Die Antibabypille, im allgemeinen Sprachgebrauch meist kurz und knapp "Pille" genannt, hat sich seit den 1960er Jahren zum am häufigsten verwendeten Schwangerschaftsverhütungsmittel in den Industrienationen entwickelt. Und das nicht ohne Grund, gilt das oral einzunehmende Hormonpräparat doch gemeinhin als eines der sichersten Mittel gegen eine unerwünschte Empfängnis – freilich nur bei korrekter Anwendung. In diesem Jahr wurde das Verhütungsmittel 50. Grund genug, die Pille einmal ins Rampenlicht zu rücken.

Wie funktioniert die Pille?
- Wer erfand die Pille?
- Wie funktioniert die Pille?
Anwendung, Nebenwirkungen und Pillenarten
- Wogegen hilft die Pille?
- Welche Nebenwirkungen hat die Pille?
- Welche Pillenarten gibt es?
- Verursacht die Pille Krebs?
Die Pille gestern und heute
- Welche gesellschaftlichen Folgen hatte die Pille?
- Wie beliebt ist die Pille in Deutschland?
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Wer erfand die Pille?
Schon früh formulierte der österreichische Physiologe und Hormonforscher Ludwig Haberlandt die Grundidee der Pille. Und zwar anhand einer Art Parkplatzgleichnis, das ungefähr so klang: "Wenn man nicht will, dass ein Auto auf einen bereits belegten Parkplatz fährt, muss man ihm einfach den Weg versperren." Und seiner Meinung nach musste es im weiblichen Körper genauso funktionieren. Dabei war ihm klar, dass seine geliebten Hormone keinem Spermium den Weg zur Eizelle versperren könnten, ABER sie könnten zumindest dafür sorgen, dass der Weg für das Spermium in die Gebärmutter nicht passierbar wird.
Dieser Ansatz wurde durch die Arbeiten englischer und französischer Forscher noch untermauert, fanden diese bei der Analyse der Geschlechtshormone doch heraus, dass spezielle Hormone aus dem sogenannten Gelbkörper, der während des Eisprungs einer Eizelle bei Säugetieren ausgebildet wird, den Schleim auf dem Weg zur Gebärmutter verhärten und damit weitere Eisprünge und Schwangerschaften verhindern.
Im Jahr 1921 publizierte Haberlandt sein schlussendliches Konzept einer oralen hormonellen Empfängnisverhütung. Doch praktisch umsetzen konnte er seine Forschungsansätze bis zu seinem Tod im Jahre 1932 nicht mehr. Auch weil er für seine Pläne zur Empfängnisverhütung harsch kritisiert wurde, versündigte er sich doch gegen das ungeborene Leben. Und auch die Wissenschaft war noch nicht bereit für seine Ideen, denn Hormone künstlich herzustellen, um sie dann verabreichen zu können, vermochte man damals noch nicht.
Dies gelang erst 1951, als die Chemiker Carl Djerassi und Luis E. Miramontes im Auftrag des Pharmazieunternehmens "Syntex" mit Norethisteron das erste synthetische Gelbkörperhormon herstellen konnten. Frank Colton erzeugte mit Norethynodrel unmittelbar darauf ein zweites.
Diese Fortschritte bildeten die Grundlage für Gregory Pincus und John Rock, die, angetrieben von den Geburtenkontrollenideen der Frauenrechtlerin Margaret Sanger und finanziell unterstützt durch die Millionärin Katherine McCormick, 1957 "Enovid" entwickelten, das von dem Pharmaunternehmen "Searle" als Präparat gegen Menstruationsbeschwerden vermarktet wurde. Die empfängnisverhütende "Nebenwirkung" versteckte man in einem Nebensatz. Dies musste geschehen, da ein Mittel gegen Empfängnisverhütung nicht mit den damaligen Moralvorstellungen harmonierte, sahen die Hüter der damaligen Moral in der Pille doch nach wie vor nicht mehr als einen Freifahrtschein für ein zügelloses Sexualleben.
"Envoid" wurde am 23. Juni 1960 durch die amerikanische Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (FDA) zugelassen und am 18. August des gleichen Jahres kam "Enovid" in den Vereinigten Staaten als erste Antibabypille auf den Markt. 1961 brachte die Berliner Schering AG mit "Anovlar" zuerst in Australien, dann auch in Deutschland eine Antibabypille auf den Markt.
Zurzeit nutzen schätzungsweise 120 Millionen Frauen weltweit die Chance, ihr Leben mithilfe der Antibabypille ohne Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft zu gestalten.
Wie funktioniert die Pille?
Würde man das grundlegende Wirkprinzip der Pille salopp zusammenfassen, müsste man von einer Hormonbombe sprechen, die den weiblichen Hormonhaushalt so durcheinander wirbelt, dass dem weiblichen Körper vorgegaukelt wird, er sei schwanger. Wie kommt das?

