U. A.
@******wen und
@******ion haben deine Frage eigentlich bereits beantwortet. Spätere Beiträge kamen erst während ich schrieb.
Ich versuche es mal ergänzend auf andere Art.
• Es gibt Menschen die BDSM als eine Art Lebenseinstellung sehen. Für sie ist zumindest ein klares Machtgefälle zwischen den Partnern unverzichtbar. Relativ oft auch außerhalb sexueller Handlungen.
Meine Ende 2017 verstorbene Frau und ich waren damals hier unter dem Paarprofil Lisa_Bert (2008 bis Anfang 2017) u. A. in drei der BDSM Gruppen angemeldet, weil ich ihr in einem kleinen Teil ihres BDSM nicht gerecht werden konnte, bzw. eher wollte. Denn ich lehne es für mich ab offene Wunden >>selbst<< zu verursachen. Jedenfalls bei einer (Sexual)Partnerin. Hat ursprünglich vermutlich mit meiner Kindheit zu tun. Später, insbesondere im Irak, kamen weitere Gründe hinzu. Sie bzw. wir suchten dort also gezielt nach Doms mit einer ausgeprägten sadistischen Neigung.
In allen drei Gruppen fiel mir auf, dass Begriffe wie 'Vanilla' und 'Stino' schon mal gerne nicht zur Abgrenzung, sondern klar als Herabwürdigung, oft in Verbindung mit dem Begriff 'Kindergarten', genutzt wurden. Für zum Glück bei Leibe nicht allen Gruppenmitgliedern war BDSM eine Art 'Königsdisziplin'.
• Und es gibt Menschen die BDSM durchaus gerne ins Spiel einbeziehen, aber eben nicht immer, sondern wenn beide Situativ grade Lust darauf haben. Das heißt nicht das eine Session zwingend anders als oben ablaufen muss. Die Vielfalt die BDSM abbildet, wird abgesehen vom permanenten Machtgefälle in den individuell präferierten Teilen identisch gelebt. BDSM ist für sie eine von mehreren sexuellen Varianten, aber eben kein ständiges Must Have.
Zur letzteren Gruppe gehöre ich.
Zudem bin ich Switcher, kenne, liebe und lebe also (gelegentlich) beide Seiten des Spiels.
Ich versuche das mal an Hand einiger wichtiger Frauen in meinem Leben zu erklären.
• Meine erste reine Fickbeziehung betraf zu etwa 90% BDSM.
Damals 17 lernte ich in einem besetzten Haus eine deutlich ältere Frau kennen, die in mir, vermutlich wegen meines Auftretens (Verbal, Körpersprache, Ausstrahlung) in Konfliktsituationen, irgend etwas sie ansprechendes dominantes entdeckte.
Es folgte eine fast ein Jahr andauernde seltsam anmutende 'Top by the Bottom' Spielbeziehung, die an dem Tag endete als ich mich weigerte Reißzwecken in ihrem Körper zu versenken. Damit war ich für sie uninteressant geworden
• Etwas später kam ich, also über Monate zeitgleich, mit meiner ersten festen Freundin zusammen. Der BDSM Anteil in unserer durchaus variantenreichen Sexualität = Null.
^^Tatsächlich trennte ich damals BDSM noch klar vom 'normalen' Sex ab. Auf den Trichter beide Welten miteinander zu verbinden kam ich erst einige Jahre später.
• Erste Ehefrau (6 Jahre) - BDSM Anteil Null
• Zwei Freundinnen mit denen ich etwa 4,5 Jahre in einer Art Menage a Trois zusammenlebte
Beide Switcherinnen, beide bereits bevor ich sie kennen lernte, gerne auch als Hauptperson(en) auf Humiliation Partys unterwegs. Für mich eine Sparte des BDSM. Eine von ihnen ist heute meine Partnerin.
Der BDSM Anteil in Dreisamkeit bzw. Zweisamkeit lag damals wie heute bei geschätzt etwa 40%.
Wobei Petra und ich es genießen spontan von Zärtlich auf teils auch intensives 'Aua' umzuschalten, um schon wenige Minuten später wieder auf Zärtlich zurückzugehen. Aber auch gezielte längere Sessions sind unser Ding.
• Eine Spielbeziehung zu einer Femdom endete bereits nach wenigen Wochen, weil mein devoter Anteil (laut SMappy und ähnlichen Tests unter 10%) einfach zu gering ausgeprägt war bzw. ist, um ein für uns beide befriedigendes BDSM zu ermöglichen.
• Zweite Ehefrau (17 Jahre)
Wir liebten auf Gegenseitigkeit Rough Sex. Allerdings nur selten mit starken BDSM Anteilen. Die bezogen sich dann nahezu ausschließlich darauf, dass sie von sich aus, wenn sie grade Lust darauf verspürte meinen masochistischen Switch Anteil zu befriedigen, entsprechend agierte. Dabei vergaß sie schon Mal mich vorab darüber zu informieren. Sie spielte also gerne, wie auch ich, mit Kopfkino und Erwartungshaltung.
• Lisa, meine dritte Ehefrau (11 Jahre), BDSM-Anteil etwa 60%
Vor mir lebte sie in zwei BDSM Beziehungen mit stets 'Hart' agierenden Doms. Sie war die einzige rein devot/masochistisch veranlagte Partnerin in meinem Leben.
Entsprechend schwierig gestaltete sich der BDSM Anteil unserer Sexualität. Ich kann Dominanz zwar wunderbar 'spielen', empfinde sie aber gegenüber/mit einer Partnerin nicht wirklich.
