Weißfluss. Viele haben es schon mal gehört, doch nur wenige wissen, worum es sich bei dem Scheidensekret genau handelt. Oft schwirrt auch die Frage im Raum, ob Weißfluss denn gefährlich ist. Wir möchten uns dem weiblichen Ausfluss mal genauer widmen und haben eine Sexualberaterin gebeten, aufzuklären.

Prof. Dr. Ulrike Busch, Professur für Familienplanung an der Hochschule Merseburg, verdeutlicht, woher der Weißfluss kommt und wann Grund zur Besorgnis besteht.
Verunsicherung, was Weißfluss ist
"Ich hatte vor fast genau 2 Monaten das erste Mal meine Periode, aber bis jetzt nicht noch einmal! Und ich habe immer durchgehend Weißfluss! Stimmt da irgendwas nicht? Dankeschön". So oder ähnlich lauten viele Hilferufe junger Mädchen im Internet. Verunsicherungen den eigenen Körpersignalen gegenüber, die aber auch bei älteren Frauen zu hören sind.
Es ist tatsächlich so, dass einige Zeit vor der ersten Menstruation (sechs bis zwölf Monate, manchmal länger) die meisten Mädchen einen glasig-weißlichen Ausfluss bekommen. Mit diesem Weißfluss (Fluor albus) zeigt der Körper an, dass jetzt verstärkt Geschlechtshormone produziert werden. Diese Veränderungen können auch von Unterleibsschmerzen begleitet sein. Der Weißfluss kann mal flüssiger, mal eher dickflüssig, schleimig, leicht gelblich sein. Aber auch bei älteren Frauen ist ein wenig Ausfluss normal, wenn auch von Frau zu Frau und innerhalb des Zyklus sehr unterschiedlich in der Menge.
Woher kommt der Weißfluss und welche Funktion hat er?
Generell kann man also sagen, dass es sich um eine normale, ja sogar wichtige weibliche Körperfunktion handelt. Das Sekret besteht aus einer Flüssigkeit des Gebärmutterhalses und der Schleimhautzellen der Scheide. Es schützt die Vagina vor Krankheitserregern.

Die Schutzfunktion entsteht in erster Linie durch eine im Vaginalbereich typische große Anzahl an Milchsäurebakterien, die ein saures Milieu erzeugen und so Krankheitserreger an der Vermehrung hindern. Insofern ist das Sekret sogar ganz wichtig und sollte keinesfalls durch Intimsprays oder zu lange getragene Tampons zerstört werden. Das könnte zu Scheidenentzündungen oder Geschlechtskrankheiten führen.
Die Ausflussmenge ist individuell unterschiedlich und verändert sich auch im Laufe des Zyklus. Über mehr Ausfluss berichten Frauen kurz vor dem Eisprung, in der Zyklusmitte ebenso wie vor dem Einsetzen der Regel. Dies ist auf den Einfluss des weiblichen Sexualhormons Östrogen zurückzuführen. Anhand der Beschaffenheit des Scheidensekrets, eher flüssig oder zäh, können Frauen sogar in etwa erkennen, an welchem Zeitpunkt ihres Zyklus sie sich befinden. Auch Stress oder Erregung, natürlich auch freudige, kann zu vermehrtem Ausfluss führen. All dies ist nicht behandlungsbedürftig.
Dieser Ausfluss tritt meist über längere Zeiträume auf und ist keinesfalls zu verwechseln mit der sogenannten weiblichen Ejakulation der Frau – einer Freisetzung eines Sekrets bei intensivem Lusterleben. Und er ist ebenso nicht zu verwechseln mit der Scheidenfeuchtigkeit (Lubrikation), die Frauen bei sexueller Erregung verspüren und die durch ein Sekret erzeugt wird, das Drüsen am Scheideneingang absondern und das die Gleitfähigkeit des Penis auf natürliche Weise erhöht.
Wann besteht Grund zur Besorgnis?
Von dem o.g. normalen Weißfluss zu unterscheiden ist die Veränderung des Scheidenmilieus unter Stress, Östrogenmangel oder nach Einnahme bestimmter Medikamente (vor allem Antibiotika). Andere Bakterien vermehren sich stärker, die Milchsäurebakterien, die für das Scheidenmilieu so wichtig sind, nehmen erheblich ab. In der Folge können sich Krankheitserreger vermehren.
Erhöhter Ausfluss, Veränderung des Geruchs und der Farbe sind meist durch solche Veränderungen der Bakterienflora bedingt, können aber auch ein Anzeichen für eine Infektion sein. Der Ausfluss ist dann meist dunkler, riecht unangenehm oder reizt die Schamlippen, so dass sie jucken und es beim Wasserlassen brennt. Dann sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen. Diese Hinweise auf Infektionen müssen abgeklärt und behandelt werden. Vom Aussehen des Ausflusses kann der Arzt häufig schon auf den vorherrschenden Erreger schließen (z.B. weiß-gelblich, krümelig bei Candida; farblos, wässrig mit fischartigem Geruch bei Gardnerella vaginalis).
Was kann man machen?
Natürlich: Sobald es um diese infektiösen Formen des Ausflusses geht, sollten Mann und Frau zunächst vorsichtig mit dem Sex sein, denn hier besteht Ansteckungsgefahr. Ärztliche Diagnostik ist dringend erforderlich.

Solange es sich jedoch um den Weißfluss handelt, braucht man eigentlich nichts tun. Nur täglich den Slip wechseln oder wenn es gar zu unangenehm ist auch mal vorübergehend Slipeinlagen benutzen – eher keine Tampons.
Normale Hygiene mit Wasser und etwas sanfter Seife, auf keinen Fall Scheidenspülungen oder Intimsprays verwenden. Sie zerstören die natürliche Schutzfunktion des Scheidenmilieus.
Auch wenn es nicht so sexy klingt: Unterwäsche aus Baumwolle und Hosen, die im Schritt locker sitzen, sind hautfreundlich und atmungsaktiv und unterstützen ein gesundes Scheidenmilieu. Zumindest wenn der Ausfluss zu lästig wird, sollte frau dies für eine Weile beachten.
Hinderlich für den Sex ist der Weißfluss keinesfalls. Schließlich hat "Mutter Natur" ihn ja "gemacht". Wenn etwas hindert, dann spielt sich das im Kopf ab und hat mit unseren häufig übertriebenen Reinlichkeitsvorstellungen zu tun oder damit, wie Frauen ihre Vagina überhaupt wahrnehmen.