Der Körper der Frau stellt beständig selbst die beiden Hormone Östrogen und Gestagen her. Östrogen fördert in geringen Mengen die Eireifung und den Eisprung und damit die Empfängnisbereitschaft. Sobald die Frau schwanger ist, produziert ihr Körper einen Überschuss an Östrogen. Dieser hemmt in der Gebärmutter die Eireifung und im Zusammenspiel mit dem ebenfalls im Überschuss produzierten Gestagen wird der Hirnanhangsdrüse eine Schwangerschaft "angezeigt". Daraufhin schüttet die Hirnanhangsdrüse nicht mehr den Botenstoff aus, den es braucht, um einen Eisprung (die Ovulation) auszulösen. Und ohne Eisprung kann keine weitere Eizelle befruchtet werden.
So wird bei einer natürlichen Schwangerschaft ein weiterer Eisprung verhindert und dem Embryo die Möglichkeit gegeben, in aller Ruhe heranzuwachsen. Gestagene fördern diesen Zustand noch, denn ein hohes Aufkommen dieser Hormone verdickt den Schleim im Muttermund und macht den Weg in Richtung Gebärmutter für Spermien und eventuelle weitere befruchtete Eizellen unpassierbar.
Die Pille macht sich diesen natürlichen Effekt zunutze, führt dem Körper einen Überschuss an Östrogen und Gestagen zu und täuscht somit eine Schwangerschaft vor. Und das an 21 Tagen im Monat. Bekommt der Körper in der Pillenpause nicht mehr diesen Hormonüberschuss zugeführt, kann er den Gebärmutterschleim nicht mehr halten und es setzt die Regelblutung ein.

Diese wird von Fachleuten als "Pseudomenstruation" oder "Entzugsblutung" bezeichnet. Denn die Entwickler der Pille nahmen an, dass Frauen ein Verhütungsmittel, das keine oder nur seltene Blutungen auslöst, als unnatürlich empfänden. Darum ahmte man durch die siebentätige Pillenpause die Natur nach. Bei vielen Frauen wird die Regelblutung durch die Pilleneinnahme schwächer und manche Frauen setzen inzwischen auch auf den so genannten Langzeitzyklus. Dabei wird die Pille durchgehend genommen und es kommt zu keiner Entzugsblutung mehr.
Fassen wir zusammen:
Die Pille verhindert eine Schwangerschaft, indem sie über ein Übermaß an Gestagen den Gebärmutterhalsschleim so verdickt, dass Sperma am Eindringen gehindert wird und so keine Befruchtung einer reifen Eizelle im Eierstock stattfinden kann. Des Weiteren verhindert die Östrogenzufuhr in hohen Mengen die Eireifung und den Eisprung/Follikelsprung. Und solange kein Ei aus den Eierstöcken freikommt, kann auch keines befruchtet werden. Doch das ist nicht alles, denn der Hormoncocktail der Pille verhindert zudem, dass die Gebärmutterschleimhaut vollends ausgebildet wird, weshalb das Einnisten einer eventuell doch befruchteten Eizelle ziemlich unwahrscheinlich wird.
Diese Dreifachwirkung ist dann auch der Grund dafür, dass die Pille im Pearl Index (misst die Zuverlässigkeit von Empfängnisverhütungsmethoden und gibt an, wie viele von 100 sexuell aktiven Frauen innerhalb eines Jahres schwanger werden, obwohl sie über das Jahr mit einer bestimmten Verhütungsmethode verhüten.) mit den niedrigen Werten 0,1 bis 0,9 zu Buche schlägt.
- 1. Teil: Wie funktioniert die Pille?
- 2. Teil: Anwendung, Nebenwirkungen und Pillenarten
- 3. Teil: Die Pille gestern und heute