Das sie mich überhaupt als tatsächlich dominanten Partner sah hat einerseits mit dem Irak, wo wir uns kennen lernten, zu tun, andererseits mit zwei Alltagssituationen hier in Deutschland. In der einen brachte ich einen, wie sich später herausstellte, Vergewaltiger (er hatte einer Teenagerin von hinten unter den Rock gegriffen und wie sich später herausstellte bei der Gelegenheit auch per Finger penetriert) zu Boden und stand bis zum Eintreffen der Polizei etwa 10 Minuten mangels anderer Fixiermöglichkeiten auf seinen Händen.
Das allein allerdings sah Lisa nicht als Dominanz.
Wohl aber die Art wie ich seine durchaus gewaltbereiten Freunde in dieser Zeit allein über Blicke und Körpersprache von einer weiteren Konfrontation abhielt. Natürlich hätten sie mich gemeinsam überwältigen können, aber keiner traute sich als erster zu kommen.
Später sagte Lisa sinngemäß dazu: 'Du kannst 1000 Mal behaupten dass du nicht Dominant bist. Es stimmt einfach nicht'.
Innerhalb unserer Sexualität genoss sie einerseits, dass diese eben nicht 'nur' aus BDSM bestand.
Andererseits eine für sie neue Vielfalt (z. B. teils intensives Pet Play, Atemkontrolle, E-Stim, Mouthplay).
Vor allem aber dass ich sie zu mehr 'Eigenverantwortung' zwang. Sie war es gewohnt erst fixiert und dann 'Hart' verwöhnt zu werden. Also inaktiv der Dinge zu harren die da kommen würden.
Von mir hingegen bekam sie z. B. aus dem Nichts einer Alltagsituation heraus eine Zahl genannt und die freundliche Aufforderung z. B. ihre Vulva darzubieten. Nach jedem Schlag drehte sie sich weg und war erst mal damit beschäftigt ihren Schmerz wegzuatmen. Und dann verdammt Stolz darauf sich immer wieder in Position zu bringen, bis die vorab genannte Zahl erreicht war. Eine ähnliche Variation schilderte ich in dieser Situationsbeschreibung:
Lustschmerz
Es war also nicht so dass unser BDSM ausschließlich Soft ausgelebt wurde.
Was ich ihr allerdings nicht geben konnte bzw. wollte waren Nadelspiele und aufgeplatzte Haut.
Da sie diese Varianten aus den zwei vergangenen Beziehungen kannte und sie gelegentlich auch wieder (er)leben wollte, bezogen sich drei der vier Solo Treffen die sie in unserer Zeit hatte, auf Spielpartner die ihr genau das geben konnten und wollten.
Mit dem dritten traf sie sich, auch weil sie dort durch das im Haus lebende Paar gecovert wurde, im BDSM Studio unserer Allgäuer Location. In der Folge fragte er an ob das auch für BDSM Partys zur Verfügung stände und so fanden wir Aufnahme in einen kleinen, ohne uns aus fünf Paaren bestehenden Kreis, in dem wir beide alle Varianten unseres jeweiligen BDSM ausleben konnten.
Kleiner Gag am Rande:
Seit Lisas Tod habe ich an den Treffen dieses Kreises nicht mehr teil genommen, sehe die meisten Mitglieder aber, zumindest wenn ich mich im Allgäu aufhalte, bei den 'normalen' Partys, die dort alle drei Wochen statt finden.
Spätestens dann wenn das Motto 'Humiliation' oder 'Spaß und Lach BDSM' lautet.
Zwei der Doms verweigern bei letzterem strikt die per Los erfolgende Einteilung in die Rollen 'Dominant' bzw. 'Devot'. Sie sind auf der dominant agierenden Seite und Ende. Zudem 'dampfen' sie zeitweise erkennbar vor sich hin wenn es aus ihrer Sicht zu läpsch wird.
Einen von ihnen fragte ich mal unter vier Augen warum er trotzdem an dieser Mottoparty teilnimmt.
Sinngemäße Antwort: Echt jetzt? Das ist doch kein BDSM was ihr hier macht. .........Laaaaaaange Pause......... Spaß macht es irgendwie trotzdem. .........Kurze Pause....... Außerdem muss ja irgendwer dabei sein der Ahnung von dem hat was ihr hier abzieht... ...Zwinkern.
„Wenn ihr intensiv BDSM praktiziert, ist Sex ohne dann überhaupt interessant?
BDSM ist für mich eher durchaus gern gelebte sexuelle Variante als Must Have. Je nach Partnerin konnte ich teils über Jahre auf jeden BDSM Anteil in unserer Sexualität verzichten. Wenn der 'normale' Sex ansonsten für beide Gut ist, vor allem aber auch Liebe und eine sehr gute Alltagpassung im Spiel sind, ist dieser 'Verzicht' für mich kein Problem.
Falls ich hier nach sexuellen Kontakten zu Frauen suchen würde, würde ich a. ihr Profil lesen und die dortigen Inhalte auch ernst nehmen (steht so auch indirekt in meinem Profil), und b. auch beim Realkontakt entsprechend agieren.
„Und auch mal ganz allgemein gefragt, was ist für euch der Reiz an BDSM, insbesondere an Schmerzen und Erniedrigung (auch wenn mir natürlich bewusst ist, dass es ein viel weiteres Spielfeld ist als das)?
Mich reizt hier die Lust der Partnerin, ihr Vertrauen, ihr im Rahmen des mir Möglichen genau das zu Schenken wonach ihr Körper und ihre Seele verlangen... schlicht ...unsere Sexualität einfach nur in der Form zu genießen, wie sie uns beiden gefällt.