13.10.2009

PorYes!

Der erste feministische Pornofilmpreis

Während am kommenden Wochenende alles in Richtung Venus schaut, steht das Rad in Sachen Erotik fernab der Venus freilich nicht still. So wird parallel zur Venus der erste feministische Pornofilmpreis verliehen.

PorYes!

PorYes!

Dr. Laura Méritt in ihrem Sexclusivitäten Shop
Dr. Laura Méritt in ihrem Sexclusivitäten Shop

Am Samstag, den 17. Oktober um 20 Uhr wird im Filmtheater Hackesche Höfe in Berlin erstmals der Feministische Porno-Filmpreis Europa verliehen.

Die Initiatorinnen setzen damit einen Kontrapunkt zur sexistischen Mainstream-Pornografie: "Wir wollen den Erotik-Filmmarkt revolutionieren.", sagt Sexpertin und Kommunikations- wissenschaftlerin Dr. Laura Méritt.

Gerade Frau Méritt hat sich schon weit im Vorfeld dieses neu initiierten Preises für Frauenpornos stark gemacht. Unter anderem auf dem jährlich stattfindenen Pornfilmfestival, das schon im letzten Jahr einen starken Fokus auf feministischen Porno gelegt hatte.

Der Preis in Austernform ...
Der Preis in Austernform ...

Auf dem PorYes! werden nun hochwertige Erotikfilme, die "vielfältige sexuelle Ausdrucksweisen weiblicher Lust zeigen und in denen Frauen bei der Filmproduktion maßgeblich beteiligt sind" ausgezeichnet.

Der feministische Porno-Filmpreis ist initiiert und veranstaltet von Sexclusivitäten, dem ersten frauen-orientierten Sex-Unternehmen und sexuellen Kommunikationszentrum Europas, sowie dem Netzwerk Freudenfluss.

Eine prominente Jury, besetzt u.a. mit der Bundesfilmpreisträgerin Prof. Ula Stoeckl, verleiht als Preis die "Auster", das Symbol von "PorYes". Darunter ist der Teil der Frauenbewegung zu verstehen, der für eine positive Darstellung von Sexualität einsteht und klischeehafte, menschenverachtende Darstellungen ablehnt.

Maria Beatty
Maria Beatty

Eingeladen sind international bekannte Persönlichkeiten der sexpositiven Frauenbewegung wie die Grand Lady weiblicher Erotik Candida Royalle, Erotic Film Noir-Meisterin Maria Beatty aus Paris, die US-Porno-Queen Dr. Annie Sprinkle und weitere europäische Vorreiterinnen wie Petra Joy aus London.

"Wir wollen zeigen, dass es scharfe, lustige und sexy frauenfreundliche Pornos gibt, die Frauen und Pärchen zusammen genießen können und ihnen das Gefühl vermitteln, mit sich und ihrer Sexualität im Einklang zu sein".

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Kommentare

also

ich kenne erika lust schon längere zeit und mag einfach die qualität, glg aus salzburg ingo
Na toll

das geht da ja genauso superdemokratisch zu wie beim Oskar, da werden auch ein paar Regisseure / Filme / Schauspieler hinter verschlossenen Türen und ohne jegliche Transparenz auf die Liste gesetzt.

Persönlich halte ich von Erika List um Einiges mehr als von allen Anderen. Sie macht nämlich, im Unterschied zB zu Annie Sprinkle, Pornos, im Unterschied zu Petra Joy mit langen Einstellungen und ohne hektiische Kamerafahrt, und erotisch wie sonstwas sind sie obendrein.

Wenn das nächstes Jahr genauso abgeht, ist dieser Preis, so sinnvoll wir die Idee finden, für uns untendurch.

Naja, aber dann ist sie beim nächsten mal nicht mehr Pionier als sie jetzt sein könnte.

Ja, stimmt.
Ich habe den Satz offenbar etwas oberflächlich gelesen und dadurch etwas zu voreilig eine nicht vorhandene Ironie entdeckt. *g*

Nicht im geringsten. Jemand der neu wo auch immer ist, ist damit nicht automatisch ein Pionier. Pionier wird man in dem Genre, wenn man ein Feld bestellt, was bisher noch brach lag.

ERika Lust ist noch keine Pionierin, sie ist noch recht neu auf dem Markt
Das ist aber ein bissl ein Widerspruch, oder? *zwinker*
Erika Lust

wurde übrigends nicht einmal nominiert! Obgleich (oder wahrscheinlich weil) sie sich von den anderen Regisseurinnen durch ihre Meinung und ihren Stil abhebt. Schade! Sie ist in meinen Augen eine der neuen Hoffnungen für einen ästhetischen emanzipierten Porno der Sexualität in allen Facetten zum Inhalt haben kann...

