Was braucht eine wertschätzende Trennung?

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Themenersteller
 Themenersteller
9. Apr

Was braucht eine wertschätzende Trennung?
Hallo in die Runde,

Kaum ein Thema aus dem Bereich „Liebe und Beziehung“, das nicht vom Thema Trennung flankiert wird.

Die Kommentare spalten sich gefühlt in zwei Lager. Ich überspitze mal, da gibt es die, die sagen, bevor man sich quält, Beine in die Hand nehmen und nichts wie weg. Dem gegenüber, ebenso überspitzt, die „Nichtaufgeber“.

Bei beiden schwingt nach meinem Gefühl immer mit, dass Trennung hässlich ist. Die „Nichtaufgeber“ bekommen gleich Schnappatmung, bei den „Flüchtigen“ klingt zuweilen eine gewisse Härte durch, die möglicherweise einfach auch einer Wut entstammt, die es manchmal braucht, um die Distanz zu schaffen, in der man Verletzung in einen Neuanfang wandeln kann.

Ich möchte gerne diesen Beitrag eröffnen, um Raum zu geben für Beispiele, die zeigen, das eine Trennung durchaus für beide eine große Entspannung bewirken kann, überhaupt nicht hässlich sein muss.

Ein gemeinsames Anerkennen eines veränderten Status Quo mit allem, was es zu betrauern und gestalten gibt. Wertschätzend im Miteinander.

Mir kam der Gedanke zu dem Beitrag, als im Radio Andreas Bourani „auf anderen Wegen“ gespielt wurde. Ich mag das Lied sehr. Es klingt zwar nicht nach gemeinsamer Gestaltung, wohl aber nach der wertschätzenden Reife, etwas anzuerkennen, ohne Schuld zuzuweisen.

  • Wer kann und möchte seine positive Trennungserfahrung teilen?

  • Was denkt Ihr braucht es für eine gute Trennung?


Freue mich auf Eure Beiträge.

GreenEyesLove
Danke14x
 
 
9. Apr

Grundsätzlich
würde ich für mich entscheiden, mich nicht zu trennen, wenn ich frustiert bin. Immer wieder würde ich mir darüber Gedanken machen, dass ich noch keine Lösung gefunden habe. Aber sie ist irgendwo verborgen, greifbar nah. Kein fauler Kompromiss. Eine Lösung. Alle laufen davor weg und dies macht micht traurig. Was für ein rudliges Leben.
 
JOY-Angels
 JOY-Angels
9. Apr

Schönes Thema! *g*

Und eins, bei dem ich viel dazu beitragen kann, es aber ausufern würde, würde ich jetzt gleich alles dazu schreiben. Hilfeee, ich muss kürzen! *heul*

*zwinker*

Kurz zusammengefasst: Eine Trennung kann dann wertschätzend vonstatten gehen, wenn man den Zeitpunkt nicht verpasst.

In lang: Wenn der Punkt erreicht ist, an dem es nicht mehr geht, dann liegt es selten an der Liebe zueinander. Die ist oft noch da. Es stimmen aber jede Menge anderer Dinge nicht mehr, oder auch "nur" ein entscheidendes: Dass man sich nicht (mehr) wohl fühlt in der Beziehung.

Um sich von jemandem, den man vielleicht immer noch liebt (!), lösen zu können, muss man es dann irgendwie hinkriegen, dass man den anderen doof findet. Denn sich von jemandem trennen, den man immer noch total toll findet, das kriegen wohl die wenigsten hin. *zwinker*
Tja. Und genau hier wird es hässlich. Weil dann Minuspunkte gesammelt werden. Vorwürfe häufen sich, Streit ist gleich um die Ecke ... je länger es dauert, desto hässlicher wird es.
Irgendwann ist der Respekt voreinander weg.
Und damit die Wertschätzung einander ebenfalls.

Darum: Wer immer es merkt, dass man beginnt, Punkte zu sammeln, damit man den Partner hübsch hassen kann - lasst es! Redet mit eurem Partner! Sprecht diese Punkte an! Versucht sie gemeinsam zu lösen!

Oder eben nicht, wenn sich beide einig sind, dass man sie nicht lösen kann. (Wenn der eine Teil unbedingt und genau jetzt Kinder will und der andere für sich entschieden hat, keine kriegen zu wollen, dann gibt es hier keine Lösung. Außer eben jene, sich wohl oder übel trennen zu müssen.)

Bis auf einen einzigen Fall geschah eine Trennung bei mir immer wertschätzend.
Und selbst in dem besteht inzwischen die Friedenspfeife.
Ich weiß also, wovon ich rede. *zwinker*

"Wir lieben uns vielleicht nicht mehr / wir passen vielleicht nicht zusammen, aber wir mögen uns doch noch, verdammt noch mal."

