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Wie stelle ich Konsens und Sicherheit (SSC/RACK) sicher?

*******tor Mann
125 Beiträge
Themenersteller 
Wie stelle ich Konsens und Sicherheit (SSC/RACK) sicher?
Die fundamentale Frage nach der Sicherheit ist das wichtigste Thema vor jeder Session für mich.

Aushandlung (Negotiation): Aktive Absprachen über Grenzen (Hard Limits), Wünsche und Safewords stehen an erster Stelle.

Aftercare: Die Frage, wie man sich nach einer intensiven Session am besten umeinander kümmert, um physisch und psychisch sicher „zurückzukehren“, ist essenziell.

Wie handhabt ihr es?
**rr Frau
151 Beiträge
Zitat von *******tor:
Wie stelle ich Konsens und Sicherheit (SSC/RACK) sicher?
Die fundamentale Frage nach der Sicherheit ist das wichtigste Thema vor jeder Session für mich.

Aushandlung (Negotiation): Aktive Absprachen über Grenzen (Hard Limits), Wünsche und Safewords stehen an erster Stelle.

Aftercare: Die Frage, wie man sich nach einer intensiven Session am besten umeinander kümmert, um physisch und psychisch sicher „zurückzukehren“, ist essenziell.

Wie handhabt ihr es?


Vertrauen, vertrauen, vertrauen, miteinder Sprechen (das Wichtigste definieren), aber vor allem mich hingeben, ausprobieren, auf mich hören und für meine Grenzen auch im Spiel selbst Verantwortung übernehmen. Auch nachher schauen was beauche ich, was kann die andere Person geben und allenfalls einfordern. Nie denken die andere Person weiss immer was ich brauche, das mit der Telepatie klapp nur sehr selten. .
*******enig Mann
15.321 Beiträge
Bei ssc wird es wohl das Gespräch sein, bei rack hingegen sind deine hellseherischen Fähigkeiten gefragt... Das ist jetzt natürlich übertrieben und stark vereinfacht, aber viele rack Anhänger/innen suchen das Risiko in der nicht angesprochenen Grenzüberschreitung, weshalb Herrchen gefälligst alles schön im Griff haben sollte. Die beiden letzten Buchstaben werden gerne ignoriert, Hauptsache risk aware...
**********baden Mann
736 Beiträge
Als männlicher Sub vertraue ich den dominanten Frauen blind *g*
********rina Frau
286 Beiträge
Zitat von **********baden:
Als männlicher Sub vertraue ich den dominanten Frauen blind :)

Ich hoffe ja wirklich, dass ist ein schlecht formulierter Scherz. Oder anders gesagt mit der Einstellung bist du für mich ,als dominante Frau, automatisch aussortiert.
*********pfer Paar
555 Beiträge
Zitat von *******enig:
Bei ssc wird es wohl das Gespräch sein, bei rack hingegen sind deine hellseherischen Fähigkeiten gefragt... Das ist jetzt natürlich übertrieben und stark vereinfacht, aber viele rack Anhänger/innen suchen das Risiko in der nicht angesprochenen Grenzüberschreitung, weshalb Herrchen gefälligst alles schön im Griff haben sollte. Die beiden letzten Buchstaben werden gerne ignoriert, Hauptsache risk aware...

(er schreibt)

Verwechselst Du da vielleicht RACK mit CNC (consensual-nonconsent)? Letzteres beinhaltet die Möglichkeit einer nicht abgesprochenen Grenzüberschreitung. Und wer bei RACK das "C" ignoriert, der spielt nicht RACK...
*********pfer Paar
555 Beiträge
Zitat von *******tor:
Wie stelle ich Konsens und Sicherheit (SSC/RACK) sicher?
Die fundamentale Frage nach der Sicherheit ist das wichtigste Thema vor jeder Session für mich.

Aushandlung (Negotiation): Aktive Absprachen über Grenzen (Hard Limits), Wünsche und Safewords stehen an erster Stelle.

Aftercare: Die Frage, wie man sich nach einer intensiven Session am besten umeinander kümmert, um physisch und psychisch sicher „zurückzukehren“, ist essenziell.

Wie handhabt ihr es?

Interessante Fragestellung, zu der ich gerne später mit ein wenig Zeit noch etwas mehr schreibe...

Konsens und Sicherheit sind ja unterschiedliche Dimensionen beim BDSM (die allerdings zusammenhängen können, wenn man z.B. für Dom auch die juristische Sicherheit mit einbezieht).

Grundsätzlich sehe ich, spontan zusammengefasst folgende Punkte:
• Konsens erfordert VORAB Kommunikation, man muss wissen, auf was man sich einlässt, muss wissen, in was man einwilligt (Stichwort "informierte Einwilligung")
• Sicherheit kann nicht absolut sein, ich mag den Satz "Sicherheit ist die Abwesenheit von nicht akzeptablen Risiken!" --> damit ist SSC (S=Safe) gar nicht so weit von RACK (RA=Risc Aware) *g*
• Das Bedürfnis nach Sicherheit bzw. Risikoakzeptanz ist subjektiv --> wieder ist Kommunikation erforderlich.
• Betrachtung/Einschätzung von Risiken erfordert Wissen über das, was passiert und über das, was die möglichen Folgen sein können --> Sicherheit geht nicht ohne Kompetenz.

Das wird jeder für sich individuell ausgestalten. Auch wird z.B. die erste gemeinsame Session anders bewertet als die soundsovielte nach 20 Jahren Beziehung.

Trotzdem gilt aus meiner Sicht: (1) Informiere Dich VORAB darüber was DU tun oder erleben möchtest (2) Redet miteinander!

Später mehr *g*
****min Mann
273 Beiträge
Da ich im SM unterwegs bin, ist RACK für mich das Konzept, nach dem ich denke. Und da ist mein erster Gedanke, wenn ich etwas machen möchte, was dabei eventuell für Unfälle passieren könnten und welche Folgen diese hätten. Meine größte "Angst" ist da meist ein mögliches Sturzrisiko, nachdem eine Form der Bewegungseinschränkung angelegt ist, ganz besonders, wenn es in Richtung hängende Fixierung geht.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Rückmeldungen über Missempfindungen keine negativen Konsequenzen für die Spielpartnerin zur Folge haben wenn meine Einschätzung da eher eine "Unbequemlichkeit" und kein Gesundheitsrisiko vorliegt - da nehme ich jede Äußerung erstmal ernst und kontrolliere, was die Ursache ist - lieber eine kurze Unterbrechung im Spiel als etwas, das hinterher Physiotherapie bedarf.
Was die Einvernehmlichkeit betrifft, hängt es bei mir davon ab, wie gut man sich schon kennt - für eine erste Session kommuniziere ich, was ich vor habe und da passiert dann auch nichts spontanes, das meiner Meinung nach gut passen würde. Je mehr man aufeinander "eingespielt" ist, desto freier treffe ich spontane Entscheidungen und es geht mehr in Richtung Metalkonsens, für den ein Rahmen abgesteckt ist, in wie weit es auch in Richtung sexuelle Handlungen und Berührungen gehen darf.
Das Vertrauen, sich mir auszuliefern und das ich weiß, was ich tue wächst ja mit der Zeit - der Rest ist einfach Kommunikation und selbst aus Smalltalk zwischendurch bekomme ich Informationen, die später mal wichtig werden könnten...
Eigentlich ist das ganz einfach, wenn sich die Dynamik langsam entwickeln lässt und Körpersprache und Reaktionen im Spiel beobachtet und interpretiert...
*******enig Mann
15.321 Beiträge
Öhm, nein @*********pfer

