Ich finde, es gibt mehrere Abstufungen, wobei es sich eigentlich um ein breites Spektrum handelt. Aber so, wie man das Spektrum des sichtbaren Lichts in verschiedene Farben einteilt, obwohl es eigentlich immer ein unklarer Übergang ist, so will ich nun das Spektrum BDSM auch versuchen, einzuteilen:
An einem Ende des Spektrums befinden sich in meiner Einteilung diejenigen, die sehr gut auch ohne BDSM-Elemente leben können. Wäre alles, was dazu gehört, ab morgen verboten, würden sie nichts davon so sehr vermissen, dass sie es dennoch täten. Ja, der Klaps auf den Hintern oder die Erniedrigung oder Praktik xyz macht Spaß und ist geil, aber wenn nicht, dann eben nicht.
Dann kommen die Nächsten. Die haben wirklich ein Bedürfnis nach dem, was sie da tun und tun es nicht nur aus "Fühlt sich gerade geil an". Diese Menschen suchen explizit nach anderen Menschen, die auf das Gleiche stehen. Mit diesen Menschen leben sie dann immer, wenn ihnen danach ist, dieses Bedürfnis aus. Das ist aber nicht immer der Fall. Es gibt auch Zeiten, in denen das Bedürfnis gestillt ist und sie sich an anderen Dingen erfreuen können. Manchmal haben diese Menschen einen Partner für nicht-bdsm Sexualität und einen für BDSM, mit dem sie sich dann treffen, wenn das Bedürfnis wieder gestillt werden möchte.
Dann gibt es auch diejenigen, die so oft solche Bedürfnisse haben, dass sie sich einen Partner suchen, mit dem sie sich immer ausleben können, sobald sich die Lust darauf meldet. Hier ist das Bedürfnis nach irgendeiner Art von BDSM genauso häufig oder noch häufiger als das Bedürfnis nach nicht-bdsm Sexualität.
Außerdem gibt es dann diejenigen, die kein Bedürfnis nach nicht-bdsm Sexualität haben, sondern nur durch irgendetwas aus dem BDSM Befriedigung (in Form von Erregung, Lust, Freude, Flow, Zufriedenheit) erleben und für die andere Sorten oder Varianten an Sexualität nur dann spannend oder erregend sind, wenn sie im Kontext BDSM geschehen.
Zuletzt erwähnen möchte ich, dass es, so wie es bei Farben hell, mittel und dunkel gibt, in diesem Spektrum auch zwei zusätzliche Variablen gibt. Dabei handelt es sich zum einen um die Freude am Dienen. Diese ist, meinem Erleben nach, nicht sexuell, auch nicht im weiteren Sinne. Es ist einfach ein tiefes Glück, welches dadurch entstehen kann, einer anderen Person zu Diensten zu sein auf welche Weise auch immer oder eben dadurch, dass einem jemand zu Diensten ist.
Die zweite Variable ist, ob einem Leid tatsächlich zu körperlicher, sexueller Erregung verhilft, indem man es entweder erleidet oder jemandem zufügt.
Alle Farben gibt es in hell, dunkel oder mittel und alle Stufen meiner Skala gibt es auch ohne eine der Variablen, mit einer davon oder mit beiden.