In ihrem letzten Beitrag beschäftigte sich unsere Silke Maschinger mit den ersten wichtigen Schritten, um dem Singleleben entsagen zu können, klammerte dabei aber das Internet noch aus.
Selbiges gibt es mittlerweile seit über 20 Jahren und die Verwendung des Computers ist alltäglich geworden, egal ob für Arbeit oder Freizeit. Auch für das Finden von Beziehungspartnern hat die Welt des WWW an Bedeutung gewonnen. Die Kontaktaufnahme ist wesentlich leichter geworden, aber auch beliebiger. Für all diejenigen, denen es nicht oder nur selten gelingt, im Internet neue Kontakte zu knüpfen, ist der folgende Text gedacht.
Der erste Eindruck zählt

"Nomen est omen" (Der Name ist ein Zeichen) heißt es so schön. Wer sich also ein Profil auf einer der unzähligen Datingportale anlegen möchte, sollte sich überlegen, was er mit diesem Profil bezwecken möchte. Namen wie "sexymäuschen" oder "dickerschwanz" sind eher nicht geeignet, wenn es darum geht, einen Beziehungspartner zu finden, da der Fokus bzw. der allererste Eindruck eindeutig in einen sexuellen Bereich zielt. Falls man jedoch genau darauf abzielt, sind solche Namen klar und eindeutig.
Wer aber wirklich einen Beziehungspartner sucht, sollte einen passenden und aussagefähigen Nick wählen. Hilfreich ist, wenn sich der Name auf ein Hobby oder ein besonderes Interesse bezieht, wie z.B. Segler oder Buchliebhaberin, das erleichtert den anderen Usern die Kontaktaufnahme. Im Profil sollte man ehrlich sein. Weder zu negativ noch zu positiv. Eher das beschreiben, was einen interessiert, was man anderen geben kann, was für einen Menschen man sucht. (Weitere Tipps zur Gestaltung eines Online Profils)
Mit Identitäten spielen

Aufgrund der verschiedensten Plattformen kann man sich recht schnell unterschiedliche Nicknames anlegen. Das macht es einfach, einmal neue Identitäten auszuprobieren. Wie reagieren Menschen auf den einen Namen und wie auf den anderen? Wie fühle ich mich mit dem Namen "Mäuschen" auf der einen Dating Plattform und wie mit dem Namen "Herrscher" auf einer anderen?
Ein interessantes Phänomen stellt das Wechseln des Geschlechtes dar. Welche Erfahrungen machen Männer, welche Frauen? Aber spätestens, wenn man mit jemandem das zweite Mal ins Gespräch kommt, sollte man es offenbaren, wenn das vorgegebene Geschlecht nicht mit dem realen übereinstimmt.
Wirkliches Interesse am Gegenüber ist Grundvoraussetzung
Gewisse Spielregeln sind sowohl im Internet als auch in der realen Welt gleich: Höflichkeit, Respekt und Interesse am Gegenüber sollten immer vorhanden sein, unabhängig davon, worum es geht. Massenansprachen helfen wenig. Weder das "Ich will ficken" im Chat noch das "Copy & Paste" Verhalten vieler Männer, die, unabhängig vom Profil der Angeschriebenen, immer die gleichen Mails schreiben und sich wundern, warum sie keine Antworten erhalten.

