Das letzte Wochenende stand ganz im Zeichen der Venus. Auch im JOYclub wurde bereits viel und ausführlich über die 14. Venus diskutiert. Unser Reporter freeman war live vor Ort und hat seine Eindrücke von der weltweit größten Erotikmesse für euch zusammengetragen. Zusätzlich berichtet er von der Konkurrenzmesse eroFame, die der diesjährigen Venus definitiv einen gehörigen Dämpfer verpasst hat.
Venus und eroFame brechen in neue Sexwelten auf
- Die 14. Venus Erotikmesse
- Die Venusshows
- Die Amateurhalle erweist sich als Totalflop
- Ein Trend der Venus: 3D Pornos
- Innovationen waren Mangelware auf der Venus
- Der Venus Fachhandelsbereich
- Letzte große Momente
Die eroFame 2010
- Eine neue Messe als Fachhandelsparadies
Die Venus im Normalbetrieb
- Fast alle Erotikmesse Klischees treffen zu
Venus oder eroFame?
- Abenteuer Venus
- Die eroFame und ihr beinahe makelloses Debüt
- Kommentare
Die 14. Venus Erotikmesse
Wenn die Venus ruft, darf man als Redakteur des JOYclubs freilich nicht jedes Mal weghorchen und so war es dieses Jahr an mir, in ferne Welten vorzustoßen und erstmals einen Sexplaneten namens Venus zu erkunden. Da der sonst dem Fachpublikum vorbehaltene Donnerstag inzwischen auch für das normale Publikum freigegeben wurde, beschloss ich der Venus an genau diesem Tag einen Besuch abzustatten. Immer in der Hoffnung, dass sich diese Neuerung noch nicht so sehr herumgesprochen hat und ich nicht von Menschenmassen zermahlen werde.
Kaum auf dem futuristischen Berliner Messegelände angekommen, geht mir durch den Kopf, dass sich meine Überlegungen wohl ausgezahlt haben, denn als so voll empfinde ich den Platz vor den Messehallen nicht. Eher im Gegenteil. Gemütlich hole ich mir meinen Presseausweis ab und schlendere in die erste Ausstellungshalle, immerhin möchte ich der JOYclub-Abordnung am JOY-Meetingpoint in Halle 21a einen Besuch abstatten.
Der erste Eindruck der Messe in sexueller Hinsicht wird gleich am Halleneingang von einem Schwulenporno geprägt. "Na da" denkend dringe ich weiter ins sexuelle Wunderland vor und werfe einen flotten Blick in alle Himmelsrichtungen: Dildos, Dessous, Penispumpen, Sexpuppen, überall Pornos auf Bildschirmen, sexy Messehostessen und Kuriositäten - wie ein einsam um Seriosität buhlender Vodafone Stand - lassen das an akuter Reizüberflutung leidende Auge nur kurz verweilen.
Auf in Halle 21a! Auf dem Weg dahin komme ich an der Fressmeile vorbei und staune über die Preise. 3.20 EUR für ein 0,5 Liter Getränk erscheinen gar nicht so teuer wie geglaubt, 3 EUR für ein Paar Wiener dagegen irgendwie schon. Zumindest fahren die Messemacher groß auf. Sogar ein Sushistand erwartet den hungrigen Besucher. Die Leere - es war um die Mittagsstunden - erhärtet meinen Verdacht, dass die Nachricht, dass die Venus jetzt auch donnerstags geöffnet ist, noch nicht zu den Besuchermassen durchgedrungen ist.
In Halle 21a biege ich in Richtung des Bereiches ab, den Berlin Intim großräumig gemietet haben. Dieser Abschnitt der Venus wird im weiteren Verlauf meines Aufenthaltes noch lustige Kosenamen erhalten, die von "Rotlichtviertel der Venus" bis "Rote Meile" reichen und ziemlich gut treffen, was einem in den Sinn kommt, wenn man einen Fuß in dieses Revier setzt. Inmitten eines Edelbordells, einer Amateurwebseite, einem Anbieter für Raumerfrischer und einem Escortservice thront dann der kurzfristig ins Leben gerufene JOYclub-Stand, der prinzipiell aber nur wegen einiger roter Farbtupfer in seiner Dekoration in diesen Bereich passen will.
Hier treffe ich pierce, der die erste Wache am JOYclub-Stand übernommen hat und bereits begeistert von ersten Treffen mit JOYclub-Usern zu berichten weiß. Auch interessierte Neulinge ließen sich bereits auf eine virtuelle Tour durch den JOYclub mitnehmen und sogar neue Mitglieder konnten schon vermeldet werden. Kurzum: Unsere JOYclub-Vertreter (es waren zeitweilig um die sechs Mann) hatten sichtlich Spaß an ihrem Job. Auch wenn die Geräuschkulisse an ihrem Arbeitsplatz einfach nur mit brutal laut umschrieben werden konnte.
