27.04.2010

Let`s talk about Sex

Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, hapert ab und an. Weshalb?

...fragt sich Frau Silke Maschinger, die uns zukünftig als kompetente Beraterin für die Belange Liebe, Lust und Partnerschaft zur Seite stehen wird. Als Erotikcoach in Berlin tätig, ist der sympathischen jungen Frau kein Thema über die Liebe zu simpel und sucht sie, am besten gemeinsam mit Betroffenen, nach Lösungen.

Sie ist Mitveranstalterin des "Erotischen Salons", der schon längst kein Geheimtipp mehr, sondern auch weit über Berlins Grenzen hinweg bekannt ist. In ihrem ersten Beitrag geht es um die liebe Wortwahl in Sachen Liebe.

Zwei, die sich verstehen, im wahrsten Sinne des Wortes!
Zwei, die sich verstehen, im wahrsten Sinne des Wortes!

Let's talk about Sex

Hier im JOYclub werden nicht nur neue Kontakte geknüpft, sondern im Forum werden immer wieder Fragen zu unterschiedlichsten Aspekten von Liebe und Sex eingestellt. Fast immer wird den Fragenden geraten, doch mit ihrer Liebsten oder ihrem Liebsten zu sprechen, wenn das noch nicht geschehen ist. Doch sollte das nicht eigentlich selbstverständlich sein? Warum machen es so viele denn nicht?

Es scheint so, dass das Reden über Sex nicht einfach ist, obwohl in den Buchhandlungen zahllose Sex-Ratgeber stehen und in den Frauenzeitschriften monatlich oder gar wöchentlich neue Sextipps stehen, wie man die eigene Lust oder die des Partners steigern kann.

Über den Mut zur Weiterentwicklung

Die Hürden, über Sex zu sprechen, sind sehr unterschiedlich. Manche wissen nicht einmal, wie sie "das da unten" überhaupt benennen sollen. Andere haben Angst, zu ihren Wünschen und Bedürfnissen zu stehen, weil sie befürchten, ihr Gegenüber würde sie oder ihre Fantasien abwerten. Dann wiederum haben manche Menschen Angst, dass ihre Beziehung an den unterschiedlichen Bedürfnissen zerbrechen könnte, oder sie gehen davon aus, dass Reden ja doch nichts hilft bzw. dass der Partner die Wünsche sowieso nicht erfüllen wird.

"Wie sage ich es ihr?" "Ich wünschte, er würde mich fragen..."
"Wie sage ich es ihr?" "Ich wünschte, er würde mich fragen..."

Doch welcher Grund auch immer im Weg stehen mag: wenn du dich, deine Sexualität und somit auch eine vorhandene Beziehung weiterentwickeln möchtest, musst du den Mut haben, eine Situation anzusprechen, von der du nicht wirklich wissen kannst, wie sie ausgehen wird. Und bei der du dir vielleicht sehr unsicher bist, wie du deine Wünsche überhaupt aussprechen kannst, ohne den anderen zu verletzen. Nirgends wird einem beigebracht, wie Beziehung und Sexualität zwischen zwei (oder mehr) Menschen gelingen kann. Zu groß sind immer noch die Tabus, zu heftig sind die Ängste, zu tief die Gefühle, die mit dem Thema Sex verbunden sind.

Und ja: Es kann sein, dass dein Partner sich auf deine Wünsche nicht einlassen kann oder mag. Es kann sein, dass du Wünsche hast, die deinem Partner gar nicht gefallen. Denn jeder hat ein Recht darauf, nein zu sagen. Nein zu einer Weiterentwicklung, nein zu einer sexuellen Abenteuerreise. Und niemand ist schlechter oder verklemmter oder "perverser" wegen der Wünsche oder Grenzen, die man hat. Es kann sein, dass Eure Beziehung daran zerbricht, weil einer oder beide in ihren körperlichen Bedürfnissen zutiefst unbefriedigt sind, auch wenn Eure Partnerschaft sonst von Liebe und Zuneigung geprägt ist.

Inspirationsquelle "Beziehungspflege"

Doch es führt kein Weg daran vorbei, miteinander zu sprechen. Der erste Grund dafür ist ganz einfach: niemand kann hellsehen! Weder kannst Du erahnen, was dein Partner sich wünscht, noch kenn er wissen, was du dir wünschst, wenn ihr nicht darüber sprecht. Und vielleicht würde dein Partner dir Deine Wünsche sogar liebend gerne erfüllen, wenn er sie nur wüsste!

