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Sexuelle Freiheit - eine Selbstverständlichkeit?

*******arre Frau
694 Beiträge
Themenersteller 
Sexuelle Freiheit - eine Selbstverständlichkeit?
Was ist für euch sexuelle Freiheit?

Ich lese gerade die Spiegel Geschichte "Lust und Macht: Sexualität - von der Antike bis heute."

Der kulturhistorische Aspekt unserer Sexualität inspiriert mich immer wieder.
Wenn es ein Archiv gäbe, wäre es das Archiv der menschlichen Sexualität.
Was davon werden wir für die Nachwelt bewahren können? Was sollten wir bewahren?

Kerngedanke: Ist das freie, unbefangene, lebendige, leidenschaftliche, wertfreie Ausleben unserer sexuellen Lust - unserer Libido - eine Selbstverständlichkeit für mich?

Kann ich Dankbarkeit empfinden, in einer Epoche leben zu dürfen, welche mir so viele Freiheiten ermöglicht?

Inwieweit hat euch der Joyclub als digitale Platform auch geholfen, bestimmte Glaubenssätze und Imperative zu durchbrechen? Welche (sozialisationsbedingten) Imperative waren das?

Die Perspektive auf die Epochen vor uns macht mich regelmäßig demütig und ich verneige mich vor jenen, die uns nun im frühen 21. Jahrhundert so vieles eröffnet haben. Sie haben demonstriert, sie haben diskutiert, sie haben geforscht, sie haben selbst ausgelebt gegen die damalige Konvention und die bleierne Schwere der Sittlichkeit.

Inwieweit haben wir uns weiterentwickelt und wie werden wir unsere Sexualität weiterentwickeln und auch begrenzen (lassen)?

Ich freue mich auf ein gemeinsames Fließen-Lassen unserer Gedanken und besonders auf kulturhistorische Beiträge, gern mit wissenschaftlichem Anspruch! *zwinker*
*******i_77 Mann
179 Beiträge
Ein schönes Thema 😉👍🏻

Ich bin an einem ähnlichen Punkt wie du. Ich freue mich dabei über meine eigene Entwicklung und ganz besonders darüber in einer Gesellschaft zu leben, die mir dabei alle Möglichkeiten offen lässt.
Mich da weiterzuentwickeln, zu reflektieren über neue Dinge nachzudenken, neue Leute kennenzulernen, da hat der Joyclub einen großen Anteil dran.

Schade, dass nicht alle Kulturen so weit sind und manche sich wieder in die Gegenrichtung bewegen...
****B64 Frau
785 Beiträge
Nun, wenn ich richtig informiert bin, gab es diese sexuelle Freiheit vor sehr langer Zeit schon einmal. Im Lauf der Jahrhunderte wurden die Fesseln durch (doppel-) moralische Einflüsse mächtiger Organisationen immer enger.
Aber gelebt wurde (ausschweifende) Sexualität immer, meistens im Verborgenen.
Im Lauf der letzten Jahrzehnte haben sich Denken und Handeln der Menschen weiterentwickelt - leider nicht immer positiv - dabei hat sich das natürliche Bedürfnis nach körperlicher Zwischenmenschlichkeit unbeirrt seinen Weg gesucht.
Hoffen wir, dass diese Entwicklung und die bestehende Vielfalt *regenbogen* nicht zur Zielscheibe wird.
*********ichy Paar
10.811 Beiträge
Ein interessantes Thema!

Sexualität im Wandel der Zeiten.

Zunächst mal bietet unser Zeitalter seit Mitte der 90er Jahre zunehmend viele Möglichkeiten der sexuellen Entfaltung. Dank des Internet / WorldWideWeb gibt es unendlich viele Möglichkeiten Kontakte zu knüpfen und sich in allen Facetten auszuleben.
Beginnend mit der Erfindung der Pille und der sich daraus entwickelnden sexuellen Revolution haben sich die Menschen in vielen Teilen der Welt ihrer eigen Sexualität geöffnet. Dazu beigetragen haben später im deutschsprachigen Raum die sog. Aufklärungsfilme, die später zu Softpornos mutierten, und die Kinokassen klingeln ließen. Die sexuelle Befreiung wurde auch durch die legendäre Beate Uhse.
Soweit so gut und schön.
Der erste große Rückschlag war HIV, nicht daß es immer schon Geschlechtskrankheiten gab, mit vielen Toten.
Heute erleben wir, daß immer mehr Menschen sich eher zurückziehen, in Saunen sitzen sie mit Badesachen und FKK ist auch eher verpönt. Nan spürt irgendwie, daß die Freie Liebe nicht mehr so frei und unbelastet ist, wie es mal war. Auch Swingerclubs sind heute eher Erotic-Musik Veranstaltungen als das man fort wirklich dem Sex front.

