Ein Mann, der liebte eine Frau. Eine Frau, die ihm alles 2x sagen musste. Er liebte und begehrte sie. Und hörte auch nicht auf damit. „
Wenn du jetzt nicht aufhörst“, sagte die Frau. Und noch mal:
„Wenn du jetzt nicht aufhörst damit!“ Er liebte sie trotzdem. Liebte sie unbeirrt weiter und hörte nicht auf damit. Er liebte die Frau nicht schlecht, nicht schlechter als irgend ein anderer Mann, nicht einmal schlechter als andere Frauen ihren eigenen Mann. Er liebte sie so gut er es konnte. Besser konnte er es nicht. Er schien sich nicht einmal bemühen zu wollen, sich im Lieben verbessern zu wollen.
Es fing damit an, dass er eine Frau erblickte, wie keine andere zuvor. Er beobachte sie eine ganze lange Weile, bis er einem Spezl in die Seite stubste und von dem wissen wollte: „
Kennst du die? Wer isn das?“ und nickte mit dem Kopf in ihre Richtung. Und schon da, riet man ihm von der ab: „
Die ist nichts für dich. Die hat schon einen Andern.“ Was den Mann überhaupt nicht scherte. Wie uneinsichtig einer sein kann? Wenn er sie nicht sah, dachte er nicht an sie. Wenn er sie aber sah, sah er keine andere und sah auch nirgend anders hin. Bis auch die Frau ein Einsehen hatte und den Mann mitnahm. Erstmal für eine Nacht. Und noch eine. Dann für immer länger. Und die Frau, sagte seinerzeit schon zu dem Mann: „
Bitte mach, dass das alles nicht wahr ist. Mach es ungeschehen!“ Er tats nicht. Dachte nicht einmal daran, wenn er überhaupt je etwas dachte.
Er soff nicht, nicht mal Gewalttäter war der, betrog sie nicht, nicht mal das kriegte der hin. Selbst streiten konnte man mit dem nicht, auch nicht vernünftig streiten. Auch unzärtlich war er nicht, wenn es an der Zeit war zärtlich zu sein. Der Mann hatte einfach keinen Flow, keinen Drive und kriegte deshalb auch niemals einen Hype. Nichts von allem. Wenn er die Frau begehrte, begehrte er die Frau so wie die Frau mochte. Nicht anders. Und die Frau, die dem Mann alles 2x sagen mußte, sagte zu dem Mann: „
Hör nicht auf damit. Hör bloß nicht auf damit!“ Ja, es war bestürzend. Niemand verstand, warum er das tat. Gute Freunde mussten den Mann zur Seite nehmen, auf den einwirken: „
Was findest du an der?“, „du kannst andere haben.“, alles das sagten sie zu dem Mann, mit dem sie es so gut meinten. Doch er hörte nicht. Zeigte sich verstockt, bockte und blockte, und ließ sich nicht dreinreden. Alle meinten es gut mit ihm, selbst seine eigene Frau, die sich selbst immer und immer wieder 2x fragte: „
Was findet der an mir? Was findet der bloß an mir?“
Über Jahre ging das nun schon so. Und es stand zu befürchten, dass es die kommenden Jahre nicht anders sein würde. Die Frau klagte einer anderen Frau ihr Leid und die riet ihr, den Mann zu verlassen. Die Frau aber, die ihrem Mann alles 2x sagen musste, sagte: „
Ich kanns nicht. Ich kann es einfach nicht!“, und war bekümmert. Also betrog die Frau den Mann, dem sie alles 2x sagen mußte. Mal mit dem, mal mit nem Anderen. Einer ganzen Reihe von Anderen. Das kümmerte den nicht. Er fragte auch nicht. Wollte nicht mal wissen, warum?, wieso?, mit wem?. Und drüber reden wollte er auch nicht. Ein gleichgültiger Mann. Desinteressiert. Ein Dummkopf mit eigenem Willen. Ein Egoist par excellence. Denn er liebte seine Frau stoisch und unbekümmert weiter.
Es war keine Hassliebe. Der Fehler des Mann war, er konnte nicht aufhören zu lieben. Sonst aber war er Mittelmaß. Kein Talent. Kein Genie. Ein Liebesversager. Ein perfektionistischer akribischer Liebesversager.