16.06.2010

Wie schamlos!

A bisserl g'schamig bittschön

Scham … Wikipedia meint dazu: Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit oder der Bloßstellung, das sowohl durch Verletzung der Intimsphäre auftreten als auch auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben.

Also eigentlich etwas, was man bei einer Sexkolumnistin wie Sophie Andresky kaum erwarten würde. Doch auch Sophie kennt Scham und wünscht sie sich sogar im Bezug auf spezielle Menschen. Wer das ist und wieso sie sich um Schamhaftigkeit bemühen sollten, lest ihr am besten selbst.

Warum sie sich wohl schämt?
Warum sie sich wohl schämt?

A bisserl g'schamig bittschön

Diese Kolumne widme ich Bitter Moon Mandy, einem aufstrebenden Starlet am Pornohimmel, die ich auf einer Erotikmesse erlebte, wie sie sich als Vampirin verkleidet einen Pflock in die Möse schob - eine Nummer, die sie später leicht abgewandelt noch einmal vorführte, diesmal mit einer Banane und ein paar Zentimeter weiter, pöterwärts, assistiert dabei von einem ruppigen Gorilla, der besser daheim im Nebel geblieben wäre.

Er kennt kaum Scham ...
Er kennt kaum Scham ...

Ich könnte diese Kolumne auch Werner widmen. Den sah ich neulich in der nächtlichen Wiederholung einer Talkshow, wo er damit protzte, die getragenen Slips seiner Nachbarin aus dem gemeinsamen Wäschekeller zu klauen, um in sie hineinzuwichsen. Werners Bauch, der über einen spitzenbesetzten Tanga quoll und ihn später bei seiner Pole-Dance-Einlage an der Stange nur unwesentlich behinderte, war sicherlich eindrucksvoll, aber Bitter Moon Mandys feuchte Augen und ihr zu einer Grimasse verzogenes Hardcore-Gesicht - einer Mischung aus Vollrausch, Stromschlag und Presswehe - verfolgte mich bis in den Schlaf. Und das waren keine feuchten Träume.

Nun habe ich überhaupt nichts dagegen, wenn es jemand gut und geil findet, sich öffentlich von Obst penetrieren zu lassen - das ist safe und sichert Arbeitsplätze auf Plantagen und Bauernhöfen -, aber die angehende Pornomaid sah in dem Moment so lachgasfröhlich aus, so vicodinlasziv, dass ich mir wünschte, sie hätte auf diese Darbietung, die ihr ganz offensichtlich selbst peinlich war, verzichtet (anders als Werner, der solche Fisimatenten schon längst hinter sich gelassen hatte und gar nichts mehr mitkriegte).

Das sind Momente, wo ich mir tatsächlich etwas mehr G'schamigkeit wünsche.

Sie anscheinend schon ...
Sie anscheinend schon ...

In meiner Kindheit flackerte noch das Höllenfeuer. Ich bin katholisch erzogen worden, und den Begriff der Sünde gab es bei aller Modernität zu Hause durchaus. Masturbation wurde zwar verschwiegen, war aber wohl irgendwie in Ordnung, vermute ich, denn es hat mich nie jemand dabei erwischt.

Übrigens frage ich mich beim Thema Masturbation immer, wie Statistiken zustande kommen, nach denen nur 86 % aller Frauen masturbieren. Was ist denn bitte mit den restlichen 14 % los? Die können ja nicht alle in der eisernen Lunge liegen oder ihre Muschi im Alzheimernebel vergessen haben. Was also machen die? Sich geißeln, auf Knien nach Lourdes rutschen oder exzessiv Sport treiben?

Sex vor der Ehe jedenfalls war definitiv nicht erwünscht. Als meine älteren Schwestern dann allerdings erwachsen und immer älter wurden, ohne dass irgendwo ein Schleier geweht hätte, sahen meine Eltern ein, dass das Modell so nicht funktionierte. Und bei mir galten diese Regeln ohnehin nicht, weil ich mich in der Pubertät viel mehr für Mädchen und ihre Muschis als für Jungs und deren Ausstattung interessierte und ich begeistert und zur sichtlichen Freude des schmierigen Hausmeisters im Flur mit meiner damaligen Freundin knutschte.