Die Venusshows
Vom JOYclub-Stand brach ich zu einem Rundgang über die Venus auf. Mein erster Weg führte mich - klar, bin halt auch nur ein Mann - zum Showbereich. Dieser war für meinen Geschmack ungeheuer lieblos gestaltet. Wenn man den Showroom betrat, thronte an der rechten Seite eine riesige Bühne, die - abgesehen von zwei öden Styroporsphinxen - keinerlei Gestaltungselemente aufwies.
Genauso langweilig und trist gestaltete sich der Zuschauerbereich, der in Dunkelheit absoff - ganz nach der Devise: Im Dunkeln ist gut munkeln. Auf der Bühne mühte sich gerade Pornostar Maria Bellucci mit Kollegin Dorothy Black ab und versuchte etwas erotische Stimmung aufkommen zu lassen, aber die blieb, wie der Raum, leicht unterkühlt.
In diesem Zusammenhang war ich erstaunt, wie züchtig es doch auf der Venus zugeht. Simple Männer-, Frauen- und Pärchenstrips, etwas Rumgelecke bei Lesbenshows … irgendwie hatte ich da andere Erwartungen. Vom allgegenwärtigen künstlichen Nebel ganz zu schweigen. Warum irgendwann irgendwer glaubte, diese Nebelmaschinen würden die Strips aufwerten, bleibt mir auf ewig ein Rätsel.
Wie es hieß, wurden die Ansprüche an härtere Action in Extrabereichen erfüllt, dann aber gegen einen nicht unerheblichen Aufpreis. Direkt neben der Showbühne war der Bereich für die Damenwelt angesiedelt. Selbst mit Presseausweis hieß es hier: Ladys only.
Die Amateurhalle erweist sich als Totalflop
Ich verließ den Showbereich in Richtung Amateurhalle. Diese war meines Erachtens der größte Flop der Venus. Lieblos, planlos und sinnlos waren noch die nettesten Attribute, die mir dazu einfallen.
Wie in Gefängniszellen tigerten diverse Amateur"stars" in ihren Messeständen herum. Diese bestanden aus einem bettähnlichem Gestell, einer Art Ablage, einer Sitzmöglichkeit und das war es. Kaum eines der Starlets hatte seine "Zelle" irgendwie dekoriert, nur wenige hatten ihre Bezahlseiten auf einem Rechnermonitor laufen. Letztlich waren sie nur da, um sich begrapschen zu lassen und Oben-Ohne-Bilder mit willigen Besuchern zu machen. Das Ganze erinnerte an eine Art Legebatterie für mehr oder weniger knackige "Hühnchen".
Eine aufgebaute Showbühne verwaiste förmlich und die Mädels hatten sich hier auch noch extrem klemmig. Kurzum: Richtig begeistern konnte ich mich an keinem meiner Messetage für diesen Bereich …
Und wenn man als aufmerksamer Messebesucher dann mitbekommen hat, wie Sexy Coras Stand förmlich belagert wurde oder ein anderer Amateurportalanbieter eine verdammt heiße und offenherzige Stripshow nach der anderen auf seiner Showbühne abfeuerte, fragte man sich schon, wieso man die Amateurhalle nicht um derartige Highlights ergänzt hat. Aber vielleicht spielte da auch der überall offensichtliche Sponsor der Amateurhalle (MyDirtyHobby) nicht mit?
Ein Trend der Venus: 3D Pornos
Von da ging es dann durch den Essensbereich, wo mir Porno Klaus aus Big Brother über den Weg lief, in die große Eingangshalle. Hier fiel vor allem auf, dass 3D aktuell nicht nur fürs Kino interessant zu sein scheint, denn viele Pornofilmanbieter präsentierten auf Flatscreens ihre ersten 3D Produktionen und die Ergebnisse überraschten doch sehr! Der 3D Effekt in den Pornos war frappierend räumlich, begehrlich in den Raum ausgestreckte Arme der Darstellerinnen schienen den Zuschauer förmlich in den Porno hineinzuziehen.
Vielleicht erlebt die 3D Technik auch gerade wegen derartigen Pornofilmen ihren echten Durchbruch in den heimischen Wohnzimmern? Wer sich erinnert, weiß nämlich, dass die DVD auch erst dann durchstartete, als die Pornobranche ihr Go zu diesem Medium gab und es mit Inhalten fütterte. Konsequenterweise räumte bei der Verleihung des Venus Awards die 3D Produktion "This ain’t Avatar XXX" auch den Spezialpreis der Jury ab.
Innovationen waren Mangelware auf der Venus
Ziemlich schnell war ich auch durch diese gefühlt größte Halle der Venus durch und stellte fest, dass bis auf den 3D Hype wirkliche Neuerungen fehlten. Was es gab, waren Variationen zuhauf. Neue Dildoformen, flüsterleise Vibratoren, extraglitschiges Gleitgeil, Penismasturbatoren, die man nach Abdrücken der Mösen und Arschlöcher von Pornostars geformt hatte … wirklich Innovatives, nie Gesehenes oder Überraschendes fand man nirgends.
