22.08.2013

"Schlafes Bruder" und die BDSM- und Fetisch-Welt
E Nomine, die Kreuzzüge und der "Ritter und Knecht"-Videodreh

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Im "Ritter und Knecht" Clip spielen Größen aus der Fetisch- und Tattoo-Model-Szene wichtige Rollen. Foto: Svan Photoart
Im "Ritter und Knecht" Clip spielen Größen aus der Fetisch- und Tattoo-Model-Szene wichtige Rollen. Foto: Svan Photoart

Ein BDSM-Club voller Folterinstrumente. Eine unheimliche Atmosphäre. Der Club ist gefüllt mit Menschen in auffälliger Fetischkleidung. Wo die Kleidung nicht hinreicht, blitzen kunstvolle Tattoos auf. Inmitten der Szenerie ein Hofnarr mit verängstigtem Gesicht, immer auf der Flucht vor einer Bedrohung, manifestiert in Gestalt einer schneeweiß gekleideten Braut…

Wenn euch dieses Szenario bekannt vorkommt, habt ihr sicherlich unseren Artikel gelesen, in dem wir davon berichteten, was wir am Video-Dreh-Set zu der "Schlafes Bruder" Single "Ritter und Knecht" alles erlebt haben. Wie bereits angedeutet, planen wir das Projekt bis zur Premiere des Clips im September ein wenig eingehender zu verfolgen und können euch heute bereits einen ersten Trailer zu dem Video präsentieren. Des Weiteren sprachen wir mit "Schlafes Bruder" über die Bandgeschichte, die Kreuzzüge und den Bezug der Band zur BDSM- und Fetisch-Szene!

Die Musik von "Schlafes Bruder" für euren Club? Nichts leichter als das! Einfach die Zeilen ganz am Ende des Interviews beachten!

Ein erster Blick auf das "Ritter und Knecht" Video von "Schlafes Bruder"

Wie in unserem Artikel "Musikvideo-Dreh im BDSM-Club" angedeutet, arbeiten "Schlafes Bruder" aktuell mit Hochdruck am Video für die neueste Singleauskopplung "Ritter und Knecht". Wir dürfen euch heute einen ersten Ausblick auf das Video präsentieren. Taucht kurz ein in die Atmosphäre des Clips, der im Berliner BDSM-Club Dark Side entstand.

 

Doch wer sind "Schlafes Bruder" nun genau? Wir luden die Künstler zur Klärung dieser Frage zu einem kleinen Interview ein ...

"Schlafes Bruder" und die sehr erfolgreiche "E Nomine" Vorgeschichte

Kris Weller (links), einer der Köpfe hinter "E Nomine" und "Schlafes Bruder" stand uns Rede und Antwort. Foto: Svan Photoart
Kris Weller (links), einer der Köpfe hinter "E Nomine" und "Schlafes Bruder" stand uns Rede und Antwort. Foto: Svan Photoart

Ihr habt Ende der 90er als "E Nomine" große Erfolge gefeiert. Wie kamt ihr damals auf die Idee, mystische und klerikale Texte mit treibenden Beats und bekannten Synchronstimmen zu kombinieren?

Schlafes Bruder: Der Film "Sleepers" brachte die Idee hervor, "Das Vaterunser" mit der bekannten Synchronstimme von Robert DeNiro aufzunehmen. Christian Brückner, die deutsche Stimme des Schauspielers, erklärte sich bereit, es einmal zu versuchen. Sofort entstand da eine gewisse Magie in der Musik. Der Dance gab der Stimme genug Raum, sich voll zu entfalten, hatte aber auch Kraft genug, sie allein mit treibendem Bass und Beats zu tragen. Dazu entschieden wir uns, da es keinen echten Refrain im üblichen Sinne gab, für Chöre im Stil von Carl Orff und mystische Klänge. Ein neuer Stil war kreiert, der von irgendjemandem auch schon mal als Sakral-Techno tituliert wurde. Dabei haben wir nie Techno gemacht, eher Bombastic-Pop.

 

Warum habt ihr "E Nomine" ad acta gelegt?

Schlafes Bruder: Es liegt nicht ad acta, sondern nur auf Eis. Wir befinden uns nämlich schon seit 2007 in einem Rechtsstreit bezüglich der Namensrechte, die sich unser ehemaliger Lizenznehmer hinter unserem Rücken zueigen gemacht hatte.

