30.11.2011

Nackter Protest

Demonstrationen mit besonders viel Körpereinsatz

So protestiert die junge Ägypterin in ihrem Blog.
So protestiert die junge Ägypterin in ihrem Blog.

Sich nackt im Internet zeigen, würde bei uns wohl kaum eine Reaktion auslösen. Ägypten ist jedoch geschockt, seit eine junge Landsfrau eben dies getan hat. Alia Magda al-Mahdi veröffentlichte in ihrem Blog für viele Ägypter provokant anmutende Fotos. Ein Bild zeigt die Kunst-Studentin mit nichts außer Schuhen, Nylonstrümpfen und einer roten Schleife im Haar. Mit ihrem Nacktporträt will sich die 20-Jährige "gegen eine Gesellschaft von Gewalt, Rassismus, Sexismus, sexueller Belästigung und Heuchelei" wehren.

Nackter Protest ist jedoch nichts Neues. In der Vergangenheit gab es bereits einige dieser Demonstrationen. Mal mit mehr, mal mit weniger Beachtung versuchen sie alle mit nackten Tatsachen die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten oder politischen Protest zu lenken. Wir haben uns mal umgeschaut und einige interessante Aktionen zusammengetragen.

Künstlerische Darstellungen nackter Proteste

Ein bekannter "Nackt-Fotograf" ist der US-Amerikaner Spencer Tunick. Er arbeitet häufig mit verschiedenen Organisationen zusammen, um diese bei sozialen Protesten zu unterstützen. So fotografierte er 2007 über 700 hüllenlose Menschen auf einem Weinberg im französischen Burgund. Die von Greenpeace aufgerufene Aktion sollte auf die Bedrohung der Weinanbaugebiete durch den Klimawandel aufmerksam machen.

Nackter Protest gegen den Klimawandel. © Spencer Tunick
Nackter Protest gegen den Klimawandel. © Spencer Tunick

Auch bei einer Aktion am Fuße eines Gletschers der Schweizer Alpen setzten sich 600 nackte Menschen gegen den Klimawandel ein. Der letzte große Protest von Spencer Tunick fand im September dieses Jahres statt. Am Ufer des roten Meers versammelten sich 1200 Menschen und wurden von Tunick fotografiert. Das Ziel dieses nackten Protestes war es, auf die zunehmende Austrocknung des Meeres hinzuweisen.

Mit wenig Kleidung viel Aufmerksamkeit erregen

Weniger künstlerisch gehen die Mitglieder der Gruppe Femen aus der Ukraine bei ihren nackten Protesten vor. Die sogenannten "Topless-Kämpferinnen" setzen sich gegen die Prostitution und für mehr Rechte der Frauen in der Ukraine ein... ein Land, das mit Sex-Tourismus und schönen Frauen wirbt. Dafür gehen sie auf die Straße und protestieren mit freiem Oberkörper und Slogans wie "das ganze Land ist ein Bordell".

Ein ähnlicher Protest, der sich gegen Sexismus, sexuelle Gewalt, Vergewaltigungsmythen und –verharmlosung richtet, ist der Slutwalk. Dieser entstand auf Grund eines Kommentars durch einen Vertreter der Polizei in Toronto, Kanada am 24. Januar 2011: "Wenn sie nicht vergewaltigt werden wollen, sollten Frauen darauf achten, nicht wie Schlampen angezogen zu sein." Um gegen diese Ansicht, die sexuelle Übergriffe verharmlost, zu demonstrieren fand am 3. April 2011 der erste Slutwalk in Toronto statt.

Seither gab es diese "Schlampenmärsche" auf der ganzen Welt in Städten wie Ottawa, Vancouver, Miami, Seattle, Melbourne, Amsterdam, Stockholm, London, Paris, Glasgow und Sao Paulo. Der erste Slutwalk in Deutschland fand am 23. Juli in Passau statt. Bei diesen Demonstrationen wird, ganz nach dem Motto "Wir sind alle Schlampen", wenig Kleidung getragen. Dieser politische Protest ruft zu mehr sexueller Selbstbestimmung und geistiger und körperlicher Unversehrtheit auf.

