Wir haben euch die Macher hinter Toycase bereits in unserem Artikel vorgestellt und dort auch deren Sextoykoffer ausführlich präsentiert. Unserem Mitglied carmen_berlin überließen wir ein Exemplar und baten sie um ihre Meinung zu dem Produkt. Hart aber fair ging sie mit dem Toycase ins Gericht.
Meine eher niedrigen Erwartungen an den Toycase
Natürlich war ich aufgeregt, als es hieß, ich sei als Testerin für den "Toycase" ausgewählt. Aber meine Erwartungen hielten sich dennoch in Grenzen. Der Koffer soll im Handel um die 100 EUR kosten. Das ist ungefähr der Preis, den ich für meinen wasserdichten Silikon-Vibrator allein gezahlt hätte. Der "Toycase" enthält ganze 13 Teile. Auf berauschende Qualität war ich da von vornherein nicht eingestellt.
Dennoch wollte ich wissen, was der "Toycase" taugt. Kann man ihn für Einsteiger empfehlen, die einmal ausprobieren wollen, an welchen Toys sie Gefallen finden, bevor sie ein teures Modell kaufen? Und ist er tatsächlich transportabel? Da ich als Erotikbegleiterin öfter mit Sexspielzeug unterwegs bin und zu diesem Zwecke auch eine eigene Kollektion in einem Samtbeutel zusammengestellt habe, hatte ich ganz gute Vergleichsmöglichkeiten.
Das ist der Sexspielzeugkoffer
Der "Toycase" ist ein länglicher Alukoffer mit Plastikgriff und zwei Schlösschen. Er ist exakt geschaffen wie ein handelsüblicher Pokerkoffer, wiegt jedoch auch mit Inhalt nur knapp 2 kg. Im Inneren verbirgt sich eine Hartschaum-Einlage, in die sich die Spielzeuge und Accessoires passgenau einfügen. Dadurch werden sie auch während des Transports am Verrutschen gehindert.
Enthalten sind zwei Vibratoren, ein großer, als wasserdicht ausgewiesener von 20 cm und ein kleiner von 13 cm Länge. Beide sind aus Plastik mit aufgedampfter Metallicfarbe und haben ein Rädchen an der Basis, über das die Vibrationsstärke stufenlos einstellbar ist.
Außerdem befinden sich im Koffer zwei kleine Liebeskugeln von je 3,5 cm Durchmesser, ebenfalls aus Plastik mit einem Nylonfaden verbunden. Ein 38 cm langer Federstab, eine weiße Augenbinde aus Nylon, ein Cockring von 4,5 cm Durchmesser, ein Paar abschließbare Metall-Handschellen, zwei handelsübliche Teelichter und zwei, in englischer Sprache beschriftete Würfel sind ebenfalls im „Toycase“ enthalten. Mitgeliefert werden auch eine 200 ml Sprühflasche mit Desinfektionsmittel, eine 100 ml Flasche mit Silikongleitgel und drei feuchte Kondome.
Eine Anleitung mit Anwendungs-, Pflege- und Materialhinweisen habe ich vermisst. Bspw. könnte für Anfänger wichtig sein, zu wissen, dass man Silikongleitgel nicht zusammen mit Silikonspielzeug verwenden sollte, oder dass man die Batterien beim Waschen der Vibratoren entfernen und diese mit geöffneten Verschlusskappen trocknen lassen sollte, etc.
Der Koffer und sein Inhalt im Praxistest
Da die für den Betrieb der Vibratoren nötigen AA-Batterien schon integriert sind, kann man mit dem Testen des Kofferinhalts eigentlich sofort beginnen. Aber halt! Als ich erst das Paket und dann den "Toycase" öffnete, schlug mir als erstes der Geruch von Weichmachern beißend in die Nase. Schnell war der PVC-Cockring als dessen Ursache identifiziert.
Weichmacher sollen härteren Kunststoffen mehr Flexibilität verleihen. Sie stehen aber auch im dringenden Verdacht, gesundheitsgefährdend zu sein. In Kinderspielzeugen sind sie bereits verboten. Auch bei Erwachsenenspielzeug sollte man einen Bogen um sie machen. Ich besitze zwei wunderbare Cockringe aus Silikon; die zwei Euro mehr hätte man schon noch investieren können. So wandert der Cockring leider ungetestet in den Müll.
Die Vibratoren im Test
Nicht alle Spielzeuge im "Toycase" sind derart enttäuschend. Die zwei Vibratoren erfüllen ihren Zweck bei vaginaler Anwendung hervorragend.
Zur analen Anwendung würde ich zumindest den Kleinen aber keinesfalls empfehlen; da er zu leicht aus der glitschigen Hand in den Enddarm rutschen kann. Leider enthält der "Toycase" kein passendes Analspielzeug; das ist wirklich schade.
Die Vibratoren kann man leicht unter fließendem Wasser reinigen. Der Große ist als wasserdicht deklariert und hält dieses Versprechen auch. Die Frage ist, wie lange. Der Dichtungsring ist ebenfalls mit Weichmachern versetzt (was hier nicht so ins Gewicht fällt) und kann spröde werden, wenn diese sich verflüchtigen. Außerdem muss man beim Aufschrauben der Verschlusskappe darauf achten, diese nicht zu fest anzuziehen, da sonst die Batteriekontakte nicht mehr übereinander liegen und das Ding dann nicht funktioniert.