Dieser Satz ist der Beste, der im Trennungsprozess fallen kann.
Denn er sorgt dafür, dass man sich auch danach immer noch gegenseitig hilft, dass der andere in diesem Trennungsschmerz nicht völlig untergeht.
Und das wiederum sorgt dafür, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später eine Freundschaft entsteht. Weil, man kennt sich nun mal. Und mag sich ja doch irgendwie immer noch. Auch wenn man sich Küssen und Sex miteinander miteinander im Leben nicht mehr vorstellen kann.

Zumindest ist es meine Erfahrung.
Und die mag ich echt nicht missen. *g*
Danke34x
 
 
9. Apr

Das ist ein tolles Thema, das mich auch gerade betrifft.
Leider erfahren wir (beide) dabei keine Wertschätzung. Aber auch keine Angriffe, keine Verletzungen (mehr).

Ich glaube, eine Trennung läuft in etwa so ab, wie man sich auch geliebt hat. Wie man eine Beziehung geführt hat. Wenn die von Trennungsängsten, Misstrauen und gleichzeitiger großer Anziehungskraft geprägt war, wird sie mit genau so starken Emotionen auch den Bach runter gehen.
Ich kann mir derzeit eine wertschätzende Trennung beim besten Willen nicht vorstellen. Ein zum jetzigen Zeitpunkt geführtes Gespräch würde mich wieder umwerfen. Schließlich ist da noch Liebe.

Beziehungen, die etwas ruhiger verliefen, konnte ich bzw. der andere auch dementsprechend ruhig auflösen.

Ich bin gespannt, was die anderen schreiben...
 
 
9. Apr

GreenEyes_love:
Was braucht eine wertschätzende Trennung?

Ganz wichtig: Guten Willen auf beiden Seiten.

Ich habe eine Trennung hinter mir, der auch viel Streit und Fehler vorausgingen. Das war nicht schön. Und wäre es nach mir gegangen, wäre die Trennung nicht oder nur viel später gewesen. Im Nachhinein sehe ich aber, daß es so, wie es war, richtig war.

Problem bei uns: Wir haben ein gemeinsames Kind. Aber genau dadurch haben wir es geschafft, die Trennung im Guten zu vollziehen und der kleinen Maus das Gefühl zu geben, daß wir noch immer beide für sie da sind. Sie soll keinen Elternteil verlieren, nur weil wir uns nicht mehr so gut verstehen. Und es hat geklappt. Ihr Kommentar, als ich in eine eigene Wohnung gezogen bin: "Yay, zwei Zuhauses!"

Und inzwischen verstehen wir uns als Freunde sehr gut. Offensichtlich sind wir für eine Freundschaft besser geeignet als für eine Partnerschaft.

Bei uns würde ich also sagen, daß das gemeinsame Kind, dessen Wohlergehen wir über unser beider Egos gestellt haben, Katalysator für die wertschätzende Trennung war. Zweiter wichtiger Punkt: Wir sind keine bösartigen Charaktere, die dem anderen einfach aus Prinzip eins reinwürgen wollen. Wenn sie gewollt hätte, hätte sie mein Leben zur Hölle machen können. Aber davon war nichts zu spüren, und ich habe mir wirklich ein paar böse Fehler geleistet.

D.h. die (bald Ex-)Partner müssen die charakterliche Eignung für eine einvernehmliche Trennung haben. Ansonsten wirds häßlich...
 
Themenersteller
 Themenersteller
9. Apr

Caballito
Du unterstellst und wertest, darum geht es hier nicht.
 
 
9. Apr

offenheit und liebe
*ja*
richtig gelesen.

Ich habe mich getrennt.Auch aus Liebe.
Aus Liebe zu unseren Kindern und aus liebe zu der schönen gemeinsamen Zeit,die wir hatten.

Wir sind sind im Streit oder mit Wut auseinander gegangen.
Nein,wir haben uns schlicht in verschiedene Richtungen entwickelt und dieses gemerkt,bevor es Hass und Wut gab.
Man kann sich auch in Freundschaft trennen. Gemeinsam weiterhin für die Kids da sein.

Ich bereue die Trennung nicht, aber auch nicht die gemeinsamen Jahre.

Sicher hätten wir noch versuchen können zusammen weiter zu leben.Doch, in vielen Gesprächen wurde uns klar,dass es nicht unser Wunsch ist. Früher oder Später hätten die Spannungen unsere Freundschaft zerstört.
Ich bin froh,dass wir rechtzeitig den Weg gegangen sind.
Denn so: ich freu mich für Ihn,wenn es Ihm gut geht und unsere Kinder haben Mama und Papa. Zwar in getrennten Whg, jedoch jeder ist jederzeit da. Ohne Einschränkung.
 
