29.12.2010

Wie funktioniert die Pille?

Die Antibabypille täuscht dem weiblichen Körper eine Schwangerschaft vor.

Die Antibabypille, im allgemeinen Sprachgebrauch meist kurz und knapp "Pille" genannt, hat sich seit den 1960er Jahren zum am häufigsten verwendeten Schwangerschaftsverhütungsmittel in den Industrienationen entwickelt. Und das nicht ohne Grund, gilt das oral einzunehmende Hormonpräparat doch gemeinhin als eines der sichersten Mittel gegen eine unerwünschte Empfängnis – freilich nur bei korrekter Anwendung. In diesem Jahr wurde das Verhütungsmittel 50. Grund genug, die Pille einmal ins Rampenlicht zu rücken.

Die Pille, eines der sichersten Mittel gegen die Empfängnis
Die Pille, eines der sichersten Mittel gegen die Empfängnis

Wer erfand die Pille?

Schon früh formulierte der österreichische Physiologe und Hormonforscher Ludwig Haberlandt die Grundidee der Pille. Und zwar anhand einer Art Parkplatzgleichnis, das ungefähr so klang: "Wenn man nicht will, dass ein Auto auf einen bereits belegten Parkplatz fährt, muss man ihm einfach den Weg versperren." Und seiner Meinung nach musste es im weiblichen Körper genauso funktionieren. Dabei war ihm klar, dass seine geliebten Hormone keinem Spermium den Weg zur Eizelle versperren könnten, ABER sie könnten zumindest dafür sorgen, dass der Weg für das Spermium in die Gebärmutter nicht passierbar wird.

Der Einnahmezyklus der Pille wird überall anders geregelt. Hier mal in Kunterbunt ...
Der Einnahmezyklus der Pille wird überall anders geregelt. Hier mal in Kunterbunt ...

Dieser Ansatz wurde durch die Arbeiten englischer und französischer Forscher noch untermauert, fanden diese bei der Analyse der Geschlechtshormone doch heraus, dass spezielle Hormone aus dem sogenannten Gelbkörper, der während des Eisprungs einer Eizelle bei Säugetieren ausgebildet wird, den Schleim auf dem Weg zur Gebärmutter verhärten und damit weitere Eisprünge und Schwangerschaften verhindern.

Im Jahr 1921 publizierte Haberlandt sein schlussendliches Konzept einer oralen hormonellen Empfängnisverhütung. Doch praktisch umsetzen konnte er seine Forschungsansätze bis zu seinem Tod im Jahre 1932 nicht mehr. Auch weil er für seine Pläne zur Empfängnisverhütung harsch kritisiert wurde, versündigte er sich doch gegen das ungeborene Leben. Und auch die Wissenschaft war noch nicht bereit für seine Ideen, denn Hormone künstlich herzustellen, um sie dann verabreichen zu können, vermochte man damals noch nicht.

Dies gelang erst 1951, als die Chemiker Carl Djerassi und Luis E. Miramontes im Auftrag des Pharmazieunternehmens "Syntex" mit Norethisteron das erste synthetische Gelbkörperhormon herstellen konnten. Frank Colton erzeugte mit Norethynodrel unmittelbar darauf ein zweites.

... und hier mal etwas nüchterner.
... und hier mal etwas nüchterner.

Diese Fortschritte bildeten die Grundlage für Gregory Pincus und John Rock, die, angetrieben von den Geburtenkontrollenideen der Frauenrechtlerin Margaret Sanger und finanziell unterstützt durch die Millionärin Katherine McCormick, 1957 "Enovid" entwickelten, das von dem Pharmaunternehmen "Searle" als Präparat gegen Menstruationsbeschwerden vermarktet wurde. Die empfängnisverhütende "Nebenwirkung" versteckte man in einem Nebensatz. Dies musste geschehen, da ein Mittel gegen Empfängnisverhütung nicht mit den damaligen Moralvorstellungen harmonierte, sahen die Hüter der damaligen Moral in der Pille doch nach wie vor nicht mehr als einen Freifahrtschein für ein zügelloses Sexualleben.

"Envoid" wurde am 23. Juni 1960 durch die amerikanische Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (FDA) zugelassen und am 18. August des gleichen Jahres kam "Enovid" in den Vereinigten Staaten als erste Antibabypille auf den Markt. 1961 brachte die Berliner Schering AG mit "Anovlar" zuerst in Australien, dann auch in Deutschland eine Antibabypille auf den Markt.

Zurzeit nutzen schätzungsweise 120 Millionen Frauen weltweit die Chance, ihr Leben mithilfe der Antibabypille ohne Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft zu gestalten.

Wie funktioniert die Pille?

Würde man das grundlegende Wirkprinzip der Pille salopp zusammenfassen, müsste man von einer Hormonbombe sprechen, die den weiblichen Hormonhaushalt so durcheinander wirbelt, dass dem weiblichen Körper vorgegaukelt wird, er sei schwanger. Wie kommt das?

Die Pille soll "Überraschungen" verhindern ...
Die Pille soll "Überraschungen" verhindern ...

