm war.

Nicht für dich, dachte sie. Nicht gleich.

„Und du?“, fragte sie. „Wie warst du damals?“

Er atmete durch die Nase aus. „Jünger.“

„Schwach.“

„Das auch.“

„Feige.“

„Möglich.“

Sie hob eine Braue. „Na sieh mal. Eine ehrliche Minute.“

Er fuhr mit der Fingerkuppe über den Tassenrand. „Willst du mir eigentlich irgendetwas verzeihen?“
„Wofür genau? Dafür, dass du mich mochtest, solange es in deinen Wochenplan passte? Dafür, dass du mich ansahst, als wäre ich die Ausnahme, und dann doch das Normale geheiratet hast? Oder dafür, dass du mich jetzt in einer Bahnhofskneipe triffst, als würde ich hier auf Abruf zwischen zwei Zügen wohnen?“
Er lehnte sich zurück. Das Holz des Stuhls knarrte. „Du tust so, als hätte ich dir etwas versprochen.“
Da war sie, die erste ordentliche Welle.

Mara nickte langsam, fast freundlich, und darin lag mehr Verachtung als in jeder Schärfe. „Nein. Das wäre ja wenigstens greifbar gewesen. Ein Versprechen kann man brechen. Du hast was Eleganteres gemacht. Du hast mich glauben lassen, dass es sich lohnt, eine Tür offenzuhalten.

Zwischen ihren Rippen zog etwas eng zusammen. Nicht wieder das. Nicht vor ihm. Der alte Ärger kam nie allein; er schleppte immer das Jüngere mit, das Hoffende, dieses lächerliche Tier. Sie drückte das Knie gegen die Tischkante, bis der Schmerz klein und brauchbar wurde.


Fortsetzung folgt!
*******d18 Frau
10.132 Beiträge
Bitte, @*****f_k , seziere weiter … so messerscharf.
*********nDoe Mann
158 Beiträge
Wer will nicht gesehen werden? Mit allen seinen Facetten und auch unschönen Seiten. Aber auch so akzeptiert zu werden. Bin gespannt wie sich der Bogen weiter spannen wird.
*****f_k Mann
291 Beiträge
Themenersteller 
Levin schwieg. Draußen schob jemand einen Koffer über eine Metallkante; das Geräusch schnitt durch den Raum wie eine stumpfe Klinge.

„Ich war verheiratet“, sagte er schließlich.

„Du bist verheiratet.“

Er sah auf die Tasse. „Ja.“

„Und? Soll ich jetzt den Hut ziehen vor der Integrität eines Mannes, der nur halb untreu werden wollte?“

Sein Blick hob sich wieder, härter jetzt. „Du glaubst, du bist die Einzige, die Rechnungen offen hat?“

Mara lachte kurz auf. „Ach bitte. Jetzt kommt die Klage des gut situierten Mannes. Erzähl mir vom Druck. Von der Verantwortung. Von der Einsamkeit in schönen Hotels. Ich will die ganze Liturgie.“

Ein roter Fleck stieg aus seinem Kragen hoch. Er beugte sich leicht vor. Seine Stimme wurde leiser, und genau darin lag die Schärfe.

„Du weißt nichts über mein Leben.“

„Ich weiß genug. Guter Mantel, keine Zeit, kein Ring am Finger, aber die Haut verrät ihn. Kaffee statt Whiskey, weil du dir selbst beim Entgleisen zusiehst und noch geschniegelt dabei bleiben willst. Du suchst Kontakte, Levin. Nenn es beim Namen. Keine Begegnung, keine Sehnsucht. Kontakte. Eine Frau, die dich erinnert, dass du nicht nur ein sauberer Ordner mit Belegen bist.“

Er starrte sie an. Für einen Herzschlag sah er wirklich getroffen aus.

Gut, dachte sie. Und sofort dahinter: Vorsicht. Getroffene Männer schlagen selten mit den Händen zuerst zu.
„Und du?“, fragte er. „Was suchst du?“

Die Frage kam flach, aber sie trug Gewicht. Mara stellte das Glas weg, als wäre der Tisch plötzlich schief.
„Geld“, sagte sie.

Er blinzelte.

„Ein besseres Leben“, sagte sie dann. „Eine Matratze, in der nicht jede Feder meinen Rücken kennt. Schuhe, die nicht an zwei Tagen im Regen kapitulieren. Drei Monate, in denen ich nicht rechne, ob die Woche noch bis Donnerstag reicht. Solche bescheidenen Luxusfantasien.“

Er wollte etwas sagen, ließ es.

„Und manchmal“, sagte sie, „einen Mann, der nicht schon beim zweiten Blick anfängt zu verhandeln.“

Er legte beide Hände auf den Tisch. Gepflegte Hände. Keine Arbeitsspuren außer denen von Papier und Lenkrad und Hotellicht. „Ich verhandle nicht.“

„Du atmest schon in Konditionen.“

Ein kurzes Schweigen. Der Kellner strich am Tisch vorbei, fragte, ob noch etwas. Mara bestellte einen Tee. Levin sah sie an, als habe er mit etwas anderem gerechnet.

„Tee?“

„Ja. Menschen ändern sich. Oder frieren bloß.“

Als der Kellner fort war, stand Mara auf, zog die Jacke enger und ging zum Fenster. Es zog dort durch den Rahmen. Ein dünner kalter Faden strich ihr über den Hals. Draußen standen Raucher unter dem schmalen Vordach, die Gesichter kurz hell, wenn ein Feuerzeug aufflammte. Frankfurt glänzte nass und tat, als wäre es größer als sein Dreck.

Sie hörte, wie Levin hinter ihr den Stuhl zurückschob. Nicht zu nah. Auch das bemerkte sie. Er hatte immer gewusst, wie man Nähe dosiert, damit sie wie Zufall wirkte.

„Du redest, als würdest du mich hassen“, sagte er.

„Nein.“ Sie sah weiter hinaus. „Hass wäre verschwenderisch.“

„Und warum bist du dann gekommen?“

Jetzt drehte sie sich um.

Weil du vielleicht eine Tür bist. Weil ich blöd genug bin, selbst im Falschen noch eine Möglichkeit zu riechen. Weil ein besseres Leben manchmal geschniegelt daherkommt und man es trotzdem ansieht, dass es lügt. Weil ich sehen wollte, ob du noch derselbe bist. Weil ich wissen wollte, ob ich noch dieselbe bin.

Sie sagte nur: „Neugier.“

Er stand nun dicht genug, dass sie den Geruch seines Rasierwassers wahrnahm, darunter die feine Nässe des Regens, darunter etwas Wärmeres, Körper, Stoff, ein Tag, der lang gewesen war. Diese Mischung traf sie unerwartet tief, wie eine Erinnerung ohne Bild. Ein Flur von früher, ein halb geöffnetes Hotelzimmer, seine Hand an einer Türklinke, die Frage in seinen Schultern. Nicht passiert. Fast passiert. Gerade deshalb nicht totzukriegen.

Sie hasste, dass ihr Körper sich erinnerte, bevor der Kopf entscheiden durfte.

„Du schaust mich an, als wärst du schon fertig mit mir“, sagte er.

„Du schaust mich an, als würdest du gern noch einmal denselben Fehler machen.“

„Vielleicht war es nicht derselbe Fehler.“

„Nein?“ Sie trat nicht zurück. „Was dann? Aufschub? Feigheit mit Manschettenknöpfen?“

Ein Muskel zuckte in seiner Wange. Dann lächelte er, aber das Lächeln hatte Kanten. Hier kam sein eigener Zorn, geschniegelt, geschniegelt bis in die Wörter hinein.

„Weißt du, was an dir unverändert ist? Diese Lust, dich im Dreck moralisch überlegen zu fühlen. Als hättest du ein Monopol auf Echtheit, nur weil dein Leben sichtbarer zerfranst ist. Du tust so, als wären meine Kompromisse Verrat und dein bloßes Überleben. Das ist eine hübsche Liturgie, Mara. Arm, aber erhaben.“

Sie stand still. Der Satz saß. Nicht tödlich. Aber er fand eine Stelle, an der die Haut dünn war.

„Sprich weiter“, sagte sie leise.

„Warum? Damit du wieder mit diesem Blick kommst, der jeden vor dir in einen Angeklagten verwandelt?

Du verkaufst Nähe und verachtest die Käufer. Beeindruckend. Fast religiös.“

Ihr Hals wurde warm. Nicht Scham allein. Wut, ja. Aber darunter dieser lächerliche Stich, weil er etwas berührt hatte, das sie selbst nur nachts ohne Licht ansah. Nicht die Männer. Den Blick auf sich danach. Die Rechnung, die nie ganz in Geld aufging.

Sie hob das Kinn. „Und du kaufst Abweichung und nennst es Lebendigkeit.“

Er schwieg.

„Siehst du?“, sagte sie. „Da sind wir beide. Nur dass ich mein Elend wenigstens nicht mit Ledermappe herumtrage.“

Der Tee kam. Der Kellner stellte die Tasse ab, legte einen Teebeutel daneben, Zucker, einen stumpfen Löffel. Ein kleiner Haushaltsmoment in diesem verregneten Schützengraben. Mara setzte sich wieder. Sie tauchte den Beutel ins Wasser, hoch, runter, hoch. Bernstein breitete sich aus wie ein langsamer Beweis.
Levin blieb stehen, dann nahm auch er Platz. Für ein paar Atemzüge sagten beide nichts. Der Raum um sie herum schob sich weiter: Gelächter vom Tresen, ein Kind draußen, das quengelte, ein dumpfer Lautsprecherhinweis aus der Halle, unverständlich, aber dringlich.

Mara drückte den Beutel am Rand aus. Die Schnur klebte an ihrem Finger. Sie wickelte sie ab, langsam.

Eine kleine Arbeit, damit der Körper etwas Sinnvolles hatte.

„Ich verachte nicht jeden Käufer“, sagte sie schließlich.

Er sah auf.

„Nur die, die glauben, sie hätten mehr gekauft, als sie bezahlt haben.“

Etwas in seinem Gesicht löste sich. Nicht Entspannung. Eher Anerkennung dafür, dass auch der Gegenschlag sauber gesessen hatte.

„Und ich“, sagte er, „kaufe nicht, was sich nicht kaufen lassen will.“

„Das klingt nobel. In Wirklichkeit heißt es nur, dass du auf Widerstand allergisch reagierst.“
Er lächelte schmal. „Du kennst mich noch.“

„Leider.“


Fortsetzung folgt!
*******d18 Frau
10.132 Beiträge
Sie kämpfen gegeneinander - miteinander - und wollen doch nicht wahrhaben, dass sie sich (noch) begehren, weil sie sich (zu gut) kennen …
*****f_k Mann
291 Beiträge
Themenersteller 
Bin die nächsten Tage unterwegs, lasse euch mal 3 Folgen hier. Vermutlich ab Montag wieder aktuelle Seiten von "Restwärme".
*****f_k Mann
291 Beiträge
Themenersteller 
Die zweite Welle lief aus, ohne zu brechen. Ein kurzer Halt. Sie trank Tee, zu heiß, spürte das Brennen auf der Zunge. Gut. Eine kleine klare Empfindung. Kein großes Denken.