Demos für den Tierschutz

Nackter Einsatz für den Tierschutz von Alexandra Kamp. © PETA, Marc Rehbeck
Nackter Einsatz für den Tierschutz von Alexandra Kamp. © PETA, Marc Rehbeck

Neben den nackten Protesten für die Umwelt und Menschenwürde, wird sich natürlich auch besonders stark für Tiere eingesetzt. Eine der bekanntesten Organisationen ist PETA (People for the Ethical Treatment of Animals). Sie ist die größte Tierrechtsorganisation der Welt und wirbt mit Prominenten, die sich aktiv für den Tierschutz einsetzen: Busenwunder und Baywatch-Star Pamela Anderson, Burlesque-Ikone Dita von Teese , Linkin Park Frontmann Chester Bennington, Schauspielerin Alexandra Kamps, Travestiekünstlerin Olivia Jones oder die Toten Hosen sind nur einige, die sich schon für die Rechte von Tieren ausgezogen haben.

Die VIPs setzten sich dabei für verschiedenste Zwecke ein: Gegen das Tragen von Pelz und Mink, die Haltung von Wildtieren in Zoos oder für einen Aufruf zu vegetarischer Kost und zur Geburtenkontrolle bei Tieren.

Und auch Olivia Jones protestiert nackt. © PETA, Carlos Anthonyo
Und auch Olivia Jones protestiert nackt. © PETA, Carlos Anthonyo

Ein Tag voller nackter Radler

Der weltweit größte nackte Protest ist der World Naked Bike Ride. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um eine Protest-Aktion, bei der sich sämtliche Beteiligten relativ freizügig oder ganz nackt auf ihre Räder schwingen.

Dieser internationale Fahrradprotest findet seit 2004 immer am zweiten Samstag im Juni in zahlreichen Städten auf der ganzen Welt statt. Die Botschaft der nackten Radler liegt drin, sich frei und ungezwungen in sauberer Luft zu bewegen. Dabei soll das Fahrrad als attraktives Fortbewegungsmittel angepriesen werden und gleichzeitig gegen die Abhängigkeit von Öl protestiert werden.

Dieser Auszug an Nackt-Demos zeigt, wie häufig die Marketingstrategie "Sex sells" in politischen und sozialen Protesten angewandt wird. Auch wenn der Protest-Hintergrund nicht immer für jeden ersichtlich ist, ist der Einsatz für eine gute Sache nie verkehrt. Egal ob nackt oder angezogen.

Jetzt seid ihr gefragt. Sagt uns, wofür ihr blank ziehen würdet. Oder käme so etwas für euch überhaupt nicht in Frage? Egal welche Einstellung ihr zu nackten Protesten habt, lasst uns und die anderen Mitglieder an eurer Meinung teilhaben.

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Kommentare

@mrburns

"unser geliebter führer kim jong ist gestorben..."
Ich fürchte, Du weckst gerade schlafende Hunde ... *zwinker*
Und die Kinder?

Ich muss gestehen, die ganzen Tierschutzvereinigungen sind mit ziemlich gleichgültig. In einem Land, in dem immer mehr Kinder unterhalb der Armutsgrenze leben müssen und in dem es vielen "wohlhabenden" Kindern so schlecht geht, dass sie psychotherapeutische Behandlungen brauchen, frage ich mich, ob es nicht genug andere Probleme gibt.

Es gibt Vorschriften, wie viel Platz ein Hund haben muss, damit er von seinem Besitzer gehalten werden darf. Wenn ein Kind in einen Haushalt geboren wird, in dem Alkohol, Drogen und MTV wichtiger sind als gesunde Ernährung und Hausaufgaben, kräht kein Hahn danach - jedenfalls nicht bevor das Kind halbtot geschlagen oder halbverhungert und verwahrlost gefunden wurde.

Jetzt kommt mir aber bloß nicht mit der Idee, mit nackten Kindern zu protestieren! *gleichplatz*

wenn ich bedenke, dass schon threads abgelehnt wurde, weil es sich hier um ein "erotikforum" handelt und z.b. politische themen besser woanders diskutiert werden sollten, verwundert es mich jetzt doch, dass urplötzlich die haltung:
Unser Magazin scheut auch kritische, unbequeme Themen nicht
vertreten wird.
das hat etwas von "unser geliebter führer kim jong ist gestorben..." *fiesgrins*
aber was würde es schon bringen, wenn ich mich hier im JC demonstrativ ausziehen würde *nixweiss*
Naja die peta

WAR MIR AUCH NOCH nie sehr sympatisch, weiß nicht warum, aber sicher ist es billiger die Tiere heimlich zu töten und von Spendengeldern Ferrari zu fahren!
Ich bin Mitglied in einem Tierschutzverein der nicht nur um Geld, sondern tatsächlich um aktive Mithilfe bittet! Wer Interesse hat... xxxxxxxxxxx.de
Grüße Diana


edit by Mod xxxotb - bitte keine Links für Spendenaufrufe posten
Skepsis überwiegt

Also ich bin bei diesem Nacktprotest skeptisch. Mir fällt außer den hier schon genannten Beispielen noch eine Gruppe ukrainischer FeministINNEN ein, die natürlich – wie hätte es anders sein können – u.a. gegen Rußlands Einfluß und für eine Westbindung der Ukraine demonstrieren. Sind ziemlich gut organisiert und auch finanziell gut ausgestattet. Woher das wohl kommt?

