Ich (er) weiß nicht, ob das hierher passt, aber so Anfang meiner Vierziger war ich oft für Vorträge in größeren Hotels unterwegs.
Eines Nachts, als ich allein am Tresen der wirklich edlen Hotelbar saß, gesellte sich eine Dame - ich schätzte sie auf Anfang, Mitte Dreißig - zu mir, also direkt neben mich, obwohl zig andere Plätze frei waren.
Sie lächelte mir zu, bestellte sich irgend so ein modernes Getränk und hob das Glas in meine Richtung.
'Und wenn mir uns des dritte Mal treffen, sollt'ma schnackseln mitanand, gell?'
Sie strahlte bei diesen Worten (den leicht österreichischen Slang hab ich sicher falsch wiedergeben, sorry dafür

)
Ich grübelte kurz, was sie wohl meinen könnte, doch dann erinnerte ich mich: einige Wochen zuvor hatte ich sie in einem ähnlich großen Hotel gesehen. Ich hatte nach meinem Vortrag noch einen Absacker im Foyer genommen und sie saß eine Sitzgruppe weiter mit einigen Kollegen.
Ja, ich erinnerte mich: Sie war wohl eine äußerst erfolgreiche 'Chefin' in einem Strukturvertrieb, die laufend irgendwelche Veranstaltungen mit Kunden und neuen Vertriebspartnern abhielt. Und schon wieder im gleichen Hotel wie ich...
Ich stieß mit ihr an und nickte.
'Abgemacht! Beim dritten Treffen teilen wir die Kopfkissen miteinander'
Sie lachte und nahm einen Schluck. 'Meinswegen auch das. Hauptsache, wir haben Spaß, gell?'
Sie war kleiner als ich, schlank, beinahe drahtig. Eine üppige Oberweite - eigentlich gar nicht mein Fall - und recht kurze, dunkelbraune Haare (auch nicht mein Favorit). Aber sie war geradeaus, nicht auf den Mund gefallen und sie schien mich zu mögen.
Wir saßen noch ziemlich lange an diesem Tresen und malten uns unser drittes Treffen sehr detailliert aus. Aber jeder von uns ging am Ende brav in sein Hotelzimmer.
In den Monaten danach ärgerte ich mich immer wieder mal, dass ich mir keine Kontaktdaten von ihr hatte geben lassen, aber nach und nach verblasste die Erinnerung an sie.
Dann musste ich für drei Tage nach Hamburg, drei Tage , drei Vorträge und drei weitere einsame Nächte im Hotel. Ganz weit weg von Österreich.
Und schon beim Einchecken sah ich sie: umringt von neuen und alten Jüngern, quirlig wie eh und je. Sie erhaschte meinen Blick und formte mit ihrem Mund die Worte 'An der Bar, später'.
Ich nickte und hatte ein bisschen Schmetterlinge im Bauch.
In derselben Nacht teilten wir die Kopfkissen. Und obwohl sie nicht ganz mein Typ war, koordinierten wir fast zwei Jahre lang unsere Termine
Dann hat sie geheiratet. Und ihr Vagabundenleben aufgegeben. Ich wünsche ihr das Beste und erinnere mich gern an sie.