Wie hat es uns geändert?
Natürlich haben auch wir in den ersten Jahrzehnten so einigen ausprobiert. So richtig geöffnet haben wir uns jedoch erst so um den 50sten Geburtstag. Auf Vox lief damals an 2 Abenden "Männer sprechen über Sex" und "Frauen sprechen über Sex", die liefen abendfüllend als 2 Teiler im Jahr 2011.
In einer der Sendungen wurden auch Swingerclubs thematisiert. Ich als Mann wusste zwar von der Existenz, hatte aber sonst keine Ahnung davon. Meine Herzallerliebste überraschte mich an dem Abend damit, daß sie auch einmal in einen Swingerclub möchte. Ich war etwas verblüfft, aber wir haben es dann in die Tat umgesetzt und waren einige Zeig später das erste mal in einem Paareclub. Gleichzeitig haben wir uns im Joyclub angemeldet, sind hier recht aktiv unterwegs und haben auch schon viel ausprobiert und erlebt. Es waren vor allem sehr schöne Momente und es dauert noch an. Der Joyclub ist und war eine gute Plattform um Gleichgesinnte zu finden jnd Kontakte zu pflegen.

Soweit so gut.
Bin gespannt, was hier noch geschrieben wird.
**********Magic Mann
23.276 Beiträge
Ich glaube dass die Weiterentwicklung einfach nur der Lauf der Dinge ist.
Von Stock auf Stöckchen und dann auf Streichholz und zum Schluss in die verschiedenen Elemente aufgeschlüsselt.

Was meines Erachtens einer persönlichen Weiterentwicklung im Wege steht ist ua

• persönliche Lebensumstände die einen Menschen schlichtweg begrenzen
• Unehrlichkeit zu sich selbst
• damit verbundene Unehrlichkeit gegenüber etwaigen Partner
• der fehlende Mut zur Courage
• und die jeweilige Moral des Umfeldes
*******arre Frau
694 Beiträge
Themenersteller 
1919 hat Magnus Hirschfeld in Berlin das Institut für Sexualwissenschaften gegründet. Leider wurde wegen der Bücherverbrennung 1933 vieles vernichtet und das Institut wurde während der Gewaltherrschaft auch geschlossen.
Zitat von *******arre:

Kerngedanke: Ist das freie, unbefangene, lebendige, leidenschaftliche, wertfreie Ausleben unserer sexuellen Lust - unserer Libido - eine Selbstverständlichkeit für mich?

Ich verkürze meine Antwort bewusst auf deinen Kerngedanken. Eigentlich würde ich lieber über das Spiegelheftchen diskutieren, aber das müssten dann alle gelesen haben. Schwierig, da sich aber dein Thread drauf aufbaut, das wird zu Missverständnissen führen.

Also, zum Kerngedanken:
Ob das freie, unbefangene, lebendige, leidenschaftliche und wertfreie Ausleben der eigenen sexuellen Lust eine Selbstverständlichkeit ist, lässt sich nicht m.E. pauschal beantworten. Deine Frage berührt zutiefst persönliche, kulturelle und ethische Ebenen und hängt stark von der eigenen Lebensgeschichte, der Erziehung, dem sozialen Umfeld sowie den individuellen Erfahrungen ab.

Wer in einem offenen, lebensbejahenden Umfeld aufgewachsen ist, in dem Sexualität als natürlicher Teil menschlichen Daseins behandelt wurde, empfindet ihre freie Entfaltung möglicherweise als selbstverständlich. Ich bspw. nicht, ich musste das alles erst mühevoll lernen.

Für andere hingegen, deren Prägung durch Scham, moralische Gebote oder emotionale Verletzungen beeinflusst wurde, ist ein solcher Umgang mit der eigenen Libido keineswegs einfach oder ungezwungen, bis heute nicht. Wie schwer das fallen kann, wird in so vielen Threads als persönliche (Leidens)Geschichte behandelt.

