04.03.2009

Marquis de Sade

"Marquis de Sade ist tot, es lebe Marquis de Sade!"

Nach den Erfolgen der Aufführung in den vergangenen Jahren geht die Inszenierung "Marquis de Sade" unter der Leitung von Gregor Seyffert in ihre letzte Runde.

Vom 26. Juni bis zum 19 Juli 2009 wird das mit 75 Darstellern und über 200 Mitwirkenden besetzte Tanzspektakel über 4 Wochen hinweg den dunklen Marquis des 18. Jahrhunderts zu neuem Leben erwecken.

Foto: J. Pohl, M. Warmuth
Foto: J. Pohl, M. Warmuth

Marquis de Sade (1740-1814)

Foto: Frank Tauscher, Bearbeitung: Greenfeed
Foto: Frank Tauscher, Bearbeitung: Greenfeed

Donatien Alphonse François Marquis de Sade entstammte einem südfranzösischen Adelsgeschlecht. Bereits zu Lebzeiten wurde er zu einer der bizarrsten Figuren der Kulturgeschichte. Im 18. Jahrhundert verkörperte und lebte der Marquis all das, was sich unter den Begriffen Sex und Gewalt zusammenfassen lässt. Er verbrachte mehr als 30 Jahre seines Lebens in Gefängnissen und Irrenhäusern, wobei er der Guillotine mehr als einmal nur knapp entkam.

Marquis de Sade verlebte Orgien und war dabei beiden Geschlechtern zugewandt, hatte Sex mit Tieren und erachtete Gewalt als einen natürlichen Bestandteil von Sexualität.

"Sex ohne Schmerz, ist wie Essen ohne Geschmack." (de Sade)

Marquis de Sade

Der Marquis war der Überzeugung, der Mensch sei im Grunde nur ein Tier und der Hang zur Gewalt sei in seinem Wesen fest verankert. Mit diesem Denken lehnte er sich offen gegen die gesellschaftliche Vorstellung von Moral und Tugend auf. Nur die Zwänge der Gesellschaft halten die natürlichen Triebe in Zaum. Das wahre Wesen des Menschen versteckt sich hinter einer Hülle aus Trug und Schein.

Foto: J. Pohl, M. Warmuth
Foto: J. Pohl, M. Warmuth

Er selbst hingegen lebte seine sexuellen Wünsche und Phantasien offen aus. Im Gegensatz zu all jenen Menschen, die ihre Triebe in sich verborgen halten oder nur heimlich hinter verschlossenen Türen ausleben, machte de Sade keinen Hehl aus seinem Verlangen.

Sein triebhaftes Denken und seine Missbilligung der gesellschaftlichen Wert- und Moralvorstellungen blieb der Nachwelt durch sein literarisches Schaffen erhalten. Aus den Werken des Marquis de Sade, wie etwa Die 120 Tage von Sodom, worin er eine hundertzwanzigtägige Gewaltorgie und eine breite Palette sexueller Praktiken beschreibt, ging schließlich der heutige Begriff des Sadismus hervor.

Figur und Thema

Foto: J. Pohl, M. Warmuth
Foto: J. Pohl, M. Warmuth

Das Tanztheater greift die Figur und die Ansichten des Marquis de Sade auf und überträgt sie auf die heutige Gesellschaft. Auch heute zwingen die gesellschaftlichen Vorstellungen von Moral den Menschen in eine trügerische und scheinbare Hülle, hinter der die Untiefen der menschlichen Seele verborgen bleiben.

Gerade deshalb hält Gregor Seyffert die Figur des Marquis de Sade für den idealen Protagonisten des Schauspiels: „Marquis de Sade ist und bleibt ein menschliches, literarisches, sexualwissenschaftliches und psychologisches Phänomen", so Seyffert.

Cross-Genre-Aktionstheater

Die Show selbst versteht sich als Cross-Genre-Aktionstheater. Sie ist eine bislang einmalige Mischung aus Tanz, Aktionstheater, interaktiver Ausstellung und kulinarischem Streifzug.

 
Foto: J. Pohl, M. Warmuth
Foto: J. Pohl, M. Warmuth

Die genre-übergreifende Grundidee der Aufführung kommt auch in ihrem musikalischen Spektrum zur Geltung. So schlägt das Spektakel eine musikalische Brücke zwischen den klassischen Melodien des 18. Jahrhunderts alá Paganini oder Händel und modernen Rhythmen von Bands wie Apokalyptika oder den Nine Inch Nails.

Das Bühnenwerk überzeugt vor allem durch sein dynamisches Konzept. Das Schauspiel wird nicht auf einer Bühne stattfinden, sondern das Publikum umschließen. Das Stück in drei Akten verteilt sich über weite Teile der impossanten Kulisse eines stillgelegten Industriedenkmals. Die Zuschauer selbst sind während der Show ständig in Bewegung, indem sie von einem thematischen Schauplatz zum nächsten geführt werden. Die Reise des Zuschauers ist dabei als Lauf durch die Lebensgeschichte des einstigen Kulturrebellen zu verstehen. Der Weg führt rückwärts durch das Leben des Marquis und bietet einen teils erotischen, teils schockierenden Einblick in die Stationen de Sades.