Ihr ist gar nichts peinlich ...
Ihr ist gar nichts peinlich ...

Irgendwann tauchten Männer in meinem Leben auf, und meine Eltern vergaßen über ihrer Erleichterung sogar die abendlichen Deadlines zum Heimkommen. Trotzdem haben ihre sittenstrengen Grundsätze mich auch erwischt, und als ich schließlich meinen ersten Freund hatte, setzte ich ihm noch sehr detailliert auseinander, wieso ich jetzt noch nicht mit ihm vögeln würde, bevor ich es am Ende doch tat. Und da sich kein Schwefeldunst ums Bett erhob, beschloss ich, Schuldgefühle für völlig unangebracht zu halten.

Scham, von der ich mir wünschte, sie hätte Bitter Moon Mandy zu einer Bäckereifachverkäuferinnen-Ausbildung motiviert, ist aber etwas ganz anderes als Schuldgefühl. Scham ist für mich wichtig – beim Ficken und beim Schreiben. Wenn ich an einer erotischen Szene sitze, ist meine eigene G'schamigkeit das wichtigste Handwerkszeug, denn da wird das diffuse Lustgefühl plötzlich ganz konkret. Diese messerscharfe Grenze zwischen peinlich und erregend ist genau der Grad, auf dem das Reden über Sex den meisten Spaß macht, weil sich auf diesen Grenzen besonders lustvoll herumreiten lässt.

Ist man völlig enthemmt, wird es langweilig, so wie Nacktsein in der Sauna oder ein Ultraschall bei der Gynäkologin. Und macht man aus Klemmigkeit einen zu großen Bogen um diese magische Schallmauer, kommt man an den Kitzel nicht ran.

Und ihm erst recht nicht! Werner, bist du's???
Und ihm erst recht nicht! Werner, bist du's???

Scham gibt es ja in allen Kulturen, auch in den letzten archaischen, in denen Männer wie Frauen zwar nackig, wie die große Göttin sie schuf, durch den Dschungel tapern, es aber strengstens verboten ist, sich auf den Schniepel und die Mumu zu sehen. Begegnen sich ein Mann und eine Frau allein im Urwald, so berichtete es neulich die ehrwürdige Süddeutsche, sprechen sie mit dem Rücken zueinander gedreht - ob sie sich dabei wenigstens dem Vergnügen des rheinischen Stippeföttchens hingeben oder ob dieser Brauch des Poporeibens angetrunkenen Karnevalisten vorbehalten ist, ging aus dem Artikel leider nicht hervor.

Ich wünschte also, die besonders Schamlosen würden zu ihren Wurzeln zurückkehren und mir die Zurschaustellung ihres Elends ersparen: Der Gorilla gehe bitte heim in die Herde Prolls, aus der er offenbar gekommen war, und Bitter Moon Mandy zu einem Leben, in dem es sie ausschließlich mit Lust erfüllt, wenn jemand eine Banane in sie schiebt und in dem sie höchstens aus Ekstase weint.

Und Werner aus dem Nachtpogramm? Egal. Nur möglichst weit weg.

Warum die Möse, Muschi, Vagina oder Mumu ein ebenso vielfältig benanntes wie wunderbares Körperteil ist, das viel mehr verdient hat als Bananen, dazu in der nächsten Kolumne.

© Sophie Andresky

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Kommentare


Vielleicht sind Pubertierende einfach allgemein unsicher.