Überdies wirken gesellschaftliche und kulturelle Normen auf das persönliche Empfinden ein. In traditionelleren Kontexten wird Sexualität häufig mit Verantwortung, Zurückhaltung oder bestimmten moralischen Vorstellungen verknüpft. Wir hätten sonst nicht unseren täglichen Monogamie-Thread.

In "modernen" Milieus hingegen gilt sie als Ausdruck persönlicher Freiheit und Identität. Doch auch in solchen Umfeldern bedeutet „Freiheit“ nicht automatisch, dass alle Hemmungen verschwunden sind. Die inneren Spannungen, Ängste oder Unsicherheiten bleiben oft bestehen.

Wesentlich ist auch folgender Aspekt: Der Zugang zur eigenen Sexualität hängt stark davon ab, inwieweit man sich selbst annimmt, seine Bedürfnisse kennt und mit ihnen in Frieden lebt. Wer gelernt hat, sich selbst wertfrei zu begegnen, wird eher in der Lage sein, seine Sexualität als lebendig und frei zu erleben.

Dennoch bleibt das Ausleben der eigenen Libido immer auch ein Beziehungsereignis: Es setzt Rücksichtnahme, gegenseitigen Respekt und Konsens voraus. Wahre Freiheit zeigt sich nicht nur in der Entfesselung eigener Begierden, sondern gerade auch in der Achtung der Grenzen des anderen!

Ob das leidenschaftliche und wertfreie Ausleben sexueller Lust für einen Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden ist, kann daher ein jeder nur im Lichte der eigenen Geschichte, Überzeugungen und inneren Entwicklung beantworten. Es ist ein individueller Prozess, der nicht nur durch äußere Freiheiten, sondern vor allem durch innere Klarheit, Selbstakzeptanz und zwischenmenschliche Verantwortung geprägt ist.

Also, nix für das kollektive, aber für das persönliche Archiv. *zwinker*
*******beth Frau
982 Beiträge
Gerade heute war die Budapest Pride. Die wurde verboten und bedroht und fand trotzdem größer statt als alle bisherigen Prides in der Stadt. Warum? Weil Leute für sexuelle Freiheit einstehen. Weil sie solidarisch und soc engagieren.
So wie es aktuell in der Welt aussieht wird das noch lange nötig sein. Wir in Mittel-und Nordeuropa leben in der Beziehung auf der Insel der Glückseligkeit. Insofern bin ich dankbar für das was erreicht wurde. Eine Selbstverständlichkeit ist Freiheit aber niemals.
*******beth Frau
982 Beiträge
*********kend Paar
15.529 Beiträge
Ah ich hatte gestern so etwas ähnliches auf dem Schirm. Im Artikel ging es darum das die Etruskerinnen ein besonders freies Sexualleben führen durften und die Römerinnen in gewissem Maße ebenfalls. Doch schon damals gabs die Klatschpresse. S.u.

https://de.wikipedia.org/wiki/Clodia#

https://www.spektrum.de/magazin/hueterin-des-hauses/870068

https://www.morgenpost.de/panorama/article406811729/archaeologie-antike-frauen-sex-forscherin-affaeren.html

g/w
Ich finde das persönlich gar nicht so selbstverständlich.

Erstens: Da gehören zwei dazu oder eben mehrere. (Wenn ich jetzt Selbstbefriedigung außen vor lasse.

Zweitens: begründet sich dadurch die Schwierigkeit bezogen auf das erste: Die musste erst finden und die müssen auch wollen. Und das ist selten m.E. denn wenn ich könnte wie ich wöllte - so oft ich wöllte, wäre es eine Selbstverständlichkeit.
Zumal es genug Menschen gibt, die sich nicht sexuell ausleben können, obwohl sie das Bedürfnis oder den Wunsch haben. Entweder wegen irgendeiner Schwerbehinderung oder wegen der Umstände, die sie zum Teil nicht beeinflussen können oder beidem oder etwas, was ich gerade übersehe.
Da stehen noch andere Faktoren mit rein, die im JC nicht diskutiert werden dürfen und auch solche, die andernweitig das Thema sprengen.

