Was ist der Reiz an Bondage: Erst knoten, dann Sex?

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Themenersteller
 Themenersteller
12. Jan

Was ist der Reiz an Bondage: Erst knoten, dann Sex?
Hallo, ihr Lieben!

Ich bin neugierig und interessiert, daher die Frage :"Worin liegt der Reiz beim Bondage?"

Woher die Frage kommt?

Ich habe im letzten Jahr zwei Bondage Vorführungen gesehen und stelle mir nun diese Frage.

In diesen zwei Vorführungen wurde jeweils der weibliche Part "eingewickelt", der männliche Part knotete und wickelte ziemlich lange...Irgendwann hing die Dame dann in der Luft und dann würde wieder aufgeknotet.

Klar, ist es eine technische Leistung so zu knoten, dass ein erwachsener Mensch frei in der Luft hängen kann, ohne dass das Seil reißt bzw. Körperteile absterben.

Ist Bondage eine Art Vorspiel?
Werden während oder nach dem Knoten sexuelle Aktivitäten vorgenommen?
Ist das der Reiz, erst Knoten und dann Sex?

Klingt sicher sehr naiv. *zwinker*
Aber nur eine Runde einkoten und dann wieder aufknoten kann es alleine ja nicht sein.

"Klärt" mich mal auf.
Danke! *g*

LG,
Ein interessierte, aber (in diesem Bereich) unerfahrene Sie
 
 
12. Jan

nein der reiz des bonade liegt nach dem kunstvollen verschnüren in der wehrlosigkeit und hat mit sex nichts zu tun.
 
 
12. Jan

Kontrollverlust
Es gibt verschiedene Arten von Bondage. Das was Du beschreibst, geht in die Richtung "japanisches Bondage" (Shibari) würde ich sagen. Da steht tatsächlich der ästhetische Aspekt im Vordergrund.

Ich nutze es meist jedoch, um sie in einer Position zu fixieren. Das führt ganz klar zu einem Kontrollverlust für sie und ermöglicht ihr gleichzeitig, sich ganz auf ihren Körper zu konzentrien ... weil sie aktiv sonst ja eh nichts machen kann. Da wird dann auch nicht so schnell wieder aufgeknotet *zwinker*
 
 
12. Jan

Was devoteseele schreibt, ist definitiv ein Teilaspekt des Ganzen.

Dazu kommt, daß man durch die Seile weitere Wirkungen erzielen kann, wenn man geschickt damit umzugehen weiß; das geht von relativ simplen Dingen (Berührung, Streicheln) bis zu recht komplexen Dingen - beinahe hypnotische Wirkung durch Beachtung bestimmter Fesselrhythmen beispielsweise.

Wirklich in Worten erklären kann man das nur schwer; erstens ist es besser, das schonmal empfunden bzw. erlebt zu haben, zweitens (für mich persönlich) bin ich innerlich einfach nicht in dieser Art "verdrahtet" (ich bin Rigger, nicht Bunny)... und drittens ist das ein langjähriger Lernprozeß mit viel, viel Erfahrungssache drin. Ich kenne zwar manche Techniken, bin aber definitiv sehr sehr weit davon entfernt, das wirklich meisterlich einsetzen zu können.
 
 
12. Jan

Für uns
ganz klar:

Ja.

Erst knoten, dann Sex.

LG, Fix & Foxy
 
 
12. Jan

Außerdem solltest Du beachten, daß solche Vorführungen ("Shows", insbesondere auf Messen und sonstigen Events) nicht immer und automatisch auf die Emotionen der Performer ausgerichtet sind. Oder, anders gesagt, oft genug geht es bei dieser Art von Vorführung mehr um die Ästhetik, Athletik, technische Perfektion - das hat dann mehr von einer Zirkusnummer als von dem, was Bondage im Rahmen einer mehr oder minder engen Beziehung zwischen zwei Menschen m.E. eigentlich ausmacht (bzw. ausmachen sollte).

Und ja - Sex kann und darf da natürlich auch gerne im Spiel sein... was uns angeht. Obwohl Du da sicherlich auch abweichende Meinungen finden wirst...
 
JOY-Angels
 JOY-Angels
12. Jan

Es gibt da mehrere Arten der Bondage. Im Wesentlichen zwei Richtungen:

• Bondage als Selbstzweck
• "Bondage for Sex"

Was du da in den Vorführungen gesehen hast, ist das Erste. Da geht es um die Seile selbst, um die Interaktion miteinander.
Wobei Performances das Ganze oft nur ungenügend abbilden. Stelle dir diese vor wie Tanztheater: Es wird fürs Publikum gemacht. Wenn du aber mit einem geliebten Partner selbst tanzt, ist das ja auch etwas anderes. Im besten Falle Sinnlicheres.