Levin sah auf ihre Hände. Immer noch schmal. Der Nagellack an zwei Fingern abgesplittert. Die rechte Hand mit einer feinen weißen Narbe am Daumenballen, die früher nicht da gewesen war. Woher? Küche? Glas? Jemand? Der Gedanke missfiel ihm sofort, weil er kein Recht darauf hatte und es dennoch spürte wie Besitzschatten. Lächerlich. Abstoßend. Echt.

„Hast du Kinder?“, fragte sie plötzlich.

Er hob den Blick, irritiert. „Nein.“

„Bewusst?“

„Ja.“

„Klug.“

Er schnaubte fast. „Du sagst das, als hättest du eine Steuererklärung geprüft.“

„Nein. Eher als hätte ich genug Menschen gesehen, die andere in ihre Unentschlossenheit hineinzeugen.“

Er nickte. Dann, unerwartet ruhig: „Und du?“

Mara sah in den Tee. Ein winziger Fettfilm vom Lippenstift schwamm am Rand. „Nein.“

Sie sagte nicht mehr. Musste auch nicht. Er verstand genug, um nicht nachzufragen, und zu wenig, um beruhigt zu sein.

Draußen pfiff ein Zug an. Eine Frau mit Rollkoffer rannte über das nasse Pflaster und hob beim Laufen das Telefon ans Ohr, als könne sie die Verspätung wegsprechen. Mara sah ihr hinterher und dachte an all die Abfahrten, die nie etwas gelöst hatten. Man trug sich mit. Selbst in eine andere Stadt.

„Was willst du von mir?“, fragte sie.

Nun wirklich. Ohne Hohn. Ohne Vorarbeit.

Levin legte Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel. Ein Mann, der Kopfschmerzen kannte und Termine. „Ich weiß es nicht in einem Satz.“

„Versuch zwei.“

Er sah sie an. Seine Stimme verlor die polierte Oberfläche, gerade genug, dass darunter etwas Rohes hörbar wurde.

„Ich wollte jemanden, der mich nicht in Ruhe lässt.“

Sie lachte nicht. Das hätte den Satz zu billig gemacht.

„Deine Frau hat aufgegeben?“

„Meine Frau“, sagte er nach einer Pause, „hat vernünftigerweise beschlossen, dass mein Innenleben ihr nicht täglich die Küche zusauen darf.“

Mara hob langsam die Augenbrauen. „Da ist sie ja, die Ehrlichkeit Nummer zwei.“

Er nickte ins Leere. „Wir funktionieren gut. Haus, Termine, Urlaube, gemeinsame Freunde, alles geschniegelt. Es gibt keinen Skandal. Nur eine Art sehr gepflegte Erschöpfung.“

Gepflegte Erschöpfung. Der Ausdruck blieb zwischen ihnen liegen wie etwas, das zu schön formuliert war und deshalb wahr klang.

Mara drehte den Löffel im Tee. „Und ich soll dann was sein? Der Dreckrand, an dem du merkst, dass du noch lebst?“

„Nein.“

„Levin.“

„Nein.“ Jetzt sah er sie direkt an. „Du warst immer die Einzige, bei der ich nicht reden konnte, ohne mich zu hören.“

Das ging unter die Haut, weil es genau die Art Satz war, auf die man nicht vorbereitet sein konnte, wenn man sich die ganze Zeit auf Schmutzigeres eingerichtet hatte.

Sie hasste ihn kurz dafür.

„Das ist entweder sehr gut oder sehr unerquicklich“, sagte sie.

„Beides.“

Sie ließ die Finger vom Löffel. Das Metall klingte leise an Porzellan. In ihr lief etwas an, gegen das kein Witz sofort half. Nicht Hoffnung. Eher das alte Wissen, dass dieser Mann an einer Stelle in ihr greifen konnte, die nie ganz vernünftig geworden war.

Sie musste den Raum verschieben.

„Hast du Bargeld dabei?“, fragte sie.

Er blinzelte. „Was?“

„Bargeld. Eine einfache Gegenwartsfrage.“

„Ja.“

„Gut.“ Sie nickte. „Dann zahlen wir jetzt sehr altmodisch die Wahrheit an. Du sagst, was du wirklich suchst, und ich sage, was ich wirklich brauche. Ohne Parfum drüber.“

Er starrte sie an, dann lachte er einmal, kurz, fast ungläubig. „Du bist unmöglich.“

„Und du bist noch hier.“

Er zog das Portemonnaie aus der Innentasche, als folge er einer Instruktion, die zugleich absurd und zwingend war. Schwarzes Leder, nicht neu, gut gepflegt. Er legte es auf den Tisch, aber nicht auf. Mara sah darauf, dann auf ihn.

„Keine Sorge“, sagte sie. „Ich will dir nicht die Scheine aus der Hand reißen. Nur verhindern, dass wir wieder so tun, als gäbe es keine Rechnungen.“

Sein Mund wurde schmal. „Und deine lautet?“

„Ich brauche keinen Retter. Ich brauche eine Gelegenheit.“
Sie hielt seinem Blick stand. „Arbeit. Einen Einstieg. Einen Namen. Irgendetwas, das mehr ist als ein Abend und weniger demütigend als Almosen.“

Da war er nun, der Satz. Nicht hübsch. Nicht abgesichert. Nackt genug, um weh zu tun.

Ihre Kehle zog sich eng. Nicht zurückrudern. Nicht lächeln. Lass ihn arbeiten.

Levin sah sie an, als wäre der Raum für einen Moment still geworden. Vielleicht war er das sogar. Vielleicht nur in ihm.

„Was kannst du?“, fragte er.

Sie hätte lügen können. Sich glatter machen. Aus Erfahrung wusste sie, dass glatte Antworten oft besser verkauft wurden. Aber dieser Abend war längst verdorben genug für Wahrheit.

„Ich kann Menschen lesen. Ich kann organisieren, wenn man mich lässt. Ich kann mit Chaos umgehen, ohne gleich in Tränen zu verfallen. Ich lerne schnell. Ich bin besser in Sprache als in Unterordnung. Und ich kann freundlich sein, ohne mich sofort klein zu machen. Meistens jedenfalls.“

Ein Zug ihres Mundes. Fast ein Lächeln.

Er sah darauf. Zu lange. Dann hob er wieder die Augen.

„Du würdest in jedem Büro nach drei Wochen jemanden ruinieren.“

„Nicht jeden. Nur die, die es verdienen.“

„Das sind in Büros erstaunlich viele.“

„Eben.“

Sie beugte sich vor. Der Tisch zwischen ihnen war nicht breit. Seine Hand lag nah genug, dass sie die Wärme darüber fühlen konnte, ohne ihn zu berühren. Dieses Nicht-Berühren bekam plötzlich Gewicht. Ein schmaler Strom. Begehren war manchmal nichts weiter als die genaue Kenntnis eines Abstandes.

„Und du?“, sagte sie. „Was brauchst du wirklich? Nicht poetisch. Nicht geschmeidig.“
*****f_k Mann
291 Beiträge
Themenersteller 
Er senkte den Blick für einen Moment. Als er wieder aufsah, wirkte er älter. Nicht schlechter. Nur ohne den guten Lack.

„Jemanden, vor dem ich nicht die anständige Version von mir spielen muss.“

„Du überschätzt mich“, sagte sie. „Anständigkeit ist nicht mein Fetisch.“

„Nein. Aber Präzision vielleicht.“

„Das eher.“

Ihre Knie berührten sich unter dem Tisch. Nur ganz leicht, durch Stoff. Keiner zog sofort weg.

In ihr ging etwas auf und zugleich in Deckung. Dieses alte dumme Tier. Nicht füttern, dachte sie. Aber es hob schon den Kopf.

Levin sah auf ihren Mund, fast nur einen Fehler lang. Dann wieder in ihre Augen. Der Raum um sie herum wurde dünn, die Geräusche weiter weg, als stünden sie hinter Glas. Er hätte jetzt nur die Hand drehen müssen. Sie hätte nicht viel tun müssen außer still bleiben. Genau darin lag die Gefahr: nicht im Sturm, sondern in der Leichtigkeit.

Mara zog als Erste das Knie zurück.

Nicht aus Tugend. Aus Taktik. Vielleicht auch aus etwas Stolzerem.

„Kein Hotel“, sagte sie.

Er hielt inne. „Ich habe nichts gesagt.“

„Dein Gesicht schon.“

Ein Schatten von Scham und Trotz glitt über seinen Mund. „Und wenn ich gefragt hätte?“

„Dann hätte ich wissen wollen, ob du wieder nur eine saubere Ausnahme suchst.“

„Und?“

Sie nahm die Teetasse, trank, obwohl sie längst leer war. Kleine Lächerlichkeit. Sie stellte sie wieder hin.
„Heute nicht“, sagte sie. „Heute will ich sehen, ob du auch etwas kannst, das dich morgen noch kostet.“

Er lehnte sich zurück, langsam, als säße er sich selbst gegenüber. Dann nickte er. Einmal.
„Ich kenne jemanden“, sagte er. „Keine Wunderstelle. Eine kleine Beratung in Sachsenhausen. Viel Organisation, Kundenkontakt, Termine, Schriftverkehr, Leute, die improvisieren müssen, ohne es so zu nennen. Es wäre ein Anfang.“

Mara sah ihn an, ohne sich zu bewegen. Das Herz machte einen unangenehm schnellen Satz. Nicht zeigen. Nicht jetzt.

„Und warum würdest du das tun?“

„Weil du recht hast. Ein Abend wäre zu billig.“

„Und?“

Er hielt den Blick. „Weil ich nicht nur nehmen will.“

Sie atmete durch. Da war der Satz, den sie immer hören wollte und nie glaubte, wenn er fiel. Trotzdem traf er.

„Gefährlicher Satz“, sagte sie.

„Ich weiß.“

„Männer sagen sowas gern, kurz bevor sie doch die Rechnung vom Tisch wischen.“

„Vielleicht.“ Ein Anflug von Müdigkeit. „Dann musst du mich daran hindern.“

Sie lachte leise, fast ohne Klang. „Da sind wir wieder. Du kaufst dir Widerstand.“

„Nein.“ Sein Blick wurde still. „Ich bitte um ihn.“

Etwas daran machte sie plötzlich müde. Nicht schwach. Nur müde auf die Weise, wie man wird, wenn man lange mit hochgezogenen Schultern gelebt hat und für einen Moment merkt, dass man sie senken könnte. Gefährlich auch das.

Sie griff nach ihrer Jacke, stand auf. Levin tat es ihr nach. Der Tisch zwischen ihnen kühlte sofort aus.

„Ich gehe“, sagte sie.

„Schon?“

„Bevor wir wieder dumm werden.“

Er nickte. Keine Ironie diesmal.

Am Tresen zahlte er beides. Mara ließ es zu. Keine Geste daraus machen. Nicht jetzt. Draußen vor der Tür stand die Nacht unter Neonlicht, nass und fahrig. Züge atmeten in die Hallen hinein und hinaus. Der Wind roch nach Metall, kaltem Stein und irgendwo nach gebrannten Nüssen vom Kiosk weiter vorn, eine lächerliche Süße im Bahnhofsgeruch.