Bitte keine Grundsatzdiskussionen an der Stelle, "dass man seines Glückes Schmied ist" oder "nur man selbst sich ändern kann" oder Incel-Keulen und so weiter - das gehört mMn nicht in meinen Kerngedanken und würden diesen und das Thema schreddern und meinen Gedanken/ meine Aussage kaputt machen. Bitte diese Grenze berücksichtigen und respektieren!
*****ckt Mann
95 Beiträge
Ich denke unsere kirchliche Erziehung ist auch nicht förderlich für einen entspannten Umgang mit unserer Sexualität. Da wird immer nur von Sünde und Schuld geschwafelt, um die Leute klein zu halten und deren Bedürfnisse zu unterdrücken.
Mir hat der Joyclub geholfen, mich auf eine Reise zu begeben um meinen sexuelle Identität zu finden. Ich bin ganz am Anfang der Reise, aber mittlerweile bin ich fast völlig entspannt im Umgang mit meiner Sexualität.
Ich denke man muss erst einmal Wissen, welche Art von Sex man benötigt, sonst bringt einem vielleicht die wildesten, ausgelassene Orgien nichts, wenn man mehr auf Tantra stehen würde und man das selbst nicht weiß.
In der jetzigen Zeit, hat man zum Glück die Möglichkeit sich selbst kennen zu lernen und viele Spielarten auszuprobieren.
****_bw Mann
181 Beiträge
In der Antike war man sexuell deutlich freier, vor etwa 2000 Jahren. Die Kirche hat viel Müll gemacht und in den Ländern wo die Kirche noch mehr Macht hat, da wird auch ordentlich BS verbreitet.
Das geht mit so einfachem Schwachsinn wie "Missionarsstellung" schon los.
Sexuelle Freiheit bedeutet für mich vor allem: Selbstbestimmung. Die Freiheit, die eigene Lust zu fühlen, zu erforschen und auszuleben – ohne Angst, ohne Schuld, ohne gesellschaftliches Urteil. Und ja, das ist nichts Selbstverständliches. Es ist ein kulturelles Privileg, für das viele vor uns gekämpft haben – feministische Bewegungen, die queere Community, mutige Einzelne, die mit Tabus gebrochen haben. Wenn wir heute experimentieren dürfen, sichtbar sein dürfen, lustvoll sein dürfen, dann stehen wir tatsächlich auf den Schultern dieser Pionier*innen.

Der Gedanke an ein „Archiv der menschlichen Sexualität“ gefällt mir sehr. Was würden wir darin bewahren wollen? Vielleicht nicht nur Praktiken oder Bilder, sondern auch emotionale Zustände: Scham, Hingabe, Ekstase, das erste Mal wirkliche Lust spüren – frei von Zuschreibungen. Auch die Geschichten derer, die unterdrückt wurden, weil sie ihre Sexualität nicht der Norm anpassen wollten.

Joyclub hat für mich – und sicherlich viele andere – einen Raum geschaffen, in dem alternative Beziehungs- und Lustmodelle sichtbar und normalisierbar werden. Dort habe ich nicht nur Neues ausprobiert, sondern auch alte Glaubenssätze erkannt und hinterfragt: z. B. dass Treue nur monogam funktionieren kann, dass Frauen weniger Lust hätten, oder dass Scham ein natürlicher Teil von Sexualität sein müsse. Vieles davon war erlernt – und nichts davon ist ein Naturgesetz.
*********_i_c Mann
291 Beiträge
Ich denke es gibt da eine Menge Dinge, die die Freiheit einschränken.

Klar, zum Einen die Gesetzeslage. Wenn abweichende Sexualität oder Sexualität selbst verboten ist und unter Strafe steht, dann hat man eine sehr konkrete Einschränkung. Aber das ist ja bei weitem nicht die einzige.

Wir leben ja in sozialen Netzwerken (nicht die online-Variante gemeint). Wenn jemand aus einer sehr sexuell konservativen Familie stammt, dann wird die Entfaltung dieser Person wahrscheinlich stark gehemmt, auch ohne Gesetze. Weil die Entfaltung der eigenen Sexualität dann mit Verlust der sozialen Kontakte einhergehen kann.

Zusätzlich gibt es den gesellschaftlichen Aspekt. Adrienne Rich beschreibt das Konzept der Compulsory Heterosexuality, also der erzwungenen Heterosexualität. Darauf aubauend dann das Konzept der Heteronormativität. Medien, Mitmenschen, Kultur, Religion, Kunst, Eltern, Verwandte, Lehrer reproduzieren heterosexuelle Stereotypen und Heterosexualität wird als so normal präsentiert, dass es oftmals einen objektiven Blick auf die eigene Sexualität verbaut.
Ich kenne mehrere lesbische Frauen, die zunächst dachten, sie wären asexuell. Einfach weil es gar nicht in den Sinn kam, dass es eine Option war, nicht heterosexuell zu sein.