Ich habe bei RACK schon das C im Blick, mir scheint nur, dass es oft ignoriert wird, sobald man in den Risikobereich vorstößt.
*********pfer Paar
555 Beiträge
Zitat von *******enig:
Öhm, nein @*********pfer

Ich habe bei RACK schon das C im Blick, mir scheint nur, dass es oft ignoriert wird, sobald man in den Risikobereich vorstößt.

(er schreibt)

öhm, doch *g* RACK ohne C ist per Definition kein RACK *zwinker*

Scherz beiseite...

... wenn Deine Erkenntnis durch Beobachtung gewonnen wurde, dann hast Du es immerhin in diesem Satz wenigstens teilweise richtig formuliert: es SCHEINT nämlich nur so, denn einem Beobachter ist i.d.R. nicht vollständig bekannt, welche Absprachen andere Personen möglicherweise vorab getroffen haben.

Andererseits hast Du so wischiwaschi-unkonkret formuliert (was heißt "oft"? was heißt "Risikobereich"?), dass man eh nicht genau weiß, was Du meinst.

Meinst Du, dass Tops, die gemäß "RACK" spielen, überwiegend nicht auf das C=consensual achten? Das würde bedeuten nicht einvernehmlich, Grenzüberschreitung, z.B. Verletzung oder Freiheitsberaubung ohne Einwilligung --> da sind wir ruckzuck im strafbaren Bereich. Das einem signifikanten Teil der BDSM-Szene vorzuwerfen halte ich für nicht zielführend in dieser Diskussion, in der ausdrücklich danach gefragt wird, wie man denn damit umgehen kann.

Kann natürlich sein, dass Du ein völlig anderes Verständnis der Begriffe hast als ich.

Vielleicht magst Du trotzdem noch was zum eigentlichen Thema schreiben, was NICHT "übertrieben und stark vereinfacht" (Zitat aus Deinem ersten Beitrag )ist, sondern dem Fragesteller wirklich weiterhilft.
*******enig Mann
15.321 Beiträge
Also ich glaube nicht, dass wir ein unterschiedliches Verständnis von RACK haben. Helfen kann ich dem TE ziemlich sicher auch nicht. Die entsprechenden Eckpunkte wie Verhandeln und Nachsorge hat er bereits genannt und so viel anderster wie er würde ich es auch nicht machen.
******_82 Frau
742 Beiträge
Ich finde die Diskussion hier spannend, weil sie genau die Punkte berührt, die für mich zentral sind: Konsens ist nicht nur „Ja am Anfang", sondern ein Prozess. Und Sicherheit ist nicht „Abwesenheit von Risiko", sondern Abwesenheit von nicht akzeptierten Risiken.

Wie ich Konsens und Sicherheit konkret sicherstelle:

1) Vorab: Informierter Konsens braucht Kompetenz

Für mich beginnt Konsens nicht erst beim Gespräch mit der anderen Person, sondern bei mir selbst: Ich muss wissen, worauf ich mich einlasse. Das heißt: Wenn ich etwas tun oder erleben will, muss ich mich vorher informiert haben, über Risiken, Techniken, Warnsignale, Notfallpläne. Konsens ohne Wissen ist kein informierter Konsens, und dann kann ich nicht wirklich verantwortlich zustimmen. Das gilt für beide Seiten: Wer führt, muss wissen, was passieren kann und wie man es sicher(er) macht. Wer sich hingibt, muss wissen, worauf der eigene Körper und die eigene Psyche reagieren und was die eigenen Grenzen sind.

2) Negotiation: Konkret, nicht nur nett

Verhandlung heißt für mich nicht „wir reden mal drüber", sondern eine klare, sachliche Absprache: Was passiert. Was nicht passiert (Hard Limits). Was vielleicht geht, aber mit Vorsicht (Soft Limits). Wie kommunizieren wir während der Session (Safeword, Ampelsystem, nonverbale Signale). Was machen wir, wenn etwas kippt. Und ganz wichtig: Diese Verhandlung passiert außerhalb der Dynamik, also nicht in einer Situation, in der schon Erregung, Druck oder Erwartung im Raum sind. Nur so kann Konsens wirklich frei sein.

Formen der Kommunikation klären

Nicht alle können in jeder Situation gleich gut kommunizieren. Manche können verbal nicht gut formulieren, was sie brauchen oder wo Grenzen liegen. Für die ist es wichtig, dass auch andere Formen möglich sind: Dinge aufschreiben (vor der Session oder nachher), nonverbale Signale vereinbaren, oder „Ausstiegsluken" definieren (z.B. bestimmte Gesten, Positionswechsel, statt Worten). Auch in der Session selbst kann verbale Kommunikation schwierig sein, deshalb muss vorher klar sein: Wie kommunizieren wir, wenn Reden nicht geht?

Genauso wichtig: Welche Form von Rückfragen ist okay? Mich persönlich bringt ständige Rückversicherung („Alles okay? Passt das noch?") total raus. Ich sage dann auch schon mal: Ich sage dir, wenn es zu viel ist. Aber auch hier gilt: Wenn Dom unsicher ist, ist das genauso ernst zu nehmen. Vielleicht ist es Dom einfach zu viel und er möchte es nicht sagen, oder er hängt an meinen Erwartungen und traut sich nicht zu stoppen. Auch das sind essenzielle Dinge, die man dann hinterher bespricht.

Safeword und Ampelcode: Bedeutung vorher klären

Es muss auch klar sein: Was passiert bei Safeword? Dass es okay ist, es zu benutzen, klingt selbstverständlich. In der Session ist es das dann aber oft doch nicht, weil Scham, Angst vor Enttäuschung oder Druck im Raum sind. Deshalb muss vorher explizit besprochen werden: Safeword bedeutet sofortiger Stop, keine Diskussion, keine Rechtfertigung, und es ändert nichts daran, dass die Session gut war oder dass die Person geschätzt wird.