Aus dem poppigen "E Nomine" wird der rockige "Schlafes Bruder"

Die gesamte Band "Schlafes Bruder" v.l.: Halid "Pascha" Pestil, Kris Weller, Fritz Graner, Ricky Grasser und Andreas "Schulle" Schulz. Foto: Svan Photoart
Die gesamte Band "Schlafes Bruder" v.l.: Halid "Pascha" Pestil, Kris Weller, Fritz Graner, Ricky Grasser und Andreas "Schulle" Schulz. Foto: Svan Photoart

Euer Folgeprojekt hört auf den Namen "Schlafes Bruder" und erweitert die "E Nomine"-Formel um harte Rockklänge. Wann kam in euch die Idee bzw. der Drang auf, wieder musikalisch breitenwirksamer durchzustarten?

Schlafes Bruder: Im Prinzip, weil uns beim eben genannten Rechtsstreit die Perspektive fehlte, zügig voran zu kommen.

 

Warum habt ihr nicht einfach das "E Nomine"-Erfolgskonzept weiter geführt und setzt stattdessen auf harten Rock?

Schlafes Bruder: Ob es nun auf harten Rock reduziert werden kann, was wir da machen, lass ich mal dahingestellt. Aber prinzipiell geht es darum, zukünftig auch auf die Bühne zu gehen, wobei natürlich Live-Instrumente und eine Person, mit der man die gehörte Stimme auch authentisch identifizieren kann, wichtig sind. Das war mit "E Nomine" einfach nicht gegeben.

 
Fritz Graner, Sänger von "Schlafes Bruder" Foto: Svan Photoart
Fritz Graner, Sänger von "Schlafes Bruder" Foto: Svan Photoart

Wie kam es, dass Fritz Graner beschlossen hat, den Gesangspart der Band zu übernehmen?

Schlafes Bruder: Fritz ist ein Sänger, der viele stimmliche Facetten hat, einen großen Tonumfang von Subbass bis Countertenor, und der verschiedene Gesangsstile beherrscht. Schon damals sprach er immer die "E Nomine"-Demos für die Synchronsprecher ein. Irgendwann klang es so gut, dass wir uns für die Single "Heilig", die ursprünglich noch mit "E Nomine" geplant war, entschieden, Fritz als Künstler einzusetzen. Auch, um zukünftig live aufzutreten.

 

Wie kamt ihr auf den Namen "Schlafes Bruder" für eure Band? Dieser ist ja schon recht speziell, steht er doch im poetischen Sinne für den Tod …

Schlafes Bruder: Beim Brainstorming für den Titel unseres ersten Albums war Robert Schneiders gleichnamiger Roman bereits unter den Vorschlägen. Uns gefiel der Titel aber dann so gut, dass wir ihn als Bandnamen auswählten – natürlich nicht ohne uns vorher mit dem Autor des Bestsellers "Schlafes Bruder" abzustimmen und uns seinen Segen zu holen. Robert Schneider befand die Musik von "E Nomine" für gut und bekam einige Titel des neuen Albums zu hören. Außerdem ist er als Österreicher ein Landsmann von Fritz. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, was ein wenig half, die Genehmigung zu bekommen.

Das Konzept hinter dem "Schlafes Bruder" Album "Heute war Gott nicht hier"

Im Video zu "Ritter und Knecht" geht es heiß her. Foto: Svan Photoart
Im Video zu "Ritter und Knecht" geht es heiß her. Foto: Svan Photoart

Das erste "Schlafes Bruder"-Album "Heute war Gott nicht hier" ist ein Konzeptalbum über die Kreuzzüge. Was fasziniert euch an dieser geschichtlichen Epoche so sehr, dass ihr sie zum Leitthema eures Albums gemacht habt?

Schlafes Bruder: Wir hatten mit "E Nomine" unter anderem auch das Alte Testament als Thema. Begibt man sich nun in die Perspektive des "Schlafes Bruder" – also aus der Sicht des Todes, was liegt da näher, als die dunkelste, von religiösem Fanatismus getriebene und todbringendste Menschheitsepoche schlechthin ins Visier zu nehmen? Es sind in dieser Zeit ca. 10 Millionen Menschen ums Leben gekommen. Das ist in Anbetracht der damaligen Bevölkerungsdichte unvorstellbar und mit keinem anderen dunklen Kapitel der Menschheitsgeschichte zu vergleichen.

Unser Sound schöpft aus dem Vollen: Von mental und innerlich bis hart und äußerlich, und bietet damit eine große emotionale Kulisse für die BDSM und Fetisch-Szene.
 

