Single sein … für manche gibt es nichts Schöneres. Für andere wiederum ist es die Hölle auf Erden und sie würden nur zu gerne etwas dagegen unternehmen. Doch viele Singles scheitern bei diesen Bemühungen häufig schon an einer eigentlich leicht zu überwindenden - so hat es für die meisten (vergebenen) Außenstehenden zumindest häufig den Anschein - Hürde. Sich selbst bzw. an ihrer eigenen Schüchternheit. Ansätze und Wege, die euch helfen können, diese zu überwinden, hat unsere Autorin Silke Maschinger für euch zusammengefasst.
Soll ich oder soll ich nicht?

Gegenüber auf der anderen Straßenseite steht eine Wahnsinnsfrau, gut aussehend, mit wachem Blick und einem leichten Lächeln auf den Lippen. Die Ampel steht auf rot, so habe ich Zeit, sie mir länger anzuschauen. Sie gefällt mir sehr. Ich bekomme Herzklopfen und bin aufgeregt. Soll ich sie ansprechen? Aber womit? Meine Gedanken beginnen zu kreisen: Ach, das wird sowieso nichts. So toll wie die aussieht, hat die an mir bestimmt kein Interesse. Die Ampel springt auf Grün. Wir überqueren beide die Strasse und die Chance, sie kennen zu lernen, ist vorbei.
Jeder kennt solche Situationen. Man sieht einen Menschen, findet ihn wirklich interessant, aber traut sich nicht, ihn anzusprechen. Meistens ist es so, dass wir einfach zu schüchtern sind. Wir denken, wir sind nicht attraktiv genug, wir nerven unser Gegenüber oder haben Angst, einfach nur Blödsinn zu quatschen.
Doch die gute Nachricht lautet: Jeder kann Schüchternheit überwinden und sogar Spaß und Freude daran finden, mit anderen in Kontakt zu kommen. Sei es auf der Straße, im Kaufhaus oder im Club.
Wer lernen möchte, seine Schüchternheit zu überwinden, sollte jedoch mit kleinen Schritten anfangen.
Der erste und wichtigste Schritt: Steh zu dir!

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Auch wer eine neue Sportart lernen möchte, muss viel üben. Am Anfang fühlt man sich ziemlich tollpatschig und unbeholfen. Man hat keine Kondition, der Ball fällt überall hin, nur nicht dort, wo er hin soll. Irgendwann wird es besser. Man merkt, es beginnt Spaß zu machen und man sieht erste Fortschritte.
Also, wenn du deine Schüchternheit überwinden möchtest, steh zu deiner Ungeschicktheit. Das ist der wichtigste Schritt überhaupt. Du bist schüchtern, ja und? Jeder Mensch ist ab und an unsicher, das ist ganz normal.
Stärke dein Selbstbewusstsein!
Wer sich seiner selbst bewusst ist, ist weniger abhängig von der Meinung anderer. Deswegen solltest du auch an deinem Selbstbewusstsein arbeiten. Welche Stärken hast du? Was magst du an dir? Vergleiche dich nicht immer nur mit denen, die - wie auch immer - besser sind als du, sondern schau einmal, was du anderen voraushast.

Attraktiv sein bedeutet nicht, Modelmaße zu haben, finanziell super erfolgreich sein zu müssen oder ein fettes Auto zu fahren. Attraktiv sein bedeutet, etwas zu haben, was andere anzieht. Das kann Humor sein, gut zuhören können oder aber auch von einer Sache begeistert zu sein. Frage ruhig deine Freunde und Freundinnen, welche Stärken du hast oder was dich attraktiv macht.
Und wenn du dich selbst für nichts begeistern kannst und dich selbst langweilig findest, dann suche dir etwas, was dir Spaß macht. Nichts ist attraktiver als jemand, der sich mit ganzem Herzen einer Sache widmet.
Nimm Blickkontakt auf!
Das für mich wichtigste Signal bei einer Kontaktaufnahme ist der Blick. Wenn eine Frau bzw. ein Mann zurückschaut, hat er/sie Interesse. Wenn man sich anschaut, ist man offen für eine Kommunikation. Übe das, ohne mehr erreichen zu wollen.

