Die Dinge laufen nie, wie erwartet.
Mir ist, als stünde ich in Flammen. Meine Haut glüht regelrecht, während tief drinnen das Eis kaum schmelzen will. Ich kauere in dieser Dunkelkammer schon eine Ewigkeit und zittere dabei unablässig wie dürres Espenlaub. Mein Zeitgefühl versagt völlig, doch mein Verstand sagt mir, dass sicherlich nicht einmal die Hälfte der Zeit verronnen ist. Nur, zu was rät er mir, sobald das hier überstanden und die Seiten gewechselt sind? Kann ich mich überhaupt darauf verlassen aus dieser Sache wieder unbeschadet rauszukommen, oder falle ich, aller Vorsicht und Absicherung im Vorfeld zum Trotz, grad einem Psychopathen zum Opfer?
Sie erwartete, dass er direkt Hand anlegen und sie ohrfeigen würde, nachdem sie ihn vorhin so frech provoziert hatte. Er aber, ließ zunächst einfach seinen Blick über ihren nackten Körper streifen, umkreiste sie. Sie genoss die Aufmerksamkeit und die Anspannung, welche die Ungewissheit des nun Folgenden erzeugte. Spürte kribbelnd seinen Atem in ihrem Nacken. In ihr regte es sich schon - in Erwartung des ersten Hiebs. Doch ehe sie sich versah, fand sie sich auf den harten Küchenfliesen wieder und kroch auf allen Vieren durch die Wohnung. Wie einen trägen Hund an der Leine, zerrte er sie an ihren Haaren hinter sich her, raus auf die Loggia. Draußen war es noch dunkel und das Zimmerlicht zum Glück gedämmt. Trotzdem pochte ihr das Herz bis zum Halse, denn die Luft schlug ihr eisig kalt entgegen. Ein böiger Wind, der gestern Abend schon die Blätter hatte wirbeln lassen, fegte auch die Nacht hindurch und ließ die Fensterläden klappern, so dass an Schlaf kaum zu denken gewesen war. So pfiff es auch jetzt fies durch das Holz des Geländers und sogar der Dielen. Reflexartig versuchte sie sich zu schützen, schlang die Arme um die Brust und krümmte und rieb sich. Er ließ dies etwa eine Minute zu. Als es ihm dann selbst zu kühl wurde, riss er ihr dann jedoch energisch beide Hände von den Seiten und befahl sie nach oben. Er war tatsächlich kräftiger, als sie angenommen hatte.
Ich war schon zu steif gefroren, um groß Gegenwehr zu leisten, als er seine körperliche Überlegenheit ausspielte. Bevor ich einen klaren Gedanken fassen konnte, hingen die Handgelenke schon in einer Schlinge, die ratzfatz anzog und mich sprichwörtlich zur Strecke brachte. Galgenhumor, haha! Er hatte mich sprichwörtlich kalt erwischt!
Doch zum Lachen war mir bald wirklich nicht mehr zu Mute, denn ich litt da schon wie ein Hund. Die aufgeschürften Knie brannten höllisch.
Dann, so langam offenbarte sich mir die ganze Perfidität seines Vorhabens. Es begann nämlich zu regnen.
Die ersten Regentropfen segelten noch vereinzelt in die Loggia, kitzelten sanft auf der Haut, wo sie kleine pikante Schauer setzten. Durchaus anregend, denn meine Körpermitte meldete sich erneut, und sofort setzte sich das Gedankenkarussel in Bewegung. Doch schon nach wenigen Sekunden fachte der Wind dermaßen an, dass er den unisono anschwellenden Regen, wie tausende winzige, eisige Nadeln, kreuz und quer über den gesamten vorderen Oberkörper, über die Seiten hinaus, sprenkelte und mir geradewegs ins Gesicht peitschte. Es nahm mir völlig den Atem! Haut, die ansonsten gut behütet im Verborgenen lag, war augenblicklich völlig überfordert von dieser ungewohnten Reizüberflutung. Ich zappelte und wand mich, versuchte verzweifelt meine Achseln wegzudrehen, erreichte damit aber nur, die Brüste noch mehr dem Sturm, der sich da zusammenbraute, auszusetzen.
