07.02.2007

Natürliche Verhütung

Die Methoden der natürlichen Verhütung bieten vergleichsweise sanfte Möglichkeiten, da diese ohne einen Eingriff in den Körper und ohne die Verwendung bestimmter Hilfsmittel beim Geschlechtsverkehr funktionieren.

Daher ermöglichen diese Formen der Verhütung ein natürliches Gefühl beim Sex. Allerdings sind diese Methoden insgesamt vergleichsweise unsicher in Bezug auf ihre Wirksamkeit und schützen nicht vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten.

Fast alle dieser Methoden werden von der Frau durchgeführt:

Kalendermethode

Funktionsweise

Bei der Kalendermethode werden die fruchtbaren Tage der Frau durch Berechnung bestimmt. Der Geschlechtsverkehr während der so ermittelten unfruchtbaren Tage birgt ein geringeres Risiko einer Schwangerschaft.

Pro und Contra

Die Kalendermethode ist in ihrer Verwendung sehr unkompliziert. Sie benötigt darüber hinaus keine Hilfsmittel, greift nicht in den Körper ein und ermöglicht ein natürliches Gefühl beim Sex. Sie verursacht keinerlei Kosten.

Allerdings ist diese Methode sehr unsicher. Sie eignet sich nur für Frauen mit einem regelmäßigen Zyklus und ist ansonsten ungeeignet. Diese Methode schützt nicht vor einer Übertragung von Geschlechtskrankheiten.

Pearl Index

Der Pearl Index für die Kalendermethode liegt bei 9.

Temperaturmessung

Die Temperaturmessung ist eine Möglichkeit der natürlichen Verhütung.
Die Temperaturmessung ist eine Möglichkeit der natürlichen Verhütung.

Funktionsweise

Bei dieser Methode wird durch die tägliche, morgendliche Messung der Körpertemperatur der Eisprung ermittelt. Prinzipiell besteht nur kurz vor, während und bis zu drei Tagen nach dem Eisprung die Möglichkeit einer Schwangerschaft.

Während des Menstruationszyklus der Frau unterliegt die Körpertemperatur bestimmten Schwankungen. Die Temperatur bleibt zwischen der Regelblutung und dem Eisprung konstant niedrig. Etwa ein bis zwei Tage nach dem Eisprung steigt die Temperatur leicht an (etwa einige Zentel bis 0,5 Grad Celsius). Die unfruchtbaren Tage mit dem geringsten Risiko einer Schwangerschaft beginnen folglich ungefähr ab dem dritten Tag nach diesem Temperaturanstieg.

Die gemessenen Daten werden fortwährend in einem Verlaufsdiagramm protokolliert. Anhand der entstehenden Temperaturkurve kann der Zeitpunkt des Eisprungs bestimmt werden.

Pro und Contra

Die Methode der Temperaturmessung greift nicht in den Körper ein und bietet den Vorteil, dass die Frau ihren Körper genauer kennen lernt. Darüber hinaus ermöglicht diese Methode ein natürliches Gefühl beim Sex und verursacht, abgesehen von einem Thermometer und einer Temperaturkurve einer Schwangerschaft, keine weiteren Kosten.

Diese Messmethode ist sehr unsicher. Sie erfordert eine strenge Disziplin, da sie nur bei regelmäßiger Durchführung erfolgreich sein kann. Zudem kann durch Fieber die Beurteilung des Risikos zu falschen Ergebnissen führen. Sie eignet sich nur für Frauen mit einem regelmäßigen Zyklus und ist ansonsten ungeeignet. Diese Methode schützt nicht vor einer Übertragung von Geschlechtskrankheiten.

Pearl Index

Der Pearl Index für die Temperaturmessung liegt zwischen 0,8 und 39.

Computergestützte Temperaturmessung

Funktionsweise

Ähnlich wie bei der Temperaturmessung ohne Computer wird auch hier durch die tägliche, morgendliche Messung der Körpertemperatur der Zeitpunkt des Eisprung festgestellt. Der Computer ermittelt daraufhin automatisch die fruchtbaren Tage, an denen ein hohes Risiko einer Schwangerschaft besteht.

Pro und Contra

Die Methode der computergestützten Temperaturmessung greift nicht in den Körper ein und bietet den Vorteil, dass die Frau ihren Körper genauer kennen lernt. Darüber hinaus ermöglicht diese Methode ein natürliches Gefühl beim Sex und verursacht, abgesehen von der einmaligen Anschaffung des Messcomputers, keine weiteren Kosten. Die Kosten für den Computer variieren in Abhängigkeit vom Hersteller zwischen 80 und 160 Euro.

Die Computergestützte Temperaturmessung ist wesentlich sicherer als die manuelle Messung. Sie erfordert dennoch eine strenge Disziplin, da sie nur bei regelmäßiger Durchführung erfolgreich sein kann. Zudem kann auch hier die Beurteilung des Schwangerschaftsrisikos durch Fieber zu falschen Ergebnissen führen. Sie eignet sich nur für Frauen mit einem regelmäßigen Zyklus und ist ansonsten ungeeignet. Diese Methode schützt nicht vor einer Übertragung von Geschlechtskrankheiten.