Sie traten unter das Vordach. Regen sprang in feinen schrägen Fäden vorbei. Menschen liefen mit gesenkten Köpfen durch die Helligkeit, jeder in seiner kleinen dringlichen Geschichte.

Levin zog eine Karte aus dem Portemonnaie, schrieb auf die Rückseite eine Nummer und einen Namen. Kein großes Zögern. Kein theatralischer Blick. Er reichte sie ihr.

Mara nahm die Karte. Die Pappe war warm von seiner Hand.

„Morgen nicht vor zehn“, sagte er. „Sie hasst Anrufe vor zehn.“

„Sie?“

„Die Frau, die entscheidet.“

„Gut.“ Mara schob die Karte in die Innentasche ihrer Jacke. Dorthin, wo Stoff näher am Körper lag und Dinge schwerer verloren gingen.

Sie standen einen Moment zu lang nebeneinander. Nah genug, dass seine Schulter fast ihre streifte. Nicht nah genug, um als Umarmung missverstanden zu werden. Der Bahnhof warf ihnen Licht an die Gesichter und nahm es gleich wieder weg, wenn Leute vorbeizogen.

„Und jetzt?“, fragte Levin.

Mara sah in den Regen, dann zu ihm. Seine Stirn glänzte noch leicht von der Wärme drinnen, an den Schläfen bereits kühler. Ein schöner Mann, dachte sie, und ärgerte sich über die Schlichtheit des Gedankens. Schön war nie genug. Schön zahlte keine Miete. Schön log oft mit ordentlichen Zähnen.
Trotzdem.

„Jetzt fährst du in dein Hotel oder nach Hause oder wohin auch immer Männer wie du nachts verschwinden“, sagte sie. „Und ich nehme die S-Bahn und tue so, als wäre ich nicht nervös wegen einer Visitenkarte.“

„Bist du nervös?“

„Entsetzlich.“

Er lächelte. Nicht geschniegelt. Nur kurz warm. Genau das machte ihn gefährlicher als vorher.

„Mara.“

„Hm?“

„Ich meine es ernst.“

Sie sah ihn an, bis der Satz nicht mehr glänzte, sondern einfach da stand, mit allen Löchern, die er haben konnte.

„Dann beweis es mit einem Werktag“, sagte sie.

Ein Lautsprecher rief irgendein Gleis aus. Ein Windstoß trieb Regen unter das Vordach. Mara zog die Jacke enger, und Levin machte eine halbe Bewegung, als wolle er ihr den Kragen richten oder eine nasse Strähne aus dem Gesicht nehmen. Er ließ die Hand unten. Gut so.

Sehr gut so.

Sie nickte ihm einmal zu und ging los, hinein ins Licht der Halle. Nach wenigen Schritten drehte sie sich nicht um. Erst an der Rolltreppe, halb oben, sah sie zurück.

Er stand noch dort, unter dem Vordach, eine dunkle saubere Figur im schmutzigen Licht, die Hände in den Manteltaschen, als müsste auch er gerade lernen, dass Restwärme nicht dasselbe ist wie Besitz und ein Anfang nicht dasselbe wie Rettung.

Dann schob die Menge sich zwischen sie. Die Rolltreppe hob sie weiter. In ihrer Jackentasche lag die Karte wie ein kleiner harter Gegenstand, unerquicklich real. Mara legte die Hand darauf, nur kurz.
*****f_k Mann
291 Beiträge
Themenersteller 
Unten blieb der Bahnhof laut. Oben zog es. Irgendwo fuhr ein Zug ein. Sie atmete den Metallgeruch ein, den Regen, die dünne Süße vom Kiosk, und ging weiter, mit nassen Stiefeln, heißem Gesicht und einer neuen, unordentlichen Rechnung in der Tasche.

Kapitel 2

Am Morgen trug Frankfurt ein blasses Licht, das nicht entschied, ob es schon Tag sein wollte. Auf den Fenstern der S-Bahn stand ein feiner Film aus Atem und Nieselregen.
Mara saß zwischen einer Frau mit zu großem Schal und einem Mann, der in seine Hände hustete, und hielt die Jacke vorne geschlossen, als läge darunter etwas Zerbrechliches. Die Visitenkarte steckte in der Innentasche, flach über dem Herzen, und jedes Mal, wenn der Zug bremste, erinnerte sie sich daran wie an eine schlecht verheilte Stelle.

Zu Hause roch es nach kalter Heizung und dem letzten Kaffee vom Vortag. Ein Glas mit Zigarettenstummeln auf der Fensterbank. Ein Wäscheständer, über den ein schwarzes Kleid hing, das einmal teuer ausgesehen hatte und inzwischen an den Nähten matt geworden war. In der Spüle zwei Teller, ein Messer, ein Glas mit Lippenstiftrand. Der Kühlschrank summte mit dieser erniedrigenden Verlässlichkeit, die nur Geräte haben, wenn Menschen keine haben.

Sie stellte Wasser auf, zog den Vorhang ein Stück zur Seite und sah in den Hof, wo sich in einem Fenster gegenüber eine Frau in Sportleggings streckte, geschniegelt schon vor acht. Mara rieb mit dem Daumen über die Kante der Karte.

Nicht vor zehn.

Der Satz machte aus Hoffnung eine Uhr. Uhren waren immer gefährlich. Sie machten sichtbar, wie wenig man in der Hand hatte.

Sie duschte lange genug, um die Bahnhofskneipe aus den Haaren zu bekommen, aber nicht lang genug, um so zu tun, als gehöre ihr Wasser im Überfluss. Dann Kaffee, dünn. Toast, keiner mehr da. Sie strich Margarine auf ein altes Brötchen und kaute, während ihr Handy vibrierte.

Ronny.

Schon der Name hatte die schmierige Wärme eines Mannes, der sich für eine Gelegenheit hielt.

„Na, Prinzessin“, sagte er, ohne Gruß, „heute Abend frei?“

Sie lehnte die Hüfte gegen die Küchenzeile. „Wofür?“

„Geschäftsessen, sagt er. Allein im Hotel, sage ich. Du kennst den Typ.“

„Dann kennt er mich wohl auch nicht.“

Ronny lachte dieses feuchte Lachen, das nach Kiosk und Selbstmitleid klang. „Komm schon. Gute Stunde. Gutes Geld.“

„Wie gut?“

Er nannte die Summe. Nicht schlecht. Nicht gut genug.

Mara sah auf das verkratzte Laminat der Küche. Ein Krümel klebte an ihrem Finger. „Zu wenig.“

„Seit wann bist du wählerisch?“

„Seit Miete und Strom sich nicht mehr mit Charme beeindrucken lassen.“

Er schwieg kurz. Dann, beleidigt geschniegelt: „Du tust ja gerade so, als wärst du was Besseres.“

„Nein“, sagte sie. „Nur teurer.“

Sie legte auf, bevor er die Stimme heben konnte. Das Schweigen danach war sauberer als jedes Gespräch mit ihm.

Am anderen Ende der Stadt saß Levin bereits in einem Besprechungsraum, dessen Glaswände alles offen wirken ließen, solange niemand hinsah. Auf dem Tisch standen Karaffen mit Wasser, Zitronenscheiben geschniegelt darin wie kleine Beweise für Sorgfalt. Zwei junge Associates klickten durch eine Präsentation. Tabellen. Risiken. Abweichungen. Levin nickte an den richtigen Stellen und schrieb ein paar Wörter auf einen Block, die er hinterher nicht mehr lesen würde.

Sein Handy lag mit dem Display nach unten neben der Ledermappe. Einmal drehte er es um, ohne dass es vibriert hatte.

Anonym und diskret, dachte er, und schon ärgerte ihn die eigene Wortwahl. Als wäre Begierde ein Buchungsposten, der nur sauber genug verschoben werden musste. Er sah an die Glaswand, in der sich sein Gesicht spiegelte, überlagert von den Folien der Präsentation. Zahlen liefen über seine Stirn. Es passte unerquicklich gut.

„Levin?“, fragte einer der Jüngeren.

Er hob den Blick. „Das Carry-Forward ist nicht sauber erklärt. Da fehlt die Geschichte zwischen den Zahlen.“

Der junge Mann nickte hektisch und schrieb mit. Levin hörte seine eigene Stimme, präzise, kühl, eine gute Klinge. Man mochte ihn dafür. Man fürchtete ihn dafür. Es war eine Form von Anerkennung, geschniegelt und mager.

Während jemand weiterredete, dachte er plötzlich an Maras Hand, die den Teebeutel am Tassenrand ausgedrückt hatte. Ohne Zierde. Ohne diese Businessgesten, die jeder in seinen Kreislauf einübte.

Einfach eine Hand, die wusste, dass Dinge sich nicht von allein klärten.

Was wollte sie von ihm? Keine Rettung, hatte sie gesagt. Eine Gelegenheit.

Und was wollte er von ihr?

Dass sie ihn ansah, ohne in den sicheren Kategorien zu landen. Nicht Ehemann. Nicht Prüfer. Nicht gepflegte Erschöpfung in Mantelform. Ein Mann, der noch Unruhe in sich hatte und nicht nur Routine. Anerkennung, ja. Aber nicht die aus Konferenzräumen. Keine saubere. Eher dieses seltene, gefährliche Nicken eines Menschen, der einen durchschaut und trotzdem bleibt.

Er schrieb „Substanz vor Form“ auf den Block. Es sah aus wie ein Vermerk für den Termin. Vielleicht war es einer.

Nach der Sitzung hielt ihn Sandra aus HR auf dem Flur an. Mittvierzigerin, schmale Kette, ein Parfum, das den Gang zu lange behielt. Klug. Freundlich. Diese Art Frau, die jedem das Gefühl gab, gesehen zu werden, ohne je etwas von sich preiszugeben, das nicht strategisch war.

„Kaffee?“, fragte sie.

Er sagte ja, obwohl er keinen wollte. In der Kaffeelounge stand das Licht zu hell auf den Maschinen.

Sandra lehnte an der Theke und musterte ihn mit einem beiläufigen Seitenblick, der alles registrierte.

„Du siehst aus, als hättest du schlecht geschlafen.“

„Kompliment oder Diagnose?“

„Beides.“ Sie lächelte. „Noch in Frankfurt heute Abend?“

„Wahrscheinlich.“

„Dann gönn dir wenigstens ein ordentliches Essen und nicht wieder Nüsse aus der Minibar.“

„Du überschätzt mein Hotelniveau.“

„Nie. Nur deine Neigung zum Verwahrlosen in gepflegten Räumen.“

Er lachte. Sie konnte das. Kleine Sätze mit warmer Präzision. Für einen Moment sah er, wie einfach es wäre, mit so jemandem zu flirten. Eine Hand am Ellbogen, eine halbe längere Pause, dieses erwachsene Spiel der Andeutung. Sandra war attraktiv, auf die unaufgeregte Weise, die Männern seines Alters gefährlicher wurde als alles Lautere. Sie roch nicht nach Risiko. Eher nach einer vernünftigen Sünde.
Genau deshalb ließ er es.

