In jedem von uns ist sie zu Hause: Die Lust
Spätestens seit Freud ist klar, dass alle berechtigte Lust auf eine einzige Urkraft zurückgeführt werden kann, die Libido, die eine(n) universale(n), biologische(n) Energie/ Trieb darstelle. Wir alle tragen die Lust in uns, und bei den meisten Pärchen wird die sexuelle Lust in einer Beziehung ausgelebt und dort zum Großteil auch befriedigt.
Allerdings reicht es manchen nicht, nur die Haut des geliebten Partners zu spüren. Der Kitzel nach Neuem, die Sehnsucht nach fremder Haut, das Verlangen nach neuen sexuellen Horizonten treibt den einen oder anderen so sehr, dass diesen Wünschen nachgegeben werden sollte. Grundsätzlich ist das auch nicht verkehrt: Solange niemand durch eine Handlung verletzt, gekränkt oder in einer anderen Art und Weise diskreditiert wird, ist alles ok. Es ist sogar besser, als über einen längeren Zeitraum seine innersten Wünsche zurückzustellen und diese zu ignorieren.
Swingerwunsch in Beziehungen
Wenn in einem der Wunsch auf fremde Haut erwächst, fragt sich sicher ein jeder, wie dieser Wunsch entstehen kann. Gerade wenn man in einer glücklichen Beziehung lebt, in der der Sex noch genauso Spaß macht wie zu Beginn bzw. immer besser wird, hat doch so ein Gedanke nichts verloren. Irrtum!
Gerade Swinger-Paare sind – laut eigener Angabe - in der Regel glückliche Paare, die in einer ehrlichen, harmonischen Beziehung leben. Sie haben sich, als der Wunsch aufkeimte – von wem auch immer – zusammengesetzt, sich über ihre Gefühle ehrlich, in Ruhe und mit gegenseitigem Respekt ausgetauscht und sind gemeinsam zu einem Ergebnis gekommen. Gemeinsam haben sie Regeln aufgestellt, an die sie sich halten, gemeinsam besuchen sie die Clubs, gemeinsam genießen sie.
Selbstredend soll dies nicht bedeuten, dass Nicht-Swinger-Paare keine glückliche Beziehung führen! Wenn für beide Partner das Swingen ein NoGo ist, dann haben dies auch beide für sich gemeinsam festgestellt und einheitlich leben sie diesen Entschluss.
Und genau das ist der Punkt: Wichtig ist doch – egal ob nun Swinger-Ambitionen vorherrschen oder nicht – die Gemeinsamkeit!Wie gehe ich mit mir und meinen sexuellen Bedürfnissen um, wie projiziere ich sie auf die Partnerschaft, und wie kommuniziere ich sie mit dem Partner? Ein offenes Gespräch allein ist dabei nur der Anfang – beide Partner sollen ehrlich ihre Gefühle offenlegen können und im Idealfall zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen.
Klischees und Vorurteile
Auch wenn Swingen zunehmend gesellschaftsfähiger wird: Mit Klischees und Vorurteilen hat ein Swinger noch immer zu kämpfen – und wird es wahrscheinlich weiterhin.
Für die Mehrzahl der Paare in unserem Kulturkreis ist der Begriff der Treue auch und gerade auf Körperlichkeit bezogen. Nicht umsonst benennen wir unsere weiblichen und männlichen erogenen Zonen als Intimbereich - vertraut, innig, eng, sehr persönlich.
Das Leben einer freien Liebe und der offene Umgang mit Sexualität ist für viele so schwierig, weil Gefühle von Liebe und Lust so schwer zu trennen sind. Und mal ganz ehrlich: Wer findet es aus tiefstem Herzen wirklich großartig, wenn die Liebste/der Liebste Glücksgefühle in den Armen eines/einer anderen erfährt? Aus lobenswerter Nicht-egoistischer Sicht kann man sagen, man freut sich für den anderen Partner. Allerdings fällt diese Betrachtungsweise durchaus schwer, läßt man sich selbst nicht außen vor – was für uns als subjektiv empfindenden Individuen nicht ganz einfach anmutet.
Auf jeden Fall sind Swinger keine wilden, sich hemmungslos durch fremde Betten wühlende Wesen, die über alles herfallen, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Sie sind durchaus auch lebensfähig, wenn sie ein paar Stunden nicht Sexperimentieren und – auch das soll es geben- sie lieben ihren Partner auch ganz allein und vollkommen unspektakulär im eigenen Bett.
...und wie es wirklich ist
Viele Neu-Swinger sind erstaunt darüber, wie „normal“ die Pärchen im Club sind, wie unterhaltsam, liebenswert sie rüberkommen und respektvoll der Umgang untereinander ist. In der Regel befinden sich Swinger in einer völlig stabilen und intakten Beziehung – und wollen es auch bleiben. Wenn das Swingen als Bereicherung zum Sexleben angesehen wird und wenn die hinlänglich umschriebenen Regeln eingehalten werden und alle damit glücklich sind, gibt es auch nichts und überhaupt nichts dagegen einzuwenden.
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