Es ist sehr wichtig, möglichst früh über Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen, nicht erst, wenn der Frust schon richtig groß geworden ist. Oftmals wird ja von Beziehungsarbeit gesprochen, ich bevorzuge jedoch den Begriff Beziehungspflege. Ob es nun Schuhe, Autos oder Beziehungen sind: sie halten länger, wenn sie gepflegt werden, wenn regelmäßig geschaut wird, ob alles in Ordnung ist, ob vielleicht schon kleine Macken aufgetreten sind, oder ob schon eine Kleinigkeit repariert werden muss. Wer nicht darauf achtet, hat sonst irgendwann eine große Reparatur vor sich oder gar einen Totalschaden.

Geduld und Anerkennung: Das A und O in der Beziehung

Leben, Lieben...sich fallen lassen!
Leben, Lieben...sich fallen lassen!

Geduld und Anerkennung, für Dich und Deinen Partner, sind die wichtigsten Tugenden, wenn es darum geht, über Sex zu sprechen. Denn beim Sex geht es um mehr als um Sexpraktiken: es geht darum, sich fallen zu lassen, sich ganz nackt zu zeigen, sich mit all seinen Gelüsten und Ängsten zu zeigen.

Sex beginnt im Kopf. Doch dort allein bleibt er nicht. Wenn du mit einem Mann oder einer Frau ins Bett gehst, gehst du mit dem ganzen Menschen ins Bett. Seiner Persönlichkeit, seinen Vorerfahrungen, seiner religiösen Einstellung und seiner Lebenseinstellung, einfach allem, genau wie du mit all diesen Facetten dabei bist. Wenn du also etwas an der Sexualität deines Partners anders haben möchtest, sei dir bewusst, dass eine Änderung seine ganze Persönlichkeit betreffen kann. Und genau deswegen ist es nicht so einfach, "mal eben" sexuelle Einstellungen oder Verhaltensweisen zu ändern.

Manchen fällt es auch leichter als anderen, sich auf Neues einzulassen. Und manchmal brauchen Veränderungen auch einfach Zeit bzw. viele Gespräche verbunden mit dem Mut, sich selbst den eigenen und fremden "Monstern", die uns oder andere erschrecken, zu stellen. Denke daran: du kannst dein Gegenüber nicht ändern. Du kannst dein Gegenüber nur inspirieren, sich selbst zu verändern zu wollen.

Zeit für die Beziehungspflege
Zeit für die Beziehungspflege

Wo und wann du eure Beziehungspflege betreibst, solltet ihr gemeinsam entscheiden. Ob in einem Restaurant in entspannter Atmosphäre, bei einem Spaziergang, auf dem Sofa oder im Bett. Auch wenn es Empfehlungen gibt, das Bett nicht zu nutzen, damit dieser Ort nicht mit Erinnerungen an Konflikte belastet wird: wenn es EUER Ort ist, ist er richtig. Sorgt dafür, dass ihr wirklich Zeit habt und nicht gestört werdet.

Warte nicht, bis sich der Druck so angesammelt hat, dass du schon kurz vorm Explodieren stehst. Das ist das eigentlich Paradoxe: gerade bei kleinen Wünschen denkt man sich leicht, ach, das ist ja nicht so wichtig. Oder man denkt: ach, das hat ja noch Zeit. Und dann vergeht die Zeit und die vielen kleinen achs sind zu einem riesigen ACH! angewachsen.

Natürlich hilft Reden nicht immer. Aber Nicht-Reden hilft auf keinen Fall weiter. Wichtig ist dabei zu beachten, dass es mehr gibt als Ja und Nein. Die einfachste Verbindung von Ja und Nein lautet: Es könnte gehen, wenn… Schaue also genau hin, unter welchen Rahmenbedingungen könnte der Wünsch erfüllt werden? Was brauchst du bzw. dein Partner, um sich auf eine neue Praktik einlassen zu können? Und manchmal geht es dabei um kleine winzige Details, die wichtig sind. Nur wenn beide mit der Lösung wirklich zufrieden sind, kann sie funktionieren.

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Kommentare

My 2 cents

Hier sind ja reichlich tiefsinnige Philosophen unterwegs.

Dagegen ist das Spektrum erotischer Wünsche eigentlich "banal".

