Spielt Öko beim Sex auch eine Rolle? fragten wir unlängst in einer Umfrage. Klar, warum nicht? Dachten sich zumindest die Hersteller dieses interessanten Sexspielzeuges. Der Earth Angel, ein ökologisch verträglicher Vibrator, dessen Akku mittels einer Kurbel aufgeladen wird. Unsere Mitglieder MareCrisium machten den Test, ob Öko Sexspielzeug auch Spaß machen kann ...
- Inhaltsverzeichnis
- "Earth Angel" - Lustspender mit Ökosiegel?
- Der Öko-Vibrator im Detail
- Ausgiebiges Kurbeln für den sexuellen Spielspaß
- Die Vibrationsleistung des Öko-Sextoys überzeugt
- Die Bauart des Öko-Vibrators erschwert die Reinigung
- Die Idee des Öko-Vibrators überzeugt, die Umsetzung weniger
- Kommentare
"Earth Angel" - Lustspender mit Ökosiegel?
Das frühmorgendliche Klingeln des DHL - Paketboten riss uns noch selig schlummernde Studenten aus dem Schlaf. Den freundlich lächelnden Boten schien die etwas zerzauste Erscheinung, die ihm das kleine Päckchen abnahm, nicht zu irritieren. Er wünschte einen schönen Tag und ging von dannen.
Dieser fromme Wunsch bekam eine ganz neue Bedeutung, als wir das Paket öffneten. Und auch die Schlaftrunkenheit war mit einem Mal verflogen. In einer unscheinbaren Kunststoffhülle bot er sich uns dar: schneeweiß, ebenmäßig und puristisch - der "Earth Angel", seines Zeichens der erste Lustspender mit Ökosiegel, Bio-Zertifikat und von Bündnis ‘90 / Die Grünen empfohlen - zumindest theoretisch.
Da die ganzen Siegel und Empfehlungen eben nur theoretisch existieren, ist es an uns, dem irdenen Engel unser Zeugnis auszustellen. Wir wollen versuchen, zu beurteilen, wie sich der erste batterielose Vibrator in der Praxis schlägt. Zum Vergleich lassen wir das Erstlingswerk des irischen Ehepaars Janice und Chris und ihrer Firma Caden Enterprises gegen den schwarzen Freund unserer Sie antreten.
Der ist ein Produkt einer in Bremen ansässigen, wohlbekannten Spielzeugmanufaktur. Im Gegensatz zum "Earth Angel" wird er ganz konventionell durch Batterien angetrieben, die nach ausgiebigem Gebrauch gewechselt werden müssen. Der "Earth Angel" hingegen verfügt über einen Kurbelmechanismus (Prinzip Fahrraddynamo), der einen internen Akku auflädt. Wirklich batterielos funktioniert also auch dieser Vibrator nicht (bitte keinen Vortrag über den Unterschied Batterie - Akkumulator).
Andererseits, wollte man die Vibrationen durch das Kurbeln selbst erzeugen, hätte dies den meisten Damen wohl auch etwas zuviel abverlangt. Ganz zu schweigen von armen Männern, denen die Handgelenke abfallen.
Der Öko-Vibrator im Detail
Zunächst fällt uns die sehr einfache Verpackung des "Earth Angels" auf, die für seine Preisklasse (ca. 70 EUR laut Hersteller) recht karg ausfällt und zudem keine deutsche Bedienungsanleitung beinhaltet. Nichts Weltbewegendes für den, der des Englischen mächtig und kein Verpackungsfetischist ist, aber das Auge isst bekanntlich mit und nicht jeder mag sich mit einem Wörterbuch im Bett einrichten. Dafür sind die Verpackung als auch der Vibrator selbst angeblich zu 100% recyclebar.
Wir nehmen uns nun die Spielzeuge zur Hand und fühlen einmal: Die Oberfläche des "Earth Angel" besteht aus einem festen Kunststoff, der schön glatt und eben ist. Es klappert und quietscht nichts. Der Öko-Vibrator liegt gut in der Hand und macht einen robusten Eindruck. Über drei kleine Knöpfe lässt er sich einschalten und wird die Intensität seiner Vibration verringert oder erhöht. Bis hierhin erfüllt der "Earth Angel" unsere positiven Erwartungen. Alles erscheint wertig und entspricht unseren Ansprüchen an ein gutes Produkt.
