Telefonsex ist das Thema, mit dem sich Sophie Andresky diesmal eingehender beschäftigt. Warum es erlaubt ist, beim Telefonsex zu lügen, wieso kleine Absprachen im Vorfeld helfen und was ein Klitföhner ist, erfahrt ihr hier …
Frauen lieben Telefonsex!
Die gute Nachricht zuerst, und in diesem Zusammenhang ist es mal eine gute Nachricht: Wir Frauen reden gern. Die noch bessere Nachricht gleich hinterher: Wir reden auch gern über Sex. Und das ist überhaupt die allerbeste Nachricht: Sagenhafte 34 % aller Frauen, so stellte sich in einer Umfrage heraus, würden gern Telefonsex haben.
Kein Wunder, denn Telefonieren ist eine extrem intime Situation, und das lieben wir. Außerdem schätzen wir es, wenn der Mann sich mit uns beschäftigt, und zwar gern auch, wenn er gerade gar nicht leibhaftig anwesend ist. Jungs, kümmert euch, bemüht euch, huldigt uns. Und unserer Klitoris. Denn hat die gute Laune, verhält sich auch ihre Besitzerin viel weniger zickig. Mit einer Kombination aus Cunnilingus, Schokolade, Fußmassage und Lobpreisungen kriegt man mich zu fast allem, aber das ist ein anderes Thema.
Das Problem beim Telefonsex: Es muss geredet werden …
Ich nenne es Ohrensex, und damit meine ich nicht irgendwelche merkwürdigen Besamungspraktiken wie in japanischen Pornos. An dieser Stelle grüße ich die Kois, die in derartigen Filmen auch schon mal für vaginale Penetration herhalten müssen, wobei mir einfällt, dass es in Deutschland einen Tierarzt gibt, der sich auf Migränemassage bei diesen Luxuskarpfen spezialisiert hat.
Es gab mal eine Reportage im Fernsehen darüber, und ich habe mich direkt gefragt, wie es wohl ist, von so jemandem angegraben zu werden. "Hallo, ich bin Bernd, ich bin Koikarpfen-Migräne-Masseur"? Dann doch lieber ein Date mit einem Elefantenonanierer – auch das gibt’s -, der hat wenigstens warme Hände, aber ich schweife ab.
Bevor also der Ohrensex so richtig zur Sache kommt, sollte man allerdings erst das Freizeichen beim Partner abwarten. Ich hatte einen Liebhaber, der war live der Burner, phantasievoll, gutes Timing, einfühlsam und technisch versiert. Aber stumm wie Salm auf dem Brunchbuffet. (Schon wieder Fisch, und mir fällt ein, dass bei Domian mal einer anrief und behauptete, durch die Bewegung der Schwanzflossen seiner Zierfische im Aquarium sexuell erregt zu werden.) Da war nichts zu machen. Und als ich ihm anlässlich einer längeren Reise scherzhaft Telefonsex vorschlug, sah er mich an, als hätte ich gefragt, ob ich mir als Andenken seine Klöten übers Bett tackern darf.
Andere waren entgegenkommender, und auch das führte zu Missverständnissen. Da fragte ich ganz harmlos am Telefon "Was hast du an?", und er sagte "oh Babe, ich hab hier einen Ständer für dich, der ist so hart." Doof, dass gerade seine Mutter neben mir stand und mithörte und ich eigentlich nur wissen wollte, ob wir uns für das anstehende Abendessen in Gammellook oder Große Garderobe werfen sollten.
Lügen ist erlaubt, allerdings sollte Fantasie mitschwingen
Hat man sich aber geeinigt, dass es eine Hot Line werden soll, darf man schon auch ein bisschen lügen, um in Stimmung zu kommen. Auf die Frage "was machst du gerade?" ist es doch netter zu behaupten, man käme gerade aus der Dusche und trockne sich vor dem großen Schlafzimmerspiegel ab, als die Wahrheit zu sagen, dass man nämlich gerade das Katzenklo ausschippt, den Gefrierer abtaut oder eine Mail ans Finanzamt schreibt.
Schweinigelt man mit einem Unbekannten, z.B. via Flirtline, ist Lügen ohnehin Pflicht. Niemand will wissen, wie man in Wirklichkeit aussieht. Natürlich bin ich zwanzig, habe einen großen Naturbusen und eine Taille wie Lara Croft, Haare bis zum Po und bin dauernd, ständig, immerzu feucht. Und er am anderen Ende der Leitung ist doch bitte Kent Nagano in einer jüngeren Ausgabe mit weichem kinnlangem Haar und wunderschönen, feinnervigen Händen. (Warum, wo wir eben schon bei japanischen Pornos waren, gibt es eigentlich keinen Hardcorefilm mit einem asiatischen Hauptdarsteller? Ich kann doch nicht die Einzige sein, die Männer wie Tony Leung Ka-Fai – der Hauptdarsteller aus Der Liebhaber - rattenscharf findet.)