Bondage wie in den Performances gesehen ist privat noch einmal etwas völlig anderes. Da geht es um Gefühle, um Gehalten werden, um Los lassen. Wenn es denn beide wollen, ist es etwas sehr sinnliches, ähnlich wie ein gutes Tangotanzpaar auf dem Parkett dann pure Erotik ausstrahlen kann. Es ist ein Geben und Nehmen, es ist ein Abtauchen in eine Welt des Haltens und Gehaltenwerdens. Hier ist der Weg das Ziel! Je mehr Seile das "Opfer" umschlingen, desto freier fühlt sie sich.

Das Ganze kann dann in Sex anschließend gipfeln. Muss es aber nicht und tut es meist auch nicht.

Die zweite Variante ist dann, schnell das Opfer verschnüren und dann weitermachen. "Sex" ist da jetzt weit gefasst, es kann auch sinnlichen SM bedeuten, die Lust an der Qual, Lustschmerz, das volle Programm. Es kann aber auch einfach nur bedeuten, dass sich das "Opfer" gegen den Sex, da ja nun gefesselt, nicht mehr wehren kann und dann halt "genommen" wird.

Was der Reiz daran ist? - Beides! *g*

Das Eine ist Wellness (ich nenne es gerne Wellness-SM), das andere ist Erotik. Das erste übt sich in der Langsamkeit, ähnlich wie ein eeeewig langes, sinnliches Vorspiel, das Zweite ist pure Energie, aufs Bett werfen, los geht's.

Es gibt noch etliche Mischformen. So kann das Eine in das andere übergehen. Bondage mit Seilen ist etwas anderes als jenes mit Ketten, Bondage mit Schnellfesseln noch mal etwas völlig anderes.
Insgesamt ergeben sich aber doch meist final jene zwei Richtungen: Sinnliche Bondage, bei der der Weg das Ziel ist, oder Bondage, bei der es ein Ziel gibt, "hilflos machen", und wenn das erreicht ist, es dann mit sexuellen Handlungen irgend einer Art weiter geht.

Performances jedenfalls sind ein schlechter Gradmesser für das "echte Leben". Sind sie sehr technisch, dann haben sie eine Sinnlichkeit, die wie Pornos sinnlich sind: Wenn man es selbst macht privat, ist es ungleich erotischer.

*g*
 
 
12. Jan

Wie schon geschrieben wurde, gibt es mehrere Formen und Motivationen.

Reines Bondage passiert aus reinem Selbstzweck. Es ist nicht als Vorspiel gedacht (kann aber natürlich als solches genutzt werden). Für mich als passiven Part ist Bondage wie eine Umarmung. Die Seile geben mir halt, beschützen mich. Ich vertraue meinem Fesselpartner. Er beobachtet mich, berührt mich, beschäftigt sich mit mir. Ich muss nichts tun, von mir wird nichts erwartet. Je gefesselter ich bin, desto weniger Möglichkeiten habe ich, desto weniger denke ich darüber nach, was vielleicht von mir erwartet wird. In völlig gefesseltem Zustand bin ich wie in einem schützenden Kokon, ganz bei mir selbst.

Meine Fesselparter konzentriert sich ganz auf das Fesseln an sich, die genaue Seilführung, die Knoten. Es hat etwas Meditatives führ ihn. Seine Gedanken sind fokussiert, er ist konzentriert. Aber immer auf mein Wohl achtend.

Ich lebe diese Neigung nicht mit meinem festen Partner, sondern mit einem sehr guten Freund. Deswegen hat das zwischen uns nichts mit Sex zu tun.
 
 
12. Jan

Ja, Bondage kann eine Art ...
... Teilaspekt unserer Sexualität sein. Aber Sexualität ist definitv mehr als ficken, blasen, totstreicheln!

Als Vorspiel würde ich Bondage nicht sehen, sondern als eigenständiges Gefühl, eigenständiges Erlebnis.
Natürlich kann es auch nur einen Teil einer Session darstellen, kann es mit anderen Praktiken weitergehen, natürlich kann ich mein wehrlos verschnürtes Bündel Mensch auch als Solches benutzen, aber nicht alles was wir unter Sexualität verstehen läuft eben unmittelbar auf GV hinaus. Der Weg ist das eigentliche Ziel.

