„„Was war der Grund, warum ihr keine Lust mehr auf Sex mit eurem Partner bzw. eure Partnerin hattet?
Das betraf meine erste Ehe (6 Jahre) die bis zum Tag X auf allen Ebenen - da bin ich mir bis heute sicher - beidseits sehr genossen wurde und absolut harmonisch verlief. Wir lebten unser gemeinsames Glück, hatten unsere ersten gemeinsamen Ziele umgesetzt und liebten uns auf Augenhöhe.
Am Tag X dann versuchte sie mir zu erklären das und warum sich ihr Lebensentwurf geändert hatte: Karriere statt Kinder.
Das vermittelte sie mir unter heißen Tränen, denn sie wusste das und warum Kinder in meinem Lebensentwurf unverzichtbar waren, und ahnte wohl wie sehr mich diese Information treffen würde und meine entsprechende Reaktion voraus.
Natürlich war mir klar dass ich eine selbstbewusste mit beiden Beinen fest im Leben stehende Frau von dieser mit Sicherheit lange und gut überlegten Entscheidung nicht abbringen konnte, hätte es aber auch sonst nicht versucht, denn grade in den Punkt ihres Lebensentwurfes kann und darf man einer Frau nicht hineinreden. Zudem war sie sehr erfolgreich in ihrem Job, liebte diesen, und um es vorwegzunehmen - machte später tatsächlich eine steile Karriere. Ich hatte schlicht nicht das Recht ihr Wollen in Frage zu stellen.
Insofern war ich ihr auch nicht böse oder fühlte mich verraten, war einfach nur riesig enttäuscht.
Und ich selbst war zu Unreif? / zu Dumm? / zu Fixiert/Stur? um meinen eigenen Lebensentwurf in Frage zu stellen und begann vor mich her zu sinnieren. Wie ein Problem lösen für das es keine Lösung gibt?
Ich begann Anfangs unbewusst, später bewusst, nicht mehr in die Beziehung zu investieren, ignorierte den guten alten und doch so wichtigen Spruch 'Lebe jeden Tag als wäre es der zweite in deiner Beziehung'.
Hörte auf sie mit Kleinigkeiten (z. B. Blümchen die man der Person und nicht dem Datum schenkt) zu überraschen, begleitete sie nicht mehr zu Freunden und Bekannten, die eher die ihren als die meinen waren, schlug keine gemeinsamen Unternehmungen mehr vor, suchte keine sexfreie Nähe über kleine Berührungen mehr etc. - und ignorierte jeden sexuellen Annährungsversuch ihrerseits.
Auf der anderen Seite funktionierte und agierte ich ganz Normal, sorgte mich um die Dinge die ihr ganz allgemein wichtig waren, ging auch noch gelegentlich mit ihr Tanzen (wir hatten uns beim offenen Tag in einer Tanzschule kennen gelernt), tanzte dabei aber nicht mehr wie man es mit einer vertrauten Partnerin macht, sondern wie mit einer Frau die man nicht näher kennt. Half ihr auch weiterhin bei Problemen die sie allein nicht lösen konnte. Hielt mich weiterhin an die Regeln unser als Monogam vereinbarten Beziehung, verzichtete in diesem Zeitraum also komplett auf Sex. Nicht schwer da ich eh keine Lust darauf empfand. Daheim machte ich weiterhin so viel im Haushalt wie meine Zeit es zu ließ, was aber ein Fehler war, denn die dadurch für gemeinsame Unternehmungen oder das Bettchen frei geschaufelte Zeit verbrachten wir nun in einer Art von unausgefüllter 'Leere'.
Mehrfach versuchte sie mit mir zu reden das es so nicht weitergehen könne, doch ich Blockte, wollte einfach dass sie die Entscheidung traf die ich eigentlich nicht wollte, und vielleicht auch ein Stück zu Feige war selbst auszusprechen.
Und so kam es denn natürlich auch.
Irgendwann bat sie mich an den Küchentisch, zog ihren Ehering ab und legte ihn vor mich. Sinngemäß sagte sie damals 'Ich liebe dich. Und ich weiß das du mich liebst. Aber so geht es nicht weiter. Wenn du auch nur die geringste Chance siehst das du dich wieder einkriegst sag es, versuch es, und ich zieh den Ring wirklich gerne wieder an. Wenn nicht leg deinen daneben.'
In der Folge sprachen wir ab wie die Scheidung denn laufen solle. Also z. B. gemeinsamer Anwalt (der offiziell einen vertritt, aber alle Absprachen akzeptiert und in Worte fasst. Der andere unterschreibt dann nur die gemeinsam getroffenen Vereinbarungen), wie das gemeinsam erreichte in fairer Form aufgeteilt wird etc.
Wie pfleglich und in nach wie vor gegenseitiger Wertschätzung die Trennung verlief zeigt vielleicht die Aufteilung unserer CD Sammlung. Riesiger Stapel auf dem Tisch und wir suchten abwechselnd eine aus. Zum Schluss lagen nur noch die da, von denen wir jeweils wussten dass auch der andere sie gerne hätte. Zu dem Zeitpunkt konnten wir bereits wieder gemeinsam Lachen und begannen uns gegenseitig mit humorvollen Argumenten davon zu überzeugen, das und warum der jeweils andere jetzt nun unbedingt als nächstes welche CD auswählen solle.
Den ersten und letzten Sex nach Tag X hatten wir in der Nacht nach der Scheidung. Auch auf dieser Ebene ein Abschluss.
Danach verloren wir uns nach und nach langsam aus den Augen, endgültig als sie für einige Jahre für ihre Firma ins Ausland ging.
Später hörte ich über Dritte noch zwei Mal von ihr und eine der Infos machte mich tief traurig.
Heute hoffe ich einfach das es ihr gut geht und sie ihr Leben in genau der Form die sie sich wünschte leben konnte und immer noch lebt.
Du hättest mit ihr Schluß machen sollen. Die vorher noch mit Vernachlässigung zu verletzen, bloß weil du selbst zu feige warst den Schlußstrich zu ziehen, das war nicht fair gegenüber der Frau, die du davor geliebt hattest und mit der du dein Leben hattest teilen wollen.