Das breite und interessante Themenfeld "Sex und Schmerzen" soll in diesem und zwei folgenden Artikeln in Augenschein genommen werden: "Schmerz lass nach", sagt der Volksmund und weist darauf hin, dass Schmerzen eher nichts Gutes zu bedeuten haben, oder etwa doch? "Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!" (F. Nietzsche) "Schmerz und Freude liegt in einer Schale, ihre Mischung ist der Menschen Los" (J.G. Seume)
Zumindest einig kann man sich in einem Punkt sein: Am Schmerz scheiden sich die Geister. Graciella möchte zunächst dem unerwünschten Schmerz beim Sex zu Leibe rücken.

Schmerz: Versuch einer Definition
Für Schmerz gibt es keine allgemeingültige Definition, denn Schmerz ist sehr individuell und subjektiv. Was dem einen noch gefallen mag, löst beim anderen bereits unangenehme Gefühle aus, so dass uns nur diese Definition bleibt:
Schmerz ist das, was jeder einzelne Mensch als solchen empfindet. Diese Empfindung wird als komplexes Geschehen aus physischen, psychischen und sozialen Faktoren verstanden, sprich, Schmerz ist von vielen Faktoren abhängig und den einen Schmerz gibt es nicht, auch in Schlafzimmern nicht.

Es gibt akuten und chronischen, körperlichen und seelischen, physiologischen und neuropathischen Schmerz. Man kann ihn menschheitsgeschichtlich, kulturell, sozial, medizinisch, volkswirtschaftlich oder religiös untersuchen. Es gibt mindestens fünf Theorien rund um den Schmerz. Es gibt Schmerzen, die von innen kommen und Schmerzen, die von außen zugefügt werden, stechende, dumpfe, brennende, punktuelle, großflächige, statische, wandernde, starke, schwache, große, kleine. Doch darum soll es hier nicht gehen, denn nicht die Analyse von Schmerz soll im Zentrum stehen, sondern der Schmerz im Zusammenhang mit Sexualität und Schmerz in den Schlafzimmern, zwischen Lust und Frust.
Schmerzen und Sex - einige Ausprägungen
Sabines neuer Partner ist ein sehr leidenschaftlicher Mann mit passabler Mannespracht. Gerne nimmt er sie hart und dringt dabei tief in sie ein. Seit Sabine mit Hendrick zusammen ist, spürt sie des Öfteren ein heftiges Ziehen im Unterbauch und manchmal blutet es auch. Diese Beschwerden sind sehr unangenehm. Sie kann diesen Schmerzen nichts abgewinnen.
Hendrick knabbert beim Vorspiel häufig an Sabines Unterlippe. Dabei kann es sogar passieren, dass er sie leicht beißt, doch das macht ihr nichts aus. Auch nicht, wenn er ihre Brustwarzen bis zur Schmerzgrenze zwirbelt oder ihr beim Orgasmus leicht in den Nacken beißt. Sie mag diese Liebesbisse, wie sie sie nennt.
Ganz anders war es mit dem Typen, mit dem sie vorher zusammen war. Ein Mann, der Erfahrungen mit BDSM hatte und meinte, ihr während des Sexes auf den Po hauen zu müssen. Sabine konnte dem ganz und gar nichts abgewinnen. Entweder musste sie lachen, weil diese Popoklatscher ihr so lächerlich, so gewollt, so aufgesetzt vorkamen, oder sie hätte sich am liebsten während des Aktes umgedreht und hätte ihrem Lover eine geballert. In jedem Fall empfand sie diese Schmerzspiele einfach nur abtörnend. Lust durch Schmerzen? Nichts für Sabine.
Ganz anders hingegen eine Freundin von Sabine. Sie lässt sich gerne fesseln und spanken und findet das ganz klasse, was wiederum Sabine nicht nachvollziehen kann. Doch der Reihe nach und damit zum ersten Absatz dieser Fallbeispiele:
Unerwünschter Schmerz beim Sex
Akute Schmerzen können als Warnsignal des Körpers verstanden werden. Er dient der Lebenserhaltung, der Achtsamkeit, als Schutz oder zur Ruhigstellung. Gerade beim Sex kommt dem Schmerz häufig eine unerwünschte Rolle zu, sowohl bei der Frau, als auch beim Mann.
Der Kavaliersschmerz - harmlos und unbedenklich

