„Einstieg ins BDSM - wie hilfreich sind Workshops?
Wenn ich hier so mitlese, habe ich den Eindruck, dass ich eigentlich alles falsch gemacht haben muss.
Nur, das glaube ich nicht.
Das Leben ist so vielfältig, und genau so vielfältig ist das, was unter BDSM gefasst wird, bzw. was knapp daneben sein soll, also grade noch kein BDSM sein soll.
Ich gebe da mal als Beispiel die Diskussion, ob ein Klaps auf den Po beim Sex schon "Spanking" i.S.v. BDSM sein soll, und wo harter Sex aufhört und BDSM anfängt.
Man braucht nicht für alles einen Workshop.
Wenn man ersthaft in Bondage einsteigen möchte, dann sollte man da nicht einfach nur ein paar Seile holen und dann anfangen, Bilder als Vorlage zu nehmen. Das kann nur ganz, ganz katastrophal enden.
Es gibt hier in der Mediathek gute Tutorials, mit denen man sich etwas informieren kann. Die reichen auf jeden Fall, um sich selbst zu sagen, wovon man erst einmal die Finger lässt.
Das hier fällt dann auch schon in weiten Teilen darunter:
„Aber das Aller Aller wichtigste ist das ich als Benutzer von Schlagwerkzeugen um die Gefahren weiß. Ich sollte wissen wohin man schlagen darf und wo es gefährlich wird.
Wenn ich mich z.B. auf den Hintern beschränke, nicht wie blöd losprügel, und mit harten Gegenständen nicht auf die Knochen haue, dann sind die Risiken schon überschaubar.
Ich vermisse oft den gesunden Menschenverstand. Ich weiß nicht, ob einige den nicht haben, oder schlicht abschalten. Da hilft dann aber, befürchte ich, auch kein Workshop.
Ich glaube nicht, dass ein Anfänger, nur für sich und seine Partnerin / seinen Partner mit einer Bullwhip anfängt.
Wer als Anfänger egal womit so schlägt, dass das wortwörtlich ins Auge gehen kann, sollte sich eh ein anderes Hobby suchen. Und wer so schlägt, dass das theoretisch passieren könnte, der sollte sich genau überlegen, ob er die Fähigkeiten dazu hat, ich denke da wieder an eine Bullwhip, und ob die Augen vielleicht geschützt werden sollten, und im Zweifel lässt man das. Brauche ich für so eine Erkenntnis tatsächlich einen Workshop?
Ich spreche vom EINSTIEG. Wenn man Spaß an der Sache findet, eine gewisse Materialschlacht anfängt, dann ist das eine ganz, ganz andere Situation, als der Einstieg in BDSM.
Ich weiß, Menschen sind spontan, unüberlegt, mitunter leicht zu begeistern und damit auch oft leichtsinnig.
Dass sind Gefahren, derer man sich bewußt sein muss, wenn man in den Bereich BDSM einsteigt. Die Frage, ob ein Workshop notwendig ist, zeugt für mich von einem erfreulichen Risikobewußtsein. Und das muss bleiben, auch nach Workshops, denn diese sind ja auch kein Freifahrtsschein.
Ein kleiner Exkurs ins Strafrecht ist in meinen Augen auch sinnvoll, denn das Wissen um die Gradwanderung auf der Schwelle zu teilweisen schweren Straftaten ist auch nicht verkehrt.
„und "DOM-ART: Die Kunst der Dominanz ist erlernbar!" (ein Workshop für dominante männliche Einsteiger oder Paare, bei dem eine Sklavin aus dem Team gestellt wird, um praktische Elemente zu üben).
Klingt interessant.
Hätte mich so ein Kurs als Einstieg in BDSM interessiert?
Ne. Mit Sicherheit nicht. Liegt zum einen daran, dass das nicht der Schwerpunkt in meinem BDSM ist, und zum anderen dass ich dafür eigentlich schon relatuv gut wissen müsste, wohin meine Reise geht. Und ich tue mir das schwer, dies bei einem "Einstieg in BDSM" schon so genau zu wissen.
Wichtig ist eine gute Kommunikation mit der Partnerin / dem Partner. Auch das ausmahlen von Szenarien kann spannend und erregend, und damit sehr schön sein. Und dann macht man ganz, ganz viele Abstriche, und fängt eben noch langsamer an, als man denkt, dass es gehen sollte, und nur mit Dingen, bei denen man nach ersten Informationen jegliche Risiken vermeidet (außer vielleicht einen blauen Fleck).
Was jetzt wichtig ist, auch ich bin der Ansicht, dass es BDSM-Bereiche geht, in denen ein solches Vorgehen riskant, eventuell sogar unverantwortlich wäre (Landgericht Hamburg, Urt. v. 31.03.2025, Az. 638 Ks 1/25). Brauche ich wirklich einen Workshop, um klar zu machen, dass man jemanden nicht so fesselt, dass er / sie sich dann erhängen kann?
Leider ist Risikobewußtsein nach meinen Erfahrungen kaum in kurzer Zeit vermittelbar. Liegt schon daran, dass dann immer die Frage kommt, wie groß wohl die Wahrscheinlichkeit sein soll. Die ist völlig egal, wenn etwas schief geht. Ist ein menschlicher Zug, ich steige auch fast jeden Tag in den Pkw, obwohl ich weiß, dass die Fahrt tötlich enden kann. Ist trotzdem etwas anderes, als diese missglückte BDSM-Session, über die das Landgericht urteilen musste. Leider kann man gar nicht genug sagen, was schief gehen kann, auch nicht in Workshops. Gewisse Basics müssen schlicht da sein.
Aber eine Raketenwissenschaft aus allen Bereichen des BDSM zu machen, in denen immer ein Workshop für Einsteiger empfohlen werden muss, das möchte ich ohne Differenzierung so nicht stehen lassen. Und ich glaube, so haben auch nicht alle angefangen. Wann nach den ersten zaghaften Schritten ein Workshop sinnvoll oder notwendig ist, ist eine andere Sache.
Wichtig ist das Risikobewußtsein. Wer meint, einfach mit Wachs spielen zu können, der wird das tun, und keinen Workshop buchen. Wer sich davor über das Spiel mit Wachs informiert, der wird ganz, ganz schnell auf die Temperaturporblematik bzgl. verschiedener Wachssorten stoßen. Und wer es dann noch versaut, dem ist nicht zu helfen, befürchte ich. Im Zweifel ist die Rache dann nicht die Wut des anderen, sondern das Reinigen der Spielfläche, aber das ist dann ja etwas anderes.