Letztlich dann individuelle Überzeugungen. Ich selbst war lange davon überzeugt, abgrundtief hässlich zu sein. Meine Best-Case Fantasie war, dass eine Frau mich als Partner mag und dafür hin und wieder Sex mit mir über sich ergehen lässt. Da existieren dann sexuelle Freiheiten, aber aufgrund von eigenen Unzulänglichkeiten können sie nicht wahrgenommen werden.

Und letztlich halt die unangenehmste Variante - es besteht keins der genannten Probleme, aber aufgrund von verschiedenen Einschränkungen findet sich kein/e Partner/in. Körperliche oder mentale Einschränkungen, Verleztungen oder Vernarbungen, Traumafolgestörungen,....oftmals wird das Thema nicht behandelt, da es unangenehm und oft kompliziert ist und diesen Personengruppen wird dann kurzerhand der Sexualtrieb abgesprochen. Wer will sich schon mit der Frage beschäftigen, inwiefern eine seit Kindheit gut geförderte Frau mit Trisomie 21 sexuell selbstbestimmt handeln darf, eventuell noch mit einem nicht-behinderten Mann? Da wird die sexuelle Freiheit ganz schnell ganz schwammig. Mit gutem Grund. Was aber oft zu Frust bei betroffenen führt. Auch mit gutem Grund.
Zitat von ****_bw:
In der Antike war man sexuell deutlich freier, vor etwa 2000 Jahren. Die Kirche hat viel Müll gemacht und in den Ländern wo die Kirche noch mehr Macht hat, da wird auch ordentlich BS verbreitet.
Das geht mit so einfachem Schwachsinn wie "Missionarsstellung" schon los.

In der Antike? Jo, die Oberschicht, die Sklaven hatte oder dies sich ob der Stellung erlauben konnten.
Lies mal das Heftchen, welches @*******arre gleich im ET angegeben hatte.
Sexualität war m.E. Nie wirklich frei, sondern immer auch ein Machtinstrument.
*******beth Frau
982 Beiträge
Sexualität als Machtinstrument...da fällt mir das Buch "Female Choice" von Meike Stoverock ein.

Das Kamasutra als Quelle über die indische Sexualkultur... betraf die Oberschicht, ähnlich wie bei den Römern und Griechen.

Interessant auch "Tantra" von Margot Anand über das Spannungsfeld Körperlichkeit/Geistlichkeit in der Spiritualität.
Ich glaube, dass es nur vor der Zivilisierten Welt wirklich freie Sexualität gab. Danach nicht mehr. Aber wie in der Tierwelt auch galt dies nicht für jeden...
*********pfer Paar
591 Beiträge
Zitat von *****sin:
Ich glaube, dass es nur vor der Zivilisierten Welt wirklich freie Sexualität gab. Danach nicht mehr. Aber wie in der Tierwelt auch galt dies nicht für jeden...

(Er schreibt)

„Freie“ Sexualität ist au meiner persönlichen Sicht nur wirklich frei, wenn Konsens ein wesentlicher Bestandteil davon ist.

Ob es vor der Zivilisierten Welt, wie Du es schreibst, Konsens in der Sexualität gab?

Meine (ungeprüfte) Hypothese: weniger als heute in unserem Kulturkreis, und selbst da ist noch viel Luft nach oben…


Insgesamt ist der Begriff der Freiheit in der Sexualität vermutlich ähnlich zu betrachten wie Freiheit in vielen anderen Bereichen und ist alles andere als eindimensional: Ist es die Freiheit, zu tun was man will? oder eben NICHT zu tun, was man NICHT will? Beides will miteinander abgewogen werden. Und gerade das Thema institutioneller oder kultureller Einschränkungen („sowas macht man nicht“, „Sünde“, …) ist nicht unwesentlich und m.E. Komplexer als man denkt; und nicht nur die (christliche/katholische) Kirche hat hier stark beschränkende Vorstellungen, das gibt es ja auch in anderen religiösen Gemeinschaften oder Kulturkreisen (z.B. hat Beschneidung von Frauen weder im Christentum noch im Islam eine religionsrechtliche Grundlage, soweit ich weiß).