Wem sich das nicht erschliesst, wer Bondage und ähnliche Dinge nur als Vorspiel sieht, kennt von der grossen, schönen und weiten Welt eben nur einen einzigen Dorfplatz *zwinker* .
 
 
12. Jan

Ich kann nur aus meiner sehr unerfahrenen Perspektive schreiben, da ich Bondage weder "professionell" betreibe, noch einen wirklichen Fetisch dafür habe, sondern erst seit Kurzem auf den Geschmack gekommen bin.

Ich habe einen flüchtigen Bekannten, durch den ich zum ersten Mal mit Shibari in Berührung gekommen bin. Ich fand das Ganze wahnsinnig faszinierend und optisch einfach wunderschön, habe mich aber ganz lange Zeit nicht mehr damit beschäftigt. Erst vor ein paar Monaten habe ich wieder darüber nachgedacht, mir ein Seil gekauft und einfach angefangen, etwas damit herumzuspielen.

Zum einen gefallen mir die schier endlosen Möglichkeiten, einen Körper mit Seil zu schmücken. Es gibt so viele verschiedene Knoten, so viele Designs, einen Körper zu betonen und Emotionen einzufangen, festzuhalten, Gefühle und Momente zu "fesseln". Vom ästhetischen Aspekt her ist ein Seil auf nackter Haut für mich pure Schönheit. Wenn ich es an mir selbst ausprobiere, geht es mir auch weniger um die Fixierung, sondern mehr um diesen technischen Kram und die Ästhetik, aber auch um das Tragegefühl.

Zum Beispiel habe ich mir mal ein einfaches Karada - eine Art Bodyharness - geknüpft, Kleidung drüber angezogen und bin dann damit rausgegangen. Bei jeder Bewegung spürt man das Seil an seinem Körper, bei dieser speziellen Knüpfung auch besonders zwischen den Beinen. Zum einen fühlte es sich sehr interessant an, da man durch den punktuellen Druck des Seils bestimmte Körperregionen und Muskeln intensiver wahrnimmt, über die man ansonsten im Alltag gar nicht nachdenkt. Man spürt den eigenen Körper auf eine ganz intensive Weise. Zum anderen war es natürlich aufregend, dass niemand wusste, was ich unter meiner Kleidung getragen habe. Niemand konnte es sehen, aber man hat sich immer gefragt, ob es vielleicht jemand erahnt, wenn er einen ansieht. Mein kleines Geheimnis unter meiner Kleidung. *g*

Besonders schön empfand ich dann aber den Moment zu Hause, wo ich das Seil wieder aufgeknüpft habe. Es war schon recht straff geschnürt und hat somit deutliche Abdrücke auf der Haut hinterlassen. und erst da habe ich festgestellt, dass das Seil meinen Körper praktisch "zusammengeschnürt" hat und als das Seil sich gelockert hat, war das ein wahnsinnig angenehmes, erleichterndes Gefühl. Wie ein entspannendes, warmes Bad nach einer Stunde Sport. Die Abdrücke zu betrachten erinnerte mich immer daran, dass mein Körper kurz zuvor noch in Seil gespannt war. Das bringt mich immer ein wenig zum Lächeln. ^^

Mittlerweile nutze ich das Seil aber auch mit meinem Partner beim Sex, aber nicht als separate Spielart. Also es ist nicht so, dass er mich fesselt und wieder befreit und das war's, sondern wir bauen das Seil und Fesseln mit ein, während wir Sex haben. Als Vorspiel nutzen wir es nicht.
Aber zum Beispiel benutzt er es manchmal, wenn ich ihm einen blase. Dann legt er es in meinen Nacken und zieht mich langsam, aber sehr stramm, an sich heran. Oder wenn er mich von hinten nimmt, legt er es um meinen Hals und zieht mich hin und wieder daran zu sich. Er nutzt es auch, wenn ich ihn reite und zieht es stramm um meine Hüfte. Er fesselt mir die Hände auf den Rücken oder bindet sie an die Haken in der Wand, oder fesselt meine Hände an meine Oberschenkel oder die Füße. Manchmal legt er meine Füße auch in eine Schlinge und zieht das Seil durch Haken an der Decke, sodass die Beine dauerhaft angehoben werden.

Mir geht es dabei, wie bereits vielfach beschrieben, um das Gefühl, hilflos und ausgeliefert, aber dennoch in guten Händen zu sein. Wenn man Teile seines Körpers - oder den ganzen Körper - für eine Weile nicht kontrollieren kann, nimmt man ihn später völlig anders und viel bewusster wahr. Manchmal ist es sogar richtig anstrengend, eine bestimmte, vielleicht etwas unbequeme Haltung über einen gewissen Zeitraum einzuhalten. Es kostet Kraft, aber wenn diese Anspannung dann abfällt, sobald man entknotet wird, ist das ein super Gefühl und für mich etwas sehr Intimes.
 
