Mangelnde Lust auf Sex kann wie so vieles einer Beziehung schaden. Nachdem Silke Maschinger sehr richtig feststellte, dass in Beziehungen das Reden gelernt sein will und es zum Klären von Problemen immer Mutige braucht, die zunächst einmal bei sich selbst den Anfang machen, will sie diesmal Tipps geben, wie man in einer Beziehung das erloschen geglaubte sexuelle Feuer neu entfachen kann.
Eingeschlafene Lust auf Sex
Es gibt viele Gründe, warum jemand keine Lust mehr auf Sex haben kann: Krankheit, Stress bei der Arbeit, private Probleme, familiäre Konflikte, oder auch hormonelle Gründe, wie z.B. manche Antibaby-Pillen oder auch einfach die Wechseljahre.

Doch manchmal ist die Lust auch einfach nur sanft eingeschlafen. Wie bei einem Lagerfeuer ist aus dem lodernden Feuer allmählich eine glimmende Glut geworden oder es ist gar ganz erloschen. Beim Feuer ist es recht einfach, wieder neue Flammen zu erzeugen. Doch mit der menschlichen Lust ist das nicht immer so einfach.
Zu unterschiedlich sind die Menschen und ihre Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen. Was also kannst du tun, damit du (mit oder ohne Partner) etwas Neues entdecken kannst? Etwas, was dich und deine Partnerin neu entflammt, trotz der vielleicht unterschiedlichen Wünsche, die ihr habt?
Entscheide dich dafür, die Lust wieder zu entdecken!
Das wichtigste dabei ist, dass du dich entscheidest, dass du deine Lust wieder aufwecken möchtest! Denn du bist für dich und deine Libido selbst verantwortlich, nicht dein Partner! Wenn du neue Lust entdecken möchtest, musst du selbst initiativ werden. Wenn du sagst: "Ich kann einfach nicht, ich habe halt keine Lust" gibst du dir (und auch deinem Partner) keine Chance, etwas zu verändern.
Wer sagt, ich kann nicht, sieht sich als hilfloses Opfer, das der Situation ausgeliefert ist. Wer jedoch sagt, ich will nicht, der hat eine Entscheidung getroffen. Und mit dieser Entscheidung ist er aktiv und in einer handelnden Position. Wenn du also etwas Neues entdecken willst, gibt es zwei Richtungen, die du einschlagen kannst: den Weg nach Außen und den Weg nach Innen.
Der Weg nach Außen

Du kannst erotische Bücher lesen, im Internet stöbern oder dich in Erotikforen über Phantasien und Praktiken austauschen. Das kann eine Hilfe sein, um zu sehen, auf welche neuen Geschichten oder Bilder du abfährst. Finde heraus: Welche Geschichten inspirieren dich, welche langweilen dich, welche findest du widerlich? Oder du schaust anderen beim Sex zu, sei es in Pornofilmen oder in einem Swinger- oder SM-Club.
Gehe raus zu kulturellen Veranstaltungen, informiere dich in Sachbüchern, oder besuche Seminare. Doch achte darauf, dass du dich nicht mit den anderen vergleichst und dann denkst, du müsstest das, was du siehst oder liest, auch so nachmachen. Schau genau hin, was zu dir passt und was nicht.
Der Weg nach Innen

Der andere Weg ist der Weg nach Innen, in dein Selbst. Hier geht es darum, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse herauszufinden. Doch das ist manchmal nur eine sehr leise Stimme, die zu dir spricht. Nimm dir Zeit für dich selbst, allein oder mit Partner/in, und "höre" genau hin.
Probiere aus, was du möchtest: wo willst du berührt werden? Auf welche Art und wie lange? Spüre genau, was du jetzt willst. Vielleicht spürst du auch erstmal gar nichts. Halte das aus, und nimm es an. Probiere es auf eine andere Art und Weise oder zu einem anderen Zeitpunkt. Körperorientierte Tantra-Seminare können beispielsweise auch sehr hilfreich sein, mehr über sich selbst herauszufinden.
Wer JA sagt, muss auch NEIN sagen können

Wer Neues entdecken will, muss nicht nur lernen, JA zu sagen, sondern auch ganz klar NEIN zu sagen. Das fällt vielen nicht so leicht. In Beziehungen neigen Menschen aus Liebe dazu, die eigenen Bedürfnisse nicht so wichtig zu nehmen. Sie möchten ihr Gegenüber nicht verletzen oder gar verlieren und machen deswegen eine Art von Sex mit, die zwar nicht wirklich schlecht ist, aber vielleicht auch nicht genau das ist, was beide möchten.
Manchmal wissen Frauen wie Männer auch gar nicht, was sie überhaupt wollen. Sie haben vor lauter "Mitmachen" das Gespür für sich selbst und die eigene Lust verloren. Sie machen das, was sie bisher immer gemacht haben oder das, was sie glauben, was ihr Gegenüber erwartet.
Angst vor dem Neuen

Neues zu entdecken, auch und gerade bei sich selbst, kann auch Angst machen. Du verlässt das bekannte Gebiet und weißt nicht, was woanders geschieht. Es kann sein, dass du neue Wünsche entdeckst und nicht weißt, wie du sie zum Leben erwecken kannst. Und dann lässt du es lieber gleich ganz, damit du nicht enttäuscht wirst.
Je unbekannter das Neue, desto größer ist die Angst, die jedoch auch positiv erlebt werden kann: als Spannung und Aufregung. Und das gehört mit dazu: nimm die Angst einfach mit, anstatt dich von ihr bestimmen zu lassen.
Bei einigen ist die Angst eher klein, bei anderen kann sie jedoch so groß sein, dass sie zu einer Blockade führt. Wenn das bei dir so ist, dann frage dich einmal: wovor fürchtest du dich? Male dir die Situation genau aus und schaue dann, welche Gefühle bei dir auftauchen. Und dann sprich mit anderen darüber, ob diese Befürchtungen angemessen sind oder nicht. Wer ist für dich der richtige Gesprächspartner? Dein Partner, Freunde, Bekannte, Menschen aus deinem Internetforum oder aber auch ein Coach oder Therapeut.
Der innere Zensor
Jeder Mensch hat ein Wertesystem, um die Welt zu bewerten. Das hilft bei Entscheidungen jeglicher Art. Man kann nicht immer alles jedes Mal neu beurteilen, alle Faktoren neu analysieren und herausfinden, was wahr ist und was nicht. Dazu ist die Welt viel zu komplex. (Vor-)Urteile können also sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, sich zu orientieren. Doch (Vor-)Urteile können einen auch davon abhalten, sich etwas Neues anzuschauen.

Wer denkt, dass alle SM-ler krank sind, wird nicht offen dafür sein, welche Spiele mit Macht und Hingabe möglich sein könnten, weil er alles, was nach SM "riecht", sogleich ablehnt. Diese inneren Begrenzungen sind ein wichtiger Teil, den du überprüfen kannst: sind das alte Glaubenssätze, die durch Familie oder Gesellschaft geprägt wurden, oder sind es deine eigenen Überzeugungen? Ist das immer noch zutreffend? Hilft dir der Glaubenssatz weiter oder wäre es hilfreicher für dich, dir neue Urteile zu bilden?
Vielleicht denkst du insgeheim auch bei manchen Wünschen, die du hast oder entdeckst, dass das doch eigentlich nicht normal sei. Stell das in Frage, ob das wirklich so ist oder ob da nur der innere Zensor spricht, der dich davon abhält, mächtig und lustvoll deine eigene Lust zu entdecken!