Der Körper der Frau stellt beständig selbst die beiden Hormone Östrogen und Gestagen her. Östrogen fördert in geringen Mengen die Eireifung und den Eisprung und damit die Empfängnisbereitschaft. Sobald die Frau schwanger ist, produziert ihr Körper einen Überschuss an Östrogen. Dieser hemmt in der Gebärmutter die Eireifung und im Zusammenspiel mit dem ebenfalls im Überschuss produzierten Gestagen wird der Hirnanhangsdrüse eine Schwangerschaft "angezeigt". Daraufhin schüttet die Hirnanhangsdrüse nicht mehr den Botenstoff aus, den es braucht, um einen Eisprung (die Ovulation) auszulösen. Und ohne Eisprung kann keine weitere Eizelle befruchtet werden.

So wird bei einer natürlichen Schwangerschaft ein weiterer Eisprung verhindert und dem Embryo die Möglichkeit gegeben, in aller Ruhe heranzuwachsen. Gestagene fördern diesen Zustand noch, denn ein hohes Aufkommen dieser Hormone verdickt den Schleim im Muttermund und macht den Weg in Richtung Gebärmutter für Spermien und eventuelle weitere befruchtete Eizellen unpassierbar.

Die Pille macht sich diesen natürlichen Effekt zunutze, führt dem Körper einen Überschuss an Östrogen und Gestagen zu und täuscht somit eine Schwangerschaft vor. Und das an 21 Tagen im Monat. Bekommt der Körper in der Pillenpause nicht mehr diesen Hormonüberschuss zugeführt, kann er den Gebärmutterschleim nicht mehr halten und es setzt die Regelblutung ein.

... indem sie dem Körper eine Schwangerschaft vortäuscht.
... indem sie dem Körper eine Schwangerschaft vortäuscht.

Diese wird von Fachleuten als "Pseudomenstruation" oder "Entzugsblutung" bezeichnet. Denn die Entwickler der Pille nahmen an, dass Frauen ein Verhütungsmittel, das keine oder nur seltene Blutungen auslöst, als unnatürlich empfänden. Darum ahmte man durch die siebentätige Pillenpause die Natur nach. Bei vielen Frauen wird die Regelblutung durch die Pilleneinnahme schwächer und manche Frauen setzen inzwischen auch auf den so genannten Langzeitzyklus. Dabei wird die Pille durchgehend genommen und es kommt zu keiner Entzugsblutung mehr.

Fassen wir zusammen:
Die Pille verhindert eine Schwangerschaft, indem sie über ein Übermaß an Gestagen den Gebärmutterhalsschleim so verdickt, dass Sperma am Eindringen gehindert wird und so keine Befruchtung einer reifen Eizelle im Eierstock stattfinden kann. Des Weiteren verhindert die Östrogenzufuhr in hohen Mengen die Eireifung und den Eisprung/Follikelsprung. Und solange kein Ei aus den Eierstöcken freikommt, kann auch keines befruchtet werden. Doch das ist nicht alles, denn der Hormoncocktail der Pille verhindert zudem, dass die Gebärmutterschleimhaut vollends ausgebildet wird, weshalb das Einnisten einer eventuell doch befruchteten Eizelle ziemlich unwahrscheinlich wird.

Diese Dreifachwirkung ist dann auch der Grund dafür, dass die Pille im Pearl Index (misst die Zuverlässigkeit von Empfängnisverhütungsmethoden und gibt an, wie viele von 100 sexuell aktiven Frauen innerhalb eines Jahres schwanger werden, obwohl sie über das Jahr mit einer bestimmten Verhütungsmethode verhüten.) mit den niedrigen Werten 0,1 bis 0,9 zu Buche schlägt.

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Kommentare

Das stimmt alles

aber bitte erwarte nicht von einem Mädchen mit IQ 75, dass es die Wirkungsweise einer Pille verstehen kann. Leider darf man noch nicht mal erwarten, dass sie überhaupt an Kondome oder sonstige Möglichkeiten denkt, wenn der Trieb sich rührt. Und der rührt sich nicht nur, weil die Welt so offenherzig wurde. Wir dürfen nicht den Fehler begehen, aus unserer Sozialisation auf andere zu schließen. und das gilt nicht nur innerhalb unserer Gesellschaft, sondern vor allem auch in Drittländern.

Wir können nicht so tun, als ob es Problemeltern und natürlich auch Problemkinder nicht gäbe. Wir können nicht die Augen davor verschließen, dass unsere heile Welt Macken hat.

DAS würde ich auch nie bestreiten.

Aber wer sich heutzutage auch nicht aufgeklärt fühlt hatte: Nicht die Eltern die davor sorgten, war offenbar niemals in der Schule, kann weder lesen noch schreiben, sieht auch nicht fern.

Selbst das Fernsehen bietet Dokus in jeder Art und Forum über Sex und Sonstiges an.

Für mich zieht da eigentlich nicht das Argument das man sowas ja nicht wissen kann.