Die Liebeskugeln enttäuschen
Ziemlich enttäuschend sind die Liebeskugeln. Für mehr als eine Anwendung können die nicht gemacht sein. Dort, wo die Nylonfäden in die Kugeln eintreten, befinden sich offene Ritzen. Diese Ritzen sind ebenso wie die Fäden selbst ein El Dorado für Keime aller Art. Das kriegt man nie, nie wieder sauber, Leute! Da hilft auch kein Desinfektionsspray.
Das Tragegefühl ist ansonsten ziemlich indifferent. Aufgrund ihrer Leichtigkeit spürt man die Kugeln kaum. Lediglich der Nylonfaden fängt nach einer Weile an, unangenehm zu drücken. Zum "mal Ausprobieren" reicht es sicherlich, aber im Vergleich mit tauglicheren Modellen sind diese Liebeskugeln ein Trauerspiel.
Mit dem Koffer auf Reisen
Eine Zugreise mit dem Köfferchen zu unternehmen, ist jedoch ein echtes Erlebnis. Zwar muss man im Gedränge mit der Länge etwas vorsichtig sein, aber der "Toycase" ist leicht und weckt schnell das Interesse der Mitreisenden. Man kommt ins Gespräch und wer sich an schockierten Gesichtern zu ergötzen weiß, kann ja nach längerer Raterunde dann das Geheimnis um den Inhalt lüften.
Mir hat das jedenfalls einen Riesenspaß gemacht, als der "Toycase" mich und meinen Mann auf ein Wellness-Wochenende begleitete.
Der Federstab weiß zu begeistern
Dort wollte ich mich mit dem Federstab verwöhnen lassen und diese Rechnung ist auch voll aufgegangen. Die zarten Federchen fühlen sich wirklich göttlich an und man muss auch keine Angst haben, dass sie beim Transport kaputtgehen.
In meinem Stoffbeutel kann ich keine Federn transportieren, aber mit dem "Toycase" geht das hervorragend. Der Federstab ist das einzige echte Highlight für mich gewesen.
Von Augenbinden, Handschellen und Kondomen ...
Eigentlich wollte ich mir für die Streicheleinheit auch die Augen verbinden lassen, aber die Augenbinde taugt nicht viel. Sie verrutscht und deckt nicht ganz ab. Kurzum, man kann sie verwenden, aber ich fand es bequemer, einfach die Augen zu schließen.
Auch die Handschellen haben wir nicht verwendet. Ich selbst mag es nicht, das blanke Metall auf der nackten Haut zu haben. Die Kanten schneiden ins Fleisch ein und das ist mir unangenehm. Anfänger dürften davon eher abgeschreckt sein. Als Vorteil oder Nachteil (je nachdem) kann man es ansehen, dass die Handschellen einen kleinen Hebel an der Seite haben, durch den sich der oder die Gefesselte leicht selbst befreien kann.
In meinem eigenen Beutelchen habe ich anstelle von echten Fesseln lieber zwei schwarze Seidenschals. Die kann man im Zweifelsfall sowohl als Augenbinde, als auch als Fessel verwenden. Die sind zudem leicht, preiswert und nehmen kaum Platz weg.
Die Kondome im "Toycase" erfüllen sicherlich ihren Zweck, aber sie riechen und schmecken scheußlich. Vermutlich sind sie mit Spermiziden überzogen. Um nach- oder umzurüsten, muss man sich Präservative in quadratischer Folie besorgen, da die Gummies in rechteckiger Folie nicht in die Schaumstoff-Form passen.
Ein unscheinbares Spielzeug macht richtig Spaß
Neckisch fand ich die zwei Würfel, den schwarzen, der mit Tätigkeiten und den weißen, der mit Körperteilen beschriftet ist. Würfelt man, erhält man bspw. die Aufforderung "tease nipples". Klar ist das albern und kindisch, aber wer sagt denn, dass es deshalb schlecht wäre! Für die Initiation eines Liebesspiels, auch mit bekannten Sexualpartnern, kann ein spontaner Wurf und die damit einhergehende unausweichliche Gebundenheit an die Aufgabe schon taugen.
Ein Spielzeug für Sextoy-Neulinge
Man merkt dem "Toycase" deutlich an, das an vielen Stellen gespart wurde. Das ist insbesondere für erfahrene Spielkinder enttäuschend. Neugierige Erstanwender können sich allerdings hiermit relativ breit gestreut ausprobieren – nur ein Analspielzeug fehlt auffällig.
Für den dauerhaften, intensiven Gebrauch eignen sich die Toys nicht. Insbesondere der Cockring, aber auch die Liebeskugeln lassen arg zu wünschen übrig. Die Augenbinde und die Handschellen sind verzichtbarer Tand. Gut könnte ich mir eine "deluxe" Ausgabe des Koffers für ein- bis zweihundert Euro mehr vorstellen, bei der mehr auf die Qualität der Spielzeuge geachtet wird. Denn an sich ist es ein Vorteil, solch eine kleine Sammlung in einer gut transportablen Verpackung dabei zu haben.
Hier könnt ihr den Toycase bestellen
Gewinnspiel
Ihr könnt einen dieser Koffer von Toycase gewinnen! Alles, was ihr dafür tun müsst, ist, uns zu sagen, welche drei Sachen ihr in euren Koffer packen würdet, wenn ein Urlaub auf einer einsamen Insel fernab der Zivilisation anstünde. Auf was könntet ihr nicht verzichten?
Die interessanteste, witzigste oder innovativste Aussage ist der Schlüssel zu einem dieser Koffer. Eure Vorschläge schreibt ihr einfach als Kommentar hier unter diesen Beitrag.
Viel Spaß und Erfolg!
Der Gewinn kann nicht bar ausgezahlt werden und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

