Und auch Ampelcode ist nicht gleich Ampelcode. Nur weil etwas klar aussieht, heißt es nicht, dass es das ist. Für den einen bedeutet "grün": "So ist perfekt, bitte so lassen." Für den anderen: "Langweilig, bitte mehr." Für den einen ist "gelb": "Achtung, hier wird es problematisch, schalt mal einen Gang zurück." Für den anderen: "Das geht schon Richtung rot, aber wir können hier noch etwas weiter machen, bevor wir wieder Richtung grün gehen." Und für den einen heißt "rot": "Session-Abbruch, sofort." Während es für den anderen heißt: "Bitte zurück zu grün/gelb, aber wir können weitermachen."

Genau deshalb muss vorher geklärt werden: Was bedeuten diese Signale für uns? Was passiert konkret, wenn ich "gelb" sage? Stoppen wir komplett, machen wir eine Pause, reden wir kurz, oder reduzieren wir nur die Intensität? Ohne diese Absprache kann es zu Missverständnissen kommen, die im schlimmsten Fall zu Grenzüberschreitungen führen, obwohl beide dachten, "klar kommuniziert" zu haben.

Was @****min schreibt, sehe ich genauso: Je besser man sich kennt, desto mehr kann man auch mit Meta-Konsens arbeiten, also einem vereinbarten Rahmen, innerhalb dessen spontane Entscheidungen möglich sind. Aber dieser Rahmen muss vorher klar sein, und er muss jederzeit revidierbar bleiben.

Spontane Dynamiken: Risiko und Verantwortung

Gleichzeitig gibt es auch Situationen, in denen im Sinne von RACK das Risiko eingegangen wird, dass manche Dinge eben nicht geklärt sind, weil die Dynamik spontan entsteht. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Aftercare im Vorfeld nicht besprochen wurde oder dass bestimmte Grenzen erst in der Situation sichtbar werden. Auch das ist okay, wenn alle Beteiligten bewusst in dieses Risiko einwilligen. Aber dann muss auch jede Person für sich selbst Verantwortung tragen, wozu sie bereit ist, und aktiv kommunizieren, wenn etwas nicht passt. Spontanität ist kein Freifahrtschein dafür, Konsens zu überspringen, sie bedeutet nur, dass der Konsens adaptiv und laufend verhandelt wird.

RACK bei unbekannten oder unverbindlichen Dynamiken

Je unbekannter die Dynamik ist, je unverbindlicher, desto weniger Absprachen gibt es oft, und da geht Sub ggf. auch ein deutlich größeres Risiko ein, weil ein Vertrauensvorschuss gegeben wird. Aber auch Dom geht das Risiko ein, dass gewisse Dinge nicht zur Sprache kommen, die später relevant werden. Auch hier gilt: RACK heißt, sich dieser Risiken bewusst zu sein und sie bewusst zu akzeptieren. Das ist keine Kritik an Spielen außerhalb fester Dynamiken, aber es ist wichtig, sich klar zu machen: Hier ist mehr Unbekanntes im Spiel, und das bedeutet mehr Verantwortung für beide Seiten, aufmerksam zu sein und zu kommunizieren.

3) RACK > SSC, aber das „C" ist nicht verhandelbar

Ich arbeite eher mit RACK als mit SSC, weil „safe" für mich ein unrealistisches Versprechen ist. BDSM hat Risiken, physisch, emotional, psychisch, und die lassen sich nicht einfach „wegsichern". RACK ist ehrlicher: Wir kennen die Risiken, wir akzeptieren sie bewusst, und wir tragen gemeinsam Verantwortung.

Gemeinsam Verantwortung tragen heißt für mich auch: Risiken nicht verschweigen, wenn sie relevant sind. Wenn ich als Sub weiß, dass ich auf bestimmte Trigger extrem reagiere, dass ich gesundheitliche Einschränkungen habe oder dass ich gerade emotional instabil bin, dann muss ich das sagen, auch wenn es unangenehm ist. Wenn ich als Dom merke, dass ich müde, abgelenkt oder emotional nicht bei der Sache bin, dann muss ich das ebenfalls kommunizieren. Denn sonst wird Verantwortung einseitig und Risiko wird auf eine Person abgewälzt, und das ist nicht mehr konsensuell.

Aber genau hier ist mir wichtig, was @*******enig anspricht: Das „C" in RACK wird manchmal ignoriert, sobald es riskant wird. Und das ist für mich der Punkt, an dem es kippt. Risk Aware ohne Consensual ist kein BDSM, das ist Missbrauch mit Etikett. CNC (Consensual Non-Consent) ist etwas anderes, da wird vorher ein Meta-Konsens verhandelt, innerhalb dessen „so tun als ob kein Konsens" stattfinden darf. Aber auch da gilt: Der Rahmen muss klar sein, und es muss einen Notausgang geben.

4) In der Session: Rückmeldungen ernst nehmen

Was @****min schreibt, finde ich essentiell: Rückmeldungen über Missempfindungen dürfen keine negativen Konsequenzen haben. Wenn jemand sagt „das fühlt sich komisch an" oder „mir wird schwindelig", dann ist das kein „Spielverderben", sondern eine wichtige Information. Lieber eine kurze Unterbrechung als hinterher Physiotherapie oder psychische Folgeschäden.

Und hier zeigt sich für mich auch, ob Konsens real ist: Kann ich mitten drin stoppen, ohne dass daraus Drama, Schuld oder Sanktion entsteht? Wenn der Ausstieg „zu teuer" ist, emotional, sozial, praktisch, dann war der Konsens nie wirklich frei. Und „zu teuer" kann vieles heißen: Angst vor Ablehnung, vor enttäuschtem Schweigen, vor „jetzt hab ich's verdorben", vor Liebesentzug oder vor der Frage „warum hast du nicht früher was gesagt". Wenn diese Kosten im Raum stehen, wird ein Nein schwierig, selbst wenn theoretisch ein Safeword da ist.

Konsens ist kontextabhängig

Wichtig ist mir auch: Konsens ist kontextabhängig. Nur weil ich etwas zuhause in vertrauter Umgebung okay finde, heißt das nicht, dass ich es in einer neuen Umgebung, bei einem Event oder in einer anderen emotionalen Verfassung auch will. Genau deshalb muss Konsens laufend überprüfbar bleiben, nicht nur einmal am Anfang abgehakt werden.

