17.06.2011

Squirting

… oder die weibliche Ejakulation und ihr Mythos

Squirting wird auch als weibliche Ejakulation bezeichnet. Männer scheinen ganz verrückt danach zu sein oder sehen sich peinlich berührt, wenn "es" passiert. Frauen, die ejakulieren, leiden häufiger darunter, schämen sich dafür. Nur wenige können "es" genießen, weil sie fürchten, der Partner könne peinlich berührt sein.

Anatomisch gesehen können alle Frauen squirten. Es ist meist mit einem wahrhaft intensiven Lusterlebnis verbunden und mündet in die stoßweise Freisetzung eines Sekretes, das mal wässrig farblos und mal milchig weiß sein kann. Erstaunlicherweise wurde dieser Ausdruck der weiblichen Lust lange Zeit von der Gesell- und Wissenschaft geflissentlich ignoriert. So gibt es beispielsweise kaum groß angelegte Studien zum Squirting. Unser Mitglied Graciella sammelte einige "verbriefte" Fakten.

Squirting ist meist mit einem intensiven Lusterlebnis verbunden
Squirting ist meist mit einem intensiven Lusterlebnis verbunden

Es ist wieder passiert …

Sie sitzt auf ihm. Er fühlt sich großartig an. Sie spürt, wie er es genießt, wenn sie auf ihm reitet, die Geschwindigkeit, den Takt angibt. Sie genießt es, wie er sich ihr hingibt, vollkommen. Sie spürt ihn intensiv, sehr intensiv und sie spürt wie ihre Lust sich über alles erhebt, spürt wie es ihr kommt, stärker als sonst – ein besonders inniger, emotionaler, liebevoller, lustvoller, leidenschaftlicher Augenblick mit einem besonderen Mann, dem sie sich maximal öffnet und hingibt. Sie spürt ihn auf eine ganz besondere Weise und sie spürt es … sie wird feucht, sie wird nass … immer nasser … es gluckst, es schmatzt, es klatscht - Haut auf Haut, nass auf nass. Immer nasser bahnt sich ein Orgasmus der besonderen Art seinen Weg in die Vollendung.

Sie spürt, wie es ihr kommt, gewaltig. Sie zerfließt, löst sich auf, verbindet sich mit ihm. Mit ihren Lustschreien spritzt es aus ihr heraus, schwallartig, auf ihn, ins Bett … alles nass - sie, er, das Bett. Sie ist gewaltig gekommen und "es" auch. Soll sie diesen Wahnsinnsorgasmus nun in vollen Zügen genießen, ihn als besonderes Ereignis mit einem besonderen Mann langsam und ganz genussvoll abklingen lassen oder doch aufstehen und putzen?

Squirting ... oder wenn der Akt besonders feucht endet
Squirting ... oder wenn der Akt besonders feucht endet

Schweigt er, weil er es einfach nur unendlich genießt, es ihn anmacht, dass sie so kommt, oder ist er peinlich berührt, weil er vielleicht denkt, sie hat ihn angepinkelt?

Er genießt, verteilt ihr Nass auf seinem Bauch, nimmt sie fest in den Arm, lässt nicht zu, dass sie aufsteht, sie solle "es" genießen, möchte er ihr sagen, doch er schweigt träumerisch. Doch er will mehr von dieser Frau, er liebt es. Es macht ihn maximal an, wenn eine Frau kommt. Er möchte dieses Nass genießen, es und sie lecken, salzig-herb bis bitter-zart … lecker und einfach einzigartig schmeckt ihr wässriger Erguss.

Er dankt ihr für dieses besondere Geschenk, lässt nicht zu, dass sie sich entschuldigt, möchte am liebsten schon wieder mit ihr zerfließen und erst später, viel später hilft er ihr beim Betten frisch beziehen.

 

Erforschung außerhalb der eigenen vier Wände - was sagt die Wissenschaft?

Squirting und seine lange Geschichte

Bereits eine Statue aus einem alten hinduistischen Tempel des Jahres 1200 v. Chr. in Kamataka zeigt sie - die weibliche Ejakulation. Eine Frau, mit gespreizten Beinen, aus der "es" heraus fließt.

Auch Aristoteles beschreibt bereits um 300 v. Chr. dieses "es" als eine flüssige Absonderung beim weiblichen Orgasmus, die jedoch keinen Samen enthalte. Der griechische Arzt und Anatom Galen beschreibt im 2. Jahrhundert die weibliche Paraurethraldrüse, die mit dem weiblichen Ejakulat in Verbindung zu bringen ist.