Nackter Protest gehört in letzter Zeit zur Begleitmusik von Revolutionen, die zwar einen regime change im Sinne des Westens, das heißt vor allem der USA, herbeiführen, aber die Lage der Mehrheitsbevölkerung nicht wirklich verbessern. Waren bei diesen "Orangenen Revolutionen" nicht auch irgendwelche Nackten dabei?

Es ist jedenfalls nicht das Volk, das aufsteht und seinen Willen äußert. Nein, es sind kleine selbstverliebte Lobbygrüppchen, die sich für schick und hipp und angesagt halten und ihre Partikularinteressen vor dem Hintergrund reizvoller Körperlandschaften artikulieren. Doch was bringt das?

Kurz und prägnant gesagt: Eine Armutsrevolte wird doch nicht für das Recht, sich das letzte Hemd ausziehen zu dürfen, geführt!

Die Mehrheit der Ägypter ist doch nicht für sexuelle Liberalisierung auf die Straße gegangen.
Die Ägypterin, die sich da ausgezogen hat, versucht, von einer Protestbewegung zu profitieren und eine Protestbewegung zu vereinnahmen, die gar nichts damit zu tun haben will. Das ist unredlich.

Gegen das 68er-Credo davon, daß alles und erst recht der Sex politisch sei, plädiere ich also dafür, Sex und Politik schön getrennt zu halten. Es nützt der Politik nicht, wenn sie sexualisiert wird, und noch viel weniger nützt es dem Sex, wenn er mit politischen Interessen überfrachtet wird. Da verliert man ja die Lust.

Ganz abgesehen davon finde ich die Ägypterin auch süß und würde zu gerne mal die Bekanntschaft dieser Aktivistin machen (*g*).

ach ja, generell wird hierzulande eh vorher abgeschätzt welche Vermittlungschancn ein -tier hat.
Es werden hauptsächlich junge, hübsche Tiere aus den Tötungsstationen geholt, in D abgegebene alte Tiere finden meist trotzdem jemanden. Aber im "Notfall" wird bestimmt auch hier entsorgt:(

Zum Thema Tiere als Geschenk:

Links nur für Mitglieder

Links nur für Mitglieder

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PETA ist nicht so schlecht wie sein Ruf!
Viele der Kritiken lösen sich bei näherem Hinschauen in Luft auf.

Ich selbst bin überzeugte Nackt-Demonstrantin und das zieht Leute und Aufmerksamkeit an - unglaublich!!!
Auch 100% zustimmung von mir....

Absolut guter Beitrag, kann ich auch nur zu 100% zustimmen.
Weiter so...!!
@woody68

Hallo Al,
vielen Dank für Deinen Hinweis per Clubmail.

Ich antworte hier, da ich denke, dass es im Grunde alle etwas angeht.
Dass P.E.T.A. die Tiere "humaner" tötet als es in US-Tierheimen Gang und Gäbe ist, lässt das Ganze natürlich in einem anderen Licht erscheinen. Das eigentliche Ausgangsproblem scheint mir aber zu sein, dass "Pets" in USA (aber leider inzwischen auch hier in Europa und in anderen Ländern) für viele Familien ein Konsumartikel geworden sind, der den Kindern schnell mal völlig gedankenlos geschenkt wird. Das Problem müsste daher an der Wurzel beseitigt werden und nicht beim Entsorgen der über Bedarf produzierten Haustiere.
Gibt es auch eine P.E.T.A.-Kampagne gegen das Verschenken von Haustieren?
Gerade jetzt zu Weihnachten wäre das Thema doch gut platzierbar ...
Wie läuft das eigentlich bei uns in Mittel- und Nordeuropa mit der Entsorgung von Tieren in überfüllten Tierheimen?
Weiß das jemand?

LG
Michael
P.E.T.A.

Wenn es stimmt, was auf der Website "PETA tötet Tiere" steht, ist das natürlich schon ein Hammer. Aber wie kann man es überprüfen?
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