Im Idealfall spricht man bei Kontextänderungen im Vorfeld darüber (zum Beispiel: „Zuhause ist XY okay, aber auf dem Event bin ich mir unsicher, lass uns vorher nochmal checken"). Oder man holt zumindest vor oder in der Situation noch mal aktiv Konsens ein. Aber auch hier gibt es das Problem, das wir in der Diskussion um BDSM und Feminismus hatten: Für manche Menschen (oft Sub, oft weiblich sozialisiert) ist es schwierig, kurzfristig ein Nein zu formulieren, wenn schon Erwartung oder Dynamik im Raum ist. Auch deshalb ist es so wichtig, dass der Ausstieg billig bleibt, dass er keine Kosten hat, und dass man als führende Person genau das im Kopf behält: „Hat sich der Kontext geändert? Passt das noch? Ist die andere Person gerade wirklich bei der Sache?"

5) Verantwortung ist geteilt

@**rr schreibt: „Nie denken die andere Person weiß immer was ich brauche, das mit der Telepathie klappt nur sehr selten." Genau. Verantwortung für Grenzen, Sicherheit und Kommunikation liegt nicht nur bei einer Person. Als Sub bin ich nicht „passiv ausgeliefert", sondern aktiv beteiligt: Ich muss meine Grenzen kennen, kommunizieren und auch im Spiel selbst Verantwortung übernehmen. Als Dom bin ich nicht „allwissend", sondern muss nachfragen, beobachten, interpretieren, und im Zweifel stoppen, auch wenn die andere Person gerade nicht stoppt.

Was @**********baden schreibt („Als männlicher Sub vertraue ich den dominanten Frauen blind"), ist für mich ein Warnsignal. Ich persönlich würde das in der dominanten Rolle auch nicht wollen, weil dann die Verantwortung am Ende wieder nur bei mir liegt, wenn etwas schief geht. „Ich hätte ja fragen können" ist dann schnell das Argument, aber wenn blindes Vertrauen erwartet wird, wird genau diese Frage unmöglich gemacht. Vertrauen ist wichtig, aber es ersetzt nicht Kommunikation, Wissen und geteilte Verantwortung.

6) Aftercare: Nicht optional, sondern Teil der Absprache

Aftercare ist für mich kein „Nice to have", sondern ein fester, verhandelbarer Bestandteil der Session, und zwar einer, über den man vorher sprechen muss. Denn Aftercare-Bedürfnisse sind individuell und können sehr unterschiedlich sein: Die eine Person braucht vielleicht eine halbe Stunde Kuscheln auf der Couch, die andere braucht jemanden, der die Nacht über da bleibt, weil sie sonst in einen Subdrop rutscht und allein ist. Wenn das nicht vorher geklärt ist, kann Aftercare schnell zum Konfliktpunkt werden, oder im schlimmsten Fall gar nicht stattfinden.

Aftercare umfasst für mich mehrere Ebenen:

Körperlich: Wasser, Wärme, ggf. Wundversorgung, eine Decke, etwas zu essen (Blutzucker!), Ruhe.

Emotional: Reden (oder auch Schweigen, wenn das gebraucht wird), Nähe, Rückversicherung, dass alles okay ist, dass die Session gut war, dass niemand „zu viel" war.

Reflexion/Debriefing: Was war gut, was war zu viel, was braucht es beim nächsten Mal anders. Für mich persönlich gehört zu Aftercare auch: Ich will über die Session reden. Nicht nur „gut/nicht gut", sondern wirklich darüber sprechen, was passiert ist, wie es sich angefühlt hat, was es mit mir gemacht hat. Ich brauche das Gefühl, dass ich kommunizieren darf, und zwar in hohem Umfang. Das muss nicht sofort sein, kann auch am nächsten Tag sein, aber es sollte möglich sein.

Manche können in dem Moment direkt nach der Session noch nicht verbal gut formulieren, was sie brauchen oder wie es ihnen geht. Für die ist es wichtig, dass auch andere Formen möglich sind: Dinge später aufschreiben und dann darüber reden, oder erst mal in Ruhe sortieren und dann das Gespräch suchen. Auch das muss vorher geklärt sein: Wie kommunizieren wir im Debriefing, und wann findet es statt?

Debriefing ist bidirektional

Generell finde ich, dass Debriefing oft sehr einseitig ist, also stark darauf fokussiert, wie es Sub ging. Ich möchte aber auch wissen, wie es Dom ging, wie er sich fühlt, was ihn beschäftigt, ob was zu viel war und so weiter. Debriefing muss in beide Richtungen gehen, weil beide Seiten emotional beteiligt sind und beide etwas verarbeiten müssen.

Umgang mit schwierigen Gefühlen im Debriefing

Debriefing ist für mich nicht nur „Session bewerten", sondern ein Raum, in dem jedes Gefühl sein darf, das auftritt: Scham, Schuld, Verwirrung, Angst, auch wenn die Session gleichzeitig gut war. Ganz wichtig ist mir dabei: Es geht nicht nur um Techniken („war die Fesselung okay?"), sondern darum, dass ich als Person gesehen werde. Und dass klar ist: Ich war nicht zu viel, auch wenn etwas zu viel war.

Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Wenn ich höre „das war zu viel", kann ich das einordnen und wir können schauen, wie wir es künftig anders machen. Wenn ich aber das Gefühl habe „ich war zu viel", dann ist das eine Aussage über mich als Person, und die kann sehr verletzend sein, selbst wenn sie nicht so gemeint war.

Die Sicherheit des Debriefings wird mit in die nächste Session genommen, genauso wie die Sicherheit durch Konsens vorher. Wenn im Debriefing etwas Blödes passiert (Vorwürfe, Abwertung, „du hättest doch..."), dann wird das Vertrauen beschädigt, und das wirkt direkt auf die nächste Session. Deshalb ist Debriefing für mich fast genauso wichtig wie die Session selbst.

Deshalb ist für mich wichtig:

• Ich frage explizit: „Gibt es etwas, das schwierig war, auch wenn es gleichzeitig gut war?"
• Ich halte aus, wenn die Antwort unbequem ist (Scham, Angst, Schuld), ohne sofort zu trösten oder zu relativieren.
• Ich sage klar: „Du darfst das fühlen, und es ändert nichts daran, dass ich dich schätze/dass die Session wertvoll war."
• Ich unterscheide: War das ein normaler Drop (hormoneller Absturz, emotionale Erschöpfung) oder eine Grenzüberschreitung? Beides ist okay zu benennen, aber es braucht unterschiedliche Reaktionen.
• Ich sage auch, wenn ich schwierige Gefühle habe (z.B. Schuld als Dom), weil Debriefing in beide Richtungen gehen muss.
• Und ganz wichtig: Man muss im Debriefing nicht alles sofort lösen. Oft hilft auch einfach annehmen und später nochmal drüber reden.