Der schwarze Freund unserer Sie unterscheidet sich durch die etwas raue, knubbelige Silikonoberfläche und seine Biegsamkeit. Da seine batterielastige Energieversorgung in ihrer Art hinlänglich bekannt sein sollte, beschränken wir uns auf den eigentlichen Clou der Sache, den "batterielosen" Betrieb des "Earth Angel".
Ausgiebiges Kurbeln für den sexuellen Spielspaß
Unser Männchen klappte also die Kurbel aus, um, ganz Gentleman, das Spielzeug für seine Liebste einsatzbereit zu machen. Leider erfahren wir hier die erste Enttäuschung, was die Qualität anbelangt. Die Kurbel sitzt auf einem Splint, der sie mit dem Drehmechanismus verbindet. Dieser Splint hat ziemlich viel Spiel und auch die Kurbel sitzt nicht wirklich fest auf besagtem Splint. Alles in allem ist es eine recht wackelige Angelegenheit und lässt nicht wirklich Vertrauen in die Haltbarkeit aufkommen.
Aber nun auf ans Werk, mit der Linken das Teil ergriffen, mit der Rechten an die Kurbel, die Augen auf das kleine, rote Ladelämpchen gerichtet und los... Holla die Waldfee! Laut Beipackzettel (ihn Bedienungsanleitung zu nennen, wäre bei dem kleinen Faltzettelchen etwas übertrieben) muss vier Minuten gekurbelt werden, um eine halbe Stunde Spaß zu haben, acht Minuten Kurbelei sollen eine ganze Stunde "Good Vibrations" garantieren.
Unser Held der Kurbel ist nun sicherlich nicht der Schwächste, aber wer es schafft, die vier oder gar acht Minuten am Stück zu kurbeln, der muss schon Unterarme wie ein Bäcker haben. Für die meisten Nutzer ist der Kraftaufwand über einen Zeitraum von mehreren Minuten mit Sicherheit zu hoch und umständlich. Das führt letztlich dazu, dass im Fall des akuten Entspannungsbedarfes die Dame doch gleich auf Handbetrieb setzt.
Außerdem entsteigen dem Spielzeug nach einiger Zeit des Kurbelns unangenehm nach verschmortem Kunststoff riechende Dämpfe. Auch das ist nicht gerade vertrauenerweckend. Zur Ehrenrettung des "Earth Angels" sei aber gesagt, dass er neben der Kurbel auch über eine Ladebuchse verfügt, an die ein Ladegerät angeschlossen werden kann, das aber nicht mitgeliefert wird. Außerdem soll man ihn auch via USB-Port aufladen können, wobei sich die Frage stellt, in welchem Laden man das entsprechende Kabel findet - eine Nachfrage bei Saturn erzeugte lediglich betretenes Stirnrunzeln und Kopfschütteln.
Zudem ist im "Beipackzettel" nur die maximale Ladespannung von 5V angegeben, der zulässige Ladestrom oder eine Ladezeit hingegen nicht. Diese Art, einen Vibrator aufzuladen, ist sicherlich entspannter, allerdings geht damit der Clou des Spielzeugs verloren und aus Braunkohle oder Uran gewonnener Haushaltsstrom ist sicherlich nicht Öko. Zudem hat die Bremer Spielzeugmanufaktur mittlerweile entsprechende Produkte im Sortiment, die eine Ladestation bereits mitbringen.
Die Vibrationsleistung des Öko-Sextoys überzeugt
Doch genug kritisiert, wir wollten den "Earth Angel" nun für seinen eigentlichen Einsatzzweck gebrauchen und Er übereichte, sichtlich erschöpft vom vielen Kurbeln, den Lustspender an unsere erwartungsvoll dreinblickende Sie. Ein Druck auf den Einschaltknopf und ein deutliches Summen ertönt, samt einer überraschend kräftigen Vibration. Sie steht der des Bremer Spielzeugs in nichts nach, allerdings ist die Art der Vibration eine andere.