Aber vielleicht bin auch einfach von meinem eigenen Elternhaus verwöhnt. In meiner Familie, ob es nun Eltern oder Anverwandte waren, Sex war niemals ein Tabu. Es wurde freimütig darüber gesprochen und wer was wissen wollte bekam es Altersgerecht erklärt.

Deswegen versteh ich vielleicht auch die manchmal sensationelle Verklemmtheit heutzutage nicht. Auf der einen Seite springen einem die Nackten fast ins Gesicht, leuchten von Werbeplakaten und aus Zeitungen jeder Coleur, ich soll für alles Toleranz zeigen was so anders ist und das bitte akzepitieren, besser noch respektieren, aber wenns um Aufklärung geht drehen sie dann den Lichtschalter aus und lassen die Kinder im Dunkel stehen.

Ist mir unverständlich
Das habe ich doch nicht bestritten

ich habe doch nur zum Ausdruck gebracht, dass wir uns auf die Eltern nicht verlassen dürfen. Mittelschicht- und Oberschichteltern handeln nun mal in der Regel, wie immer gibt es Ausnahmen, ganz anders als Unterschichteltern (bitte akzeptiere diese vereinfachende Bezeichnung in diesem Rahmen). Wir können nicht so tun, als ob es Problemeltern und natürlich auch Problemkinder nicht gäbe. Wir können nicht die Augen davor verschließen, dass unsere heile Welt Macken hat.

Ich vermute, dass es nur ein Streit um Kaisers Bart wäre, denn ich bin sicher, dass wir das Gleiche meinen und auch wissen.

*bravo* Ganz meine Meinung!!!!!!

Swingerbayern

@fesselnd


Und ich hab auch einen Sohn. Einen verantwortungsbewußten der echt sogar weiß wie ein Mädchen funktioniert. Und was ein Verhütungsmittel bewirkt.

Mir ist klar das viele Eltern sich davor drücken ihre Kinder aufzuklären. Ich hatte so eine Nachbarin die wirklich der Meinung was das es Aufgabe der Schule wäre.

ICH sehe das anders. Mein Kind war meine Verantwortung. Und es fällt in meinen Bereich ihm auch mitzuteilen das Sex mehr ist als den Schnippi in die Muschi zu stecken. Das mehr hinter dem Wort Ficken steht als pure Geilheit und Kopf ausschalten.

Du kannst meinetwegen hundert Arbeiten darüber verfassen, davon ändere ich meine Meinung trotzdem nicht.

Aufklärung ist Elternarbeit. Wer sich davor drückt, aus welchen Gründen auch immer, der ist mitverantwortlich für alles was die Jugendlichen dann aus Leichtsinn und Übermut mit nach Hause bringen.

Z.b ein Kind!

Eltern sollten sich auch von Anfang an klar sein was auf sie zu kommt auch bei solchen Dingen!!! Auch ich habe eine Tochter von 12 Jahren und die weiß was wofür ist und ich weiß nicht was viele für so schwer halten mit ihren Kindern darüber zu sprechne!!!!
Toll

aber was, wenn die Eltern bei dieser Aufgabe versagen? Wenn sie schon gar nicht mehr damit klar kommen, wenn ihre Kinder pubertieren? Was nützen Erziehungsideale, die nicht erfüllt werden?

Ich habe zwei wissenschaftliche Arbeiten über Sexualerziehung verfasst, mir dürft Ihr ruhig abnehmen, dass ich mich mit der Materie auskenne. Und ich habe zwei Mädchen als Vater erlebt, weiß also auch als solcher, wovon ich rede. Und ich kenne beruflich auch die Seite, wo nur von der Straße erzogen wird.
@Amarinta

klasse es gibt noch Jemand der das Problem an der Wurzel erkannt hat!!!!! Es sind die Eltern nicht Zeitschriften, Lehrer oder Ärzte denen diese Aufgabe zu fällt!!!!!

@fesselnd

Wie kommst Du denn darauf das es Aufgabe der Bravo oder der Schule oder Sonstwem sein sollte seine Kinder aufzuklären?

DAS ist Aufgabe der Eltern! Und verantwortungsvolle Eltern machen das auch so. Die verlassen sich nicht darauf das die Bravo und Konsorten ihnen die vielleicht unangehneme Aufgabe abnehmen.

Und man kann sich immer wieder erschrecken wieviele Mädchen und Jungs zwar wissen wie man vögelt, aber nicht wissen wie ihr Körper funktioniert. Was es mit der Regel und der Pille auf sich hat.
Bravo

Trotz rückläufiger Auflagezahlen gibt es noch immer viele Mädchen, die die Bravo und ähnliche Zeitschriften lesen und somit eher zu viel als zu wenig informiert werden. Dazu kommt, dass in der Sexualerziehung Verhütungsmittel Thema sind.

Ich glaube also kaum, dass es an Aufklärungsversuchen mangelt, aber es ist zu bedenken, dass nicht alle verstehen, was man ihnen erklären will. Manche verstehen es deshalb nicht, weil sie kein Geld für Zeitschriften und keinen Bock auf Schule haben und in der entsprechenden Zeit Gewalt- und Pornovideos anschauen, oder ....

  • Neu hier? Kein Problem!
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