 
9. Apr

stille75:
unsere Kinder haben Mama und Papa. Zwar in getrennten Whg, jedoch jeder ist jederzeit da. Ohne Einschränkung.

So soll es sein! *top*
 
 
10. Apr

Ich kann nur theoretisch drüber sprechen, weil meine Beziehung nicht von so tiefen Gefühlen beiderseits erfüllt war und die Trennung nicht völlig wertschätzend war...

Ich denke es bedarf viel Verständnis von beiden, dass die Beziehung an einen Punkt gekommen ist, wo zwar alles noch in Ordnung ist, aber doch irgendwie stagniert und vllt die Entwicklung des einen gestört wird.
Ich könnte mir vorstellen, dass es hilft, wenn beide die Beziehung von aussen betrachten, als dritte Person sozusagen, und rational betrachten, was so die Probleme in der Beziehung sind und ob beide quasi aneinander vorbei leben oder gehemmt sind, sich zu entwickeln.

Je nach Charakter der beiden kann es dann helfen, wenn man drüber redet und vllt nochmal versucht, die Beziehung zu retten indem man dem anderen die Probleme vor Augen führt und evtl schon Lösungsansätze bietet. Bei manch einem kann das aber dafür sorgen, dass er die ganze Schuld auf sich projiziert und somit evtl Hass auf den Partner entwickelt. Das wäre dann suboptimal. Genauso wie eine ganz plötzliche Trennung ohne vorige Anzeichen oder Versuche, die Probleme zu lösen eher suboptimal wäre.

Zudem sollte man nicht nachtragend sein und eine gewisse Einsicht an den Tag legen. Es bringt beiden langfristig nichts, wenn man dem anderen nach der Trennung nochmal irgendwie eine rein würgen will nur damit man sich besser oder erhabener fühlt. Diese Emotionen, sofern vorhanden, sollte man dann eher in etwas anderes kanalisieren. Ziel sollte es sein, dass beide am Ende gestärkt und um eine schöne Erfahrung reicher durchs Leben gehen und im Optimalfall dann sogar als Freunde.
 
 
10. Apr

Was es braucht ...
in erster Linie Menschen die sich selbst nicht zugunsten eines angeblich höheren Ziels aufgegeben haben.
Wer sein "Ich" komplett einem "Wir" geopfert hat - nun, der wird letztlich erst mal gefühlt vor einem "Nichts" stehen.
Wenn dann all die Schuldzuweisungen kommen ... dann wird das sicher eine schmutzige Sache.
Jede Trennung ist aber immer auch eine neue Chance - das darf man dann auf keinen Fall aus den Augen verlieren.
Schwierig wird es natürlich - wenn mir erst einmal jegliche Perspektiven fehlen ... einfach weil ich viel zu sehr fixiert war.
Viele schauen dann zurück - aber es braucht hauptsächlich den Blick nach vorne.
Klar - man hatte ja schließlich schöne Zeiten ... auf diese darf man blicken ... es für sich positiv sehen.
Ähnlich verhält es sich mit den negativen Dingen ... auch die Fehler darf man im Blick haben und eben daraus lernen.
Beim nächsten Mal wird alles besser.

Nur ein paar Gedanken ...
Al
 
 
10. Apr

Was denkt Ihr braucht es für eine gute Trennung?

In der Frage liegt für mich schon die Antwort - nämlich die Wertschätzung seines/r Partners/in und in der gemeinsam verbrachten Zeit. Auch wenn es zur Trennung kam, war doch die gemeinsame Zeit nicht durchgehend schlecht.
Warum soll aus Wut immer Hass entstehen und warum geht es bei einer Trennung immer um die Schuldfrage? Der Trennende von einem Paar hat es vielleicht emotional "leichter" und der Zurückgebliebene braucht seine Zeit, um die Ablehnung zu verkraften - aber wie jede (ungeliebte) Veränderung, braucht auch die neue Situation immer eine gewisse Zeit. Manchmal bedarf es nur den Mut wieder aufeinander zu zu gehen.


Flüchtige und Nichtaufgeber sollten den realen Blick nicht verlieren. Aus "Liebe" kann Freundschaft entstehen und selbst bei einer Trennung kann "Liebe" für den Anderen immer noch da sein, nur aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
 
 
10. Apr

Wertschätzung
Ich denke, für eine wertschätzende Trennung braucht es vordergründig genau das: Wertschätzung. Da aber beginnt für Viele vielleicht auch schon das Problem, denn ein wesentlicher Grund (u.a.) für eine Trennung mag doch durchaus auch genau der Verlust dieser Wertschätzung sein.