Stell dir vor, du stehst auf dem Bahnsteig und wartest auf die nächste U-Bahn. Am Bahnsteig gegenüber steht schon eine Bahn und darin ist ein Mann, der dich anschaut. Bisher hast du vielleicht immer sofort den Blick abgewendet, aber diesmal kannst du ihn ja erwidern. Es kann ja nichts passieren, die Bahn fährt ja nicht in deine Richtung.
Oder schaue jemanden an, bis er merkt, dass er angeschaut wird. Vielleicht auch kurz bevor du aussteigen musst. So kannst du sicher sein, dass nichts weiter möglich ist. Wenn du dich mehr traust, kannst du auch länger Blickkontakt halten. Wenn dein Gegenüber dich anschaut, warte noch 1-2 Sekunden, bevor du wegschaust. Und dann schaue wieder hin, ob er schaut. Vielleicht schaut dein Gegenüber weg, dann musst du solange hinschauen, bis er wieder schaut, ob du noch guckst (und so weiter).
Vergiss nicht, dabei zu lächeln, denn ein Anstarren wird als Aggression gedeutet. Das Lächeln signalisiert, dass du nichts "Böses" im Sinn hast.
Übe das Ansprechen anderer Personen!

Um Übung beim Ansprechen zu bekommen, ist es hilfreich, ganz ohne Ansinnen jemanden anzusprechen. Nach der Uhrzeit oder dem Weg fragen. Oder beim Einkaufen jemanden fragen, wo die Milch steht. Man kann auch mit Kellnern oder Kassiererinnen ins Gespräch kommen. Fragen wie: Was können Sie denn empfehlen? Oder: Ist ja nicht viel los heute hier, ist das mittwochs immer so?
Oder wenn du Touristen siehst, die suchend auf den Stadtplan schauen, dann frag ob du helfen kannst. Es geht eigentlich nur darum, Smalltalk zu halten. Je mehr man sich darin übt, umso mehr Erfahrung und Sicherheit bekommt man, sich mit unbekannten Menschen zu unterhalten.
Oder man unterhält sich über den Ort bzw. eine Veranstaltung, die man gerade besucht. Im Museum kann man fragen: Wie gefällt dir das Bild? Bei einem Konzert: Was hältst du von der Band? Oder die Standardfragen: Bist du zum ersten Mal hier? Woher kennst du den Gastgeber? Besonders wichtig: sprich mit Menschen unabhängig von Geschlecht, Attraktivität oder Flirtfaktor. Übe Smalltalk, wo immer du kannst.
Schraube deine Ansprüche an dich selbst herunter
Viele denken, sie müssten sich etwas ganz besonderes einfallen lassen, um jemanden anzusprechen. Einen tollen Spruch erfinden oder ein phänomenales Kompliment äußern. Doch darum geht es nicht. Je einfacher die Kontaktaufnahme ist, umso einfacher gelingt ein Gespräch. Je mehr ein Ansprechen zum Ort passt, desto natürlicher wirkt es.

In einem Schwimmbad jemanden zu fragen, was er von Nietzsche hält, ist eher ungeschickt, in einem Seminar über Literatur jedoch sehr passend.
Das Problem ist auch, dass man sich selbst im Weg steht, wenn man denkt, man müsse etwas Außergewöhnliches sagen. Die eigenen Erwartungen an sich selbst machen einen dann nur noch nervöser und angespannter.
Übung macht den Meister

Fang mit einfachen Kontaktaufnahmen an, suche dir anfangs Leute aus, die dir nicht das Herz in die Hose rutschen lassen, und suche Situationen, die du auch leicht wieder verlassen kannst.
Wenn du das Gefühl hast, du schaffst das nie, dann denke daran, wie Lernen funktioniert: Man muss üben, üben, üben und immer wieder Fehler machen. Irgendwann wirst auch du ganz locker mit allen möglichen Menschen jeglichen Geschlechts Kontakt aufnehmen können.
Und wenn dann wieder ein toller Typ bzw. eine attraktive Frau an der Ampel vor dir steht, wirst du nicht mehr schüchtern vorbeilaufen, sondern sie anschauen, lächeln und ganz entspannt ansprechen!