Durch seine starre Form, ist beim "Earth Angel" lediglich die durch den Motor verursachte Vibration durch das Material hindurch zu spüren, während der aus weichem Silikon gefertigte, konventionelle Vibrator durch die Vibration selbst in leichte Schwingungen gerät. Zudem ist, wie erwähnt, die Oberfläche des "Earth Angels" glatt und eben, die Oberfläche von unserem bereits vorhandenem schwarzen Spielzeug hingegen knubbelig und leicht rauh. Dadurch kann sie mehr und großflächiger Reibung erzeugen und verursacht, zumindest bei Ihr, ein intensiveres Gefühl.
Je nach Geschmack haben beide Macharten ihre Vorteile, wobei unsere Sie die raue Oberfläche des Schwarzen Nicht-Öko-Vibrators wegen ihrer stärkeren Reibung an den entsprechenden Stellen bevorzugt. Außerdem gefällt ihr die Flexibilität des Materials, das sich den körperlichen Gegebenheiten besser anpasst als der harte Kunststoff des "unbeugsamen" Angel.
Was die Durchhaltedauer anbelangt, so überrascht der "Earth Angel" positiv. Selbst auf höchster Stufe ist auch nach 15 min Dauerbetrieb noch kein Nachlassen spürbar und das trotz sicher nicht ganz geschaffter vier Minuten Kurbeln. Die nicht mehr ganz taufrischen Batterien des schwarzen Freundes lassen hingegen sehr plötzlich spürbar nach, mangels Ersatzes darf der "Earth Angel" also den Test zum Ende bringen. Er tut dies sehr erfolgreich.
Hier zeigt sich der Vorteil des "Earth Angels", kann Sie den Vibrator doch einfach kurz an den Gentleman zurückreichen, der das Spielzeug dann wieder ankurbeln darf. Allerdings dürfte ihr Traummann spätestens nach dem zweiten Kurbeldurchgang nicht mehr viel zustande bringen - zumindest nicht mit seinen Händen und Armen.
Die Bauart des Öko-Vibrators erschwert die Reinigung
Kommen wir nun zu einem weiteren wichtigen Thema bei einem Sextoy: der Reinigung nach ausgiebigem Gebrauch. Wird kein Kondom verwendet, was besonders beim "Earth Angel" aufgrund seiner glatten Oberfläche schwierig ist, sollte jedes Spielzeug nach unserer Meinung mit warmem Wasser und einem milden Spülmittel ausgiebig "geschrubbt" werden. Unser schwarzer Freund ist hier vorbildlich - spritzwassergeschützt kann man ihn problemlos unter fließendem Wasser abspülen und mit Schwamm und Bürste bearbeiten. Solange man ihn nicht stundenlang unter Wasser taucht, sollte kein Wasser in das Batteriefach oder zum Motor vordringen.
Ganz anders beim irischen Pendant: Nach dem Motto: "Wasch mich, aber mach mich nicht nass!" sind laut Hersteller immer und ausschließlich "hygienic wipes" zu verwenden, was wir einmal mit (feuchten) Reinigungstüchern übersetzt haben. Bei Betrachtung des unteren Teils des Vibrators wird schnell klar, warum dem so ist. Weder der Kurbelmechanismus noch die Ladebuchse sind in irgendeiner Weise abgedichtet. Etwaige Flüssigkeiten, also nicht nur das Wasser für die Reinigung(!), können ungehindert in das Innere des "Earth Angel" vordringen.
Dies ist unseres Erachtens ein eklatanter Nachteil, denn zum einen sind beim Spiel mit solchen Produkten die Hände nicht immer frisch gewaschen und abgetrocknet und zum zweiten ist auch das Einsatzgebiet alles andere als frei von Feucht- und Flüssigkeit.