Wertschätzung beziehe ich dabei auf Verschiedenes. Naheliegend: auf den Partner, der mich doch wohl nicht mehr wertzuschätzen weiß, so nimmt der trennungswillige Teil der Beziehung jedenfalls an. Auch naheliegend: auf das Gemeinsame, die vergangene Zeit, das, was man erlebt und gemeinsam geschaffen hat, das eigene Leben bis dahin. Natürlich war das nicht alles schlecht, aber im allgemeinen Pauschalisierungswahn und Trennungsschmerz mag objektive Einschätzung wohl untergehen.

Wenn Wertschätzung auch in der Trennungsphase und danach noch vorhanden ist, dann sehe ich das als Chance, sogar als dringende Frage: was fehlt eigentlich?
 
 
10. Apr

Ich weiß aus Erfahrung, was eine einigermaßen einvernehmliche und wertschätzende Trennung nicht gebrauchen kann:
Einen geschäftstüchtigen Anwalt! *flop*

Dr_Zyklothymus:
Da aber beginnt für Viele vielleicht auch schon das Problem, denn ein wesentlicher Grund (u.a.) für eine Trennung mag doch durchaus auch genau der Verlust dieser Wertschätzung sein.

Das Problem liegt eigentlich viel tiefer!
Wenn man im Leben Gemeinsames und Verbindendes geschaffen hat, dann trennt man sich nicht aus Langeweile, sondern weil diesen Gemeinsamkeiten auf der anderen Seite irgend welche grundlegenden Differenzen entgegen stehen.
Durch die Trennung wird Gemeinsames und Verbindendes zerstört.

Da scheint es mir geradezu logisch, dass das mit Schmerzen verbunden ist.
Und es gehört eine gute Portion an selbstkritischer Haltung dazu, den eigenen Anteil an der Zerstörung bzw. Unterwanderung der Beziehung zu erkennen und angemessen zu wichten.
Und es gehört verdammt viel Wohlwollen dazu, den Anteil des Partners daran nicht über zu bewerten.
 
 
10. Apr

Wir mögen uns noch!
Dem kann ich mich nur anschließen!
Ich habe zwei Trennungen hinter mir in den letzten acht Jahren. Mit beiden Männern habe ich Kinder. Drei mit dem ersten, eins mit dem Zweiten.
Letztes Jahr haben wir alle gemeinsam meinen Fünfzigsten gefeiert. Auch mein neuer Partner war dabei und alle Kinder.

Ich versuche, meine Gefühle so gut wie möglich rüber zu bringen. Den Männern gegenüber, wie auch den Kindern. Es hat uns allen sehr geholfen, keinen Hass zu entwickeln. Im Gegenteil, das Verständnis und der Respekt mir gegenüber hat bei den Männern, wie bei den Kindern, sogar noch zugenommen. Wir sind eine Familie, nach wie vor. Das gilt insbesondere für meine "Erstfamilie". 22 Jahre lassen sich nicht so einfach weg wischen. Aus den Augen, aus dem Sinn, geht für mich gar nicht. Ich liebe meine Männer! Jeden auf eine ganz eigene Art und Weise. Wo Liebe war, da hat für mich Hass niemals einen Platz! Und Schuld Zuweisung bringt rein gar nichts! Den letztlich sind es IMMER zwei, die die Verantwortung tragen für das Gelingen einer Beziehung. Und "scheitern" kann eine Beziehung in meinen Augen sowieso nicht. Jede Beziehung trägt mich ein Stück weit zu mir selbst. Auch, wenn nicht alle an sie gestellten Erwartungen erfüllt werden. Was ich "erwarte" dient nicht immer dem, was ich zu meiner persönlichen Entwicklung brauche. Das hat mich meine Erfahrung gelehrt.
Meinen Kindern mag ich die Last eines sich hassenden Elternpaares ebenfalls nicht zumuten. Die Großen reflektieren schon sehr gut, was zwischen den Eltern geschieht. Eine ehrliche Trennung ist auch für sie besser als es mein unehrliches Bleiben gewesen wäre.

Reden, die wahren Gefühle nicht verheimlichen oder gar unterdrücken. Respektvolles Reden über den Ist-Zustand. Die eigenen Bedürfnisse erkennen, reflektieren und klar kommunizieren. Keine verletzend Anklagen! Jeder gibt, was er kann! Dieser Gedanke hat mir immer geholfen, meinem Gegenüber den nötigen Respekt zukommen zu lassen und den Selbigen für mich nicht zu verlieren.
 
 
10. Apr

Meine Trennungen verliefen übrigens auch unter einem minimalen Einsatz des Anwaltes. Das glaube ich auch empfehlen zu können.
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