Meine Fußknöchel wurden umklammert. Einigermaßen rüde zwang er meine Beine auseinander, eines nach dem anderen zog er zur Seite und fixierte es dort irgendwie. Es schnitt mir tief in das ohnehin dünne Fleisch über dem Sprunggelenk. Der Zug in den Schultern, bis zu den Handgelenken hinauf, erhöhte sich erheblich. Ich musste jetzt meine ganze Kraft darauf konzentrieren, nicht weiter in den Spagat hineinzugleiten. Verrenkungen waren kaum noch möglich und ich dem Wetter nun völlig wehr- und schutzlos ausgeliefert. Selbst auf Höhe des Bauchs und zwischen die Schenkel, wo das Geländer noch das meiste abhielt, verirrten sich die Nadelstiche. Das, was grade noch so wohlig gepocht hatte, glich nun einer Eisgrotte ohne Gefühl. Ich hätte am Liebsten vor Frustration und Wut geschrien, bibberte und keuchte stattdessen, zitterte und fror erbärmlich. Zog mich in mich zurück, die letzten Reste von innerer Wärme in Schach haltend. Dennoch wurde mir von Sekunde zu Sekunde kälter, und auch die Gelenke spürte ich bald kaum mehr.
Wie lange wollte er mich hier in diesem Unwetter eigentlich hängen lassen? Ich machte mir Sorgen um meine Gesundheit und weinte Tränen, die sogleich der Wind mitnahm.
Wann würden mich die ersten Menschen in den umliegenden Häusern wahrnehmen? Ich hatte bereits kaum mehr Kraft, ließ den Kopf einfach vornüber hängen; es war das Angenehmste, was ich noch tun konnte.
Ihm aber schien das noch nicht zu genügen. Ich spürte seine Wärme an meinem gefrorenen Hintern, dann ereilte stechender Schmerz einen der tauben Nippel, und plötzlich hatte ich meinen Mund sperrangelweit offen, ohne ihn wieder schließen zu können. Eine Maulsperrre drückte gegen die Kiefer und den Gaumen. Ich musste ekelhaft würgen, um so mehr, da der Regen augenblicklich ungehindert in meinen Rachen drang. Unweigerlich schluckte ich das Wasser, weil natürlich auch mein Kopf - als letztes Glied in der Kette - in aufrechter Position von ihm fixiert worden war, indem er die Haare gefasst und in Sekundenschnelle hinter mir angebunden hatte .
Dabei beließ er es nun.
Ich hörte die Tür sich schließen und nahm allen Mut zusammen, den ich noch aufbringen konnte. Während ich hier draußen also um meine Fassung kämpfte, ließ er sich drinnen, vermutlich auf dem behaglichen Sofa ausgestreckt, die Sonne aus dem Arsch scheinen und geilte sich an dem Anblick auf, den ich ihm bot. Chapeau, er hatte das Schauspiel gut vorbereitet! Doch mit jeder Böe die anhob, starb ich hier draußen ein Stückchen mehr, so erschöpft wie ich war und dennoch nicht zur Ruhe kommend.
Irgendwann registrierte ich dann nur noch, wie ich hineingetragen wurde, ein gefühlloser Klumpen nunmehr. Und gab auf.
Als ich wieder erwachte, war ich nicht überrascht, weiterhin zu keiner Regung fähig zu sein. Doch zur Abwechslung schwitzte ich jetzt. Ich hockte, doch nicht wirklich bequem. Die Knie klebten mir an der Brust, ich umarmte sie notgedrungen, denn die Hände waren dieses mal vor die Schienbeine überkreuz gefesselt. Auf einen Knebel hatte er netterweise verzichtet. Allerdings war das auch einer unserer Abmachungen in der Vorbereitung des Ganzen gewesen, um das Safeword ungehindert kommunizieren zu können. Aber, das wäre mir vorhin doch gar nicht möglich gewesen! Welch grobe Verfehlung von ihm, gleich zu Beginn!
Ich hegte die allerbösesten Gedanken. Überhaupt: Hatte er denn nicht verstanden, wie sehr es mein eigentlicher Wunsch war, einfach einmal bis zu Erschöpfung ausgepeitscht und geschlagen und danach so richtig rangenommen zu werden?
Waren wir uns nicht einig gewesen, dass uns beiden das Erdulden von Qualen nur mit der Aussicht von sexueller Erlösung etwas gab?
Beides blieb er mir bisher schuldig.
Eine weitere Ewigkeit darbte ich jetzt schon im Dunkeln dahin. Die Decke, die er mir übergelegt hatte, juckte fürchterlich. Mehrere Versuche, sie abzustreifen, schlugen fehl, brachten aber immerhin etwas Linderung. Ingesamt war die Situation wesentlich angenehmer als noch in der Loggia, wenngleich mir nun zusätzlich Hintern und erst recht die Fußknöchel schmerzten, die er so eng zusammengeschnürrt hatte, dass sie sich bei der kleinsten Bewegung in ihrem Schweiß höllisch aneinander rieben.
Vorhin war die Tür kurz aufgegangen, doch wohl nur, um nach dem Rechten zu sehen. Und im nächsten Moment, war ich schon wieder mir selbst überlassen, ohne auch nur einmal berührt worden zu sein.
Warte nur ab, du Mistkerl!