Im "Sexy Oktober" werden wieder eine Vielzahl an Erotikliebhabern in die deutsche Hauptstadt pilgern. Das bereits zum vierten Mal stattfindende Pornfilmfestival, bei dem im Übrigen dieses Mal die Arbeiten von Frauen beinahe die Hälfte des Programms ausmachen, öffnet bereits am 22.10. seine Pforten.
Einen Tag später und nur einige Meter entfernt findet am Folgetag die Premiere des erophil - Erotikliteraturfestivals statt. Die international ausgerichtete Veranstaltung setzt sich aus einer zweitägigen Fach- und Publikumsmesse, einer Fachtagung sowie einem reichhaltigen Kulturprogramm mit Lesungen, Filmvorführungen und Performances zusammen.
Die Idee
Das Projekt "erophil" entstand aus der Erfahrung, dass in Deutschland Erotikliteratur fälschlicherweise immer noch ein Schattendasein in der Schmuddelecke führt. Häufig "Bückware" – im besten Falle in eigens eingerichteter Ecke untergebracht – ist erotische Literatur oft nur unter dem skeptisch-abschätzigen Blick des Buchhändlers erhältlich, solange ihr nicht das Siegel der klassischen Weltliteratur anhaftet, wie dies bei Marquis de Sade oder Jean Genet der Fall ist.
Während man in anderen Ländern wie z.B. Frankreich stolz auf seine zeitgenössische Autoren wie Olivier Py, Philippe Dijan oder Pauline Réage ist, könnte bei uns wohl kaum jemand auch nur den Namen eines Autors erotischer Literatur benennen. Dieser Zustand ist schade, und um ihn zumindest ein klein wenig zu ändern, hat ein engagiertes Team mit langjähriger Erfahrung und Begeisterung für Literaturveranstaltungen das Erotikliteraturfestival zum Leben erweckt.
Mit "erophil" wollen die Macher das Genre aus seiner Nische führen und bringen die künstlerische Bandbreite klassischer und moderner Erotikliteratur einem größeren Publikum nahe.
Das Projekt
Über drei Tage hinweg findet die "erophil" als internationale Fach- und Publikumsmesse für erotische Literatur statt und wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.
Die Macher um Projektleiter Maurice Schuhmann wollen einen Einblick in zeitgenössische und klassische Literatur mit einem ganz speziellen Thema geben. Literaturproduzenten und Lesern, Schriftstellern und Verlagen, Konsumenten und Händlern wird eine Plattform zum Kommunizieren ebenso wie zum Goutieren geboten.
Über den literarischen Bereich hinaus werden dem interessierten Publikum auch angrenzende Genres wie Comic, Fotografie, Illustration und Bildende Kunst präsentiert. Dabei wird "erophil" mit seiner Fokussierung auf das Thema eine Branche vorstellen, die in ihrer Vielfalt bislang noch kein gemeinsames öffentliches Forum hatte.
"erophil ist als ein internationales Forum gedacht, bei dem sich Verlage und Autor/innen aber auch literarische Gesellschaften aus dem Genre der erotischen Literatur den Kolleg/innen und der interessierten Öffentlichkeit präsentieren und in einen fachlichen Austausch treten können,"so Schuhmann. Der Schwerpunkt der 1. "erophil" ist auf französischsprachige Erotikliteratur gerichtet.
Vorgelesene Erotik
Lesungen von Autorinnen und Autoren erotischer Literatur sollen dem Publikum niveauvollen und geistreichen literarischen Umgang mit dem Thema näher bringen. Lesen werden unter anderem: Phoebe Müller aus ihrem Erzählband "Die Beute", die Slam-Poetin Céline Robinet, Ingeborg Middendorf ("Der Mann, der nicht küsste"), Wendy Delorme, Jén Bartels sowie Krischan Schoeninger.
Programmpunkte
Freitag, 23. Oktober 2009
Gleich von Beginn an wird "erophil" Lustvolles und Wissenschaftliches mischen: So wird zum Auftakt der Film "Salò – Die 120 Tage von Sodom" gezeigt, kenntnisreich eingeführt vom Filmwissenschaftler PD Dr. Marcus Stiglegger.
Sonnabend, 24. Oktober / Tagsüber
Auf der Fachtagung "Erotikliteratur – quo vadis?" diskutieren u.a. Verleger/innen (z.B. Claudia Gehrke, Konkursbuch Verlag) und Autor/innen mit Literaturwissenschaftlern (Dr. Volker Woltersdorff, FU Berlin) und dem diesjährigen Preisträger des Berliner Literaturkritikerpreises Dr. Stefan Zweifel.
Zum Thema Zensur und Erotikliteratur referiert Theo Doll am Beispiel der "Geschichte der O" und Vertreter vom Prix Sade, einem französischen Literaturpreis, berichten von ihrer Unterstützung zensierter Literatur.
Lesungen. Um 14 Uhr wird beispielsweise Olivia Betz aus dem im JOYclub kontrovers diskutierten Roman Vögelfrei unserer Kolumnistin Sophie Andresky lesen.
Sonnabend, 24. Oktober / Abends
Ab 20 Uhr präsentiert die "erophil" im Insomnia Berlin Lesung und Performance. Unter anderem werden das Ballettensemble "Zuckerbrot und Seidenschal" aus Dresden sowie die Autorin Phoebe Müller ("Die Beute", Konkursbuch Verlag) auftreten.
Sonntag, 25. Oktober
Lesungen. Lesen werden unter anderem die Slam-Poetin Céline Robinet, Ingeborg Middendorf aus ihrem neuen Roman "Der Mann, der nicht küsste" (Storia Verlag), Wendy Delorme aus "Insurrections", Jên Bartels aus "Wie man(n) verführt wird" (Delicious Works) sowie Krischan Schoeninger.
Aussteller
Über das Wochenende präsentieren sich die teilnehmenden Aussteller von "erophil" auf dem Gelände der Etage am Kottbusser Damm. Mit dabei sind:
- Bertz Verlag
- Blue Panther Books
- Club der Sinne
- Con Dedizione
- Dorling Kindersley
- Fetischaudio
- Fireangels
- Konkursbuch Verlag
- Männerschwarm
- Matthes & Seitz
- Merlin Verlag
- Storia Verlag
Außerdem mit dabei: Belleville Verlag, Delicious Works, Edition Erozuna, Kulturmaschinen, Bernd Groten u.a.
Das gesamte Programm ist auf der Webseite der erophil abrufbar!
Die Location
Die verkehrsgünstig gelegene Etage am Kottbusser Damm ist eine Mehrzweckhalle in einem Hinterhof in Neukölln.
Neben der auf zwei Stockwerke verteilten Ausstellungsfläche bietet sie eine gemütliche Barlounge sowie zwei separate Besprechungsräume für Gespräche mit Kunden und Händlern.
Die Adresse
Etage
Kottbusser Damm 70
10967 Berlin
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