Wer eine Frau oder einen Mann anspricht, sollte einen konkreten Grund haben, oder besser noch eine konkrete Frage. Schau dir das entsprechende Profil an, welche Interessen sind dort aufgeführt? Magst du z.B. ebenso Bücher? Dann frage nach Empfehlungen. Wenn Zitate aufgeführt sind, kannst du eigene beisteuern. Wohnt der oder diejenige in einer Stadt, die du mal besuchen möchtest? Dann frag doch einfach, was sich zu besichtigen lohnt.
Ob Internet oder real, ein gemeinsames Thema ist Bedingung für ein Kennenlernen. Schreibe aber nicht nur eine Frage, sondern auch etwas über dich, was dich interessiert oder warum du dieses Profil spannend findest. Das allerwichtigste dabei ist, dass du dich wirklich für den Menschen interessierst. Oberflächliches Gelaber findet man überall, aber wirkliches Interesse ist selten zu finden.
Verfügen die Datingportale über ein Forum, kannst du natürlich auch über eventuelle Forendiskussionen herausfinden, mit wem du dich verstehst. Wer hat eine ähnliche Meinung wie du? Oder wer hat zwar eine andere, aber ihr könnt gut miteinander diskutieren? Oder von wem möchtest du mehr über das wissen, was er oder sie im Forum geschrieben hat?
Besonderheiten des Internetflirts
Der Kontakt im Internet ist reduziert. Im Gegensatz zu einem realen Gespräch fehlen alle körpersprachlichen Aspekte: wie sieht mein Gegenüber aus, wie bewegt es sich, wie riecht es, wie redet es mit mir, welches Temperament begegnet mir da?
Viele Aspekte, die wir unbewusst wahrnehmen, fallen im virtuellen Kontakt weg. Somit fallen auch mögliche Barrieren unter den Tisch. Das unerträgliche Lachen oder der unangenehme Körpergeruch, die einen sonst von einer weiteren Kontaktaufnahme abhalten, werden im ersten Kontakt im Internet nicht wahrgenommen.

So kann eine Nähe entstehen, die dann der Realität nicht mehr standhalten kann. Oder es sind die kleinen nonverbalen und nicht verstellbaren Signale, die Vertrauen nicht entstehen lassen, weil man merkt, dass der andere einen nicht wirklich versteht.
Je flacher der Eindruck ist, umso mehr macht man sich sein eigenes Bild von jemandem. Das hat dann mehr mit den eigenen Wünschen zu tun als mit dem wirklichen Gegenüber. Es ist aber auch leichter sich zu verstellen. Das fängt mit einem falschen Foto an und kann mit falschen Tatsachen weitergehen.
Mit Internetkontakten ist es wie mit dem Kauf einer Hose. Ob es wirklich passt, wirst du erst erfahren, wenn du sie anprobiert hast. Erst im persönlichen Kontakt kann man erkennen, ob die "Werbung" hält, was sie versprochen hat.
Das Kennenlernen üben
Aber immer mal wieder tauchen in den Foren Beschwerden auf wie z.B. "Frauen antworten nie". Oder: "Es gibt nicht genug dominante Frauen für die ganzen devoten Männer." Wer die Schuld an misslungenen Kontakten den anderen in die Schuhe schiebt, macht sich selbst zum Opfer. Doch wer sich als Opfer sieht, sieht keine eigenen Möglichkeiten, an der Situation etwas zu ändern.
Deswegen sollte man sich immer fragen: was kann ich anders machen, wie kann mir Kontaktaufnahme besser gelingen? Oder wie finde ich schneller heraus, ob mein Gegenüber das gleiche Interesse hat wie ich (z.B. will ich mich einfach nur unterhalten oder will ich jemanden kennenlernen?).
Der Übergang in die reale Welt

Manchmal ist es spannend, einfach nur virtuelle Kontakte zu pflegen. Doch wer mehr möchte oder gar dabei ist, sich über das Internet in jemanden zu verlieben, sollte meiner Meinung nach möglichst schnell einen Realitätscheck einholen. Sprich: miteinander telefonieren oder einfach gleich ein persönliches Treffen arrangieren. Am besten an einem öffentlichen Ort, sodass jeder sich ganz einfach zurückziehen kann, wenn er feststellt, dass es dann mit der Chemie doch nicht passt.
Davon solltest du dich aber nicht abschrecken lassen, wenn es nicht gefunkt hat. Sei immer wieder neugierig auf andere Menschen und gehe auf sie zu. Denn nur wenn du dich zeigst, wirst du von anderen auch gesehen und kannst irgendwann den Menschen finden, der zu dir passt.