Ihr bewahrt euch einen sehr kritischen Blick auf diese Zeit. Eure vorletzte Singleauskopplung "Heilig" etwa handelt von einem Kreuzritter, der offensichtlich an seinem Tun zweifelt. Glaubt ihr, es gab während der Kreuzzüge viele Momente solch unverstellter Selbsterkenntnis?

Schlafes Bruder: Ganz offensichtlich gab es leider viel zu wenige solcher Lichtblicke, sonst wäre die Geschichte wohl ganz anders geschrieben worden.

 

Wie passt eigentlich euer Song "Thusnelda" in diesen Zusammenhang? Die historische Figur selber hat ja eigentlich mit den Kreuzzügen nichts am Hut? Und heute wird der Begriff ja eher sehr abfällig genutzt …

Gedreht wurde das Video von "Ritter und Knecht" im BDSM-Club "Dark Side". Foto: Svan Photoart
Gedreht wurde das Video von "Ritter und Knecht" im BDSM-Club "Dark Side". Foto: Svan Photoart

Schlafes Bruder: "Sehr abfällig" ist das richtige Stichwort. Man muss sich mal vorstellen, dass die Kreuzzüge ja schon Ausmaße von exodusartigen Völkerwanderungen annahmen. Es waren bei weitem nicht nur Ritter, sondern man zog mit Mann und Maus, mit Sack und Pack, ja teilweise sogar mit Kind und Kegel in den heiligen Krieg. Schließlich sollten Länder und Städte erobert und als Kriegsbeute verteilt werden. Eine vielversprechende Zukunft winkte im fernen Orient vor dem dunklen Hintergrund von Pest, Inquisition, Kälte- und Hungertod im eigenen Land. So zog es Schmied, Zimmermann und Schneider genauso in die Ferne, wie zum Tode Verurteilte, Bettler oder eben auch Huren. Hurerei, Schändung und Vergewaltigung aber wurden schon mit dem Namen "Thusnelda" in Verbindung gebracht, Dinge, die es zu allen Zeiten in Kriegen gegeben hat.

Warum wurde "Ritter und Knecht" in einem BDSM-Club gedreht?

Und welche Geschichte, welcher tiefere Sinn steckt hinter eurem Song "Ritter und Knecht", den ihr demnächst als neue Single auskoppeln werdet?

Schlafes Bruder: "Ritter und Knecht" ist ein archetypischs Bild für Macht und Unterwerfung. Die Kreuzzüge stehen nicht nur als Ganzes, sondern eben auch in ihren kleinen, gesellschaftlichen Strukturen für dieses hierarchische Prinzip ... wenn auch wohl weniger aus einer persönlichen, luststeigernden Motivation heraus.

 
Regisseur Andreas Marschall bereitet die nächste Szene des Videos vor. Foto: Svan Photoart
Regisseur Andreas Marschall bereitet die nächste Szene des Videos vor. Foto: Svan Photoart

Das Video zu dem Song habt ihr in einem BDSM-Club mit bekannten BDSM-, Fetisch- und Tattoo-Szenegrößen gedreht. Wie kam es zu der Entscheidung, in einem BDSM-Club zu drehen und auf nicht ganz alltägliche Statisten zurückzugreifen?

Schlafes Bruder: Gemeinsam mit dem Regisseur Andreas Marschall hatten wir die Idee, das Thema nicht auf dem üblichen, sich aufdrängenden Weg anzugehen, also z. B. durch alltägliche Gegenüberstellungen von Chef und Angestelltem. Außerdem reizte uns der Tattoo- und Fetisch-Look und die Idee, Fritz in der Rolle einer Frau zu drehen. Unser Plan war, das "Ritter und Knecht"-Motiv in einer Person zu vereinigen, und zwar in einem schizophrenen Clown, der im Prinzip auf der einen Schulter den guten und auf der anderen den schlechten Engel trägt. Letzterer wird durch die Braut als Halluzination von der bösen Mutter verkörpert, die das Kind in ihm zurechtweist.

"Schlafes Bruder" und die Welt des Fetisch und des BDSM

Ihr hattet im Rahmen der Dreharbeiten auch die Möglichkeit, in die BDSM- & Fetischszene hinein zu schnuppern. Ihr habt Szenegrößen kennengelernt, BDSM-Räumlichkeiten von innen gesehen, manch abgefahrene Accessoires wie Riesendildos usw. gesehen … Wurdet ihr durch eure Recherchen vorm Dreh und eure Erlebnisse bei den Dreharbeiten selbst dazu angeregt, euch tiefergehend mit der Szene zu beschäftigen?

