Teil 2
Im Grunde gehöre ich zu den „Königinnen“, die bereit sind, ganz ohne Vorbedingungen zur Sache zu kommen.
Für guten Sex mit einem zufälligen Partner brauche ich weder Verliebtheit noch gemeinsame Interessen oder langes Kennenlernen.
Umwerben muss er mich erst recht nicht.
Dafür ist er ja schließlich ein zufälliger Partner.
Was ich allerdings brauche, ist ein Funke, der die Leidenschaft entfacht.
Und dieser Funke kann alles sein: ein Blick, ein Satz, eine Geste oder einfach die Situation selbst.
Solche Momente, in denen es plötzlich funkt und danach großartiger Sex mit einem Fremden passiert, hatte ich durchaus schon erlebt.
Aber nicht dieses Mal.
Mit diesem Typen sprang kein Funke über, er machte mich nicht an.
Ja, ein sympathischer Mann, er gefiel mir, aber das reichte nicht aus, um ihn wirklich zu wollen.
Und trotzdem brannten sowohl mein Lord als auch ich vor Neugier und hatten in dieser Nacht große Lust auf Abenteuer, also stimmten wir dem von ihm vorgeschlagenen MFM ohne großes Zögern zu.
Voller Vorfreude fanden wir ein freies Zimmer und nahmen die riesige Matratze ein.
Wie gewohnt drehte ich mich meinem Lord zu und begann ihn zu küssen, in der Erwartung, dass unser Dritter mich von hinten umarmen und anfangen würde, mich zu berühren - also den ersten Schritt zu echtem Sex zu machen, nicht nur zu Worten.
Doch der Mann saß einfach nur daneben und zeigte keinerlei Initiative.
— Warum bist du so kalt zu mir? — fragte er nach ein paar Minuten.
Und tatsächlich! Warum eigentlich?
Vielleicht, weil ich elf Jahre lang nur mit einem einzigen Mann Sex gehabt hatte und nun völlig unsicher war, wie das mit einem anderen funktioniert?
Noch dazu mit einem so passiven.
Noch dazu in diesem Format!
Und noch dazu ganz ohne Funken…
Aber die Lust auf Abenteuer war stärker.
„Wir wollten heute etwas Neues erleben, also werden wir es auch erleben. Zwei Männer erregen und selbst dabei erregt werden - kein Problem“, dachte ich in diesem Moment, setzte mich auf das Bett, mit dem Rücken zum Ausgang, und blickte die beiden Männer an.
In die richtige Stimmung kann man schließlich auch während des Sexes kommen, besonders wenn man Fantasie hat und keine störenden Gedanken.
Man kann sich innerlich eine sexuelle Melodie einschalten, anfangen, sich schön zu bewegen, sich selbst zu berühren.
Die eigenen Bewegungen genießen – ja ja, Eitelkeit ist alles – und dann die Aufmerksamkeit auf die Körper der Partner lenken, auf das, was sie zwischen den Beinen haben.
Der Gedanke, ob ich ihnen vor dem Blowjob Kondome überziehen sollte, beschäftigte mich nur ganz kurz und verschwand in dem Moment, als ich abwechselnd erst den einen Schwanz, dann den anderen mit der Zunge berührte.
In meinen Fingerspitzen begann es wieder zu kribbeln, und ich merkte, dass ich endlich erregt war.
Noch ein bisschen mit dem Mund arbeiten, dann elegant meine Leder-Shorts ausziehen und…
Plötzlich spürte ich eine kaum wahrnehmbare Berührung an meinem Knöchel.
Vor Schreck drehte ich mich ruckartig um und sah eine Gruppe von Männern vor unserem Bett stehen, die sich alle einen runterholten.
Es waren sehr viele!
In diesem Moment kam es mir so vor, als würden sie uns wie Zombies ansehen.
Unerwartet!
Ich war nie schüchtern gewesen, hatte oft auf der Bühne gestanden, auch nur im Bikini, aber diese Situation schockierte mich aus irgendeinem Grund.
Mit einem lauten „Nein!“ sprang ich vom Bett und rannte quer durch die Menge aus dem Zimmer.
Ich glaube, einer meiner nicht zustande gekommenen MFM-Partner rief mir noch „Warte!“ hinterher, aber sicher bin ich mir nicht.
Vor Aufregung nahm ich nichts mehr richtig wahr, sah und hörte kaum etwas.
Also das ist eine Pornoparty!
Porno ist hier als Live-Format gedacht.
Und genau deshalb gibt es hier so viele alleinstehende, passive Männer über fünfzig.
Sie sind alle nur gekommen, um zuzusehen und zu wichsen!
— Wir können doch einen anderen Ort finden, — holte mich mein Lord im Flur ein.
— Ich will nichts mehr!
— Warum bist du so abrupt weggerannt?
— Ich habe DAS hier nicht erwartet, — sagte ich und zeigte auf die Männer, die aus dem Zimmer kamen.
— Hast du sie nicht gehört?
— Nein! Warum habt ihr mir nichts gesagt?
— Wir dachten, du hättest gehört, wie sie reinkamen … Na gut. Dann lass uns einfach weiter durch den Club gehen und schauen.
Unser Dritter sah natürlich enttäuscht aus. Ich kann mir vorstellen, was für ein Reinfall das für ihn war.
Aber was soll’s.
Als „Königin der Huren“ wurde ich erst später gezeichnet.
Und das hier war mein erstes Mal - und das verläuft eben nicht bei allen gleich erfolgreich…