Seitdem ist das weibliche Ejakulat bekannt unter den Namen "Aqualusio" oder "Aqlusio", abgeleitet von den lateinischen Begriffen für Wasser (Aqua) und Ende (Conclusio). Eine detaillierte Beschreibung als "schwallartiger Erguss" während der Erregung wird erstmals 1672 vom niederländischen Anatomen Reinier De Graaf verfasst, der zudem auf eine "besonders sensible Zone" verwies, die er mit der männlichen Prostata des Mannes verglich und die für die Herbeiführung des schwallartigen Ergusses nicht unerheblich ist. Diese "Zone" wurde vom Gynäkologen Ernst Gräfenberg auf der Suche nach dem vaginalen Lustzentrum wieder aufgegriffen und als Gräfenberg-Zone (besser bekannt als "G-Punkt") beschrieben.

Bis weit ins späte 20. Jahrhundert hinein wurde die weibliche Ejakulation meist mit einem spontanen Urinabgang als Folge eines durch den Orgasmus bedingten Kontrollverlustes über den Blasenschließmuskel erklärt. 1981 konnte die weibliche Ejakulation erstmalig von F. Addiego et al. (The Journal of Sex Research, 17:13-21) in einer Fallstudie nachgewiesen werden. Dennoch ist das Phänomen nach wie vor in Fachkreisen umstritten bzw. wenig untersucht. Es soll sich um die Freisetzung eines wässrigen Sekrets aus der Paraurethraldrüse handeln. Dieser Flüssigkeitsausstoß wird im Englischen auch als Gushing oder Squirting (von englisch to squirt = (be)spritzen) bezeichnet.

Doch ausreichende Fakten liegen bisher noch nicht vor, denn groß angelegte bzw. methodisch einwandfreie wissenschaftliche Arbeiten zur weiblichen Ejakulation existieren noch nicht …

Squirting - normal oder Ausnahme?

Die allgemeine Hilflosigkeit in der Beschäftigung mit dem Thema zeigt folgendes Zitat aus dem amerikanischen Buch "The V-Book" über das weibliche Geschlechtsorgan: "Above all, release of fluid is a normal function for some women and does not require surgery or medication to make it go away." (Überhaupt ist die Freisetzung von Flüssigkeit bei manchen Frauen ein normaler Vorgang und erfordert keine chirurgischen oder medikamentösen Maßnahmen zur Beseitigung.)

Der Anteil der Frauen, die bei sexueller Erregung ejakulieren, variiert von Studie zu Studie stark. Während Masters und Johnson in den 1960er Jahren einen Prozentsatz von 4,7 Prozent aller Frauen ermittelten, kommen neuere wissenschaftliche Umfragen zu dem Ergebnis, dass bis zu 54 Prozent aller Frauen ejakulieren. Es ist anzunehmen, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist, da vielen Frauen die weibliche Ejakulation unbekannt ist und sie das Ejakulat mit Urin verwechseln.

Ist das Squirting ein Urinabgang?

Das Abspritzen sollte Frau nicht peinlich sein ...
Das Abspritzen sollte Frau nicht peinlich sein ...

Obwohl die Wissenschaft die Existenz der weiblichen Ejakulation inzwischen allgemein anerkennt, ist trotz diverser Studien nach wie vor weitgehend unklar, woher die ejakulierte Flüssigkeit stammt und wie der Vorgang der weiblichen Ejakulation genau abläuft.

Dahingehend bemerkte Ernst Gräfenberg schon in einem Artikel von 1950, dass sich das bei der weiblichen Ejakulation freigesetzte Sekret zumindest deutlich vom Urin unterscheide. Neuere Studien belegen das. Weiterführende chemische Analysen des Ejakulats haben ergeben, dass es, neben gelegentlichen kleineren Anteilen von Urin, ähnliche chemische Eigenschaften besitzt wie das Sekret der männlichen Prostata.

Darum geht man auch davon aus, dass das weibliche Ejakulat in den paraurethralen Drüsen (auch Skene-Drüsen) produziert wird. Diese Drüsen werden häufig auch als weibliche Prostata bezeichnet. Das Ejakulat wird beim Orgasmus durch mehrere winzige Ausgänge in den Endabschnitten der Harnröhre ausgesondert. Neuere Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass alle Frauen diese Flüssigkeit produzieren, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst sind und/oder nicht ejakulieren.