Pearl Index

Der Pearl Index für die computergestützte Temperaturmessung liegt zwischen 0,6 - 3,5.

Zervixschleim-Methode

Funktionsweise

Der Zervixschleim wird durch den Gebärmutterhals abgesondert. Dieser Schleim umgibt und schützt den Gebärmutterhals, ist aber auch als Ausfluss aus der Scheide zu erkennen. Die Konsistenz dieses Schleims verändert sich während des weiblichen Menstruationszyklus.

Anhand der Menge und Beschaffenkeit des Schleims lässt sich erkennen, ob sich die Frau in den fruchtbaren bzw. unfruchtbaren Tagen befindet.

Während der fruchtbaren Tage, insbesondere kurz vor dem Eisprung, wird vermehrt Schleim produziert, welcher außerdem zunehmend dickflüssiger wird. Der Schleim ist klebrig und lässt sich mit den Fingern zu einem Faden auseinanderziehen.

Nach dem Eisprung bzw. nach der Menstruation nimmt die Menge des Schleims ab und er lässt sich nicht mehr zu längeren Fäden ziehen. Wenig bzw. gar kein Schleim sowie eine dünne, wässrige Konsistenz deuten auf die momentane Unfruchtbarkeit hin. Das Risiko einer Schwangerschaft ist relativ gering.

Die Schleimproduktion und die Konstistenzprüfung werden stetig beobachtet und in einem Verlaufsprotokoll festgehalten.

Pro und Contra

Die Methode greift nicht in den Körper ein und bietet den Vorteil, dass die Frau ihren Körper genauer kennen lernt. Darüber hinaus ermöglicht diese Methode ein natürliches Gefühl beim Sex und verursacht keine Kosten.

Die Methode ist relativ unsicher. Sie erfordert eine strenge Disziplin, da sie nur bei regelmäßiger Durchführung erfolgreich sein kann. Zudem sind ausreichende Kenntnisse über die Beschaffenheit und Menge des Zervixschleims notwendig, um eindeutige Aussage treffen zu können. Sie eignet sich außerdem nur für Frauen mit einem regelmäßigen Zyklus. Diese Methode schützt nicht vor einer Übertragung von Geschlechtskrankheiten.

Pearl Index

Bei exakter Durchführung liegt der Pearl Index zwischen 5 - 15.

Untersuchung des Muttermundes

Funktionsweise

Der Muttermund unterliegt während des Zyklus der Frau bestimmten Veränderungen. Der Muttermund ist Teil des Gebärmutterhalses und ragt in die Scheide hinein. Er lässt sich demnach leicht mit den Fingern ertasten.

Während der unfruchtbaren Tage ist der Muttermund geschlossen und fühlt sich fest an. Kurz vor dem Eisprung öffnet er sich und wird merklich weicher. Zudem zieht er sich nach innen zurück, sodass er manchmal nicht mehr zu ertasten ist.

Pro und Contra

Die Methode greift nicht in den Körper ein und bietet den Vorteil, dass die Frau ihren Körper genauer kennen lernt. Darüber hinaus ermöglicht diese Methode ein natürliches Gefühl beim Sex und verursacht keine Kosten.

Die Methode ist unsicher und zudem relativ umständlich. Sie erfordert ein wenig Übung und hängt von der regelmäßigen Durchführung ab.

Die Methode schützt nicht vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten.

Pearl Index

Der Pearl Index variiert relativ stark und liegt zwischen 0,4 - 40,0.

Hormonmessung mittels Computer

Funktionsweise

Durch eine regelmäßige Computermessung der Hormonkonzentration werden die fruchtbaren bzw. unfruchtbaren Tage ermittelt.

Der Computer gibt vor, wann die Hormontests durchzuführen sind. Dabei wird das Teststäbchen mit Morgenurin benetzt und an den Computer übergeben. Vor dem Eisprung steigt der Östrogenspiegel im Urin deutlich an. Anhand dieser Veränderung der Hormonkonzentration bestimmt der Rechner den Zeitraum der fruchtbaren Phase.

Pro und Contra

Die Methode ist in ihrer Durchführung relativ einfach. Mit gesteigerter Anwendungsdauer erhöht sich die Zuverlässigkeit der Messergebnisse.

Die Methode erfordert ein gewisses Maß an Disziplin und bleibt etwas unsicher. Der Computer sollte mindestens über ein bis zwei Zyklen hinweg angewendet werden, bevor die Werte aussagekräftig sind.

Die Methode ist nicht geeignet für Frauen mit einem unregelmäßigen Lebensrhythmus (Schichtarbeit). Sie kann falsche Ergebnisse liefern, sofern hormonelle Medikamente eingenommen werden oder eine Nieren- bzw. Leberkrankheit besteht.

Die Methode ist relativ kostenintensiv. Der Messcomputer ist für etwa 85 Euro erhältlich, die Teststäbchen kosten etwa 13 Euro pro Zyklus.

Die Methode schützt nicht vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten.

Pearl Index

Der Pearl Index für die computergestützte Hormonmessung liegt bei 6.