Und ich frage mich, wo man bis zum aktuellen Zeitpunkt bisher den höchsten jemals erreichten sexuellen Freiheitsgrad erreicht hat: In einer sexpositionen Bubble einer mitteleuropäischen Metropole könnte man vermutlich schon recht weit vorne damit liegen.

Gab es in der Geschichte der Menschheit malende Kultur, in der man diesbezüglich schon weiter war? Inklusive des oben erwähnten Konsens-Gedankens?
******987 Frau
1.282 Beiträge
Ich schätze das Privileg lieben zu dürfen wen ich möchte
Wir leben in einer Triade, gehen zu dritt durch die Stadt, zu Familientreffen etc... finde es sehr toll

Lg
*******rund Mann
5.899 Beiträge
Zitat von *******mnz:

In der Antike? Jo, die Oberschicht, die Sklaven hatte oder dies sich ob der Stellung erlauben konnten.
Lies mal das Heftchen, welches @*******arre gleich im ET angegeben hatte.
Sexualität war m.E. Nie wirklich frei, sondern immer auch ein Machtinstrument.

Ich gehe noch weiter und stelle die steile These auf: Sexualität ist mal eingeschränkt, mal freier, aber wirklich frei wird sie nie sein. Nie.

Das liegt nicht an der Bösartigkeit der Welt oder der Menschen. Der Grund liegt darin, dass Menschen ihre Angelegenheiten regeln, also gewisse Erwartungen an sich und andere stellen. Es bilden sich immer Normen heraus und sei es nur durch stille Konsense, die irgendwann so tief verankert sind, dass Abweichungen davon als Grenzverletzung verstanden werden.

Es wird ja gern in alle Richtung auf die "Gesellschaft" verwiesen, die einen geprägt und mit Normen drangsaliert hätte. Diese Kritik ist einseitig, weil sie unterschlägt, dass Normen einen Doppelcharakter haben. Normen grenzen ein. Normen ermöglichen Handeln aber auch erst. Sie geben Orientierung, wie man mit einer Situation umgehen kann. Sie klären mich auf, was andere von mir erwarten und was ich von ihnen erwarten darf. Und sie bieten mir relativ einfache Lösungen an in Form einer Verhaltensregel. Das ist entlastend, denn sonst müsste man sämtliche Situationen komplett neu aushandeln. Und das ist kompliziert.

Auch die Bewegungen, die auf Befreiung der Sexualität drängen, kommen ohne Normen nicht aus. Es ist geradezu augenfällig. Das "Wheel of consent" ist eine Norm, eine umfangreiche Norm. Und diese Norm wird gebraucht, wenn man Raum für Individualität schaffen will. Man muss dann nämlich auf der Metaebene regeln, wie diese Individualität geschützt wird. Und das ist nur ein Beispiel.
@*********pfer Danke für deinen Text. Freiheit und Verantwortung sind ja stets die beiden Seiten ein und derselben Medaille.
*******arre Frau
694 Beiträge
Themenersteller 
Erinnerung an Perspektive:
Wenn ich jetzt 32 wäre im Jahr 1895, hätte ich als Frau die Arschkarte. Aber nicht die von Swinger2000. Wäre evtl mit jmd zwangsverheiratet, den ich nicht mag und nicht liebe. Könnte nicht offen Frauen lieben, nicht 20 Männer hintereinander klappern. Wäre es 1936, wäre ich womöglich im KZ, weil sexuell abweichend und behindert.
Wäre 1995, dürfte mein Ehemann mich vergewaltigen und würde nicht bestraft werden, denn Vergewaltigung in der Ehe war erst ab 1997 strafbar.
Und Polyamorie? Gott bewahre!

Und überhaupt: Wenn man vor 200 Jahren das 30. Lebensjahr erreicht hat, war man ein Glückspilz.
*******arre Frau
694 Beiträge
Themenersteller 
Ich will, dass das Jetzt so bleibt! Wenn es selbstverständlich wird, hören wir auf dafür zu kämpfen.
Zitat von *******arre:
Ich will, dass das Jetzt so bleibt! Wenn es selbstverständlich wird, hören wir auf dafür zu kämpfen.

Ich auch, weiß aber, dass es gerade eine Menge Menschen gibt, denen die (sexuelle) Freiheit der Anderen überhaupt nicht gefällt.
Wir haben es im gerade eher mit einem retardierenden Moment zu tun. Jede Generation muss ihre sexuelle Freiheit immer wieder neu verteidigen.
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