Die Maßgabe "Neins" zu akzeptieren und gleichzeitig erotischen Dialog zu pflegen sind m.E. nicht sonderlich kompatibel, wenn "Neins" nicht kommentiert zu werden brauchen.

Das Wünsche äußern gibt man spätestens nach dem zweiten "Nein" dran und fügt sich in sein Beziehungsschicksal, das ja auch reichlich positive (auch erotische) Aspekte beinhaltet. Schließlich sind "Neins" ohne "Warum" zu akzeptieren.

Das ganze Thema erhielte anhand konkreter Beispiele wesentlich mehr handfeste Transparenz.
Aber leider ist uns Konkretheit ebenfalls viel zu banal und deswegen wird sich in ausufernde philosophische Betrachtungen geflüchtet.

Lg
Freimut
Der Vater des Gedanken...

...ist löblich, aber die Fundamente sind in meinen Augen desaströs.

Der Beitrag schwankt zwischen Radikalitäten wie "niemand", "muss", "inspirieren zur Fremdveränderung" und vielem mehr.

In meinen Augen sind die tatsächlichen Grundlagen weit andere, schließlich können Menschen doch hellsehen, hellfühlen, hellriechen, hellschmecken, zur "helle" äh Hölle, es ist die Liebe, die unbeschreibliche Liebe, die das Kernfundament bildet.

Achtung, Respekt, Empathie, Anerkennung, selbstlos Geben, Annehmen, Fürsorge, Beistand, Hilfe, Ablehnung, Sex, Heilung, Freuen, Mitgefühl...all das und mehr sind die Boten der Liebe.

Wollen wir nun Menschen, gefangen in Treue-/Schwüren/Normen/Stereotypen/Moral/Prägung/Altlasten, dazu aufrufen durch Kommunikation des Übels Wurzel zu bekämpfen?

Kommunikation ist viel, aber eben nicht alles.

Der Hauptgrund weswegen sich Menschen verschließen, unzureichend transparent, offenherzig lockerer Zunge sind, ist die tief verwurzelte Angst vor Ablehnung.

Wer Angst hat vor Ablehnung, wird durch offene Gespräche kaum diese Angst vollständig überwinden. Dazu ist das Ego und der Verstand sowie das Unterbewusstsein zu gut, zu gut geschult, zu geübt.

Was tatsächlich helfen kann, ist der Mut zur Entscheidung die wahren Ursachen für jene Ängste, Ablehnungen und Co zu beleuchten, sie wahrzunehmen, anzuerkennen und aufzulösen.

Nur wer sich selbst liebt ist fähig andere zu lieben.
Nur wer sich selbst vertraut, ist fähig anderen zu vertrauen.
Nur wer sich selbst annimmt, ist fähig mit Ablehnung umzugehen.
Nur wer zu sich selbst ehrlich ist, ist fähig offen ohne Sorge vor Verletzungen zu leben.

Wenn der Partner der Spiegel ist, wer sind dann wir?

lg

david
mist

das der Antaghar auf der vorherigen seite geschrieben hat ärgert uns jetzt grad. weil wir der gleichen meinung sind (dublizität der ereignisse in diesem monat).

j e d o c h ist das die pure theorie und kann von vielen - vlt. von den meisten menschen - nicht umgesetzt werden, was nicht heißt daß es nicht erlernbar ist.. aber bis dahin fliesst noch viel wasser die elbe herunter bzw. tränen an den wangen herunter *zwinker*
Brief

Hallo,

für alle die eben nicht so versiert sind was das ausdrücken von Wünschen betrifft ist der Brief oder die Nachricht an den Partner sicherlich die bessere Lösung. Gerade hier hat man die Möglichkeit an Sätzen und Wünschen zu feilen und es erst dann zu übermitteln wenn man glaubt wirklich fertig zu sein und alles gesagt zu haben. Beim gesprochenen Wort ist das schon viel schwieriger... außerdem kann man daraus ein Spiel entwickeln... wie lerne ich meinen Partner besser kennen.
ja

zuhören..

ich lasse es mir auf der zunge zergehen.. zuhören..

die frage ist wahrscheinlich .. sender..empfänger..

kann der zuhörende das aufnehmen, was der redende sagt??

die wahrnehmung hängt immer auch vom eigenen sein ab.

lebenserfahrung.. charakter..

ja, zuhören ist sicherlich der beginn.. sind aber beide bereit die sendung aufzunehmen?

reden bedeutet nicht "im recht" zu sein.. zuhören nicht.. fehlerhaft zu sein.. es ist ein so weites feld.. reden..zuhören ist nicht immer ein weg.. man muss "verstehen"..

die lady
@Antaghar

Ich stimme Dir voll und ganz zu!