Ganz wichtig: Aftercare ist keine Einbahnstraße. Auch Doms können nach intensiven Sessions emotional erschöpft, verunsichert oder schuldig sein, das nennt sich Dom-Drop. Auch da ist Kommunikation wichtig: Was brauchst du, was kann ich geben, was müssen wir uns gegenseitig zugestehen. Wenn der Dom gerade selbst nicht in der Lage ist, Aftercare zu geben, muss das vorher geklärt sein, z.B. durch eine dritte Person („Babysitter"), die einspringt, oder durch klare Absprachen, dass die Session dann eben nicht stattfindet.

Und noch ein Punkt, der mir extrem wichtig ist: Drop kann verzögert auftreten, manchmal Stunden, manchmal Tage später. Deshalb gehört zu Aftercare für mich auch die Absprache, dass jederzeit Kontakt gesucht werden kann, wenn es einem nicht gut geht. Wenn ich weiß, dass nach der Session niemand erreichbar ist, würde ich nicht spielen, weil das Risiko eines unbegleiteten Subdrop oder Domdrop für mich nicht akzeptabel ist.

Das ist ein Idealkonstrukt

All das, was ich hier beschreibe, ist natürlich ein Sollkonstrukt und dementsprechend ausformuliert. Und je mehr man sich kennt, desto mehr Meta-Konsens ist da, desto mehr läuft auch intuitiv. Aber auch in tiefen und bekannten Dynamiken ist es oft so: Man kommuniziert zwar nicht, dass irgendwas fehlt oder schwierig ist, das heißt aber nicht, dass es nicht besser wäre, wenn man es täte. Sowohl für das Spiel als auch für die Dynamik.

Mein Fazit:

Konsens und Sicherheit sind für mich keine Checkliste, die man einmal abhakt, sondern ein fortlaufender Prozess: Vor der Session (informieren, verhandeln, Aftercare-Bedürfnisse klären, Kommunikationsformen besprechen), während der Session (beobachten, kommunizieren, reagieren), nach der Session (Aftercare, Reflexion, Erreichbarkeit, bidirektionales Debriefing). Und die Kernfrage bleibt für mich immer: Wie leicht ist der Ausstieg, real, nicht nur theoretisch. Denn wenn Macht nicht umkehrbar ist, dann ist sie nicht gespielt, sondern gelebt.
****sum Mann
5.595 Beiträge
Ich brauche keinen Konsens, nur manchmal wirksame Einwilligung. Und schon gar keine Buchstabensuppe.
*********Seil Paar
949 Beiträge
Zitat von *******tor:
Wie handhabt ihr es?

Wir haben da so ein Online-Formular:
"Ich bin über 18 und mit Allem einverstanden!"
Da musst du drauf klicken.

Grüße aus Stenkelfeld *wink*
*********pfer Paar
555 Beiträge
(er schreibt)

@******_82 Puh, das ist ja mal deutlicvh mehr als ein einfacher Foren-Beitrag!

Da kann ich mir meine ursprünglich für heute Abend geplanten Ausführungen wohl sparen (das ist ausdrücklich positiv gemeint!).

Wo ich noch einen Punkt habe:

Abgrenzung SSC/RACK:

zu SSC zitiere ich mal aus dem Wikipedia-Artikel:
(...)
... es ist beiden bzw. allen Beteiligten klar, worauf sie sich einlassen. Dies setzt intensive Gespräche über Wünsche, Neigungen und Abneigungen sowie weitreichende Aufklärung über die medizinischen und psychischen Risiken und Gefahren voraus.
(...)
Jede der drei Komponenten des SSC ist dabei individuell zu bewerten; es kann durchaus Spielarten geben, die von dem Einen als unsicher, dem Anderen jedoch als sicher bewertet werden.
(...)

Ich sehe da faktisch einen viel geringeren Unterschied zu RACK, als es meist angenommen wird. Denn auch hier zählt das Risikobewusstsein und die (individuelle) Risikoakzeptanz!

RACK wird oft (ich lese es in BDSM-Foren, z.B. hier, aber in Podcasts, z.B: Kunst der Unverbunft, habe ich es auch schon so gehört) als "Steigerung" von SSC "gemeint" - aus meinre Sicht ist es das nicht, sondern was eigentlich gemeint ist: Manche Menschen akzeptieren beim BDSM eventuell höhere Risiken als andere.

Der andere Punkt der mir durch den Kopf geht: Das viel beschworene "CNC", manche sagen auch Metakonsens oder was auch immer.

Hier wird es aus meiner Sicht schwierig. Das ist vielleicht (!) genau das, was @*******enig gemeint hat: Das "C" wird nicht mehr so ernst genommen. Ich frage mich auch: Von wem? Sub oder Top? Ist das vielleicht der Punkt, wo einer der Beteiligten denkt "wir machen jetzt CNC", aber ausrücklich vereinbart wurde es nicht? Oder man hat sich gar nicht darüber ausgetauscht, was man unter CNC versteht?

Das scheint allerdings nicht das Thema aus dem EP von @*******tor zu sein.

Würde ich vor dem Hintergrund des Risikomanagements aber auch gerne mal diskutieren...
******_82 Frau
742 Beiträge
Zitat von ****sum:
Ich brauche keinen Konsens, nur manchmal wirksame Einwilligung. Und schon gar keine Buchstabensuppe.

Deine Aussage wirft für mich ehrlich gesagt mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Ich will dir nichts unterstellen oder dich angreifen, vielleicht meinst du das alles ganz anders, aber ich versuche mal zu beschreiben, wie das bei mir ankommt.

Wenn du schreibst "ich brauche nur manchmal wirksame Einwilligung": Meinst du, dass es Situationen gibt, in denen du gar keine Einwilligung brauchst? Oder meinst du eher Meta-Konsens, also einen vorher vereinbarten Rahmen, innerhalb dessen dann spontan entschieden wird? Für mich ist Einwilligung nicht optional, sondern die Basis von allem. Deshalb bin ich unsicher, was du mit "nur manchmal" meinst.

Außerdem klingt "wirksame Einwilligung" für mich (wahrscheinlich meinst du auch das gar nicht so) ziemlich von oben herab. So als würdest du dir Einwilligung "abholen", und dann hast du sie. Das kommt bei mir einseitig an: Sub willigt ein, du führst aus. Und wenn du das ganze Thema als "Buchstabensalat" bezeichnest, wirkt das auf mich so, als wäre dir das nicht besonders wichtig. Vielleicht ist es das für dich wirklich nicht, aber für die andere Person könnte es wichtig sein. Und dann ist die Frage: Nimmst du das ernst, auch wenn es dir selbst nicht wichtig ist?

Für mich ist Einwilligung nichts, das Sub dir gibt und du dann hast, sondern etwas, das beide aufrechterhalten. Und die Verantwortung dafür, dass ein Ausstieg wirklich möglich ist (nicht nur theoretisch, sondern praktisch), liegt nicht nur bei der Person, die einwilligt, sondern auch bei dir. Also: dass Rückmeldungen ernst genommen werden, dass sich Kontext ändern kann, dass die Person tatsächlich stoppen kann, ohne dass es schwierig wird.