Zu den harmlosen Schmerzen bei Mann und Frau während des Geschlechtsverkehrs zählen die sogenannten "Bräutigamsschmerzen" oder "Kavaliersschmerzen". Sie treten bei Männern dann auf, wenn sie lange Zeit sexuell inaktiv waren oder sie ihren eigenen Orgasmus zugunsten der Frau lange hinauszögern, wenn sie mit ihr zusammen zum Höhepunkt kommen wollen, oder ihr gar mehrere Orgasmen bescheren wollen. Auch findet sich dieses Phänomen häufig als sogenanntes "Flitterwochensyndrom" wieder.
Dann kommt es zu einem Ziehen in den Hoden, der als Spannungsschmerz empfunden wird. Da dieser Zustand aufgrund des verstärkten Bluteinstroms ab und an mit einer bläulichen Verfärbung der Hoden einhergeht, spricht man im englischen auch von "blue balls". In diesem Zustand können die Hoden um bis zu 50% anschwellen. Im Grunde genommen sind diese "Abstinenzschmerzen" nicht weiter schlimm, doch für manchen Mann unter Umständen sehr beunruhigend, insbesondere dann, wenn diese Schmerzen auch ohne Sexualität - beispielsweise bei der Morgenerektion - auftreten, weil dann die Gefahr besteht, jegliche Erektion mit "Schmerz" in Verbindung zu bringen.
Sollte es aufgrund dieser Schmerzen zu Beeinträchtigungen kommen, sucht einen Arzt auf (Urologen), insbesondere wenn die Beschwerden länger anhalten oder die Blutabflussstörung von Dauer ist.
Ähnliches gibt es auch bei Frauen, wenn die sexuelle Erregung sehr lange anhielt, aber kein Orgasmus erreicht wurde. Die Frauen beschreiben das dann als unangenehmes bis schmerzhaftes Ziehen im Unterleib, das aber bald wieder verschwindet.
Schmerzen an Geschlechtsorganen

Andere Schmerzen und Missempfindungen an den Sexualorganen unabhängig vom Geschlechtsverkehr gehen meist einher mit Muskelentspannungen (Cremaster-, Leisten-, Becken- oder Lendenmuskel sowie der Blasenschließmuskel) oder sind bei beiden Geschlechtern mit Krankheiten assoziiert. In jedem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden, wenn diese Symptome auftreten:
- Brennen beim Wasserlassen
- Ungewöhnliche Rötung der Geschlechtsteile
- Jucken an den Geschlechtsteilen
- Veränderter Ausfluss aus der Scheide oder dem Penis
- Lang anhaltende Schmerzen im Genitalbereich oder im Unterbauch auch unabhängig von Sexualität
- Hautveränderungen wie entzündete Stellen, Schuppen, Pusteln, Pickel, Warzen etc. oder Geschwüre an Glied, Scheide, After
- Geschwollene Lymphknoten in der Leistenbeuge
Verursacher unerwünschter Schmerzen beim Sex
Sowohl Männer als auch Frauen klagen ab und an über Schmerzen bei der schönsten Nebenbeschäftigung der Welt. Viele unangenehme Körperempfindungen und Schmerzen sind vermeidbar, wenn Sexualpartner umsichtiger und achtsamer miteinander umgehen und über ihre Missempfindungen reden. Hier die Top 9 der häufigsten Schmerzverursacher bei Mann und Frau während dem Sex.
1. Zu schneller, heftiger Sex
2. Dumpfe Stöße auf den Gebärmutterhals durch zu tiefes Eindringen
3. Eindringen, ohne dass die Frau feucht ist (verminderte Lubrikation)
4. Trockene Scheide beim Eindringen mit einem Kondom
5. Zu grober Handjob (z.B. Einreißen der Vorhaut)
6. Blowjob mit den Zähnen
7. Schmerzen bei bestimmten Stellungen
8. Vaginismus (Verkrampfung der Scheidenmuskulatur bei der Frau)
9. Psychische Gründe, die hier aber nicht näher beschrieben werden sollen
Im nächsten Artikel wird sich alles um die Kunst des erotischen Schmerzes, den Lustschmerz, drehen.
Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kavaliersschmerzen
MANN
http://www.netdoktor.de/Symptome/Schmerzen-beim-Geschlechtsverk-3636.html
http://www.tk.de/tk/symptome-a-bis-z/s/schmerzen-geschlechtsverkehr-mann/155442
FRAU
http://leben.freenet.de/gesundheit/sexualitaet/schmerzen-beim-sex-ursachen-und-therapien_759738_533130.html
http://www.brigitte.de/gesund/gesundheit/spass-sex-521400/