Anonym und diskret, dachte er. Keine Verwicklungen im eigenen Radius. Keine Namen, die am Montag noch im Kalender stehen. Er wollte Kontakt, aber ohne Geschichte. Anerkennung ohne Anspruch. Nähe, die sich geschniegelt wieder abstreifen ließ. Es klang erbärmlich, sobald man es sauber aussprach.

„Alles gut?“, fragte Sandra.

„Natürlich“, sagte er. Zu schnell.

Sie nickte, und in ihrem Nicken lag die höfliche Ungläubigkeit erfahrener Leute. „Sag Bescheid, falls du beim Abendessen Gesellschaft brauchst.“

„Danke.“

Er wusste schon, dass er nicht schreiben würde.
*****f_k Mann
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Mara saß um zehn vor zehn auf der Bettkante und hielt das Handy in beiden Händen. Der Raum war aufgeräumter, als er es verdiente. Sie hatte das Kleid vom Wäscheständer genommen, die Tassen gespült, die Bettdecke glattgezogen, als könnte Ordnung von außen in sie hineinwandern.

Auf dem kleinen Tisch am Fenster lag ein Block, auf dem sie ein paar Sätze notiert hatte, die geschniegelt und nicht zu geschniegelt klingen sollten.

Organisation. Kundenkontakt. Schnelle Auffassungsgabe. Belastbar.

Belastbar, dachte sie und verzog den Mund. Das Wort war immer die elegante Form von: Du darfst kaputtgehen, aber bitte leise.

Um Punkt zehn rief sie die Nummer an. Eine Frau meldete sich, Stimme dunkel, wach, ohne Überschwang.

„Winterberg.“

Mara stellte sich vor, nannte Levins Namen nicht zu früh, dann doch, als die Pause am anderen Ende länger wurde.

„Aha“, sagte die Frau. Nur das. Ein Aha, das prüfte.

Mara sah auf die Fensterscheibe. Ihr Spiegelbild stand blass darin, der Hof dahinter grau wie nasse Pappe.

„Er meinte, Sie suchen jemanden für Organisation und Kundenkontakt.“

„Ich suche jemanden, der Termine halten kann, mit Menschen reden kann und nicht zusammenfällt, wenn drei Dinge gleichzeitig brennen.“

„Dann kennen wir uns schon halb.“

Wieder diese kleine Pause.

Dann ein Atemzug, fast ein Schmunzeln darin. „Können Sie morgen um elf vorbeikommen?“
Mara drückte die Finger fester um das Handy. Nicht sofort freuen. Nicht gierig klingen. „Ja.“
Adresse, Uhrzeit, zweiter Stock, kein Fahrstuhl. Das Gespräch dauerte keine drei Minuten. Als es vorbei war, blieb Mara noch sitzen, das Handy am Ohr, obwohl die Leitung längst tot war.
Morgen um elf.

Etwas in ihr machte einen Satz wie ein Tier, das zu lange in einem engen Käfig gehockt hatte und nun gegen die Stäbe prallte, weil es die Bewegung verlernt hatte. Freude und Angst rochen oft gleich.
Sie dachte an Levin. Nicht zärtlich. Eher mit einer misstrauischen Restwärme. Hatte er das einfach getan? Ohne Hintergedanken? Oder war dies der höflichere Anfang einer Rechnung?

Altes Feuer neu entfachen, dachte sie und hasste die Sentimentalität des Bildes. Feuer war teuer. Feuer fraß Sauerstoff. Feuer machte Licht und hinterließ Geruch.

Und doch war er da, dieser Gedanke an den Bahnhof, sein Knie an ihrem, die halbe Bewegung seiner Hand vor der Tür. Ihr Körper war in manchen Dingen primitiver als ihr Stolz. Er erinnerte sich an Stimmen, an Atem, an die Nähe eines Mannes, der sich zurückhielt und gerade dadurch gefährlich wurde.
Was wünschte sie sich von ihm?

Dass er sie wieder begehrte, klar. Nicht nur, weil Begehren schmeichelte. Sondern weil es Macht zurückgab in einer Welt, die Frauen ab achtunddreißig langsam beibrachte, dankbar zu werden für jeden Blick. Sie spürte die biologische Uhr nicht wie eine Romanzuhr mit sanftem Ticken. Eher wie einen Metallstift irgendwo tief im Körper, der bei bestimmten Sätzen kalt wurde. Kinderwagen auf der Straße. Ein Baby im Supermarkt, das in einen Apfel biss. Die Frage einer Nachbarin: „Und du? Noch nichts in Planung?“ Als wäre Leben ein Küchenumbau.

Sie wollte nicht bloß begehrt werden. Sie wollte gewählt werden gegen Bequemlichkeit. Gegen Ehe, gegen Ordnung, gegen das geschniegelt Vernünftige.

Und sie brauchte Geld.

Das war die hässlichere Wahrheit, weil sie alles verschob. Kein altes Feuer ohne Kosten. Keine Nähe, die nicht irgendwann an den Kühlschrank, den Strom, die Miete stieß. Sie konnte sich keine große Romantik leisten. Schon gar keine, die so tat, als ließe sich Not vom Begehren trennen.

Ihr Handy vibrierte erneut. Diesmal Sibel.

Sibel redete schnell, immer ein wenig atemlos, als sei die Welt ein Treppenhaus, das sie im Laufschritt nahm. Früher Bar, jetzt Nagelstudio, zwei Kinder, ein Ex, der nur in Ausreden pünktlich war.

„Sag bitte, du hast heute Mittag Zeit“, sagte sie. „Ich brauch jemanden mit Rückenmark. Eine Kundin meint, ich hätte ihr die falsche Farbe aufgeschwatzt. Als wäre ich die Lack-Mafia.“

Mara lachte. „Ich habe später Zeit.“

„Später hilft mir die Frau nicht. Die sitzt seit neun da und tut, als hätte ich ihr einen Finger geklaut.“
„Dann komm ich.“

Im Nagelstudio roch es nach Aceton, Handcreme und dieser künstlichen Süße, die alles sauber und gleichzeitig giftig machte. Die Kundin war Anfang fünfzig, Pelzkragen, Lippen schmal vor Ärger. Neben ihr stand Sibel mit zusammengebissenen Zähnen und einem Lächeln, das jeden Moment reißen konnte.

Mara warf einen Blick auf die Hände der Frau. Perfekt lackiert. Das Problem war kein Nagel. Das Problem war, dass manche Leute am Vormittag ein Opfer brauchten, um sich lebendig zu fühlen.

„Wo drückt’s?“, fragte Mara und stellte die Tasche ab.

Die Frau drehte sich zu ihr. „Und Sie sind?“

„Die Stimme der Vernunft.“

Sibel hustete ein Lachen weg.

Die Frau setzte an. Falscher Ton, unprofessionell, sie habe etwas ganz anderes gewollt, in diesem Laden sei offenbar—

Mara ließ sie reden. Nicht aus Demut. Aus Kenntnis. Menschen verrieten ihre eigentliche Kränkung oft erst im dritten Satz.

„Sie wollten etwas Elegantes“, sagte Mara schließlich. „Bekommen haben Sie etwas Sichtbares. Das ist nicht dasselbe, ich weiß.“

Die Frau blinzelte.

Mara beugte sich leicht vor, gerade genug, dass Wärme statt Kampf entstand. „Wir machen Folgendes. Sibel nimmt den Ton runter, Sie kriegen einen Kaffee, und am Ende gehen Sie hier mit Händen raus, die wirken, als hätten Sie absichtlich entschieden und nicht versehentlich bekommen.“

Die Frau sah sie an. Dann auf ihre Nägel. Dann auf Sibel.

„Na schön“, sagte sie.

Nach zwanzig Minuten war Frieden hergestellt, geschniegelt mit Kaffee und Komplimenten. Als die Kundin gegangen war, sank Sibel auf den Hocker und presste die Handflächen in die Augen.

„Du solltest eigentlich meine Rechnungen schreiben oder meine Kundinnen erschießen.“

„Reihenfolge?“

„Erst Rechnungen. Dann vielleicht erschießen.“

Sibel nahm zwei Coladosen aus dem kleinen Kühlschrank hinten. Sie tranken im Lager, zwischen Kartons und Einwegfeilen.

„Und?“, fragte Sibel. „Was ist neu? Du guckst, als hättest du entweder guten Sex gehabt oder einen Termin.“

„Fast noch besser“, sagte Mara. „Vielleicht Arbeit.“

Sibel riss die Augen auf. „Echt?“

Mara nickte und erzählte es knapp. Nicht die ganze Bahnhofsgeschichte. Nur genug. Mann von früher. Kontakt. Gespräch morgen.

Sibel sah sie lange an. „Und der Mann will was?“

„Anerkennung mit Hotelstandard“, sagte Mara.

„Also wie alle.“

„Nein. Etwas trauriger geschniegelt.“

Sibel snortete. „Pass auf. Diese Männer werfen dir zuerst Seile zu und wundern sich später, wenn du dich daran festhältst.“
It´s me!
*********ld63 Frau
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Zitat von *****f_k:
Mara beugte sich leicht vor, gerade genug, dass Wärme statt Kampf entstand. „Wir machen Folgendes. Sibel nimmt den Ton runter, Sie kriegen einen Kaffee, und am Ende gehen Sie hier mit Händen raus, die wirken, als hätten Sie absichtlich entschieden und nicht versehentlich bekommen.“

@*****f_k, ich mag deine Sprache - elegant und auf den Punkt!! *top* Sehr schön zu lesen! *bravo*
*****f_k Mann
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Mara drehte die Coladose in der Hand. Das Alu wurde schnell warm. „Ich weiß.“

„Willst du ihn?“

Eine direkte Frage von einer Freundin konnte schlimmer schneiden als jede Provokation eines Mannes.
Mara zuckte die Schulter. „Ich will vieles. Das ist ja das Problem.“

Sibel nickte, ohne zu lächeln. „Dann sortier’s. Erst Geld. Dann Gefühle. Sonst zahlt am Ende wieder nur eine.“

Levin aß mittags mit einem Mandanten in einem Restaurant, dessen Servietten dicker waren als manche Handtücher in Maras Wohnung. Der Mandant sprach über Expansion, Unsicherheiten, Familienwerte, Rendite. Ein Mann mit einem Gesicht, das so geschniegelt war, dass selbst sein Appetit kalkuliert wirkte.

Levin stellte die richtigen Fragen. Er nickte an den richtigen Stellen. Er ließ das Gespräch so wirken, als stünde nicht schon vorher fest, welche Zahlen am Ende in welche Geschichte gegossen würden.

Am Nebentisch saß eine junge Frau allein mit Laptop und Salat, vielleicht Mitte dreißig, schwarzer Rollkragen, glänzende Uhr, weiche Haare im Nacken zusammengesteckt. Einmal hob sie den Blick und lächelte kurz, weil ihre Wasserflasche fast vom Tisch fiel und Levin sie auffing, bevor sie kippte.