Coitus Interruptus

Funktionsweise

Der Coitus Interruptus (unterbrochener Geschlechtsverkehr) ist die wohl älteste Form der Verhütung. Dabei wird der Penis kurz vor dem Samenerguss aus der Scheide gezogen, um die Befruchtung der Eizelle zu verhindern.

Pro und Contra

Die Methode kommt ohne jegliche Hilfsmittel aus und ermöglicht ein natürliches Gefühl beim Sex. Die Methode ist sehr unsicher, nicht zuletzt da bereits über die so genannten Lufttropfen Samen in die Scheide gelangen können. Darüber hinaus wird der Geschlechtsakt dahingehend beeinträchtigt, dass sich der Mann auf das rechtzeitige Herausziehen des Penis konzentrieren muss. Die Methode ist daher nicht geeignet für Männer, die ihre Ejakulation nur schwerlich kontrollieren können.

Die Methode schützt nicht vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten.

Pearl Index

Der Pearl Index für den Coitus Interruptus liegt zwischen 4 - 18.

Enthaltsamkeit

Funktionsweise

Die Geschlechtspartner verzichten auf den eigentlichen Geschlechtsverkehr, d. h., es kommt zu keinem Kontakt der Geschlechtsteile.

Pro und Contra

Die Methode ist sehr sicher. Allerdings kann Sex ohne Geschlechtsverkehr auf Dauer sehr unbefriedigend sein. Die Methode ist daher nur für Paare geeignet, die ausschließlich mit Petting, Oralsex bzw. Analverkehr glücklich sind.

Die Methode schützt nur bedingt vor einer Übertragung von Geschlechtskrankheiten.

Pearl Index

Der Pearl Index liegt bei 0.

Die sympto-thermale Methode

Prinzip

Ermitteln der fruchtbaren und unfruchtbaren Zeit im Zyklus. Es handelt sich dabei um eine Kombination der Temperatur- und der Billingsmethode (Zervixschleimbestimmung). Wahlweise kann anstelle der Zervixschleimbestimmung auch die Untersuchung des Muttermundes stattfinden.

Für Anfängerinnen bietet es sich an, die Basaltemperatur sowie den Zervixschleim/Muttermund täglich zu messen und überprüfen. Mit ein wenig Erfahrung und Kenntnis des eigenen Zyklus kann die Beobachtungszeit auf die potentiell fruchtbare Phase reduziert werden.

Funktionsweise

Täglich, bis zur vollständigen Auswertung der Zykluskurve, wird die Basaltemperatur, sofort nach dem Aufwachen und noch vor dem Aufstehen, gemessen.

Mehrmals täglich wird bei den Toilettengängen der Zervixschleim am Scheideneingang überprüft und nach Konsistenz und Farbe kategorisiert. Der Muttermund wird nur einmal täglich, während eines Zyklus jedoch etwa zur gleichen Uhrzeit auf Lage und Festigkeit sowie Öffnung untersucht. Sowohl Temperatur und Symptom werden in eine sogenannte Zykluskurve eingetragen.

Die morgendliche Körpertemperatur gilt als ausgewertet, wenn drei Werte höher als die sechs vorigen sind, wobei der 3. Wert dieser Temperaturen mindestens 2/10 höher sein muss als die niedrigeren Werte. Ist dies nicht der Fall, muss geschaut werden, ob eine der zwei Ausnahmeregeln anwendbar ist. Diese unterliegen jedoch gewissen Bestimmungen.

Der Zervixschleim gilt als ausgewertet, wenn ein Schleimhöhepunkt feststellbar war und an mindestens drei Folgetagen eine schlechtere Qualität auftrat. Der Muttermund muss mindestens drei Tage in Folge hart und geschlossen sein. Da Temperatur und Zervixschleim/Muttermund sich gegenseitig absichern, muss beides ausgewertet sein, bevor sicherer verhütungsloser Verkehr stattfinden kann.

Pearl-Index

Bei korrekter Anwendung der leicht verständlichen Regeln liegt dieser bei 0,4 und ist somit so sicher wie die Pille. Ein regelmäßiger Zyklus ist keine Voraussetzung für diese Methode. Die Sicherheit der sympto-thermalen Methode ist von der Zykluslänge unabhängig.

Pro und Contra

Sehr sicher, greift nicht in den Körper ein, keine Nebenwirkungen, Entwicklung eines besseren Körpergefühls, durch Zyklusbeobachtung ist das Erkennen einiger hormonell bedingten Dysfunktionen möglich, sicher(e) Schwangerschaftsausschluß / Schwangerschaftserkennung auch ohne Test, "Vorhersagbarkeit" der beginnenden Periode möglich, keine (großen) Ausgaben.

Bei langen Zyklen kann die Zeit des Verhütens im Vergleich zur unfruchtbaren Zeit recht lang sein. Eine gewisse Disziplin muss aufgebracht werden. Diese Methode schützt nicht vor einer Übertragung von Geschlechtskrankheiten.

Benötigte Materialien

Analoges oder digitales, allerdings mit zwei Nachkommastellen, Thermometer, Stift, Zyklusblatt aus dem Internet sowie das Buch "Natürlich & sicher" um die Regel zu erlernen.

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