  • Foto:Frank Tauscher
    Foto:Frank Tauscher
  • Foto: J. Pohl, M. Warmuth
    Foto: J. Pohl, M. Warmuth
  • Foto: J. Pohl, M. Warmuth
    Foto: J. Pohl, M. Warmuth
  • Foto: J. Pohl, M. Warmuth
    Foto: J. Pohl, M. Warmuth

Um dieses raumübergreifende Spektakel tänzerisch und schauspielerisch zu beleben, wurden insgesamt über 75 Darsteller und 200 Mitwirkende verpflichtet.

Gregor Seyffert Compagnie Dessau

Foto: Claudia Heysel
Foto: Claudia Heysel

Sowohl als Regisseur und Chroreograph der Inszenierung aber zugleich auch als Darsteller der Figur des Marquis de Sade steht Gregor Seyffert im Mittelpunkt der gesamten Aufführung. Das mutige Gesamtwerk entstammt seiner Feder.

Das von ihm 1996 gegründete Ensemble, die Gregor Seyffert Compagnie Dessau, feiert eine Vielzahl sowohl nationaler als auch internationaler Erfolge. Und international ist auch die Tanzgruppe selbst, die sich von Brasilien bis Australien aus bekannten Tänzern und Tänzerinnen aus allen Teilen der Welt zusammensetzt.

Gregor Seyffert ist als Kammertänzer der erste und einzige Deutsche, der mit dem Prix Benois De La Danse-Unesco, dem "Oscar des Tanzes", 1997 als weltbester Tänzer ausgezeichnet wurde. Zuletzt wurde ihm 2003 der Deutsche Tanzpreis verliehen.

Der Veranstaltungsort

Das Thema und die Figur des Marquis de Sade erfordern eine geeignete Kulisse, um sich überhaupt entfalten zu können. Für die Veranstaltung wurde das stillgelegte Kohlekraftwerk Vockerode (nahe der A9) ausgewählt.

Foto: J. Pohl, M. Warmuth
Foto: J. Pohl, M. Warmuth

Die ehemalige Industriekathedrale an der Elbe bietet dem Schauspiel auf einer Spielfläche von insgesamt 24.000 qm eine pompöse Szenerie und verleiht der Inszenierung das nötige Ambiente.

"Das Kraftwerk Vockerode verfügt über jenes kalte, feindliche und brüchige Lebensklima, das de Sade ständig entgegenwehte. Insofern nehmen wir den Zuschauer mit auf eine lange Reise durch die Winkel, Abgründe und Seelenlandschaften de Sades an einem Ort, der de Sades Gefühle ein Stück weit erfahrbar macht", so Seyffert.

Termine

Das Aktionstheater „Marquis de Sades“ wird vom 26. Juni bis zum 19. Juli 2009, jeweils von Donnerstag bis Sonntag stattfinden.

An jedem Abend werden mehrere Veranstaltungen zeitlich versetzt angeboten.

Das Kraftwerk Vockerode liegt etwa einen Kilometer von der Autobahn 9 entfernt. Parkmöglichkeiten sind vorhanden. Zusätzlich ist ein Shuttleservice von bzw. nach Dessau verfügbar.

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Kommentare

19.07.09 --- 18:00h ???

Wir sind doch mal ganz neugierig...:

Wer ist denn am letzten Tag noch dabei? Wir haben für die Vorstellung um 18:00h Karten... und danach???

Karte verkauft!
Noch 1 Karte verfügbar!

Wer möchte die Karte für die Sonderveranstaltung am kommenden Freitag um 22Uhr mit anschließender Party haben? Schnellste Antwort gewinnt. *gg*

lg
Nancy
Hallo sexyunddessous, ...

... wir werden dort sein!

LG
sexyunddessous . . .

na wir würden gerne . . .
venice79 und ich sozusagen . . .
na wenn . . .

auf der rücktour über berlin fährst lol . . .
De Sade Party mit uns !?

Wer hat Lust uns am 10.7. bei der Veranstaltung und der anschließenden Party zu treffen, zu begleiten mit uns Lust und Lasten zu erleben!?
Meldet euch bei falls ihr auch Karten für die 22h Aufführung habt!
Mitfahrgelegenheit

Hallo,
biete eine Mitfahrgelegenheit in Nichtraucherauto *g*
Bei Interesse sende mir eine PN.
LG
Domnick

wir + 2
10.7.2009

wer ist denn noch so da und bei der anschließenden party . . .?
  • Neu hier? Kein Problem!
Veranstaltungstermin
Marquis de Sade
Das Aktionstheater "Marquis de Sade" findet ab vom 26. Juni bis zum 19. Juli 2009 statt. Veranstaltungstage sind jeweils Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag.
An jedem Abend wird es mehrere Aufführungen geben, wobei die verschiedenen drei Akte auf drei verschiedene Räumlichkeiten verteilt wurden!
Das Kraftwerk Vockerode liegt nahe Dessau, etwa 1km von der A9 entfernt.