„So wie ich auf einem Reddit-Sub entnahm
Reddit ist, finde ich, von allen Socialmedia dasjenige, bei dem am sinnlosesten rumgebabbelt wird. Ich erinnere mich an ein Thema, bei dem einem überfahrenen Radfahrer geraten wurde, nicht auf Autofahrer zu schimpfen, weil die dann schlehte Laune kriegen und das nächste mal einen Radler erst recht zusammenfahren.
Das Statussystem belohnt die User bei permanenter Nutzung, erhöht den Druck "beliebte" Posts zu verfassen, und möglichst viel zu liken. Dadurch entsteht ein Konformitätsdruck, dem Mainstream zu folgen. Das tut niemandem gut, und vulnerable Gruppen nehmen da erst recht Schaden.
„... was Psychologen angeht, gibt es da grosse Defizite und eigentlich nur zwei Lager.
So wie ich auf einem Reddit-Sub entnahm, gibt es Psychologen, welche mehr oder minder vollumfänglich den Transweg ohne kritisches Hinterfragen unterstützen - diese werden auf derartigen Subs gern weiter empfohlen.
Und es scheint Psychologen zu geben, welche kritisch gegenüber den Betroffenen sind, diese werden in derartigen Kreisen gerne als transphob und als Gatekeeper bezeichnet und von den meisten gemieden.
Psychologen ist ein weit gedehnter Begriff. In dem Thema Gender/Körper/Genitaldysphorie kenne ich nur zwei Hauptzweige, die hier in Betracht kommen, Psychotherapeuten, und Fachärzte für Psychiatrie bzw. Gutachter.
Erste helfen ihrem Klienten das Leben zu leben. Ihre Aufgabe ist nicht eine Diagnose zu stellen, sondern eben zu begleiten. Manchmal kurz durch eine schwierige Phase, manchmal länger. Und wenn ein Klient Hilfe sucht, einer Dysphorie durch Transition abzuhelfen, ist es die Aufgabe des Therapeuten, hier zu helfen, und nicht zu hinterfragen.
Die Fachärzte, Gutachter, Psychiater stellen Diagnosen, eben um eine Indikation für medizinische Maßnahmen zu erstellen. Und hier muss tatsächlich nachgefragt werden, und das tut der Arzt dann auch. Die genannten Dysphorien können eben durch eine gegengeschechtliche Hormontherapie gemildert werden, deshalb wird diese auch mal zur finalen, oder Erhärtung einer Diagnose eingesetzt. Falls es dem Klienten nicht gut geht mit HRT, kann das durchaus ein Anzeichen sein, dass es der falsche Weg war. Und ja, diese Nachfragen sind unangenehm, deshalb ist verständlich, dass ein Klient da nicht so gerne hingeht.
Der Pferdefuß dieser kritischen Sichtweise mündet dann in gängelndem Verhalten des Behandlers, der durchaus in der Lage ist, und das in Einzelfällen versucht, seine Sicht von Weiblichkeit dem Klienten aufzuzwingen. Legendär ist da der eine Gutachter aus dem süddeutschen Raum. Oder eben die anderen Fälle, in denen einem Klienten die kritisch nachfragende Behandung in Form einer Psychoanalyse über mehrere Jahre aufgezwungen wurde.
Eben wegen dieser Fälle halte ich Gatekeeping für ziemlich widerlich.
„Offensichtlich ist, dass bei vielen Transfrauen es sehr vom Alter abhängt, wann dieser Weg begonnen wird.
[...] Man wird den meisten daher immer ansehen, was sie für eine "Vergangenheit" haben.
Ja, und? Ganz ernsthaft, ja, und?
Es gibt viele Frauen, denen ich anzusehen glaube, eine trans Vergangenheit zu haben. Haben sie aber nicht, sie sehen halt aufgrund einiger Stylingdetails aus, wie ich mir einen Transvestiten vorstelle. Mal zart, mal übergewichtig, mal kantig.
Dann haben wir hier die Überschneidung der Begrifflichkeiten, bei den meisten Teilzeitfrauen ist es nicht die Vergangenheit die man sieht, sondern Gegenwart und Zukunft. Bzw. hört.
„Von daher stellt sich die Frage, wie einem / einer Betroffenen geholfen ist, diesen Weg zu gehen.
Wer will sich anmaßen, zu beurteilen, ob der eine oder andere Mensch im Zielgeschlecht konform genug aussehen wird, und daraus das Recht abzuleiten, eine Transition zu befürworten oder abzulehnen? Wie gesagt es gab da den berüchtigten Gutachter, aber ich hab auch den Eindruck dass sich manche trans Frauen dieses Recht rausnehmen.
Und wer will beurteilen, dass dieser eine betroffene Mensch auf ein konformes Aussehen angewisen sein wird, um glücklich zu sein?
Wessen Empathie ist so wenig ausgeprägt, sich hinzustellen und zu sagen "Nein, Du bist nicht schön genug, Du darfst nicht? Weil ich glaube dass Du so oberflächlich bist, dass Du deshalb nicht glücklich werden kannst."
„Sorry, wenn das hier teils sehr kritisch geschrieben ist und ich will hier niemandem die Transsexualität "ausreden", doch ich habe schon so viele Fälle erlebt und Stories gelesen, wo ich mich oft fragte, ob sich die Betroffenen wirklich mit den Konsequenzen dieses Wegs umfassen auseinander gesetzt haben.
Ich denke, dass von aussen niemand beurteilen kann wie es jemandem geht. Dass das niemand voraussehen kann wie es jemandem gehen wird. Dass individuelle Bedenken zufälliger Außenstehender kein Gewicht haben. Deshalb hüte zum Beispiel ich mich, irgendjemandem was ein- oder auszureden. Hab ich in ganz anderem Zusammenhang gemacht, als ich wesentlich jünger war. Und habs bereut.
Es soll doch jede(r) seine eigenen Fehler machen dürfen. Und wenn, es einsehen, damit leben und danach die Klappe halten.