„Danke“, sagte sie.

„Gern.“

Ihre Stimme blieb ihm einen Moment im Ohr. Nicht besonders. Nur offen genug, dass ein anderer Mann daraus eine Einladung gebaut hätte. Vielleicht hätte er das sogar früher getan. Ein paar Sätze, eine Karte, ein Drink. Diskret. Erwachsen. Ohne Pathos.

Er tat nichts.

Anonym und diskret hieß in Wahrheit oft: bloß keine Spiegel. Keine Menschen, die etwas über einen wissen, das am nächsten Morgen nicht wieder verschwindet. Aber es hieß auch: keine Müdigkeit, die nach einem roch. Keine Geschichte, die einem das eigene Muster zurückwarf. Vielleicht deshalb dachte er schon wieder an Mara. Weil sie das Gegenteil davon war. Nicht anonym. Nicht diskret in dem inneren Sinn, den er meinte. Sie sah zu genau hin. Sie machte schmutzig, was geschniegelt bleiben wollte.

Am Nachmittag fuhr er im Taxi zu einem weiteren Termin. Frankfurt lief an den Scheiben vorbei: Glasfassaden, Kioske, Baustellen, ein Mann mit Schlafsack am Eingang einer Bank, eine Frau in cremefarbenem Mantel, die im Gehen rote Lippen nachzog. Das Telefon vibrierte.

Clara.

Er sah den Namen, ließ es zweimal klingeln, nahm dann an.

„Bist du heute Abend da?“, fragte seine Frau.

Ihre Stimme war ruhig, nicht kalt. Gerade diese ruhige Oberfläche machte alles schwerer. Sie war keine Frau der Szenen. Sie war eine Frau der Register, und wenn sie etwas einsortiert hatte, blieb es dort.

„Spät“, sagte er. „Es zieht sich.“

„Natürlich.“ Eine Pause. „Morgen Abend kommen Jonas und Rebekka. Nicht vergessen.“

„Hab ich im Kalender.“

„Gut.“

Noch eine Pause. Man hörte, wie sie zu Hause etwas öffnete, wahrscheinlich den Kühlschrank, vielleicht eine Schublade. Vertraute Geräusche, die ihm plötzlich fremd vorkamen, weil sie nicht an ihm hingen.

„Levin?“

„Ja?“

„Alles in Ordnung?“

Die Frage war präzise. Nicht fürsorglich geschniegelt. Eher wie ein Finger auf einen losen Faden.

„Ja.“

„Du klingst müde.“

„Langer Tag.“

„Mhm.“

Nichts an ihrem Ton war laut. Und doch hörte er alles darin: die Gewohnheit, ihn nicht zu bedrängen; die Klugheit, mit der sie Lücken stehenließ; den stillen Ärger darüber, dass sie überhaupt so klug geworden war.

„Dann bis später“, sagte sie.

„Bis später.“

Das Taxi hielt an einer Ampel. Ein junger Vater auf dem Bürgersteig hob seine Tochter hoch, damit sie in eine Baugrube sehen konnte. Das Kind klatschte in die Hände, als hätte es ein Wunder entdeckt statt Schotter und gelbes Gerät. Levin sah weg.

Was wollte Mara von ihm, wenn sie sich ehrlich machte? Geld zum Leben, sicher. Eine Gelegenheit.

Vielleicht auch den Beweis, dass sie noch Brand erzeugen konnte in einem Mann, der gelernt hatte, mit teuren Stoffen zu ersticken. Und darunter womöglich etwas Gefährlicheres: gewählt werden. Nicht gekauft. Nicht gebucht. Gewählt.

Und was wünschte er sich von ihr, wenn er sich selbst die Scham ersparte?

Nicht nur Ablenkung. Anerkennung, ja, aber auf eine fast kindische Weise. Dass sie ihn ansah und dachte: Da ist noch etwas. Nicht bloß ein müder Ehemann auf Abwegen. Sondern ein Mann, für den man noch den Puls verstellt.

Er wollte anonym und diskret, sagte er sich. Keine Namen, keine Spuren. Doch ausgerechnet bei Mara wollte er, dass etwas blieb. Ein Satz, ein Blick, eine Beunruhigung. Anonymität war für die anderen. Für den schnellen, sauberen Gebrauch. Für sie wollte er Wiedererkennbarkeit ohne Urteil. Ein unmöglicher Wunsch. Gerade deshalb klebte er an ihm.

Am frühen Abend rief Ronny wieder bei Mara an. Sie ignorierte es. Danach schrieb er: Letzte Chance. Typ zahlt mehr.

Sie sah die Nachricht in der Straßenbahn, auf dem Weg zurück von Sibel. Draußen glitten Supermärkte, Waschsalons, Dönerbuden vorbei. Menschen mit Tüten. Kinder mit Schultaschen. Ein Paar, das sich vor einem Asia-Imbiss stritt, ohne leiser zu werden. All der Alltag der anderen, unerquicklich stabil.

Mara tippte nicht sofort. Dann schrieb sie: Heute nicht.

Fast im selben Moment kam zurück: Wegen dem Banker?

Sie starrte auf das Display. Ronny war wie Schimmel; wo Wärme und Gerede waren, kroch er schon in die Ritzen.

Pass auf, dass du aus Hoffnung keinen Tarif machst, schrieb er.

Sie löschte die Nachricht nicht. Sie ließ sie stehen wie etwas Hässliches, das nicht hübscher wurde, wenn man es versteckte.

Zu Hause kochte sie Nudeln mit Tomatensoße aus dem Glas und aß direkt aus dem Topf. Der Fernseher lief ohne Ton. In einer Dating-App blinkten zwei neue Nachrichten auf. Ein Mann mit Segelbild, der „das Echte“ suchte. Ein anderer, der „unkomplizierte Treffen“ mochte und auf jedem Foto so geschniegelt aussah, als hätte seine Ex-Frau die Profile noch kuratiert. Mara schob die Nachrichten weg.

Dann nahm sie das Handy wieder in die Hand und öffnete den Chat mit Levin. Leer. Nur seine Nummer. Kein Verlauf, der half.

Sie tippte: Die Frau hat einen Termin frei gemacht. Danke.

Sie las den Satz fünfmal. Zu knapp? Zu dankbar? Zu kalt? Sie schickte ihn trotzdem.

Die Antwort kam erst neun Minuten später.

Gern. Viel Erfolg morgen.

Mehr nicht.

Mara legte das Handy weg und lachte einmal trocken in die Küche hinein. Natürlich. Männer wie er machten selbst Dank wie eine saubere Verwaltungsnotiz.

Und doch starrte sie noch eine Weile auf die zwei Nachrichten, als könnte aus der Lücke dazwischen etwas herauswachsen.
********3113 Frau
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Fesselnd!
In Vorfreude auf mehr!
*****f_k Mann
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Später, im Bett, zog sie die Decke bis ans Kinn. Im Nachbarhaus schloss jemand ein Fenster. Eine Sirene lief weit entfernt durch die Stadt. Mara lag auf dem Rücken und legte die Hand flach auf den Unterbauch, ohne es bewusst zu wollen.

Achtunddreißig.

Nicht alt. Nicht jung. Ein Alter, in dem einem die Leute gern versicherten, es sei noch alles offen, solange man sportlich genug und geistig frisch und entspannt und nicht zu wählerisch sei. Als müsste man nur nett genug mit der Zeit verhandeln.

Sie dachte an Eizellen, an Monate, an die Art, wie selbst Ärzte manchmal geschniegelt logen, wenn sie Hoffnung nicht als Geschäft, sondern als Höflichkeit verkauften.

Wollte sie ein Kind? Oder nur das Recht, die Entscheidung nicht längst versäumt zu haben?

Sie dachte an Levin. An seine schmale Müdigkeit, an den hellen Ringabdruck, an die halbe Bewegung seiner Hand. Er wäre kein Mann für Rettung. Nicht für Familie. Nicht für irgendeine warme, verlässliche Uferfantasie. Eher einer, der Begehren und Schuld in derselben Ledermappe trug und beides ordentlich voneinander trennen wollte, bis es nicht mehr ging.

Und trotzdem: Mit ihm hatte die Luft im Bahnhof einen anderen Druck gehabt.

Vielleicht war das schon alles. Vielleicht reichte genau das, um gefährlich zu werden.

Levin saß derweil im Hotelzimmer, die Krawatte gelockert, der Fernseher stumm. Auf dem Schreibtisch standen Wasserflasche, Laptop, eine Schale mit grünen Äpfeln, geschniegelt wie Dekoobst. Aus dem Bad kam der Geruch von Handseife und zu heißem Licht. Er hatte die Schuhe ausgezogen, aber noch immer den Mantel nicht ganz abgelegt, als sei er nur kurz zu Gast im eigenen Abend.

Als Maras Nachricht kam, las er sie sofort und legte das Handy wieder hin, ohne zu antworten. Er ging ans Fenster. Unten blinkte Verkehr. Frankfurt aus dem sechsten Stock: Glas, Bewegung, keine Geschichten, die man hören musste.

Er dachte an mögliche Antworten. Freut mich. Zu jovial. Sag Bescheid, wie es lief. Zu nah. Gern. Zu wenig.

Am Ende schrieb er genau das Wenige. Viel Erfolg morgen.

Danach ärgerte er sich über seine eigene Feigheit. Nicht weil er ihr nicht mehr geschrieben hatte.
Sondern weil er genau spürte, dass er mehr wollte als diese sterile Höflichkeit und zugleich alles dafür tat, in ihr zu bleiben. Diskret, dachte er. Diskret war oft nur ein anderes Wort für kastrierte Sehnsucht.
Sein Handy leuchtete erneut. Nicht Mara. Eine unbekannte Nummer, weitergeleitet über einen dieser Dienste, die Kontakte diskret vermittelten. Jemand, dessen Profil er irgendwann nachts zwischen zwei Hotelaufenthalten geöffnet hatte. Nur ein Vorname. Keine Fotos. Die Art von Arrangement, die ihm passend erschienen war: anonym, sauber, kein Nachhall.

Heute in Ffm? 22 Uhr möglich.

Er starrte auf die Nachricht. Genau das, was er doch wollte. Keine Geschichte. Kein Urteil. Kein Morgen.
Sein Daumen schwebte über der Tastatur.

Dann legte er das Handy weg, als hätte es ihn angefasst.

Im Spiegel gegenüber sah er sich im Halbdunkel des Zimmers: Hemd aufgeknöpft, Schultern müde, das Gesicht eines Mannes, der gelernt hatte, seine Wünsche so lange zu formulieren, bis sie wie vernünftige Entscheidungen aussahen. Er dachte an Maras Satz: Heute will ich sehen, ob du auch etwas kannst, das dich morgen noch kostet.

Er setzte sich aufs Bett. Die Matratze gab geschniegelt nach.

Was hätte er von Mara gewollt, wenn alle Kosten ausfielen? Ein Zimmer, in dem er sich nicht erklären musste. Ihren Blick, der ihn traf und nicht schonte. Ihren Spott, solange er darin nicht verschwand. Vielleicht sogar ihre Gier nach einem besseren Leben, weil darin etwas Unverschämtes lebte, das ihn an seine eigene verlorene Unverschämtheit erinnerte.