Antwort von PorYes per Email auf die Frage nach ihr, Zitat:

"ERika Lust ist noch keine Pionierin, sie ist noch recht neu auf dem Markt, vielleciht ist sie beim nächsten Mal dran."
@ an_dia

Ich finde Deine Beiträge sehr gut. Ich bin auch sicher, dass Du mit Deinem Geschmack nicht alleine dastehst ... aber wie Du richtig schreibst:
Ich meine, ich finde es gut, trotzdem.
Irgendwo müssen die Frauen ja anfangen, nach zu ziehen. Und dass dabei Abgrenzungs-, Neufindungsschwierigkeiten auf den Plan treten... ist klar und muss auch sein.
Die weibliche, oder auch die feministische Pornographie steckt sicher noch in gewisser Weise in den Kinderschuhen. Der Mainstream-Porn hat sich vielen Jahrzehnten entwickelt, und heute bietet er Spezialitäten für viele Geschmacksrichtungen. Von und für Frauen gestaltete Pornos stehen, obwohl es sie doch schon einige Jahre gibt, in dieeer Entwicklung doch noch ziemlich am Anfang. Das heißt, dass sich die Frage fälschlicherweise noch darum dreht "Was will die aufgeschlossene Frau in Pornos sehen?" und nicht darum "welche Frauen werden durch das bestehende Angebot noch nicht ausreichend angesprochen?"

D.h. es wird nach Pornos für "die" Frau gesucht, als hätten alle Frauen den gleichen Geschmack - nur aus der Tatsache resultierend, dass sie Frauen sind. Es braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden, dass Frauen, ebenso wie Männer, mit unterschiedlichen Geschmäckern und Vorlieben gesegnet sind. Manche Frauen mögen Maria Beatty, andere Petra Joy, wieder andere werden durch Mainstream-Filme geil, deren Hauptzielgruppe eigentlich Männer sind. Und wieder andere sind wie Du, wollen schmutzigen Sex ohne Verzicht auf Spiele mit Macht und Dominanz, aber eben mit der Frau in der Führungsrolle. Ich bin sicher, dass es das von Dir beschriebene Genre in Zukunft vermehrt geben wird. Aber es wird möglicherweise noch etwas Zeit brauchen.

Man darf ja nicht vergessen: Lange Zeit war es für Frauen aus moralischen Gründen tabu, Pornographie zu genießen zu. Dann kam die sexuelle Revolution, und im Windschatten davon der Feminismus. Viele seiner prominenten Vertreterinnen haben dann bald eine ablehnende Haltung gegenüber Pornographie eingenommen, womit das Verhältnis von Frauen zu Pornographie wieder in die Urzeit zurückgeschmissen wurde. Natürlich gab es den sexpositiven Feminismus auch damals schon, und natürlich gibt es kontinuierlich mehr und mehr Frauen, die sich Pornos gerne und mit Selbstverständlichkeit ansehen. In der Öffentlichkeit glaube ich aber, dass diese Bewegung erst in den letzten Jahren entscheidend an Bedeutung gewinnt. Womit nun endlich das stattfindet, was schon längst selbstverständlich sein sollte: Eine intensive Auseinandersetzung von Frauen mit Pornographie.

Da die Verleihung mittlerweile auch einige Zeit her ist, hier noch ein kleines Resümee: Gewonnen haben - und das finde ich persönlich ja wirklich sehr originell - ALLE nominierten Beiträge!

Im Sinne einer feministischen Sichtweise und unter dem Aspekt, ALLE haben den Preis verdient, weil sie sich auf ihre Art und Weise dem Thema nicht nur partiell, sondern elementar und über einen längeren Zeitraum hinweg widmen, durfte jede der Nominierten die Auster für eine sexpositive Darstellung der vielfältigen sexuellen weiblichen Lust nach Hause tragen.

Im Einzelnen sind das:

- die Pornomacherin Candida Royalle
- die Pornoqueen und Performancekünstlerin Annie Sprinkle
- Maria Beatty, ihre Filme der detailliert inszenierten Lust begründeten eine neue und eigene Kategorie des „Film Noir Erotique“
- die Indie-Porn-Filmemacherin Shine Louise Houston

Auf eine weitere spannende Diskussion und den feministischen Porno, ich meine natürlich, PorYes!!!

@an_dia
Na ja, mich machen z.B. Mainstream-Pornos gar nicht an, bei den Trailers von Maria Beatty hat aber meine Möse auf einmal angefangen, zu pulsieren. *rotwerd*
Andere Kriterien, die Güte eines Pornos zu beurteilen, kenne ich nicht. *zwinker*

Ich glaube, das Auge des Betrachters macht hier den Unterschied. Nicht bei jedem liegt den "Knopf" an der selben Stelle. Ich kann mit "normaler" Pornografie gar nichts anfangen, werde aber sofort nass, wenn ich eine Zeichnung von Joseph Farrel sehe.

Mir ginge es mehr darum, nicht, wie Frauen anderen Frauen Spass bereiten (müssen), sondern wie Männer es tun...

Dann empfehle ich dir Schwulenpornos. *gg*

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