Erstaunlicherweise fand man auch kaum künstlerisch angehauchte Ausstellungsobjekte bzw. allgemein Künstler vor Ort. Mehr als zwei Piercing- oder Tattoostudios habe ich nicht ausmachen können. Ansonsten gab es noch etwas erotische Innenausstattung wie Sessel in High Heels Form und auch einen Schöpfer von erotischen Büsten konnte man finden. Ansonsten waren die Ausstellungsobjekte aber extrem auf Liebesspielzeuge und erotische Kleidung fokussiert. Und diese wirkten durchweg alles andere als exklusiv. Eher machte alles einen sehr mainstreamigen, sehr 08/15en Eindruck … von den dafür verlangten Preisen fange ich lieber gar nicht erst an. Schade.
Das konnte auch der Fetischbereich nicht wirklich wettmachen. Auch hier fehlte es meines Erachtens an Exklusivität und vor allem an Vielfalt. Mir kam der Fetischbereich obendrein extrem klein vor. Eigentlich ein Unding, wenn man bedenkt, wie viele Fetische sich alleine über die letzten Jahre ihren Weg ins Bewusstsein der Erotikfans gebahnt haben.
Zumindest stiegen in diesem Bereich immer wieder hübsch anzusehende Fetischshows, die sich als extreme Zuschauermagneten entpuppten und Klaas und Joko von MTV Home hatten ebenfalls sichtbaren Spaß an diesem Bereich der Venus. Zudem entspannte sich hier mit den JOYclub-Mitgliedern Erochains und bizarsolution ein nettes Gespräch. Viel mehr blieb mir von diesem Bereich nicht in Erinnerung. Außer einem sehr lebhaften Teufelchen ... im Übrigen auch ein JOYclub-Mitglied!
Der Venus Fachhandelsbereich
Nun bog ich in den Händlerbereich ab und stattete damit der letzten Halle der Venus einen Besuch ab. Diese wich in ihrer Präsentation stark vom Publikumsteil der Venus ab. Seriös, hell, OHNE ständige Musikbeschallung und fast frei von nackten Tatsachen trafen sich hier die Händler mit den Endverbrauchern und anderen Händlern. Man kam schnell ins Gespräch und vollkommen zwanglos entstanden einige sehr anregende Diskussionen über Produkte oder die Venus selbst.
Hier traf ich auch die entzückend quirlige Salma De Nora, die sich allmählich zu einer festen Größe des spanischen Frauenpornos zu mausern scheint und bei uns JOYclub dank Dog World und The Resolution auch schon Thema war. Vor lauter Aufregung habe ich dann auch noch vergessen mir ein Autogramm abzuholen. Mist.
Was auffiel, war, dass der Händlerbereich stark durch asiatische Hersteller geprägt war. Diese scheinen aktuell ganz offensichtlich ihr Hauptaugenmerk auf luxuriös designte Liebesspielzeuge zu legen, die einen unweigerlich an Science Fiction Geräte erinnerten. Ansonsten blieben aber auch hier wahre Neuerungen absolute Mangelware, abgesehen von der auch hier omnipräsenten 3D Allmacht.
Letzte große Momente
Von dieser Halle aus beschloss ich einen letzten Rundgang durch alle Hallen zu machen. Dabei begegnete ich Sexy Cora, die wie gewohnt eine riesige Menschentraube hinter sich herzog, knipste ein paar nackte Amateure, belächelte noch einmal den Vodafonestand und hatte noch meinen persönlichen Moment der Messe.
Denn als großer Carla Cox Fan wusste ich, dass sie auch zugegen sein würde, nur hatte ich sie bis dahin nicht erspähen können. Plötzlich schwebte sie an mir vorbei! Genauso niedlich und zerbrechlich, wie man sie aus ihren Filmen kennt, stand sie auf einmal neben mir. Ich sprach sie flott an und wirklich, sie schwebte mit mir zu ihrem Stand, signierte mir eine ihrer Autogrammkarten und stand auch kurz Model. Quasi zwischen Tür und Angel. Danke Carla!
Inzwischen war es abends und ich vor allem von der Soundkulisse (Jedes Gespräch endete in wüster Geschreierei, weil man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte) und dem Schummerlicht auf der Venus schwer genervt. Die Messe begann sich zudem auch sichtlich zu leeren, immerhin stand noch der Venusaward bevor. Ich begab mich derweil in Richtung Schlafstätte, erfuhr gegen Mitternacht von Heiko_PO, dass die JOYclub-Partnerzeitschrift PO-Magazin einen Award gewonnen hatte und schlief ziemlich geschafft ein. Und das war auch gut, denn am Folgetag wartete die nächste Messe auf mich …
- 1. Teil: Venus und eroFame brechen in neue Sexwelten auf
- 2. Teil: Die eroFame 2010
- 3. Teil: Die Venus im Normalbetrieb
- 4. Teil: Venus oder eroFame?
































