Sich zu trauen, über Sex zu reden, erfordert für viele schon eine gehörige Portion Mut. Auch wenn die Erfahrung zeigt, dass viele Wünsche, endlich ausgesprochen, durchaus auch Erfüllung finden, heißt das leider nicht, dass es das immer so ist. Doch wie geht man nun damit um?
So kalt es auch klingen mag: Manchmal muss man in einer Beziehung auch bestimmte Dinge verhandeln. Das denkt zumindest unsere Autorin Silke Maschinger. Dabei sollte es natürlich nicht darum gehen, den anderen möglichst gewinnbringend "abzuzocken", sondern dass beide mit der Lösung zufrieden sind. Verhandeln lernt man leider nicht in der Schule, deswegen fehlen einem oft die Ideen, wie man da vorgehen könnte. Welche Möglichkeiten gibt es also? Nicht immer ist jede Lösung für jede Situation passend. Aber wer weiß, dass es mehr gibt als "entweder-oder", hat viel mehr Chancen, die Wünsche beider Partner zusammenzubringen.
- Inhaltsverzeichnis
- Ausgleich von Geben und Nehmen im Sexleben ist wichtig
- Die "entweder-oder" Falle als Bremsblock fürs Liebesleben?!
- Eine Lösung: der "sowohl als auch" Ansatz
- Ein weiterer Lösungsansatz: Das unbekannte Dritte
- Interessen anstatt Positionen
- Schritt für Schritt zur Problemlösung
- Gute Ergebnisse brauchen ihre Zeit
- Kommentare
Ausgleich von Geben und Nehmen im Sexleben ist wichtig

Grundsätzlich ist natürlich wichtig, dass beide daran interessiert sind, miteinander zu verhandeln. Wenn ein Part keinerlei Interesse daran hat, ist eine Verhandlung nicht möglich. Vielleicht findest du es unpassend, von Verhandeln zu sprechen, schließlich geht es hier ja um Liebe und Leidenschaft. Doch in einer Beziehung geht es auch um einen Ausgleich von Geben und Nehmen.
Bei manchen funktioniert das einfach so, ohne dass darüber gesprochen werden muss. Doch wenn einer das Gefühl hat, immer nur zu geben, wird er irgendwann nichts mehr geben, weil er sich verausgabt hat. Dabei muss nicht immer eine Stunde Massage mit einer Stunde Massage "bezahlt" werden. Natürlich gibt es auch Phasen, in denen ist mal der eine, mal der andere gebefreudiger als der andere. Doch im Grossen und Ganzen muss es ausgeglichen sein, sonst gerät die Beziehung in eine Schieflage.
Das Thema Ausgleich ist in jeder Beziehung vorhanden, deswegen hilft es, es auch direkt anzusprechen. Bekommen beide genug? Oder sind in bestimmten Bereichen Defizite offen, die es auszugleichen gilt?
Die "entweder-oder" Falle als Bremsblock fürs Liebesleben?!
Die Situation steckt fest: sie möchte kuscheln, aber er möchte endlich mal wieder vögeln. Wenn beide jetzt dickköpfig bei ihrer Position bleiben, wird vermutlich zwischen den beiden gar nix passieren. Denn sie will erst vögeln, wenn sie genug gekuschelt hat. Und er will erst kuscheln, wenn er seinen "Druck" losgeworden ist. Beide haben sich in der "entweder-oder"-Falle verstrickt.

Nur eines scheint möglich, aber einer von beiden will immer nicht. Im günstigen Falle passen die Bedürfnisse in der konkreten Situation nicht zusammen. Manchmal entsteht dann jedoch ein Bestrafungsmechanismus (mal mehr, mal weniger bewusst): Wenn du nicht mit mir …, dann … ich nicht mit Dir!
Das ist dann eine Drohung und das führt dazu, dass darauf mit einer Verteidigung oder Gegenstrafe reagiert wird: "Wenn Du keinen Sex mit mir hast, dann bestrafe ich Dich mit Nichtachtung." Diese Variante führt im Kleinen meist zu einer Blockade, doch in bestimmten Situationen muss man sie manchmal auch gezielt einsetzen. (Dazu mehr in meinem nächsten Artikel.)
Eine Lösung: der "sowohl als auch" Ansatz
Eine andere Lösung wäre ganz einfach beides zu tun. Sowohl zu kuscheln, als auch miteinander Sex zu haben. Das kann bedeuten, dass man erst kuschelt und dann vögelt. Oder Kuschelsex macht. Oder abwechselnd kuschelt und vögelt! Oder heute vögeln und morgen kuscheln.
Diese Variante funktioniert am besten, wenn beide bereit sind, dem anderen zu liebe etwas zu tun, auch wenn sie vielleicht nicht ganz zu 100% dahinterstehen. Aber sie möchten es tun, weil sie dem Partner etwas geben möchten.
Ein weiterer Lösungsansatz: Das unbekannte Dritte