Bin mir allerdings auch nicht sicher, ob Scham nicht schon verinnerlicht ist, nachdem Menschen seit 100 000 Jahren mehr oder weniger bekleidet rumlaufen.
jagstpärchen

so ist es mal bei uns auch verlaufen, unsere tochter war nur ganz kurze zeit in ihrem schneckenhaus,
und irgendwann kokettierte sie sogar mit ihren kleinen wachsenden brüsten *lol*

blade (m)

na dann scheinen wir zum glück ein offenes und lockeres elternpaar zu sein.
denn jedes der kinder hat diese zeit unbeschadet überwunden, und frönt wieder fkk und sauna usw. lach
jagstpärchen

ich denke mal so kann es sein, oder so wird es sein.

da tritt eine veränderung ein, bei mädels wachsen die brüste, schamhaare wachsen, die periode beginnt.
bei jungs wächst der penis, erigiert auch, und das bewusst vielleicht bei gewissen situationen, eine veränderung mit denen sie erst mal klar kommen müssen. ja vielleicht eine natürliche, nicht erklärbare scham.
so und nun kommts auf das elternhaus an. geht man im allgemeinen mit allem offen und locker um, dauert es nur eine kurze zeit (zeit ist relativ) und sie kommen aus dem selbstgewähten schneckenhaus wieder raus.
oder ist es ein elternhaus, in dem vieles bis alles tabuisiert ist und wird, kann es passieren, das sie nie wieder rauskommen.

blade (m)

bei jungens ist es wahrscheinlich noch extremer (warum braucht man da nicht erklären oder?) darum denke ich es ist "scham" dass kinder in der pupertät sich zurückziehen, mit was sonst sollte man es bezeichnen. und demnach gibt es dann auch die "natürliche" scham.
vielleicht unterbewußt und nicht als solche für einen selbst erkennbar.
aber doch vorhanden. und wenn das so ist dann ist es auch gut so.
lg jagstpaerchen (W)
@ jagstpärchen

das erste denken ist richtig, der mensch wird ohne scham geboren, genausowie ohne angst,, angst ensteht später durch nagativ erlebnisse.
das sich der hormonhaushalt während der pubertät drastisch verändert, ist ja bekannt, warum und wieso sich dann junge menschen zurückziehen von dem was vorher war, kann ich nicht so erklären, (dazu fehlt mir die kenntnis und das fachwissen) könnte man aber googlen, zB. *g* konnte ich bei meiner tochter, die ebenso frei und offen aufgewachsen ist,, fkk vom säuglings alter an. auch bei ihr war eine leichtes (wenn auch nur kurze zeit) zurückziehen zu beobachten. welches sich aber recht schnell wieder gelegt hat.

dachte ich auch immer, der mensch wird ohne das gefühl der scham geboren, aber inzwischen denke ich ein bischen anders,
meine kinder wurden allesamt offen erzogen, sprich sie gingen von klein an mit in die sauna und zum fkk.
aber bei jedem meiner kinder machte ich ab einem bestimmten alter (pupertät) die erfahrung dass sie plötzlich nicht mehr in die sauna mitwollten und auch nicht mehr zum fkk. dass sie plötzlich die badezimmer türe abschlossen, und auch nicht mehr gerne nackt durch die wohnung liefen, nach 2 bis 3 jahren verlief sich das wieder, so dass sie ab 17 keine probleme mehr damit hatten in die sauna oder zum fkk zu gehn und auch die badezimmertüre blieb wieder offen.
erscheint also während der pupertät doch eine angeborene scham??
weil sich der körper verändert usw?
lg jagstpaerchen (W)
scham

Ich wünschte also, die besonders Schamlosen würden zu ihren Wurzeln zurückkehren und mir die Zurschaustellung ihres Elends ersparen:

man sollte bedenken, das der mensch bei der geburt keine scham besitzt.
diese wird uns dann später von der gesellschaft und den moral aposteln auferlegt.
also ist der begriff: back to the roots nicht angebracht.

Wer kein Wichser ist, ist höchstwahrscheinlich ein lügner!
gvn till
bjutifool

...und ich hätte mich gefreut deine tatsächliche Meinung zu dem von dir gewünschten Thema zu lesen, anstatt eine Abwertung der hier getexteten Meinungäußerungen.
Meckern ist einfach....
und übrigens gab es was zu lesen zu dem Thema...

  • Neu hier? Kein Problem!
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