Schlafes Bruder: Durch den Dreh an sich eher weniger. Man ist vor Ort so fokussiert auf das, was zu tun ist, dass einem kaum Zeit und Raum für Phantasie bzw. Gedanken zu den Utensilien bleibt. Auch die Atmosphäre ist weniger geeignet. Es herrscht bei heller Ausleuchtung reges Treiben um die Kamera herum, und alle sind besorgt, dass man den Drehplan wenigstens halbwegs einhält.

 
Eine sexy Stangentänzerin während den Dreharbeiten in Action. Foto: Svan Photoart
Eine sexy Stangentänzerin während den Dreharbeiten in Action. Foto: Svan Photoart

Könnt ihr die Faszination, die für viele Menschen von diesen Spielarten ausgeht, nachvollziehen? Gibt es Elemente, die euch besonders faszinieren?

Schlafes Bruder: Faszination wäre vielleicht etwas übertrieben. Aber die Faszination anderer macht schon neugierig. Nach Auseinandersetzung mit dem Thema durch tiefer gehende Gespräche werden die Motive auch durchaus nachvollziehbar. Vielleicht schlummert ja in jedem von uns ein Faible für eine der Spielarten und wartet nur darauf, wach geküsst zu werden.

 

Warum könnte eure Musik eurer Meinung nach so gut in genau diese Szene (BDSM-, Fetisch- und Erotikclubs) hineinpassen?

Schlafes Bruder: Es liegt etwas Mystisches, Unergründbares in der Luft, das einen tief in den Bann zu ziehen vermag, wenn man sich darauf einlässt. Seichte Popmusik wird dem nicht gerecht, weder musikalisch noch thematisch. Schon "Das Vaterunser" und andere "E Nomine"-Tracks wurden regelmäßig zur Untermalung von Shows in diesem Metier genutzt. Ebenso wie Musik der großen Bands aus dem Bereich "Neue Deutsche Härte". Unser Sound schöpft in beiden Welten aus dem Vollen: von mental und innerlich bis hart und äußerlich, und bietet damit eine große emotionale Kulisse für die Szene.

Wie geht es mit "Schlafes Bruder" weiter?

Was kann man in Zukunft von euch erwarten?

Alle Darsteller des "Ritter und Knecht" Videos vereint. Als Braut: Fritz Graner. Foto: Svan Photoart
Alle Darsteller des "Ritter und Knecht" Videos vereint. Als Braut: Fritz Graner. Foto: Svan Photoart

Schlafes Bruder: Derzeit arbeiten wir an einer neuen Single, für die auch schon ein opulentes Video mit dem bewährten Team und hoffentlich vielen Darstellern von "Ritter und Knecht" in Planung ist. Darauf freuen wir uns ganz besonders. Außerdem steht eine spannende Kooperation mit dem Underground-Horror-Regisseur Andreas Marschall an, in dessen Horror-Episodenfilm "German Angst" wir einen Auftritt haben und auch die Titelmusik für seine Episode schreiben werden. All das wird Teil unseres kommenden Themenalbums ... lasst euch überraschen.

 

Und abschließend die Frage, wofür ihr eigentlich auf einen Kreuzzug gehen würdet?

Schlafes Bruder: Die Kreuzzüge hatten ihren Ursprung in religiösem Fanatismus. Ich hoffe nicht, dass wir einer solchen Form von Verblendung jemals unterliegen werden. Für etwas Gutes mit Waffengewalt zu kämpfen ist ja außerdem auch ein Widerspruch in sich. Es liegt uns fern, eine persönliche Vorstellung davon, wie unsere Welt zu funktionieren hat, anderen aufzuzwängen. Wir plädieren vielmehr für Toleranz und Vernunft.

Achtung: An alle DJs, Partyveranstalter und Clubbesitzer!

"Schlafes Bruder" möchten ihre Musik gerne in die Clubs Deutschlands tragen. Dazu haben sie ein interessantes Angebot zu machen:

"Liebe DJs, liebe Partyveranstalter und Clubbesitzer. Wenn ihr uns eine Nachricht auf unserem Profil SCHLAFES_BRUDER mit einer Adresse hinterlegt, senden wir euch gerne Promotionmaterial incl. einer CD / DVD zu."

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