Was würde er ihr geben wollen? Geld, sicher, aber nicht als hingeworfene Scheine. Gelegenheit, ja. Und dann? Wieder Feuer? Eine Affäre mit Bankrand und Bahnhofsgeruch? Etwas Diskretes, das nicht anonym wäre?
Schon der Gedanke war ein Widerspruch. Er wollte sie, solange sie seine Ordnung nicht sprengte, und er wusste genau, dass gerade das an ihr unzuverlässig war. Sie war keine Frau für weiche Grenzen. Sie würde irgendwann fragen: Und jetzt? Sie würde nie still in eine Lücke passen, die ein verheirateter Mann für sie freihielt.

Er nahm das Handy noch einmal und schrieb der unbekannten Nummer: Heute nicht.

Danach löschte er den Chat. Die Leere, die blieb, war unbequem ehrlich.

Spät in der Nacht lagen beide wach, in unterschiedlichen Betten, unter unterschiedlichen Decken, mit dem gleichen kleinen harten Rest von Bahnhofslicht irgendwo hinter den Augen.

Mara stellte sich vor, wie Levin abends das Hemd aufknöpfte, allein in einem guten Zimmer, vielleicht ein Drink, vielleicht keiner, vielleicht dieses kurze Innehalten vor dem Spiegel, in dem Männer sich prüfen, ob sie noch wirken. Sie stellte sich vor, wie sie zu ihm ginge, nicht für Geld, nicht ganz, und wie die Luft zwischen ihnen sofort wieder diesen Druck bekäme. Sie stellte sich auch vor, wie sie am Morgen danach in ihre Küche käme und alles wäre noch genauso teuer wie zuvor.

Levin stellte sich vor, wie Mara in ihrer Wohnung die Jacke auszieht, vielleicht barfuß über kalten Boden geht, vielleicht einen Topf aufsetzt, vielleicht im Dunkeln sitzt, weil sie das manchmal mochte oder Strom sparen musste oder beides. Er stellte sich vor, wie sie ihn liest, Satz für Satz, Gestik für Gestik, und fragte sich mit einer Mischung aus Eitelkeit und Furcht, ob er in ihr noch brannte oder nur noch als brauchbare Gelegenheit leuchtete.

Auf jeden Fall hatte sie noch diesen süßen, knackigen Po, das hatte er, bei ihrem Treffen, wohlwollend bemerkt.

Keiner von beiden schlief früh ein.

Draußen lief die Stadt weiter, geschniegelt an manchen Ecken, verwahrlost an anderen, und überall mit Menschen gefüllt, die ihre Wünsche so lange ordneten, bis sie aussahen wie Termine.

Am Morgen würde Mara zu einem Vorstellungsgespräch gehen.

Am Morgen würde Levin in einem Konferenzraum sitzen und so tun, als seien Zahlen das Einzige, was geprüft werden müsse.

Und unter beidem glomm etwas weiter, klein, teuer, verheißungsvoll lebendig.

Kapitel 3

Ronny schrieb um kurz nach elf. Keine Anrede, kein Schaum oben drauf.

Kunde von letzter Woche. Fragt ausdrücklich nach dir. 500. Heute Nacht. Hotel nah Messe. Diskret.
Mara stand im Treppenhaus der kleinen Beratung in Sachsenhausen, die Hand schon am Geländer, als das Handy vibrierte. Über ihr roch es nach Staub, Druckerpapier und altem Kaffee.

Die Frau Winterberg hatte sie gerade verabschiedet mit einem Blick, der nichts versprach und gerade deshalb brauchbarer wirkte als jeder überschwängliche Händedruck. „Wir melden uns Ende nächster Woche“, hatte sie gesagt. Der Satz war weder kalt noch warm. Er war eine Tür auf Kette.

500.

Die Zahl stand sauber auf dem Display, geschniegelt in ihrer Nacktheit. Nicht viel und plötzlich alles. Miete. Strom. Die kleine offene Rechnung bei Sibel, die nie drängte und gerade dadurch drängte. Der Kühlschrank, der seit Monaten wie eine Drohung summte. Vielleicht ein Arzttermin, den sie immer wieder verschob, weil er Geld kostete und Antworten liefern konnte, vor denen sie Angst hatte.

Sie blieb zwischen dem ersten und zweiten Stock stehen und las die Nachricht noch einmal. Unten schlug eine Tür. Jemand lachte auf dem Bürgersteig. Tief unter ihrem Bauch zog etwas hart zusammen, kein moralischer Reflex, eher die altbekannte Körperrechnung, prüfend, wie ihre Stimmung ist, presste sie ihre Schenkel zusammen: Kannst du das heute tragen, magst du begehren. Kannst du dich hinterher wieder einsammeln. Was kostet es, wenn du nein sagst.

Und unter allem, unermüdlich lebendig, Levin.

Nicht als Rettung. Eher als Störung in der alten Mechanik. Seit dem Bahnhof ließ sich nichts mehr ganz so glatt in Fächer sortieren. Geld hier. Körper da. Möglichkeit dort. Er hatte einen schmalen Riss hineingezogen, und durch diesen Riss kam nun zu viel Luft.

Sie stieg langsam hinunter, trat auf die Straße, zog die Jacke enger und ging nicht sofort zur Bahn. Der Main lag grau hinter den Häusern. Ein paar Möwen hingen schief im Wind. Die Stadt tat, was sie immer tat: geschniegelt weiterlaufen und an den Ecken so tun, als ginge sie keiner was an.

Sie rief Sibel an. „Na?“, sagte Sibel sofort. „Sag nicht, die Winterberg hat dich schon adoptiert.“

„Sie meldet sich Ende nächster Woche.“

„Das ist nicht schlecht.“

Mara sah auf die nassen Pflastersteine. „Ronny hat geschrieben. Fünfhundert.“
*****f_k Mann
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Es gibt eine kurze Pause, um 14:00 Uhr startet mein Flieger. Bin Dienstag oder Mittwoch nächster Woche wieder zurück, bis dahin alles Gute für euch. LG
*******d18 Frau
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Diese unentschlossene Zerrissenheit. Bei beiden.
Und dann verstecken sie sich hinter „escortähnlichen Bagatellen“.
*****f_k Mann
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Am anderen Ende wurde es still. Dann ein langes Ausatmen.

„Und?“

„Und ich könnte heulen oder lachen, ich weiß nicht mal, was davon erbärmlicher wäre.“

„Nicht erbärmlich. Nur teuer.“ Sibel schwieg kurz. „Willst du hin?“

Mara lehnte sich an eine Hauswand, kalt durch den Stoff. „Ich will das Geld. Ich will nicht hin. Ich will, dass ein Mensch mir mal etwas gibt, ohne dass ich danach duschen muss wie nach einem falschen Traum. Ich will in drei Richtungen gleichzeitig und habe für keine genug Zeit.“

„Mhm.“

„Sag was Kluges.“

„Klug ist heute knapp.“ Sibel räusperte sich. „Wenn du gehst, dann geh nicht aus Panik. Geh nur, wenn du den Preis innen tragen kannst. Sonst frisst er dich billiger auf als jeder Kunde.“

Mara schloss die Augen. Der Satz saß.

„Und der Banker?“

„Der Banker“, sagte Mara, und schon ärgerte sie sich über die Weichheit in ihrer Stimme, „macht die Sache nicht einfacher.“

Sibel lachte ohne Freude. „Natürlich nicht. Männer werden immer dann romantisch gefährlich, wenn man die Miete nicht zahlen kann.“

Levin saß zur selben Zeit in einem Taxi auf dem Weg zurück ins Büro und starrte auf die Mailflut, die sich über sein Handy schob, ohne gelesen zu werden. Eine Nachricht von Clara wegen des Abendessens am Freitag. Zwei Rückfragen vom Team. Ein Vermerk zum Quartalsbericht. Alles geschniegelt, alles dringlich genug, um das Denken in enge Korridore zu treiben.

Und darunter, längst älter als dieser Tag, die Unruhe.

Er hatte schlecht geschlafen. Im Hotelbett war ihm jede saubere Falte der Bettwäsche vorgekommen wie ein Vorwurf. Heute früh hatte er sich vorgenommen, die Sache mit Mara in den Bereich des Anständigen zurückzuschieben: Kontakt hergestellt, Gespräch ermöglicht, Ende der Verantwortung. So vernünftig, dass er sich schon beim Zähneputzen dafür hasste.

Auf dem Display erschien eine neue Nachricht. Nicht unbekannte Nummer diesmal. Ein alter Kontakt aus jener diskreten Zone seines Lebens, in der Namen nie lang genug blieben, um peinlich zu werden.
Heute Abend in Ffm? Habe jemanden, ruhig, diskret, verlässlich. Kein Theater.

Kein Theater. Genau die Formulierung, die Männer wie er sich zurechtlegten, wenn sie sich nach Nähe sehnten, aber bitte ohne Störung im System. Verlässlich. Diskret. Jemand, der kam, blieb, ging und keine Frage mitnahm in den nächsten Morgen.

Er las die Nachricht ein zweites Mal und dachte an Mara, die im Treppenhaus vielleicht gerade auf eine Bahn wartete, vielleicht am Fluss stand, vielleicht schon wieder mit irgendeiner gnadenlosen kleinen Summe rang. Verlässlich, dachte er. Was für ein Wort. Es roch nach Buchhaltung und heimlicher Gier.
Er antwortete nicht. Er steckte das Handy weg. Es vibrierte wenig später wieder.

Soll ich verbindlich zusagen?

Er schloss für einen Moment die Augen. Die Grenzen, die er sich immer gesetzt hatte, waren nie moralisch besonders hoch gewesen; sie waren bloß praktisch. Kein Chaos im eigenen Radius. Keine Frauen, die etwas über ihn wussten, das tiefer ging als Uhrzeit und Zimmernummer. Kein Risiko, das über den Körper hinaus in den Kalender griff.

Und Mara war genau das Gegenteil davon.

Er hätte Abstand halten müssen. Gerade deshalb dachte er schon darüber nach, wie Nähe mit ihr aussehen könnte, ohne alles zu ruinieren. Als ließe sich eine Störung vertraglich glätten.

Am Mittag saß Mara in einem Café an der Konstablerwache, vor sich einen Cappuccino, den sie sich eigentlich nicht leisten wollte, und eine Serviette, auf die sie Zahlen schrieb. Miete. Strom. Handy. Offene Rechnung. Lebensmittel. Fahrkarten. Alles klein genug, um lächerlich auszusehen, und in der Summe schwer wie Blei.

500.

Einmal, zweimal im Monat, ein kurzer Fick und sie hätte Luft. Nicht Freiheit. Nur Luft. Dazu womöglich der Job, falls Winterberg anrief. Dann wäre da plötzlich ein schmaler Steg aus dem Morast.

Dann Levin.

