jack@jackXjacqueline:
Mir fehlt im verlinkten Thema der Bezug zum BDSM. So wie ich das lese, geht es dort um Alltagsdominanz und dem Versuch, diese von der klischeehaften patriarchisch-chauvinistischen Sichtweise weg in etwas wohlwollend Positiv-Gleichberechtigtes zu verkehren. Allein schon die Erwähnung von Augenhöhe, die in einer D/s-Konstellation überhaupt keinen Sinn ergibt. D/s bedeutet und erfordert per se ein Machtgefälle, kann also niemals auf Augenhöhe stattfinden. Weil, dann ist es schlicht kein D/s mehr. Ich finde es wichtig, dass man im Alltag in der Öffentlichkeit seinen Mitmenschen auf Augenhöhe begegnet, von so genannter Alltagsdominanz halte ich nichts, genauso wenig wie vom devoten Gegenteil. Im BDSM ist das aber eine andere Frage und die hängt in erster Linie davon ab, was im Konsens verabredet ist. Der Konsens ist doch das, was BDSM schon immer gleichberechtigt gemacht hat, trotz aller potentiell damit einhergehenden und stattfindenden Machtverschiebungen.
Ansonsten wüsste ich nicht, was beispielsweise das Erwarten von Eigenverantwortung mit "sanfter Dominanz" zu tun haben sollte. Und das dann gepaart mit solch neoliberalen Platitüden wie "jeder ist seines eigenen Glückes Schmied", das allein schon nicht zutreffen kann, weil nicht alle Menschen die gleichen Voraussetzungen mitbringen. Als Herr habe ich entsprechende Erwartungen an meine Sklavin, die sie ihrerseits aus eigenem Wille aufgrund ihrer Position auch gerne erfüllt. Und das in unserem Fall, einer TPE-Beziehung, 24 Stunden und sieben Tage die Woche. Da ich aber allein aus Gründen der Praktikabilität kein Interesse daran hege, über jeden Furz und Feuerstein zu bestimmen, ist ein gewisses Maß an Eigenverantwortlichkeit unabdingbar.
Sanfte Dominanz klingt für mich nach Soft-BDSM, eine rein spielerische Ausrichtung, die sehr sexuell geprägt ist. Manche werten das mit dem berühmten "Popoklatschen" ab, im Vergleich zu Peitschenhieben. Ich bin generell der Ansicht: jeder wie er mag und wie es seiner Neigung entspricht. Natürlich muss man einsehen, dass ab einem gewissen Alter oder mit gesundheitlichen Einschränkungen eben nicht mehr all das geht, was in jüngeren Jahren kein Problem war. Da müssen wir uns über kurz oder lang alle anpassen, da haben wir gar keine Wahl. Verallgemeinern kann man das aber nicht. Ich habe schon durchaus betagte Menschen gesehen, die zwar Hilfe beim Gehen benötigten, aber immer noch ordentlich mit dem Schlagwerkzeug austeilen konnten. Das waren aber dann meistens die, die von sich behaupten, BDSM zu leben, für die es also mehr darstellt als nur eine zeitweise ausgelebte, meist auf das sexuelle fokussierte, Spielerei.
Und was eigene Defintionen angeht: kann man schon machen. Dann können wir uns aber auch nur noch bedingt über gewisse Dinge austauschen bzw. laufen immer Gefahr, in Missverständnisse abzudriften. Ob wir das wollen oder nicht, wenn wir über eine Sache gemeinsam reden wollen, müssen wir uns an allgemein gültigen Definitionen orientieren, um einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu haben. Ich weiß gar nicht, woher dieser Drang kommt, denn ich beobachte es aktuell immer wieder, für alles und jedes seine eigene Definition schaffen zu wollen. Warum? Damit man sich ein Etikett anheften kann, das man gut findet, die Bedingungen dafür aber allgemein betrachtet gar nicht erfüllt? Damit man in eine Schublade passt, in die man aber gar nicht gehört? Nur um der vemeintlichen Zugehörigkeit wegen? Da lese ich zum Beispiel von Menschen, die von sich behaupten, 24/7 zu leben, aber wenn man genauer ins Gespräch kommt stellt sich dann heraus, dass es eher ein 18/5 ist. 24/7 bedeutet aber 24/7, also permanent, ohne Ausnahme. Es ist dann immer Schade um die Zeit und sehr ernüchternd wenn man dadurch das Gefühl bekommt, alle reden nur noch im Rahmen ihrer eigenen Welt.
Lange Rede, kurzer Sinn: ich sehe meine Dominanz weder als hart noch als sanft an. Manchmal ist sie hart, manchmal ist sie sanft. Wohlwollend aber im Zweifelsfall bestimmend trifft es vielleicht ganz gut. Warum soll ich mich auch für eine Seite entscheiden, wenn situativ vielleicht mal das eine und zu einer anderen Zeit das andere gefragt ist?