HIV und Aids sind in einer Community wie der unsrigen Themen, die man niemals aus dem Auge verlieren darf, auch wenn diverse Erfolgsmeldungen über verbesserte Behandlungsmethoden trügerische Sicherheit vorgaukeln, wo eigentlich keine ist. Und dennoch gehen manche Menschen ganz bewusst das Risiko ein, sich mit HIV zu infizieren und sehen dies sogar als Geschenk an ... eine TV Dokumentation nimmt sich dieses Themas an und wir haben dazu einige Informationen zusammengetragen.
Pozzing (Bugchasing)
Pozzing (der Begriff leitet sich von "sich positiv machen" ab) steht synonym für das absichtliche Infizieren mit HIV, bei dem sich HIV-Negative Personen durch HIV-Positive Menschen wissentlich und einvernehmlich infizieren lassen. Der Unterschied zum Barebacking besteht darin, dass beim Barebacking eine Infizierung in Kauf genommen, aber nicht angestrebt wird. Die Bugchaser (ein anderer gebräuchlicher Begriff für Pozzer, bei dem sich die Infizierungswilligen förmlich als Krankheitsjäger sehen) finden ihre Infizierer häufig über das Internet. Besonders bevorzugt werden dabei HIV-Infizierte mit großer Virenlast, weil genau dann eine besonders hohe Möglichkeit der Ansteckung besteht.
Die Motive für das Pozzing oder auch Bugchasing sind so verschieden, wie die Menschen selbst. Manche wollen der ständigen Angst vor einer Infizierung ein Ende setzen; andere sehen darin einen ultimativen Liebesbeweis, sei man dem infizierten Partner doch noch näher, wenn man ebenfalls durchlebe, was er durchleben muss; manchen beschert die Angst vor einer Ansteckung einen zusätzlichen sexuellen Kick; einige haben eine offenkundige Todessehnsucht oder stehen am sozialen Abgrund und sehen keinen Ausweg dafür und wieder anderen geht es "nur" um die Möglichkeit, wieder ungeschützten Verkehr haben zu können.
Und so gefährlich das Verhalten schon per se anmutet, besteht bei dem letztgenannten Motiv obendrein die große Gefahr, dass eine Vermischung verschiedener HI-Virenstämme zu einer Resistenz gegen verfügbare HIV-Medikamente führen und es gleichzeitig zu einer Beschleunigung des Krankheitsverlaufes kommen kann.
Die rechtliche Situation
Egal ob der Angesteckte sein Einverständnis für die HIV-Infizierung gegeben hat, wird eine Ansteckung aus rechtlicher Sicht als Körperverletzung betrachtet, wobei hier das jeweilige Landesrecht darüber entscheidet, wie selbige bestraft wird.
In der Schweiz existiert dahingehend beispielsweise ein Bundesgerichtsentscheid (131 IV 1), der die HIV-Infizierung eines anderen Menschen zwar als schwere Körperverletzung behandelt, man allerdings von einer Strafe absieht, wenn der angesteckte Partner damit ausdrücklich einverstanden war (das Gericht sprach von einer "eigenverantwortlichen Selbstgefährdung").
Pozzing in den Medien
Erstmals in die Öffentlichkeit geriet das Thema durch den Artikel "In Search of Death" von Gregory A. Freeman, der im Januar 2003 im Rolling Stone erschien, aber schnell zu Kontroversen führte, da die Korrektheit des Inhalts angezweifelt wurde. Weitere mediale Vorstöße förderten zu Tage, dass viele getätigte Äußerungen angeblicher Bugchaser "reine Fantasien" darstellten.
Dennoch wurde auf der Suche nach den Pozzern offensichtlich, dass sich der Umgang mit der Krankheit Aids und deren Wahrnehmung drastisch verändert hatte und sich das Sexualverhalten vieler Menschen in eine sehr riskante Richtung entwickelt.
Eine TV Doku fragt nach: Bugchasing in Deutschland?
Die erste Folge von "Wild Germany", eine neue Dokumentarreihe auf ZDFneo, setzt sich am Samstag, den 12. Februar 2011 ab 22:15 Uhr mit diesem kontroversen Thema auseinander und wird wie folgt ablaufen:
Manuel Möglich, Reporter der neuen Dokumentarreihe "Wild Germany", sitzt auf dem Sofa in einer Leipziger Wohnung. Rechts und links von ihm sitzen HIV-positive Männer. Einer der beiden erzählt dem ZDFneo-Reporter, er habe sich absichtlich mit der unheilbaren Krankheit angesteckt. Und nicht nur das: er selbst habe mittlerweile weitere Männer angesteckt, mit deren explizitem Einverständnis ...
AIDS ist eine der gefährlichsten Krankheiten der Welt. In den 80er und 90er Jahren starb eine ganze Generation von homosexuellen Männern jämmerlich daran. Nur durch groß angelegte Aufklärungskampagnen konnte die Verbreitung des HI-Virus verlangsamt werden. Später tauchten Gerüchte über sogenannte "Bugchaser" in den Medien auf, Männer, die sich willentlich mit dem HI-Virus infizieren lassen. Manuel Möglich will wissen, ob dieses Phänomen wirklich existiert und was einen gesunden Mann dazu bringen kann, todkrank sein zu wollen.
Als neo-Reporter begibt er sich in die Schwulenszene. Dort trifft er Claude. Er ist aidskrank, was ihn nicht davon abbringt verhütungsfreie Sexpartys in seiner Wohnung zu veranstalten. Regelmäßig melden sich HIV-negative Männer bei ihm an, die sich von ihm anstecken lassen möchten. In Leipzig trifft Manuel Tobias und René, beide HIV-positiv, die ihm die Leipziger Szene zeigen. Sie erzählen, dass sie schon andere Männer mit deren Einverständnis angesteckt haben. Zuletzt schaut sich Manuel das an, wovon er bisher nur gehört hat: die "Darkrooms" der Stadt, der ideale Spielplatz für Bugchaser.
Man darf sicherlich gespannt sein, wie die Dokumentarreihe dieses sehr kontroverse, von vielen als Gerücht und Mythos abgetane Thema angeht, welche Einsichten sie liefern und welche Motive zu Tage fördern kann und inwiefern Pozzing in Deutschland wirklich Thema ist.
Quellen:
Wikipedia
Tagesspiegel
Die Welt
Pressematerial zur Sendung