Bei zwei Auswahlmöglichkeiten vergisst man leicht, dass es mehr als die beiden Alternativen gibt. Man macht also weder das eine noch das andere, sondern etwas anderes, Drittes, an das man vielleicht noch nicht gedacht hat. Manchmal muss man auch danach forschen, was das Gemeinsame sein könnte. Ist es in diesem Moment vielleicht sinnvoller zusammen zu kochen? Oder einen Spaziergang zu machen? Oder einfach eine Partnermassage?
Oder sie machen erstmal etwas getrennt: Vielleicht sollte er eine kleine Runde joggen gehen und sie eine Runde schlafen, damit beide dann hinterher zusammenkommen können?
Wichtig ist, genau nachzufragen: was bedeutet kuscheln für sie? Und was Sex für ihn? Wie soll das aussehen? Vielleicht ist sie erschöpft und kann nicht viel Energie aufbringen und denkt, er will eine hemmungslose Sexorgie mit ihr?
Interessen anstatt Positionen
Vielleicht geht es hier beiden darum, in Verbindung zu kommen, beide haben aber unterschiedliche Wege? Es gibt ein recht bekanntes Verhandlungsmodell, das Harvard-Konzept. Es unterscheidet zwischen den Positionen und den Interessen. Im obigen Fall sind die Positionen klar: sie will kuscheln, er will Sex.
Doch was verbinden die beiden damit eigentlich? Wenn sie nur kuscheln will, liegt das daran, dass sie einfach Ruhe braucht? Oder hat sie generell keine Lust auf Sex mit ihrem Partner, weil ihr etwas Grundlegendes fehlt? Und was ist mit ihm? Hat er es einfach nur "nötig"? Oder möchte er Sex mit ihr, weil er sie liebt und seine Liebe dadurch ausdrücken möchte? Die Interessen, die hinter einer Position stehen, bieten also die Möglichkeit, sich einander anzunähern oder den Konflikt klar zu lösen.
Und vielleicht stellt sich heraus, dass für sie das Kuscheln Nähe und Verbindung bedeutet, er stellt Verbindung durch Sex her. Und wer erstmal weiß, was den anderen bewegt und warum er/sie etwas Bestimmtes möchte, lässt sich viel leichter darauf ein.
Schritt für Schritt zur Problemlösung

Eine weitere Alternative zu "entweder-oder" ist es, nur einen Teil davon zu verwirklichen, oder den ersten Schritt zu gehen und dann neu zu entscheiden, in welche Richtung es gehen soll.
Wenn Du zum Beispiel deine Partnerin/Deinen Partner ermuntern möchtest, Partnertausch zu machen, solltest du überlegen, was ein erster Schritt sein könnte. Vielleicht ist es ein erster gemeinsamer Besuch im Swingerclub, ohne dass etwas mit anderen passiert. Oder wenn Du deinen Partner zu einem Tantra-Seminar mitnehmen möchtest, vielleicht gibt es erstmal einen kleinen Einführungsabend oder einen Vortrag zum Thema?
Gute Ergebnisse brauchen ihre Zeit
Verhandlungen sind nicht immer lustig, meist sind sie eher zäh und man braucht viel Geduld, um zu einer Lösung zu kommen. Je tiefgreifender eine Veränderung ist, umso mehr müssen beide Partner sich intensiv damit auseinandersetzen. Und das kann manchmal länger dauern, als man so denkt oder sich wünscht.
Doch wenn beide bereit sind, an sich und den unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen zu arbeiten, dann stehen die Chancen recht gut, für beide Seiten eine - im wahrsten Sinne des Wortes – befriedigende Lösung zu finden