Sie stellte sich vor, wie er eine Affäre suchte. Nicht bloß Sex, dazu war er zu geschniegelt in seiner Sehnsucht. Er wollte Ritual. Verlässlichkeit. Die gleiche Frau, die gleiche diskrete Tür, die gleiche Erleichterung, nicht jedes Mal wieder jemandem etwas vorspielen zu müssen. Anerkennung, warm serviert, bitte ohne Anspruch. Ein Ort, an dem er seine gepflegte Erschöpfung ablegen konnte, ohne gleich sein Leben umbauen zu müssen.

Und was wollte sie von ihm?

Geld war das Ehrlichste. Nicht als Schein auf dem Nachttisch. Das wäre zu billig und zu nah an Dingen, die sie kannte und verachtete. Eher: Hilfe, Wohnungsluft, Übergang, Möglichkeiten. Und darüber, unerquicklich genug, das alte Feuer, eine Sehnsucht die sie nicht mehr kleinreden konnte. Sie wollte, dass er wieder aus der Ordnung kippt, ihretwegen. Sie wollte gewählt werden gegen seine Vernunft. Und sie wollte sich dabei nicht verlieren. Ein hässlicher Wunsch, weil er immer schon zwei Rechnungen zugleich mitbrachte.

Sie nahm das Handy, öffnete Ronny, las die 500 und schrieb nicht.

Stattdessen öffnete sie den Chat mit Levin. Das leere Feld unten sah aus wie eine Klippe.

Sie tippte: Hast du heute Abend Zeit für ein Gespräch? Nicht romantisch. Real.

Sie sah den Satz an und hätte beinahe gelacht. Nicht romantisch. Als könnte man Begehren durch Satzzeichen entwaffnen. Dann schickte sie ihn.

Levin war gerade dabei, einem Kollegen in einer Glaskabine die Schwächen einer Präsentation zu erklären, als das Handy in seiner Tasche vibrierte. Er unterbrach sich nicht. Erst als der Kollege weg war, zog er das Gerät heraus. Als er ihren Namen sah, ging ihm etwas durch den Körper, das nichts mit Vernunft zu tun hatte.

Er las. Einmal. Zweimal. Nicht romantisch. Real.

Natürlich gerade deshalb.

Er tippte sofort zurück: Ja. Heute 19 Uhr? Wieder Bahnhof, oder lieber woanders?

Mara antwortete nach zwei Minuten: Woanders. Zu viel Restwärme dort.

Er las das Wort und musste gegen seinen Willen lächeln.

Mainufer, Höhe Eisernen Steg? schrieb er.

Gut.

Der Nachmittag wurde beiden länger als nötig.

Mara ging nach Hause, zog die Schuhe aus, setzte sich auf die Bettkante und hielt das Handy in der Hand, als könne sie sich daran festhalten. Ronny schrieb erneut.

Brauche Antwort bis 17 Uhr.

Sie legte das Handy weg und ging ins Bad. Das Licht dort war hart und unerquicklich treu. Sie sah sich an: die Schatten unter den Augen, die feinen Linien um den Mund, die Haut, die immer noch schön war, aber nicht mehr die Sorglosigkeit von dreißig hatte. Achtunddreißig. Kein Untergang. Aber auch kein unendliches Vorratslager an später.

Biologische Uhr, dachte sie und hasste den Ausdruck. Als säße in ihr ein bürgerlicher Wecker mit pädagogischem Ton. In Wahrheit war es unordentlicher. Eine Folge aus Blicken auf Kinderwagen, aus Arztpraxen, aus diesem Körperwissen, das an manchen Tagen wie ein fernes metallisches Ticken da war und an anderen ganz ausblieb. Nicht einmal der Wunsch nach einem Kind kam sauber. Er kam in Schüben, vermischt mit Trotz, Sehnsucht, Angst vor Armut, Angst vor Bindung, Angst vor Leere.
Und nun ein verheirateter Mann mit hungrigem Blick und guten Hemden. Sie lachte leise auf. Lächerlich. Alles lächerlich, wenn man es nüchtern ausspricht.

Um Viertel vor fünf schrieb sie Ronny: Nein. Heute nicht.

Die Antwort kam sofort. Du spinnst. Der Typ will nur dich. Nur dich. Ein Satz, der gleichzeitig schmeichelte und verdarb. Sie löschte den Chat nicht. Sie ließ ihn offen wie eine offene Rechnung.
*******d18 Frau
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Verdammt! Dieser Eiertanz ist so gut zu verstehen …
*****f_k Mann
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Themenersteller 
Levin sagte am späten Nachmittag einen Drink mit einem Mandanten ab, offiziell wegen eines internen Calls.
In Wahrheit saß er zehn Minuten lang im Büro, ohne den Rechner zu berühren, und spürte sich selbst beim Überschreiten einer Schwelle zu. Nicht groß. Nicht dramatisch. Genau darin lag die Gefahr. Er log nicht für einen Seitensprung im üblichen Sinn. Er schuf einen Raum, in dem etwas anderes möglich werden konnte. Etwas weniger anonym, weniger sauber. Mehr Risiko.

Auf dem Weg zum Main ging er zu Fuß. Frankfurt war klar geworden, der Regen weg, die Luft kalt und dünn. Menschen drängten über Ampeln, telefonierten, zogen Rollkoffer, hielten Papiertüten in der Armbeuge. Am Fluss glitt das Abendlicht über das Wasser, stumpf silbern, als hätte jemand mit einem Messer über Blech gefahren.

Mara stand schon dort, am Geländer, die Hände in den Jackentaschen. Kein großes Hallo. Nur dieses kurze Aufeinandertreffen der Blicke, in dem beide sofort sahen, dass der andere den Tag nicht unbeschadet getragen hatte.

„Du siehst aus, als hättest du nicht Mittag gegessen“, sagte Levin.

„Du siehst aus, als hättest du den ganzen Tag vernünftig gelogen.“

Er trat neben sie. Unter ihnen floss der Main breit und gleichgültig. Ein Ausflugsschiff schob sich langsam flussaufwärts, geschniegelt beleuchtet, mit Menschen an den Fenstern, die aussahen, als hätte das Leben Sitzpläne für sie.

„Also“, sagte er. „Real.“

Mara nickte, sah weiter auf das Wasser. „Ronny hat mir heute fünfhundert für heute Nacht angeboten.“

Levin drehte den Kopf zu ihr. Nicht ruckartig. Aber schnell genug, dass sie den Schock sah und sich sofort dagegen wappnete.

„Verstehe“, sagte er.

„Nein. Noch nicht.“

„Dann erklär’s mir.“

Sie zog eine Hand aus der Tasche und zeigte ihm das Display. Die Nachricht. Die Zahl. Dann steckte sie das Handy wieder weg.

„Ich habe nein gesagt. Bisher.“ Sie betonte das letzte Wort kaum, und gerade deshalb stand es schwer zwischen ihnen. „Ich habe nächste Woche vielleicht einen Job in Aussicht, oder eine Absage, wer weiß das schon. Ich habe Rechnungen. Ich habe keine Reserve. Ich habe einen Körper, der auf dem Papier noch Zeit hat und in meinem Kopf manchmal klingt wie ein auslaufender Vertrag. Und ich habe dich, was die Rechnung nicht einfacher macht.“

Er schwieg. Das Wasser unten schlug dunkel gegen die Kaimauer.

„Mich?“

„Ja, dich.“ Jetzt sah sie ihn an. „Weil du so tust, als wärst du nur eine elegante Komplikation. Bist du nicht. Du bist ein Faktor. Ich will dich. Ich traue dir nicht. Ich könnte dich gebrauchen. Ich will dich nicht gebrauchen. Ich will nicht so tun, als wären das vier verschiedene Dinge.“

Levin atmete aus. Ein feiner weißer Hauch in der Kälte.

„Gut“, sagte er. „Dann sage ich es auch real. Ich suche nicht irgendeinen Kontakt. Nicht mehr. Ich habe Angebote, anonyme, diskrete, verlässliche. Alles geschniegelt und leer. Ich will eine Affäre, ja. Aber nicht mit jemandem, der nichts von mir weiß. Ich will Wiederholung. Vertrauen. Verschwiegenheit. Und ich will das Risiko nicht, das genau daraus entsteht.“

Mara lächelte schmal, ohne Freude. „Du willst das Feuer und einen Feuerlöscher daneben.“

„Ja.“

„Ehrlich immerhin.“

„Und du?“

„Ich will keine Almosen.“ Sie sprach langsam, als würde sie jeden Satz auf Tragfähigkeit prüfen. „Ich will auch nicht wieder in irgendeine halbe Romantik kippen, an deren Ende ich mit offenen Rechnungen und roten Augen in meiner Küche stehe. Wenn es zwischen uns etwas gibt, dann muss es mir das Leben nicht enger machen.“

Er nickte kaum merklich. „Also Geld.“

Sie hob das Kinn. „Also Realität.“

Er sah weg, zum Fluss, zu den Lichtern auf der anderen Seite. In seinem Gesicht arbeitete es. Nicht Abwehr, eher Scham vor der Offensichtlichkeit eines Problems, das er bisher elegant genug umkreist hatte.

„Ich könnte dir Geld geben“, sagte er.

„Nein.“ Sofort. Hart. „Nicht so.“

„Warum nicht?“

„Weil ich dann in meinem eigenen Kopf in einer alten Schublade lande, und aus der komme ich schwer wieder raus.“

„Was dann?“

Sie legte die Unterarme aufs Geländer. Das Metall war kalt. Es tat gut, etwas Eindeutiges zu spüren.
„Ein Kompromiss“, sagte sie. „Falls es überhaupt einen gibt.“

Er wartete.

„Wenn der Job klappt, brauche ich Übergang. Vielleicht zwei, drei Monate, in denen ich nicht beim ersten Engpass zu Ronny zurückrenne. Wenn der Job nicht klappt, brauche ich erst recht einen Plan.
Du suchst Verlässlichkeit und Diskretion, ich brauche Luft und keine Lügenromantik.“ Sie drehte den Kopf zu ihm. „Kein Bezahlen pro Abend. Kein Mist mit Umschlägen. Kein Schauspiel. Aber wenn wir uns sehen, dann nicht, als würdest du dir aus meinem Leben nur den warmen Teil herausbrechen.“

Seine Stirn zog sich leicht zusammen. „Konkret.“

„Konkret“, sagte sie. „Du hilfst mir real aus der Klemme. Wohnungskaution, falls ich umziehen muss. Oder ein fixer Betrag als Darlehen, schriftlich, mit Rückzahlung, damit ich nicht in deinem Schatten hocke wie eine gekaufte Schuldnerin. Du hilfst mir bei diesem Job, soweit es sauber geht. Und wenn wir uns sehen, dann mit Regeln.“

„Welche Regeln?“

„Keine nächtlichen Panikanrufe, wenn dir dein Eheleben gerade zu geschniegelt vorkommt. Keine falschen Versprechen. Kein Reden von Zukunft, solange du nach Hause zu deiner Frau fährst. Und du verschwindest nicht kommentarlos, wenn es schwierig wird.“

Der Wind fuhr ihnen durch die Jacken. Levin legte die Hände auf das Geländer, ein paar Zentimeter von ihren entfernt.