Zumindest sollte dies im Normalfall und bei einwandfreier Gesundheit so sein. Zudem ist eine Reinigung lediglich mit einem feuchten Lappen unseres Erachtens alles andere als ausreichend. Mit womöglich aggressiven Mitteln getränkte Feuchttücher sind sicherlich auch nicht das Wahre. Wir halten uns daher nicht an die Anleitung und waschen den Iren unter fließendem Wasser.
Wir achten dabei darauf, dass nur der obere (und vermutlich wasserdichte) Teil mit Wasser in Berührung kommt. Das funktioniert einigermaßen, komfortabel ist es aber nicht und sollte doch Wasser ins Gerät gelangen, ist man der Dumme. Der Fuß lässt sich wirklich nur mit einem Lappen abwischen. Die oder der Benutzer sollten also darauf achten, den Vibrator nicht mit Gleitgel / -öl oder mit sonstigen Flüssigkeiten benetzten Händen zu halten. Wie bereits gesagt, komfortabel ist das nicht.
Die Idee des Öko-Vibrators überzeugt, die Umsetzung weniger
Unser Fazit ist somit sehr durchwachsen. Die Idee eines Vibrators, der nicht ständig neuer Batterien bedarf, gefällt uns weiterhin gut. Die Form und die Haptik des Spielzeugs haben uns ganz gut gefallen und auch die Qualitätsanmutung mit Ausnahme des Kurbelmechanismus hat uns überzeugt.
In der Anwendung bleibt aber ein zwiespältiger Eindruck, denn so gut uns die Idee der Kurbel gefällt, wirklich praktikabel ist sie in dieser Form noch nicht. Zu umständlich und anstrengend ist das Ganze, als das man es kurz vor dem Einsatz in Erwägung zieht, sich durch körperliche Arbeit ins Schwitzen zu bringen. Vielleicht könnte man es wie mit der Bügelwäsche handhaben und den Vibrator beim abendlichen Fernsehgucken vorsorglich für den nächsten Einsatz "ankurbeln".
Wie schnell sich das Ganze dann wieder entlädt, haben wir allerdings nicht getestet. Das Bremer Spielzeug geht bei Nichtgebrauch mit seinen Batterien jedenfalls nicht sehr schonend um. Bleibt eine weitere Verwendungsmöglichkeit für den "Earth Angel", nämlich der mobile Einsatz unterwegs. Für die durchschnittliche Handtasche womöglich etwas zu groß, ist er immer zur Hand und kann bei kraftlosem Akku binnen Minuten einsatzbereit gemacht werden, wenn nicht vorher die kurbelnde Hand abfällt.
Zudem sollte mann oder frau sich zum Kurbeln an einem einsamen Ort befinden, den der Mechanismus ähnelt nicht nur in seiner Funktionsweise einem Fahrraddynamo, sondern auch in der Lautstärke. Das könnte in der Nachbar(umkleide)kabine womöglich nach einigen Minuten für Irritationen sorgen.
Was uns wirklich nicht gefällt, sind das problematische Reinigen und der mangelnde Schutz gegen Feuchtigkeit. Der "Earth Angel" ist nun einmal ein Sexspielzeug, das bei Gebrauch zwangsläufig mit mehr oder weniger Flüssigkeit in Berührung kommt. Das er dagegen mangelhaft geschützt und anschließend nicht gut zu reinigen ist, geht mal gar nicht, um es umgangssprachlich, aber deutlich zu sagen.
So ist der "Earth Angel" mehr ein Spielzeug in der Entwicklung, das noch eines gewissen Feinschliffs bedarf. Nichtsdestotrotz hat die Kurbel einen gewissen "Coolness-Faktor" und in großer Runde könnte er sicher für Erheiterung sorgen, weshalb wir den "Earth Angel" einmal mit Freunden testen werden. Denn eins wollen wir trotz aller Kritik nicht vergessen: Der "Earth Angel" ist ein guter Vibrator, der in der normalen Anwendung durchaus Spaß macht. Schick ist er auch, nur muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er mit den genannten Kritikpunkten leben kann.


