Möglicherweise ist das für dich alles selbstredend, aber es steht da halt nicht und so habe ich da eher ein Fragezeichen *g*
*****lia Frau
47 Beiträge
Hallo zusammen,

erst mal vielen lieben Dank an @******_82. So gut habe ich das Thema noch nie aufgearbeitet gesehen.


Wie handhabe ich das?

Sicherheit:
Viele der Spielwiesen, auf denen ich gerne Blumen pflücke sind nicht 100% sicher. Dessen bin ich mir bewusst und ich gehe das Risiko ein. Warum? Weil es mich kickt.
Ich finde, es ist die Aufgabe von Dom UND Sub um die Risiken zu wissen und zu wissen, wie man diese minimiert. Ich kann von Dom nicht verlangen, dass er hellseherische Fähigkeiten besitzt, alle Unsicherheiten im Alleingang beseitigt und die Verantwortung alleine trägt. Zu einem guten Team gehören immer mindestens zwei.
Also arbeitet man zusammen. Beide wissen um die Risiken, um Warnzeichen und um Vermeidung bzw. Gegenmaßnahmen.
Jeder darf mal einen schlechten Tag haben und dann erwarte ich, dass darüber gesprochen wird. Lieber wird auf Spielarten oder die Session verzichtet, als sie auf biegen und brechen durch ziehen zu müssen und dadurch ein unnötiges Risiko einzugehen.
Und das ganze ohne dass einer auf den anderen böse ist oder ihm Vorwürfe macht.
Der Schlüssel liegt wie so oft in der Kommunikation.

Konsens:
Auch in dem Bereich ist die Kommunikation essentiell. Konsens ist für mich kein fest geschriebener Punkt. Eine Einwilligung ist nicht für alle Zeiten in allen Lebenslagen gültig. In der Regel darf sich Dom bei mir innerhalb der festgesteckten Grenzen jederzeit frei bewegen. Vorausgesetzt, wir kennen uns gut genug und es herrscht Vertrauen. Mit dem Vertrauen wächst der Raum.
Das ist der Idealfall.
Leider spielt das Leben nicht immer das gleiche Spiel. Die Tagesform kann einem einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Man hat schlecht geschlafen, es gab Stress auf der Arbeit, oder es ist vielleicht die ungewohnte Umgebung einer Party, etc. ...
In diesen Fällen kann es durchaus passieren, dass es ausgerechnet heute mal nicht klappt und ein klares "Nein" kommt.
Ich persönlich kann mit Safeword oder Ampelcode nicht so gut arbeiten. Mein Kopf steckt dann fest. Sage ich das Wort jetzt, kann ich noch etwas aushalten, ... Das blockiert mich.
Mir ist da klare Kommunikation wesentlich lieber. Alle sagen immer "Nein ist kein Safeword". Da ich keine Rollenspiele spiele, heißt bei mir "Nein" auch wirklich "Nein" und auf Rückfragen während der Session, z. B. "Alles OK?", bekommt Dom auch eine klare Antwort. Und sollte es doch mal etwas heftiger werden, kommt meinerseits vielleicht mal ein "Pause". Heißt, "Ich brauch einen kleinen Augenblick, wir können aber gerne weiter machen".
Im Endeffekt also auch ein Ampelcode. In meinen Augen aber eindeutiger als grün, gelb oder rot bzw. bedarf es nicht der vorherigen Definition der einzelnen Farben. Man kann ihn feiner abstimmen und das Gegenüber weiß direkt bescheid.

Mein Fazit:
Kommunikation ist wichtig und bleibt wichtig. Gerade weil es um die psychische und physische Gesundheit von Menschen geht. Genauso wie sich Dom für mich verantwortlich fühlt, fühle ich mich auch für Dom verantwortlich. Das ist keine Einbahnstraße.

Was mir noch am Herzen liegt zu sagen:
Bitte nicht falsch verstehen. Das ist mein System, dass ich mir über die Jahre aufgebaut habe. Ich stelle keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und das System lebt. Es kann wachsen und sich verändern. Wenn jemand lieber mit Safeword oder Ampelcode arbeitet und damit gut klar kommt, um so besser.
******_82 Frau
742 Beiträge
Zitat von *********pfer:
(er schreibt)
Abgrenzung SSC/RACK:

zu SSC zitiere ich mal aus dem Wikipedia-Artikel:
(...)
... es ist beiden bzw. allen Beteiligten klar, worauf sie sich einlassen. Dies setzt intensive Gespräche über Wünsche, Neigungen und Abneigungen sowie weitreichende Aufklärung über die medizinischen und psychischen Risiken und Gefahren voraus.
(...)
Jede der drei Komponenten des SSC ist dabei individuell zu bewerten; es kann durchaus Spielarten geben, die von dem Einen als unsicher, dem Anderen jedoch als sicher bewertet werden.
(...)

Ich sehe da faktisch einen viel geringeren Unterschied zu RACK, als es meist angenommen wird. Denn auch hier zählt das Risikobewusstsein und die (individuelle) Risikoakzeptanz!

RACK wird oft (ich lese es in BDSM-Foren, z.B. hier, aber in Podcasts, z.B: Kunst der Unverbunft, habe ich es auch schon so gehört) als "Steigerung" von SSC "gemeint" - aus meinre Sicht ist es das nicht, sondern was eigentlich gemeint ist: Manche Menschen akzeptieren beim BDSM eventuell höhere Risiken als andere.

Zu SSC vs. RACK:

Du hast recht, dass der Unterschied zwischen SSC und RACK oft überschätzt wird und beide letztlich auf individuelle Risikoakzeptanz hinauslaufen. Ich finde den konzeptionellen Unterschied trotzdem wichtig, gerade wenn es um Risikomanagement geht.

Für mich ist das Problem bei SSC, dass "safe" und "sane" suggerieren, es gäbe objektiv sichere und vernünftige Praktiken. Auch wenn im Wikipedia-Artikel steht, dass jede Komponente individuell zu bewerten ist, bleibt die Sprache normativ: "Ist das safe?" "Ist das sane?" kann wie eine moralische Bewertung klingen. Nach meiner Erfahrung führt das manchmal dazu, dass Menschen sich unter Druck gesetzt fühlen, nur "sichere" Sachen zu machen, oder dass andere urteilen: "Das ist nicht sane, also falsch."

