Die Stiftung Warentest dürfte den meisten von uns ein Begriff sein als Hüterin von Verbraucherrechten, dem endlosen Kampf um Sicherheit bei Werkzeug, Waschmaschinen und Kindersitzen.
Etwas weniger bekannt, aber nicht weniger aktiv ist dagegen Öko-Test, eine Gesellschaft mit vergleichbaren Zielsetzungen bei gleichzeitiger ökologischer Ausrichtung. Schulranzen, Staubsauger, Nackenstützen, Haarausfallmittel, Kinderspielzeug: alles wird auf Ökoverträglichkeit getestet – und nun endlich auch unser Schlafzimmerspielzeug!
Gut leben mit Öko-Vibratoren
Im Heft 8 der Reihe Öko-Test Kompakt wurde unter dem Motto: "Liebe ein Leben lang" das Thema Sexualität näher beleuchtet.
Unter anderem wurden vier große Öko-Testreihen durchgeführt an Sexspielzeug und Hilfsmitteln für mehr Spaß im Bett: Gleitmittel, Vibratoren, Kondome und Potenzmittel.
Dabei waren die Prüfer nicht zimperlich. Nein, es wurden keine Vibratorfunktionsdauertests im Labor durchgeführt. Die Vibratoren wurden vielmehr mechanisch zerkleinert (zerschnitten) und chemisch auf Schadstoffe analysiert. Ergebnis: Manche der Teile erwiesen sich als potentielle Lustkiller!
Fast die Hälfte der getesteten 22 Plastikkolben erhielt die Gesamtnote "unbefriedigend", vor allem wegen der Schadstoffanalysen! Scheint, dass der eine oder andere harmlos aussehende Lustspender langfristig für mehr Frust als Freude sorgen könnte.
Der ultimative Härtetest für Kondome
Bei den acht getesteten Kondomsorten, von Classic Natur über Amor Wild Love mit zarten Noppen, war das Ergebnis schon beruhigender: nur zwei Sorten lagen bei "befriedigend", der Rest darüber und drei sogar bei "sehr gut".
Wehrmutstropfen: außer bei den mit "sehr gut" getesteten Kondomen waren die Tests der Inhaltsstoffe durchweg mindestens zwei Noten unter den Ergebnissen der Praxistauglichkeit. Ob Mann da nicht lieber auf andere Weise spermizide Wirkung erzielen möchte? Es lohnt sich jedenfalls, den Ergebnissen der Tests Aufmerksamkeit zu schenken.
Keine Angst vor Gleitgels
Ein richtig gute Öko-Bilanz vermittelten die getesteten Gleitmittel: 16 von 26 geprüften Gels bekamen die Note "sehr gut"!
Eines allerdings auch die Note "ungenügend". Das Testergebnis legt nahe, sich dieses allenfalls im Sommer unter Schlittschuhe zu schmieren und keinesfalls an intimere Stellen des Körpers.
Es soll mit einem krebsverdächtigen Formaldehydabspalter konserviert sein! Sonst aber lief diese Testreihe "wie geschmiert:" Und bei so vielen guten Alternativen kann man hoffen, dass der Rest nicht mehr lange unsere Regale füllt. Der Verkehr kann jedenfalls "reibungslos" funktionieren.
Noch Potential bei der männlichen Potenzpille
Bei den Potenzmitteln war das Feld der freiverkäuflichen Wunderpillen und –essenzen durchweg gleichauf: als beste Note gab es vier Mal "mangelhaft", sonst nur "ungenügend".
Potenziert wird hier offenbar zunächst mal Umsatz und Gewinn der Verkäufer, wenn man von unvorhersehbaren Plazebo-Effekten absieht.
Wenn bei ihm wirklich Mal Not am Mann ist, dann ist es besser ärztlichen Rat zu suchen und sich in der Apotheke eine der verschreibungspflichtigen Wunderpillen zu besorgen. Bei diesen gab es immerhin fünf Mittel, die sich im Öko-Test ein: "sehr gut" sicherten, für Hersteller wie Nutzer sicher ein "erhebendes" Gefühl.
Nicht nur Tests
Neben den Test enthält das Heft noch eine ganze Zahl von Beiträgen über Liebe und Sexualität. Unter "Liebe ein Leben lang" werden z.B. so schöne Themen behandelt wie: "Warum Sex schön und schlau macht?" und neue Trends bei der Verhütung kommentiert.
Der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft entsprechend werden auch Themen wie: "Sex – in jedem Alter anders" oder "Wenn Mann nicht mehr kann." angesprochen. Das ewige Thema OrgasMUSS wird nicht ausgelassen und auch nicht die Frage nach der Strafbarkeit beim Sex zwischen Jugendlichen unterschiedlichen Alters.
Sachlich sanft, nicht technisch verkrampft
Was besonders gefällt an der Zeitschrift ist die Aktualität und der sachliche, anregende Schreibstil. Kein Anflug von verkapptem Voyeurismus oder Effekthascherei, kein erhobener Zeigefinger. Die Texte bleiben allesamt auf einer informativen, aber nicht hohlklingend aufklärerischen oder technisch verkrampften Tonspur.
Moralapostelei ist den Berichten fremd: offen und ohne (Ab-)Wertung werden Bisexualität, Swingen, offene Beziehung oder Scheidung angesprochen, genauso wie Hormonprobleme in den Wechseljahren oder Erektionsstörungen und Viagra. Mein Testergebnis für das Testheft: absolut lesenswert.
Infos zum Heft

Das Heft erschien bereits im April diesen Jahres. Dennoch können die Ergebnisse im Internet nachgelesen werden.