 
12. Jan

alles zusammen...
Ich kann jetzt nur von uns persönlich berichten:
Da ist zunächst die Ästetik der Seile an sich, schon das Spiel miteinander beim fesseln, wo auch Emotionen mit dabei sind.
Ein Bunny will ja auch schön aussehen, also ist das auch ein gegenseitiges Spiel zwischen wehrlos und Schönheit, Betonung des Körpers etc.
Das Hängen danach ist dann natürlich auch erst einmal Teil dieses Spiels - eine Fortsetzung. Und natürlich sind wir auch ein wenig aufmerksamkeitssüchtig, dh. ShowAspekte im Club gehören klar dazu.
Bei uns persönlich kommt dann noch für rina das totale Abfallen in den subspace dazu - meist schon halb während des Eintüddelns, spätestens wenn die Füße den Boden verlassen ist sie komplett weg und nur noch bei sich und ihren (sexuellen) Bedürfnissen. Dann darf sie auch zum Orgasmus kommen - wenn wir das 'für uns' machen; Tüddeln wir offiziell Show eher nicht, weil es dann eben um das Shibari und nicht um die sexuelle Erfüllung geht.
 
Themenersteller
 Themenersteller
12. Jan

Interessant...
Hi again!

Ich habe voller Interesse Eure Antworten gelesen.
Dabei habe ich festgestellt, dass Bondage wohl ein sehr weites Feld ist.
Es kann nur dem ästhetisch/athletischen Aspekt dienen, es können sexuelle Handlungen folgen oder währenddessen stattfinden, es kann auch nur bestimmter Emotionen wie Ausgeliefertsein, bei sich selbst sein etc. dienen...

Shibari ist wohl die Showtechnik?

Ab wann spricht man überhaupt vom Begriff Bondage?
Durch die Vorführungen dachte ich, es ist erst Bondage wenn der ganze Körper verschnürt/fixiert ist und am Schluss bestenfalls in der Luft schwebend...?

Ist denn schon ein Hände beim Sex fesseln oder nur die Beine irgendwie fixieren Bondage?
Meint Bondage primär Seile als Material? Jemand schrieb von Ketten. Anketten ist auch Bondage?

Fragen über Fragen... *zwinker*
Aber ich möchte verstehen, was ich gesehen habe. *g*

Danke Euch!
 
 
12. Jan

Die Lust mit den Seilen kann individuell, wie viele Vorschreiber schon sagten, verschiedene Motivationen zu Grunde liegen - und Bondage ist auch nicht gleich Bondage.

Meistens verstehen wir unter Bondage das Ding mit dem Seil.
Aber auch Handschellen, anderweitige Befestigungen und Fesselungen im Kontext von BDSM sind Bondage, auch mit Manschetten, Bondagesäcke, Zwangsjacken und so weiter.

Jetzt aber mit den Seilen, es gibt verschiedene Motivationen:
Die Lust an der Restriktion
Die Lust an der Schönheit des Körpers in den Seilen
Die Lust an der Technik und am Material
und natürlich kann man alles kombinieren, und es kann von allem ein bisschen sein.

Bei mir, wenn ich das Seil führe, ist mir die Ästhetik wichtig, es muss für mich schön aussehen und sexy - zugleich muss ich das Gefühl seines mir Ausgeliefertsein, sich nicht mehr bewegen können, sich nicht wehren können empfinden. Und es macht mich an. Es wird so für mich zu einem Gesamtspiel - Sex inklusive.
 
 
12. Jan

Besuch doch einfach mal einen Bondagestammtisch und sprech dort die Besucher an. Ich bin mir sicher, dass du dort besser informiert wirst als hier, und dass ein intensives Gespräch verbunden mit der Möglichkeit es selbst zu probieren oder zumindest zuzusehen einen deutlich tieferen Eindruck vermittelt...
 
 
12. Jan

Entweder reizt die Technik.

Das ausgeliefert sein oder die Kontrolle.

Connective Bondage, da spricht das Seil und transportiert die Gefühle und Absichten untereinander.

Die Ästhetik.

Zu fliegen oder fliegen zu lassen.

Manchmal nur die Fixierung. Um danach anderes zu tun.

Suche es dir aus.

Seile halten, liebkosen, strafen, befreien, fixieren, verpacken und viel mehr.

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