Nicht nur dank den Büchern von Stephenie Meyer und den darauf basierenden, romantischen Teenie(emo)horrorstreifen "Twilight", "New Moon" und "Eclipse" sind Vampire wieder in aller Munde und Bestandteil diverser Teeniemädchenfantasien. Dass sogar unsere Sophie Andresky aufgrund der Verfilmungen ihre Liebe zu den reißzahnbewehrten Erotiksymbolen entdeckte, legt sie uns forfolgend dar und erläutert, warum Vampire die besseren Liebhaber sind.
- Inhaltsverzeichnis
- Bitte, bitte beiß mich! Warum Vampire die besseren Liebhaber sind
- Vampire nutzen ihren Mund auch zum Sprechen ...
- ... und Vampire wecken den Beschützerinstinkt in Frauen
- Hat der gemeine Vampir auch noch eine Bi-Neigung?
- Sind Vampire die neuen Boybands?
- Und wie wird man einen Vampir wieder los?
- Kommentare
Bitte, bitte beiß mich! Warum Vampire die besseren Liebhaber sind

Wenn man sich den derzeitigen Blutsauger-Hype so ansieht, dann fragt man sich ja schon, was an einem hühnerbrüstigen Robert Pattinson eigentlich so toll ist, dass selbst erwachsene Frauen ins Kino pilgern, um dabei zuzusehen, wie zwei Teenies in neunzig schwülstigen Minuten eben gerade keinen Sex miteinander haben.
Ich oute mich hiermit als eine von diesen Frauen, denn wenn ich es auch nicht ertrage, die klemmige, dünkelhafte und übrigens teilweise ziemlich rassistische Vampirsaga zu lesen (als Hörbuch habe ich es immerhin versucht), im Kino sehe ich mir das gern an.
Und das liegt daran, dass noch ein kleiner Rest von der eingeschüchterten, grenzhysterischen, ständig in Flammen stehenden Zwölfjährigen in mir ist.
Denn diese modernen Vampire, die nichts gemeinsam haben mit dem moderigen rumänischen Kriegstreiber in seinem verfallenen Karpatenschloss, bedienen ein Grundbedürfnis von uns Frauen: den Wunsch nach Intimität. Ficken kann jeder. Jeder, der weiß, wie er eine Erektion zustande kriegt, weiß auch, wie er abspritzt, das ist keine Kunst. Und für schwül schwärmende Zwölfjährige ist echter Sex sowieso indiskutabel.
Vampire nutzen ihren Mund auch zum Sprechen ...
Aber dieser keusche, tragikumflorte bleiche Jüngling, der nichts anderes macht, als seiner Freundin immer und immer und immer wieder zu erzählen, wie es in ihm aussieht, was er fühlt und wie sehr er sie begehrt, der schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Zum einen ist er überverbalisiert und reden ist ja eigentlich nicht gerade die Kernkompetenz von euch Jungs. Ob zwölf oder zweiundvierzig: Sprechen ist ganz schwierig. Und dann auch noch über Gefühle oder über Sex! Ganz heikles Thema, und ich meine hier nicht Dirty Talk, das geht schon, "kommkomm Babe du machst mich so hart", das könnt ihr, aber über Wünsche, Phantasien, Empfindungen, Ängste reden, da seid ihr plötzlich so stumm wie Beate Uhses Genusskeule (das Teil heißt wirklich so!) ohne Batterien.
Der Vampir aber labert sich den Wolf, der salbadert sich die Lippen über den spitzen Eckzähnen fransig - allerdings hatte er ja auch Jahrhundert Zeit für rhetorisches Training, und nachdem man sein Abendessen gesaugt hat, bleiben noch viele Stunden, um sich in kulturellen Dingen aller Art fortzubilden.
... und Vampire wecken den Beschützerinstinkt in Frauen
Zum anderen ist er tragisch und chronisch unglücklich, und so doof das von uns auch ist, wir Frauen haben doch alle irgendwie ein Krankenschwester-Syndrom. Wir glauben, dass wir die Männer retten können. Vor der Welt, dem Elend und vor allem vor sich selbst (und wenn wir sie, während wir sie erretten, gleichzeitig dazu kriegen, Sneakers gegen ordentliche Schuhe zu tauschen, sich die Achseln zu rasieren und endlich mal lecken zu lernen, ist das ein schöner Nebeneffekt).

Dahinter steckt allerdings (denn so edel sind wir nun auch nicht) neben aller Nächstenliebe die Vermutung, dass ein unglücklicher Mann irgendwie auch ein tiefsinniger Mann sein muss. Und das macht uns an, denn die meisten Männer haben den Tiefgang eines Ü-Eis und sind so vorhersehbar wie David Hasselhoff vor einer geöffneten Minibar. Deshalb sehen wir euch Männer so gern leiden, das ist wenigstens irgendeine Regung und zeigt, dass ihr nicht nur einen Bierdeckel in der Brust und das neueste Handy im Hirn habt.
Hat der gemeine Vampir auch noch eine Bi-Neigung?
Der andere Punkt ist die Körperlichkeit und das Androgyne. Der Blutsauger beißt Mädels wie Jungs (Ratten auch, wie wir in "Interview mit einem Vampir" erfahren haben, aber das ignorieren wir lieber), das ist schon ganz schön sexy. Dass in Pornofilmen immer, jedes mal, grundsätzlich lesbische Szenen zu sehen sind, aber nie schwule, liegt nämlich nicht daran, dass Frauen das nicht heiß fänden, wenn schöne Männer miteinander zu Gange sind, sondern dass diese Filme von Männern gemacht werden, die kollektiv die Rosette zusammenkneifen, wenn sich irgendwo ein scharfer Kerl nähert.
Der Vampir ist da viel entspannter, und dabei ist er selbst so künstlich und ätherisch wie eine Statue – ganz im Gegensatz zu seinem schottischen untoten Pendant, dem Highlander, der bis in die Neuzeit muskelbepackt, hippiehaarig und brunftdunstig unter seinem Rock durch die Unsterblichkeit stampft.
Sind Vampire die neuen Boybands?

All diese Vorzüge (die Essstörung mal ausgenommen) teilt der Vampir übrigens mit den Mitgliedern einer Boyband, denn auch die sind androgyn, asexuell, auf Mädchenthemen wie Gefühle und Sehnsucht festgenagelt und unerreichbar.
Leider fehlt ihnen der Tiefgang und außerdem singen sie eunuchig und zappeln die ganze Zeit, das macht vielleicht kleine Mädchen heiß, erwachsene Frauen aber nicht mehr - was mich zum x-ten Mal überlegen lässt, wieso Heteromänner eigentlich nicht tanzen können. Warum lernt ihr das bloß nicht? Frauen werden wuschig, wenn jemand sich gut bewegt, Tanzen können ist das Gleitmittel auf dem Weg zum nächsten Fick. Dank "Tanz der Vampire" wissen wir, dass Vampire natürlich auch auf dem Parkett perfekt sind.
Und wie wird man einen Vampir wieder los?

Ideal ist der Vampirlover schließlich auch bei Trennungen: Kein langwieriges Gesülze, keine Erklärungen, Geschrei, Dramen oder Inszenierungen. Einfach den Sargdeckel anheben, den Knoblauchdöner auspacken oder ein schickes Kreuz über dem Busen tragen und schon verkrümelt sich der Ex ins Nirvana.
Was sich in einem anderen, irdischen Nirvana, nämlich dem Landleben, so alles abspielt, wieso Heuhaufen mitnichten ein toller Ort für Sex sind und wieso Rammler eigentlich Rammler heißen, dazu mehr in der nächsten Kolumne.



