14.11.2013

Sex-Steuer für Tantra-Massagen
Stuttgarter Verwaltungsgericht entschied: Tantra ist steuerpflichtig

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Tantra Massage
Tantra = Sex?
Tantra = Sex?

Laut dem in der vergangenen Woche verkündeten Urteil des Stuttgarter Verwaltungsgerichts zählen Tantra-Massagen zu Dienstleistungen sexuellen Vergnügens. Damit sind sie steuerpflichtig. Nicht nur in den Medien ruft dieser Beschluss Unruhe hervor. Vor allem Tantra-Studios sind über den direkten Vergleich mit Bordellbetrieben empört. Doch wo endet die Ganzkörpermassage und wo fängt der Sex an?

Klage gegen Vergnügungssteuer für Tantra-Massage abgewiesen

Wie kam es zu diesem Urteil? Das Stuttgarter Verwaltungsgericht wies die Klage der Besitzerin eines Massagesalons gegen die Stadt ab. Für ihre angebotenen Dienstleistungen sollte die 55-jährige Saloninhaberin eine Vergnügungssteuer in Höhe von 840 Euron zahlen (Az.: 8 K 28/13). Nach Auffassung des Gerichts biete die Klägerin in ihrem Betrieb "gezielt die Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen" an.

Für das Verwaltungsgericht stellen Tantra-Massagen somit weit mehr als ganzheitliche Sinneserlebnisse dar. Da die Massage von Intimzonen zusätzlich gebucht werden kann, sei ein Entgelt in Form der Sexsteuer zu entrichten.

Was passiert bei einer Tantra-Massage?

Die Tantra-Massage beruht auf einer Jahrtausende alten, indischen Philosophie, die die erotischen und sinnhaften Erfahrungen ausbauen soll. Während der Massage stehen meditative Passagen im Wechsel zu dynamischen Sequenzen.

Es heißt, die Yoni-Massage habe heilende Wirkung. Ist sie deshalb steuerpflichtig?
Es heißt, die Yoni-Massage habe heilende Wirkung. Ist sie deshalb steuerpflichtig?

Ausgebildete Masseure wenden verschiedene Techniken an, um den energetischen Ausgleich von Yin und Yang anzuregen und den Körper dadurch in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen. Völlig nackt genießt man die sowohl sanften als auch kräftigen Massagegriffe, die auch den sensiblen Intimbereich wie Vagina, Penis und Anus einbeziehen können. Bei der Tantra-Massage lässt sich der Kunde vollkommen fallen und kann Lust und Erregung völlig neu erleben. Dies geschieht für den Massierten allerdings völlig passiv. Ein Besuch im Tantra-Studio ist keine Offerte für Sex. Grundlage des Tantra-Rituals ist dabei die Verehrung und Akzeptanz des Menschen als ganzheitliches Wesen.

Kein Sex im Tantra-Studio

Tantra-Massagen laden nicht zum Sex ein - aber zum Entspannen.
Tantra-Massagen laden nicht zum Sex ein - aber zum Entspannen.

Tantra-Massagen sind also Wohlfühlmassagen, die laut Erkenntnislehre die Sinnlichkeit und den ritualisierten Geschlechtsakt miteinbeziehen können. Tantra-Studios, die Ganzkörpermassagen zu ihren Leistungen zählen, bieten ihren Kunden weder vor, während noch nach der Massage Geschlechtsverkehr an. Die Tantra-Massage steht ganz allein im Zeichen des persönlichen Erlebens des Kunden. Auch wenn bei tantrischen Praktiken wie der Yoni- oder der Lingammassage die Intimzonen berührt werden, können Kunden in Tantra-Studios noch lange keinen Sex kaufen. Den intimen Berührungen der Yonimassage werden gar heilende Wirkungen zugesprochen. Umso entrüstender erscheint der Vergleich von Tantra-Studios mit Bordellen, Laufhäusern oder Swingerclubs.

Inhaberin Karin von Sinn_Touch, ein Tantra-Studio aus Bad Bentheim in Niedersachsen, spricht über den unangemessenen Vergleich, der derzeit durch die Medien geistert:

Das erschreckende an dem Urteil des Verwaltungsgerichtes ist nicht, dass eine Abgabe gezahlt werden soll, sondern die Entscheidung, dass es sich um einen Dienstleistungsbetrieb für "sexuelles Vergnügen" handelt und damit jedes Tantra-Studio zu einem Bordellbetrieb mit den entsprechenden Konsequenzen deklariert wird. Es besteht großer Aufklärungsbedarf hinsichtlich der Tätigkeit von Tantra-MasseurInnen. Das eigentliche Problem dabei ist, dass Tantra-Massagen auch in Bordellbetrieben angeboten werden und eine Differenzierung zu seriösen Tantra-Studios nicht stattfindet. Hierzu würde es aber auch einer klaren Definition von Tantra und erotischen Massagen bedürfen.

Solange die Methode der tantrischen Berührungskunst nicht näher erläutert oder sogar geschützt wird, können Betriebe mit finanziellen Interessen Eigeninterpretationen von Tantra-Massagen kreieren. Und mehr noch, die Sexsteuer auf intimen Massagen droht auch weiteren Studios in anderen Bundesländern! Warum? Schauen wir uns die Vergnügungssteuer doch einmal genauer an.

Welche Vergnügungen müssen versteuert werden?

Dienen tantrische Massagen gezielt dem sexuellen Vergnügen?
Dienen tantrische Massagen gezielt dem sexuellen Vergnügen?

Die Vergnügungssteuer unterliegt der Gesetzesgebung der jeweiligen Länder. Über die Satzung entscheiden die Gemeinden nach verschiedenen Regelungen, daher ist die Höhe dieser Aufwandssteuer von Region zu Region verschieden.

Neben der Kartensteuer, die eine entgeltpflichtige Veranstaltung besteuert, zählen auch die Spielautomaten- sowie die Prostitutionssteuer zu den Erscheinungsformen der Vergnügungssteuer. Letztere führte unter anderem Vorreiter Köln vor rund zehn Jahren in Deutschland im Zuge des Prostitutionsgesetzes ein. Berechnet wird sie nach der Quadratmeterzahl des Etablissements. Doch nicht in allen deutschen Städten müssen sogenannte Vergnügungssteuern gezahlt werden. So kommt es, dass in Berlin und Hamburg keine Sexsteuern erhoben werden. Zum Vergleich: Der Landeshauptstadt Stuttgart brachte die Sexsteuer im vergangenen Jahr rund eine Million Euro ein.

Ist die Tantra-Massage für euch Sex? (449 Beiträge)