Einige Frauen erleben die Flüssigkeit als glasig/durchsichtig, andere wiederum berichten von milchigen Ejakulationen. Der Geschmack soll herb-bitter-salzig sein und analog zum männlichen Sperma scheint er von Frau zu Frau zu variieren.

Wann, wie und wie heftig spritzen Frauen?

Die weibliche Ejakulation erfolgt in der Regel in der Orgasmusphase der Sexualreaktion und wird durch die Stimulation der Gräfenberg-Zone ("G-Punkt") begünstigt. Wie in den meisten Bereichen der sexuellen Lustempfindung kann auch die weibliche Ejakulation durch Lernprozesse beeinflusst werden, verläuft in der Regel jedoch unwillkürlich und wird womöglich wie die Ejakulation des Mannes reflektorisch gesteuert.

Einer Befragung in England zufolge kommt es Frauen am häufigsten so:

  • Während der sexuellen Erregung 11%
  • Beim Orgasmus 46%.
  • Beim Masturbieren 41%.

Mit einem männlichen Partner:

  • während der manuellen Stimulation der Vulva 23%
  • während des Cunnilingus 18%
  • während der manuellen Stimulation der Vagina mit den Fingern 19%
  • während der Stimulation mit einem Dildo oder einem anderen Objekt 10%
  • während dem Geschlechtsverkehr 19%
  • während analer Stimulation 4-6%.

Mit einem weiblichen Partner:

  • während der manuellen Stimulation der Vulva 11%
  • während des Cunnilingus 9%
  • während der Stimulation der Vagina mit den Fingern 10%
  • während der Stimulation mit einem Dildo oder ähnlichem Projekt 8%
  • während der analen Stimulation 3-4%.

Die Fähigkeit zum Squirting beim Geschlechtsverkehr scheint auch von der Stellung abzuhängen. In der Missionarsstellung ist eine ausreichende Stimulation der Gräfenberg-Region durch den Penis - allein schon aus anatomischen Gründen (der "G-Punkt" liegt zu nah am Scheidenausgang) - eher nicht möglich. Mehr Erfolg verspricht es, wenn die Frau oben sitzt oder der Geschlechtsverkehr a tergo, also "von hinten", durchgeführt wird.

Die Menge des ausgeschiedenen Sekretes ist von Frau zu Frau unterschiedlich.
Die Menge des ausgeschiedenen Sekretes ist von Frau zu Frau unterschiedlich.

Ungeachtet aller Unklarheiten und Spekulationen vertreten einige Sexualwissenschaftler die Meinung, dass die weibliche Ejakulation ein Zeichen höchster Erregung sei: Dazu befragte Frauen sollen dieses "Zerfließen", als "sich auflösen" und ihren damit verbundenen Orgasmus als "ganz besonders intensiv und lustvoll" beschrieben haben.

Manche Frauen sprechen vom Zerfließen, manche vom Nasswerden, manche vom Spritzen. Viele Videos, die im Internet kursieren und Frauen meterweit abspritzen lassen, sind eher als ein Fake zu betrachten (mittels gefüllten Wasserflaschen wird die Scheide mit Wasser befüllt und Frau presst es nach geschickt gesetztem Schnitt schwallartig wieder heraus). Seriösere Studien sprechen von 15-50ml Flüssigkeitsabsonderung, wobei natürlich auch diese Angaben von Frau zu Frau variieren …

Welche Probleme können bei der weiblichen Ejakulation auftreten?

Oft glauben Frauen, die squirten, dass sie zu "nass" sind oder urinieren, wenn sie einen Orgasmus haben. Sie empfinden es als unangenehm oder schämen sich. Auch Männer können sich unter Umständen durch den vermeintlichen "Urin" peinlich berührt fühlen. Aus falschen Schamgefühlen kann es sogar so weit kommen,
dass Frauen beginnen, ihren Orgasmus zu unterdrücken.

© Graciella

Anleitung fürs Squirting:
In unserer Anleitung fürs Squirten findet ihr mögliche Anregungen, um die weibliche Ejakulation bewusst herbeizuführen.