Mal ein ganz konkretes "Parade" Beispiel: Atemkontrolle. Bei SSC würde man darüber sprechen, dass es gefährlich ist, aber dann müsste man es trotzdem als "vernünftig" und "sicher genug" einstufen, damit es unter SSC fällt. Man suggeriert: "Wenn wir das so machen, ist das sicher und vernünftig." Das Problem ist aus meiner Sicht, dass man sich dadurch möglicherweise nicht bewusst genug über die tatsächlichen Risiken wird, weil man es ja als SSC eingestuft hat. Außerdem müsste man jedes Mal neu definieren: Wo ist die Grenze zwischen sicher und unsicher, vernünftig und unvernünftig?

Ja, du kanns "safe" natürlich als "Abwesenheit von nicht akzeptablen Risiken" einstufen. Aber genau da wird es problematisch: "Akzeptabel" hat zwei Bedeutungen. Einerseits "etwas, das okay ist" (der Tod ist nicht akzeptabel). Andererseits "etwas, das man in Kauf nimmt" (der Tod ist ein Risiko, das man akzeptiert, wenn man sich für Atemkontrolle entscheidet). Wenn "akzeptabel" bedeutet "was ich in Kauf nehme", dann kann man alles als "safe" bezeichnen, sobald man das Risiko kennt und akzeptiert. Das macht "safe" zu einer Frage der Akzeptanz, nicht der tatsächlichen Gefahr. Und das ist aus meiner Sicht gefährlich, weil es die Schwere der Risiken relativiert.

Wenn man sagt "Wir haben die Risiken akzeptiert, also ist es safe", dann klingt es, wenn etwas passiert, nach: "Tja, du hast das Risiko ja akzeptiert", "Du wusstest, worauf du dich einlässt", "Ist halt dumm gelaufen, aber war ja kalkuliert". Das verschiebt Verantwortung und macht aus Tod oder Hirnschaden ein "Risiko wie jedes andere". Man kann sich rausreden: "War ja akzeptabel, also safe." Das verharmlost die tatsächliche Gefahr.

Bei RACK dagegen ist die Anforderung explizit: Man benennt klar, dass das, was wir tun, nicht sicher ist und möglicherweise auch objektiv unvernünftig. Aber als sachliche Beschreibung, nicht als moralische Bewertung. Bei Atemkontrolle würde das konkret bedeuten: Man spricht explizit darüber, dass das auch wenn man alles richtig macht und nicht nur wenn man es falsch macht, zu bleibenden Schäden oder zum Tod führen kann. Ich vermute, dass bei SSC viele Leute das nicht so konkretisieren, weil sie davon ausgehen, dass es ja "sicher genug" ist, wenn sie es als SSC einordnen. RACK würde aber genau das erfordern: die Risiken explizit und konkret benennen, nicht relativieren oder voraussetzen.

RACK sagt: Das ist nicht sicher. Tod oder Hirnschäden sind möglich, auch wenn wir alles richtig machen. Nicht "dumm gelaufen", sondern objektiv gefährlich. Man redet sich die Risiken nicht schön ("ist ja safe, weil wir es akzeptieren"), man benennt klar: Das kann wirklich passieren, und zwar nicht nur bei Fehlern. Man trägt die Verantwortung bewusst: Wenn das passiert, war es nicht "dumm gelaufen", sondern ein bekanntes, schwerwiegendes Risiko. Keine Illusion von Sicherheit. Das ist gefährlich. Punkt. Du kannst es trotzdem machen, aber red es dir nicht schön.

Klar, in der Praxis sind die Übergänge fließend, und nicht jeder ordnet das theoretisch ein. Aber im Prinzip finde ich RACK genau deshalb besser: Es macht Risikomanagement konkreter/ehrlicher und fordert ein, dass man Dinge wirklich ausspricht (Ob das immer auch gemacht wird, stelle ich trotzdem in Frage ;)). Faktisch ist der Unterschied vielleicht gering, wenn beide Seiten ehrlich sind und sich der Risiken bewusst sind. Rhetorisch ist der Unterschied aber groß, und genau deshalb wichtig.
******_82 Frau
742 Beiträge
Zitat von *********pfer:
(er schreibt)
Der andere Punkt der mir durch den Kopf geht: Das viel beschworene "CNC", manche sagen auch Metakonsens oder was auch immer.

Hier wird es aus meiner Sicht schwierig. Das ist vielleicht (!) genau das, was @*******enig gemeint hat: Das "C" wird nicht mehr so ernst genommen. Ich frage mich auch: Von wem? Sub oder Top? Ist das vielleicht der Punkt, wo einer der Beteiligten denkt "wir machen jetzt CNC", aber ausrücklich vereinbart wurde es nicht? Oder man hat sich gar nicht darüber ausgetauscht, was man unter CNC versteht?

Das scheint allerdings nicht das Thema aus dem EP von @*******tor zu sein.

Würde ich vor dem Hintergrund des Risikomanagements aber auch gerne mal diskutieren...

Ich glaube, @*******enig meinte das "C" in RACK. Wenn das ignoriert wird, ist es nicht mehr konsensuell. Das unterscheidet sich von CNC, wo vorher ein Meta-Konsens verhandelt wurde, der absichert, dass Grenzen überschritten werden dürfen. Ohne diese Vereinbarung ist es kein CNC, sondern eine Grenzüberschreitung.

Interessanterweise ist das "C" in beiden Fällen dasselbe: Consensual. Bei RACK bedeutet es: Alles, was passiert, ist einvernehmlich. Bei CNC bedeutet es: Es wurde einvernehmlich vereinbart, dass es so aussieht, als wäre es nicht einvernehmlich. Also ein Meta-Konsens, dass innerhalb eines bestimmten Rahmens "Non-Consent gespielt" wird. Bestimmte Dinge dürfen passieren, auch wenn die unten spielende Person "Nein" sagt oder sich widersetzt. Der Widerstand ist Teil des Spiels. "Nein" gilt nicht mehr, nur ein Safeword oder ein vorher vereinbartes Signal stoppt die Szene. Bei anderen BDSM-Praktiken wird Kommunikation beachtet. Ohne dieses "C" ist weder RACK noch CNC okay.

Ich glaube, dass CNC sehr oft gar nicht explizit besprochen wird. Manchmal fehlt auch die Begrifflichkeit dafür, und es ergibt sich aus dem Tun heraus. Dann kann es leicht passieren, dass Top denkt: "Solange Sub nicht das Safeword sagt, ist es noch okay", während gerade Einsteigern nicht klar ist: "Nein" hat hier keine Bedeutung. Wo ist die Grenze zwischen "wir spielen, also interpretiere ich dein Nein als Teil davon" und "das war jetzt wirklich Nein"? Bei CNC wurde das vorher geklärt. Wenn nicht, bleibt es unklar, und dann kann es kippen.