Natürlich wissen beide, Lara Croft und Kent Nagano, was das bedeutet: Sie ist eine hagere Enddreißigerin mit hennagefärbter Ökofrisur und Gesundheitslatschen, und er frisst eingeklemmt hinterm Lenkrad Boston Cream Donuts aus der Vorratspackung.
Dirty Talk hilft, sollte allerdings kundig eingesetzt werden
Peinlich wird die Inszenierung dann, wenn man versucht, die professionelle Phone-Bitch zu geben. Dass jemand nach einem simplen "ich zieh dich jetzt aus" wirklich stöhnen und röcheln möchte wie ein bronchialkranker Bernhardiner, gibt es wohl eher selten.
Nicht alle Menschen sind von Natur aus verbalerotisch veranlagt und genießen es zu sauigeln. Den einen macht das böse F-Wort heiß, den anderen lässt es schockfrosten. Ist man eine sexuelle Quasselstrippe, reagiert man vor allem auf Schlüsselwörter, nur leider jeder auf andere. Auch zwei Verbalerotiker müssen sich also auf einen gemeinsamen Wortschatz einpegeln, der beide anmacht. Wenn sie immer zusammenzuckt, sobald er ‚Titten’ sagt, kommt keine Stimmung auf. (Außer ‚Titten’ finde ich auch ‚Verkehr’ und ‚bumsen’ völlig abturnend, keine Ahnung wieso, aber das sind echte Klit-Föhner, da fühle ich mich sofort ausgetrocknet.)
Es mag sich im ersten Moment komisch anfühlen, die "wie sagen wir dazu?"-Frage zu stellen, aber ist es einmal geklärt, kann man förmlich spüren, wie sich der Stress in der Leitung entspannt. Ich mag es ja gern, wenn Dirty Talk wirklich dirty wird, und ich finde auch nicht, dass man dabei irrsinnig originell sein muss, im Gegenteil: Muss man über Vergleiche von gebutterten Brötchen oder feuchten Blütenkelchen erst nachdenken, ist die Lust weg. Auch Beleidigungen kommen schlecht an.
Vulgär darf es für mich gern sein, aber ich möchte nicht "du kleine geile Schlampe" oder "heiße Sau" genannt oder irgendwie angemault werden. Und bei stakkatoartigen Kommandos wie "ja, das willst du, jajaja, komm komm, das willst du, du willst es, jajaja" fühle ich mich wie auf dem Hundeabrichtplatz. Als Rollenspiel mag es dafür ja Fans geben, aber ich möchte beim Sex nicht an eine Dose Chappi denken.
Gesprächslücken und kleine Ausrutscher sind keine Katastrophe
Falls einem mal so gar nichts einfällt und sich zwischen den Ohren das große schwarze Nichts ausbreitet, unendliche Weiten, zappendusteres Nirwana, dann hilft ein ganz simpler Trick: beschreiben, was man gerade sieht, hört, fühlt. Klappt übrigens auch, wenn man bei zähflüssigen Dates Gesprächslücken füllen muss.
Und Pannen sind keine Katastrophe. Die Tube Gleitcreme entleert sich mit einem hässlichen Smotsch komplett über dem Schritt, der Fensterputzer starrt plötzlich durch die Scheibe, ich rutsche beim Angeln nach dem Lieblingsvibrator kopfüber vom Bett oder die beiden Kater fangen direkt neben mir auf dem Bett mit homoerotischer Betätigung an – na und?
Wenn also etwas Witziges oder Absurdes passiert, lache ich. Telefonsex ist doch keine Grabrede. Wenn Sex nicht witzig sein darf, hab ich den falschen Mann im Bett bzw. am Hörer. Und obwohl ich ja sonst strikt dagegen bin, im Bett etwas vorzutäuschen: Wenn mir beim Telefonsex ein humorloser Spielverderber begegnet, dann täusche ich natürlich etwas vor: ein Funkloch.
Nicht nur am Telefon, auch im Bett begegnen einem seltsame Geschöpfe. Neben dem Tier mit den zwei Rücken z.B. auch Streithähne und Lustmolche. Findet man unter dem Laken etwas, das acht Beine hat, haarig ist und einen aus vielen Augen anstarrt, hilft nur der Griff zum Staubsauger. Hat man Probleme mit sechsbeinigen Gesellen, kommt man mit Haushaltsgeräten nicht weit, sondern nur mit Strategie. Flotter Dreier heißt das und kann ausgesprochen lustvoll sein. Dazu mehr in der nächsten Kolumne.