Quellen

- http://de.wikipedia.org/wiki/Weibliche_Ejakulation
- Ernst Gräfenberg: The Role of Urethra in Female Orgasm, in: The International Journal of Sexology, Vol 3, No 3, pp. 145-148, 1950
- Sabine zur Nieden: Weibliche Ejakulation: Variationen zu einem uralten Streit der Geschlechter, Gießen: Psychosozial-Verl. 2004, Reihe Beiträge zur Sexualforschung, Bd. 84, ISBN 3-89806-267-8 zgl. Univ., Diss., Frankfurt (Main) 1991, u.d.T.: Theoretische und empirische Studien zur weiblichen Ejakulation
- Deborah Sundahl: Weibliche Ejakulation und der G-Punkt. Hans-Nietsch-Verlag, Freiburg 2006. ISBN: 3-934647-95-2
- Josephine Lowndes Sevely: "Evas Geheimnisse. Neue Erkenntnisse zur Sexualität der Frau." Droemer Knaur 1988, ISBN 3-426-26363-7
- http://www.the-clitoris.com/f_html/female_ejaculation.htm

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Kommentare

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Wir möchten uns an dieser Stelle für die rege Beteiligung bedanken.

Bin auch der Meinung, dass jede Frau es kann, wenn sie den richtigen Partner hat und es auch will. Bei gemeinsamen Treffen mit einem Partner und anderen Paaren, machten doch erstaunlich viele Frauen große Augen, und wussten nicht wie ihnen geschah.
Nur hab ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten Männer noch niemals ansatzweise die "richtige Stelle" berühren, wenn sie eine Frau verwöhnen. Denke da fehlt es einfach sehr oft an der Technik.

Ebenso find ich es ein wenig schade, dass in dem Ausgangsbericht immer von Squirten in Zusammenhang mit einem Orgasmus gesprochen wird. Einige Damen haben hier bereits geschrieben, dass es bei ihnen nicht der Fall ist, und dem kann ich mich nur anschließen. Es funktinoiert quasi auf Knopfdruck bei mir, Mann muss nur die richtige Stelle kennen. Und ob ich dann will oder nicht, egal wie ich mir sperre oder an andere Dinge denke, hab ich keine Chance es zu verhindern. (keine Kritik an der Stelle, nein man zwingt mich nicht zu Sex)

Es kann ein schönes Spiel sein, was ich aber nicht stundenlang ertragen kann, zum einen weil die Scheide dabei sehr stark anschwillt, dass es irgendwann schmerzt und zum anderen weil das Sekret bei mir recht wässrig ist, und somit es auf Dauer wund wird, das senkt die Euphorie.

LG Anja

Komisch, da posten hier Männer, die es nie erlebt haben und schon über 50 Jahre alt sind...
Und dann wieder Glückspilze, deren Weg viele erschöpfte spritzende Frauen pflastern...
Was will uns das nur sagen?
...

@Nord_Licht

du heist aber nicht zufällig Giacomo *gruebel* ?
Fast alle Frauen können es, sie wissen es oft selbst nicht!

Hallo liebe Joyler,
interessanterweise, habe ich die Erfahrung machen dürfen, dass fast alle Frauen dazu in der Lage sind. Sie wissen es oft aber selbst nicht.
Ich hatte Erlebnisse mit Frauen jenseits der 40-45, die unheimlich erschrocken reagierten. Sie fragten mich, "was hast du da mit mir gemacht?"
Sie berichteten mir von einem so intensiven Orgasmus, der fast zum totalen Kontrollverlust mündete.

Nur das das Bett anschließend total durchnässt ist, dämpft die Freuden ein wenig. Lohnenswert ist es aber alle Mal!

LG

Lach...ok..kannste recht haben. ;);))

Aber ist ja nun mal geil ..

Dann streich mal alle: "Finde-ich-geil-Beiträge" und es sind nur noch 10 Seiten! *floet*

Mad and Lucky

Ja du hast natürlich recht, schleimpropf ist da , aber halt um den Eisprung und unter hormoneinflüssen rum durchlässig, für Sperma zb...:)
Und schon wieder n faktor, der ja ne Rolle spielen kann oder nicht?

Die Kontraktionen des Uterus können ja trotzdem für ne druckerhöhung im hinteren scheidenbereich sorgen *g*

Wie gesagt...n Versuch das zu erklären....was anderes ist es nicht und kann es auch nicht sein...wenn es so einfach wäre und komplett erklärbar,würde es ja nicht so ein faszinierendes 31 Seiten thema hier Sein :))
...

@keodanmark

ah eine Frau mit Humor *spitze*

*haumichwech*
@Munchy

Hauptstadt Deutschland: Hamburg
Hauptstadt Joyclub: Darmstadt
Hauptstadt Blümchensex: Rosenheim
Hauptstadt Gay: Hintertupfingen

usw.. unterstell uns mal nicht nicht Bildung oder ABildung (Abbildung?)

!!!


  • Neu hier? Kein Problem!
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Wir danken unserem Mitglied Graciella für diese Einblicke.
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