„Und deine Regeln für dich?“

Sie lachte einmal, klein. „Ich tue nicht so, als wärst du eine Lösung. Ich halte mir einen Kopf frei für mein eigenes Leben. Und ich verkaufe dir nichts, was ich nicht geben will.“

Sie standen einen Moment still. Hinter ihnen klirrten Gläser aus einer Uferbar. Ein Fahrrad fuhr vorbei, der Fahrer fluchte über Fußgänger. Das normale Geräusch der Stadt, gleichgültig gegen alles, was zwei Menschen sich gerade zumuteten.

Levin sagte: „Das klingt wie ein Vertrag über einen Brandherd.“

„Ja.“

„Vielleicht ist das die einzig ehrliche Form.“

„Vielleicht.“

Er dachte an Clara, an den gedeckten Tisch am Freitag, an die stillen, vernünftigen Abläufe ihres Lebens. Er dachte an das Risiko, das Mara nicht nur in seinem Körper, sondern in seinem Denken darstellte. Eine Affäre mit Regeln, die gerade nicht billig sein sollte. Keine Anonymität. Keine schnelle Reinigung. Eine Frau, die ihm die Sprache nicht weich werden ließ und dafür bezahlt werden musste, aber nicht bezahlt werden durfte wie eine Dienstleistung, mit dem süßesten Arsch unter der Sonne.

Ein moralisch hässliches Konstrukt, dachte er. Und gleichzeitig das erste, das nicht wie glatte Selbstlüge klang.

„Ein Darlehen“, sagte er nach einer Weile. „Schriftlich. Ohne Hintertür. So, dass du es zurückzahlen kannst, wenn du Arbeit hast. Und ich rufe Winterberg morgen an, nicht um Druck zu machen, sondern um zu fragen, was realistisch ist. Mehr nicht.“
*******d18 Frau
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„… alles, was zwei Menschen sich gerade zumuteten.“ Schonungslose Ehrlichkeit.
*******t154 Mann
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Wirklich super geschrieben. Man kann sich super in die Protagonisten reinversetzen und die Geschichte macht Lust auf mehr, auf die Auflösung wie es weitergeht. Danke dafür *danke*
*****f_k Mann
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Themenersteller 
Mara sah ihn an. Ihre Augen waren nicht weich. Nur offen genug, dass er den Riss darunter sah.

„Und wir?“

Er schwieg einen Schlag zu lang. Dann: „Wir gehen langsam.“

„Langsam ist ein Wort für Leute mit Zeit.“

„Nein.“ Er drehte sich zu ihr. „Langsam ist ein Wort für Leute, die den Preis kennen.“

Das saß. Nicht schön. Aber tragfähig.

Mara sah wieder auf das Wasser. In ihr liefen zwei Bewegungen gegeneinander. Die eine wollte sich an diesen Satz lehnen. Die andere wollte lachen und wegrennen, bevor wieder irgendein Mann ihr das Tempo ihrer Verwundbarkeit erklärte. Sie blieb stehen.

„Ich werde nicht exklusiv für dich traurig sein“, sagte sie.

Levin schnaubte leise. „Das erwarte ich auch nicht.“

„Gut.“

„Aber ich will Verlässlichkeit.“

„Natürlich willst du das. Männer wie du wollen immer, dass ausgerechnet die prekäre Person im Raum stabil ist.“

Er nahm den Schlag hin. Zu Recht.

„Ich weiß.“

„Nein“, sagte sie leise. „Du ahnst es. Wissen wäre unangenehmer.“

Er nickte.

Sie gingen ein Stück am Fluss entlang. Nicht Hand in Hand. Nicht zufällig dicht genug, um die Sache mit Zärtlichkeit zu verwechseln. Neben der Uferbar blieb Mara stehen.

„Ich will essen“, sagte sie. „Richtig. Bevor ich klug werde und alles wieder kaputtdenke.“

Drinnen roch es nach Suppe, Wein und nassen Mänteln. Keine Bahnhofskneipe. Trotzdem nicht geschniegelt genug, um gefährlich höflich zu werden. Sie setzten sich an einen kleinen Tisch am Fenster. Mara bestellte Eintopf und Brot, Levin dasselbe, obwohl er keinen Hunger zu haben glaubte.
Als das Essen kam, aß Mara mit einer Konzentration, die ihn mehr rührte, als sie gedurft hätte. Nicht hastig. Nur ohne falsche Zierde. Ein Mensch, der Nahrung ernst nahm, weil sie eben nicht immer selbstverständlich war.

„Du solltest mich nicht dabei anschauen, als wäre das schon Intimität“, sagte sie, ohne aufzusehen.

Er nahm den Löffel. „Zu spät.“

Sie hob den Blick. Dann lächelte sie zum ersten Mal an diesem Abend wirklich. Müde, schmal, aber warm genug, dass ihm unter dem Brustbein etwas unordentlich wurde.

Nach dem Essen holte er ein Notizbuch aus der Tasche. Kein Umschlag, kein großmütiger Griff ins Portemonnaie. Nur Papier. Er schrieb ein paar Stichpunkte. Betrag. Rückzahlungsbeginn erst mit festem Einkommen. Keine Zinsen. Mara las mit verschränkten Armen, korrigierte zwei Formulierungen, strich ein zu weiches „wenn es dir passt“ und ersetzte es durch ein Datum, das real war.

„Du bist grausam präzise“, sagte Levin.

„Jemand muss es sein.“

„Und wenn Winterberg absagt?“

„Dann reden wir neu. Nicht in der Nacht. Nicht geschniegelt. Aber real.“

Sie unterschrieben beide mit Kugelschreiber auf einem Blatt aus seinem Notizbuch. Lächerlich improvisiert, und gerade deshalb ernst.

Als sie das Lokal verließen, war die Luft schärfer geworden. Mara steckte die gefaltete Seite in die Innentasche. Dorthin, wo gestern die Visitenkarte gelegen hatte.

An der Straßenbahnhaltestelle standen sie unter einem schmalen Dach. Das Licht machte ihre Gesichter blasser. Ein paar Meter weiter stritt ein junges Paar auf Italienisch, zu leise, um den Grund zu verstehen, laut genug, um die Wunde zu hören.

„Und jetzt?“, fragte Mara.

Levin sah die Schienen entlang, auf denen in der Ferne schon Licht auftauchte. „Jetzt überweise ich dir morgen das Geld. Mit Betreff Darlehen, damit ich mich selbst beim Wort nehmen muss.“

„Gut.“

„Und dann?“

Sie zog die Schultern hoch gegen die Kälte. „Dann warte ich auf Winterberg. Dann versuche ich, nicht jede Stunde an dich zu denken. Dann scheitere ich wahrscheinlich daran.“

Das Licht der Bahn wurde heller. Levin sah sie an. Da war dieses Gesicht, müde und trotzig, schön nicht geschniegelt, schön auf die Weise, die einen Preis hatte. Er öffnete seine Arme, zögerte, legte sie dann doch kurz an ihre Taille. Keine große Geste. Nur Wärme für zwei Atemzüge. Mara blieb still. Ihre Augen schlossen sich nicht. Eine Anspannung wich, ihre Schultern sanken einen Zentimeter.

„Kein Hotel“, sagte sie leise.

„Ich weiß.“

„Noch nicht.“

Er nickte. In dem „noch“ lag keine Zusage. Nur die offene, gefährliche Tatsache, dass beide bereits über eine Schwelle getreten waren, die mehr kostete als eine Nacht.

Die Bahn kam quietschend zum Stehen. Türen klappten auf. Menschen stiegen aus, Leute mit Taschen, mit müden Gesichtern, mit kleinen Alltagskatastrophen in den Blicken.

Mara setzte einen Fuß in die Bahn, drehte sich noch einmal um. „Levin.“

„Ja?“

„Wenn du kneifst, mach’s früh. Ich habe keine Zeit für elegante Feigheit.“

Er hielt ihrem Blick stand. „Und du?“

„Ich kneife nur laut.“

Dann stieg sie ein. Die Türen schlossen sich. Die Bahn glitt an, und mit ihr ihr Gesicht, kurz noch im Fenster, dann nur noch Spiegelung und Licht.

Levin blieb auf dem Bahnsteig stehen, die Hände in den Manteltaschen, und spürte, dass er keinen sauberen Ausweg mehr wollte. Nicht aus Edelmut. Nicht einmal aus Liebe. Sondern weil die sauberen Auswege ihn längst langweilten. Das war der riskanteste Teil: nicht Mara allein, sondern die Erkenntnis, dass er bereit war, seine eigene gepflegte Ordnung gegen etwas Lebendigeres einzutauschen, ohne zu wissen, ob es ihn befreite oder nur schmutziger machte.

Mara lehnte drinnen den Kopf an die Scheibe. In ihrer Tasche knisterte das gefaltete Blatt. Kein Ring. Kein Versprechen. Kein Rettungsfilm. Nur eine improvisierte Vereinbarung zwischen zwei Menschen, die beide zu gut wussten, wie hässlich Bedürfnis aussehen konnte, wenn man es im hellen Licht stehen ließ.

Ob das ein Kompromiss war oder nur ein schönerer Name für Gefahr, ließ sich noch nicht sagen.
Aber an diesem Abend hatte Ronny keine Antwort mehr bekommen.

Und Levin schrieb der anonymen Nummer nicht.

Für den Moment reichte das, um die Nacht nicht ganz an die alten Gewohnheiten zu verlieren.

Kapitel 4

Dann saß sie in der fast leeren Bahn, das gefaltete Blatt in der Jackentasche, die Scheibe kalt an der Stirn, und spürte, wie die eben erst mühsam gezogene Linie in ihr wieder weich wurde.

Nicht aus Schwäche. Eher aus Überdruck.

Der Wagen roch nach nassem Stoff, Heizungsluft und dem scharfen Rest eines Dönerpakets, das jemand unter dem Sitz vergessen hatte. Gegenüber döste ein Mann im Anzug mit offenem Mund. Zwei Jugendliche kicherten über ein Handyvideo, das ohne Ton auskam und trotzdem nervte. Das Leben anderer Leute lief weiter, unerquicklich gewöhnlich. Nur in ihr klirrte noch der Abend nach.

Darlehen. Regeln. Langsam. Langsam ist ein Wort für Leute mit Zeit.

Sie zog das Handy aus der Tasche. Ronnys Chat stand noch offen, die alten Nachrichten wie kleine schmutzige Haken. Der Typ will nur dich. Dieser Satz hatte sich festgesetzt, obwohl sie ihn verachtete.

Vielleicht gerade deshalb. Gewollt werden war eine schlechte Droge, besonders wenn man müde war und die Zukunft gerade nur aus einem Blatt Papier und einer Frau namens Winterberg bestand, die sich Ende der Woche melden wollte.
*******d18 Frau
10.132 Beiträge
Die Umarmung war gut … „Wärme für zwei Atemzüge“ … es hätten auch mehr als zwei sein dürfen.
*******884 Mann
65 Beiträge
… dann wären sie aber nicht nach Hause gefahren… ❤️‍🔥😉
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