Aber auch zuhören will gelernt sein ...

In einem anderen Thread las ich einmal von dem Vorschlag, sich gegenseitig einen Brief zu schreiben.

Wenn Reden oder Zuhören schwer fällt, wäre das vielleicht eine Alternative, aber trotzdem sollte hinterher - sprich nach dem Lesen - über das Geschriebene gesprochen werden. Aber dann hat man wenigstens einen Anfang ... Vielleicht hilft das einigen weiter.

LG, Thova (w)
Der Rat, miteinander zu reden ...

... ist ohne Zweifel sinnvoll. Und deshalb halte ich auch diesen Beitrag für wichtig.

Meine Erfahrung ist jedoch, dass dieser Rat oft ins Leere läuft, weil auch das Miteinander-Reden gelernt sein will. Da werden zu viele "Fehler" begangen, weil man es nicht besser weiß und es niemals gelernt hat.

Da wird in Vorwürfen miteinander geredet oder ständig an uralten Dingen herum gekaut, da werden endlose Monologe gehalten oder der Partner an die Wand gequasselt, da wird nicht wirklich zugehört (noch während der andere redet, bastelt man bereits im Kopf an seiner Antwort oder glaubt, längst zu wissen, was der andere sagen will - und ist folglich nicht mehr konzentriert beim Zuhören) und so weiter ...

Und trotzdem behaupten dann alle: Wir reden ja, aber es bringt eben nichts!

Deshalb scheint mir noch wichtiger als Reden das Zuhören zu sein: einfach mal dem Partner in aller Ruhe und voller Wertschätzung zuzuhören - das kann jede Partnerschaft unglaublich auffrischen!

(Der Antaghar)
Daumen hoch...

...sagt ein treuer Fan von Silke Maschingers Arbeit!

Mehr davon bitte!

M.

Mein Mann pflegt immer zu sagen: "Sprechenden kann geholfen werden ..."!

Und Recht hat er! Doch bei mir hat es auch lange Zeit gedauert, bis ich soweit war ... Und heute schaffe ich es fast immer, meinen Mund aufzumachen und zu sagen (höflich und sachlich!), wenn ich etwas möchte oder mir etwas nicht gefällt! Und das Beste daran: Es funktioniert!!!

Und das bezieht sich eben nicht nur auf Sex, sondern auch auf alle anderen Lebensbereiche. Aber gerade in sexuellen Dingen sollte es selbstverständlich sein, miteinander - vor allem mit seinem Partner - zu reden!

Je länger man seine eingenen Vorlieben vor dem Partner / der Partnerin verschweigt, desto unmöglicher scheint es sie irgendwann zum Ausdruck bringen zu können. Dabei wird eher die (langjährige) Beziehung in Frage gestellt, bevor man sich traut etwas zu sagen.
Ich bin auch der Meinung, dass ein offenes Gespräch wichtig wäre und zwar bevor es für einen der beiden Partner zu spät ist.

Dem stimme ich vorbehaltlos zu!

LG, Thova (w)

Ich kann Nymphe da nur recht geben. Je länger man seine eingenen Vorlieben vor dem Partner / der Partnerin verschweigt, desto unmöglicher scheint es sie irgendwann zum Ausdruck bringen zu können. Dabei wird eher die (langjährige) Beziehung in Frage gestellt, bevor man sich traut etwas zu sagen.
Ich bin auch der Meinung, dass ein offenes Gespräch wichtig wäre und zwar bevor es für einen der beiden Partner zu spät ist.
Ich bin mal gespannt, was aus dieser Beitragsserie wird.
  • Neu hier? Kein Problem!
Die Ratgeberin
Let`s talk about Sex
Silke Maschinger ist studierte Sozialwissenschaftlerin.
Ihr Weg führte sie von der Personaltrainerin bis hin zum Erotikcoach.
Neben Ihrer Beratungstätigkeit veranstaltet sie in Berlin den "Erotischen Salon", eine Veranstaltungsreihe mit Talkshows, Film- und Vortragsabenden rund um die Themen Erotik und Sexualität.
Ihr Buch "Spielarten der Lust" erschien 2008.
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