Ein weiteres Problem aus meiner Sicht: Wann genau gilt CNC? Dauerhaft in einer Dynamik, oder nur in bestimmten Situationen mit klarem Start und Ende? In einer Brat-Dynamik mit Beziehungsebene kann "Nein" manchmal spielerischer Widerstand sein und manchmal wirklich "Stop" bedeuten. Betonung, Gestik oder Kontext unterscheiden das. Hier geht es weniger darum, vor jeder Session neu zu verhandeln, sondern eher darum, überhaupt mal darüber zu sprechen, dass solche Momente vorkommen können, und nachher anzusprechen, wenn etwas problematisch war. Die Beziehungsebene ändert die Grenzen.

Anders sieht es aus, wenn es keinerlei Absprachen, Rückversicherung oder Beziehung gibt. Ich erlebe das selbst immer wieder: Jemand geht davon aus, dass frühere Zustimmung automatisch weiterbesteht, auch wenn sich der Kontext komplett geändert hat. Kürzlich hat mir zum Beispiel jemand am Buffet ungefragt auf den Hintern gehauen, weil es beim letzten Mal in einem anderen Setting erlaubt war, mich hart anzufassen. Als ich nein sagte, wurde es wiederholt. Erst als ich sehr deutlich wurde, wurde es ernst genommen. Das zeigt: Ohne vorherige Absprache oder wenigstens kurze Rückversicherung wird angenommen, dass Zustimmung immer gilt, unabhängig von Situation oder aktueller Stimmung. Das ist keine CNC-Vereinbarung, das ist fehlende Kommunikation.

Wenn öffentlich gespielt wird, wird auch sichtbar, dass CNC ohne besprochenen Meta-Konsens nicht selbsterklärend ist. Was für die Beteiligten einvernehmlich ist, sieht für Außenstehende möglicherweise nach einer Grenzüberschreitung aus. Menschen gehen erstmal davon aus, dass "Nein" bedeutet "Nein", nicht "Nein im Rahmen von CNC". Deshalb sagen viele BDSMler zu Recht: Wir spielen nur in einem informierten Rahmen, wo allen klar ist, dass CNC existiert und was das bedeutet.

Aus Risikomanagement-Sicht ist genau das das Risiko: Wenn CNC nicht explizit verhandelt wurde, kann es zu einer Grenzüberschreitung kommen, auch wenn beide dachten, "alles ist klar". Konkret heißt das aus meiner Sicht:

• Nie implizit annehmen: "Wir machen jetzt CNC" oder "Sub weiß schon, dass Nein nicht zählt" (Gilt übrigens auch andersherum, hat aber weniger Risiko)
• Klären: Was bedeutet "Nein" in unserer Dynamik? Gilt es, oder nicht? Wenn nicht, was gilt dann? Wann gilt CNC, wann nicht?
• Safeword festlegen: Was ist das Safeword, und was passiert, wenn es benutzt wird (und zwar Kontextbezogen bestenfalls)
• Nachbesprechung: Wenn es CNC war, ist das meines Erachtens essentiell, weil sonst zuviel untergeht. War klar, was CNC bedeutet? Gab es Momente, wo unklar war, ob die Zustimmung noch da ist? War irgendwas zu viel? Falls ja - warum hat kein Ausstieg stattgefunden? Letzteres ist übrigens eine sehr wichtige Frage, generell beim Thema Grenzen und Konsent.

Das gehört jedenfalls für mich absolut zum Risikomanagement: CNC muss verhandelt werden, nicht angenommen.
******_82 Frau
742 Beiträge
Zitat von *******enig:
Bei ssc wird es wohl das Gespräch sein, bei rack hingegen sind deine hellseherischen Fähigkeiten gefragt... Das ist jetzt natürlich übertrieben und stark vereinfacht, aber viele rack Anhänger/innen suchen das Risiko in der nicht angesprochenen Grenzüberschreitung, weshalb Herrchen gefälligst alles schön im Griff haben sollte. Die beiden letzten Buchstaben werden gerne ignoriert, Hauptsache risk aware...

@*******enig, zu deiner Beobachtung mit den hellseherischen Fähigkeiten: Ich verstehe nicht ganz, wie du darauf kommst. RACK ist doch genau das Gegenteil davon. RACK setzt voraus, dass man über Risiken spricht, sie explizit benennt und klärt, was passieren kann. "Risk Aware" bedeutet ja gerade: Beide wissen Bescheid, weil darüber gesprochen wurde. Wenn jemand erwartet, dass die führende Person ohne Gespräch "alles im Griff hat" und Grenzen errät, dann ist das nicht RACK, sondern fehlende Kommunikation. Bei SSC wäre das Problem doch noch größer, weil "safe" suggeriert, dass schon alles in Ordnung ist, ohne dass man die Risiken konkret besprechen muss. Oder habe ich deine Aussage falsch verstanden?
*******enig Mann
15.321 Beiträge
Nö nö, das passt schon so ziemlich. SSC, RACK und DEBRIS sind sozusagen die 3 Härtegrade innerhalb eines nicht kriminellen Spiels. Kriminell wird es... hier bitte die subjektive Schwelle eintragen.
*********body Mann
13 Beiträge
Hallo zusammen

Ich als Mann bin noch etwas unerfahren. Meine andere Hälfte hat da mehr Erfahrung und bewegt sich in der Szene wesentlich hemmungsloser.

Was muss absolut klar für beide sein, um einen guten Abend zu erleben? Ich bin gerne dominant, je nach Umfeld mal wohler, mal nicht. Wie geht ihr mit den eigenen Gefühlen um, wie macht ihr innerlich den nächsten Schritt? Ich würde gerne ganz hemmungslos sein, aber mit meiner Frau bin ich einfach wesentlich vorsichtiger.

Danke für alle möglichen Tipps.

Liebe Grüsse, Mike
*****n27 Frau
6.685 Beiträge
SSC und RACK sagen meiner Ansicht nach nichts über die Härtegrade aus, aus ihnen lassen sich ja nichtmal die Praktiken ableiten, mit denen gespielt wird.

SSC sagt: "Es ist alles sicher, was wir machen, mach dir keine Sorgen",
RACK sagt: "Wir machen das, was wir tun, so sicher wie möglich, aber dass es 100%ige Sicherheit nicht gibt ist uns beiden bewusst".

Dass manche Menschen krasser, das C übergehend oder risikoignorant spielen, klar, die gibt es durchaus. Aber das bildet ja nicht das Konzept ab, sondern Menschen, die sich nicht an das Konzept halten.
*********body Mann
13 Beiträge
Was heisst SSC und RACK?
******_82 Frau
742 Beiträge
Zitat von *********body:
Was heisst SSC und RACK?

Safe Sane Consensual – SSC

Ansonsten Wikipedia *g* Für deine Fragestellung zu deiner Beziehungsebene ergibt ein eigener Thread mehr Sinn, denke ich, da es in diesem Thread hier um die grundsätzlichen Prinzipien geht.
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