Ab sofort soll an dieser Stelle unser Mitglied Graciella zu Wort kommen. Sie ist als Beraterin tätig und wird unseren Ratgeberteil in regelmäßigen Abständen um interessante Punkte erweitern. Dabei stützt sie sich vor allem auf anonymisierte Fallbeispiele aus ihrem Beruf, die so oder zumindest ähnlich wirklich vorgekommen sind. Den Anfang macht der Horror eines jeden Mannes ...
Wenn schlaff hängt, was stehen soll
... gerät Man(n) ins Wanken. Doch nicht jeder Hänger ist eine erektile Dysfunktion!

Welcher Mann wünscht sich das nicht. Mit ganzer Manneskraft eine Frau zu beglücken. Doch viele Männer glauben ein "Schlappschwanz" zu sein und die Medizin spricht von erektiler Dysfunktion. Was in beiden Betrachtungsweisen gänzlich nicht betrachtet wird, ist der Mann an und für sich und im Speziellen. Nicht jeder Hänger ist gleich ein Durchhänger und nicht jedes "Unvermögen einen Beischlaf befriedigend auszuführen" gleich eine Impotenz. Hierzu eine Geschichte aus dem Nähkästchen.
Vom "Schlappschwanz" zur Impotenz
Herr O. sitzt ganz in sich gesunken in meinem Beratungsstuhl und erzählt von der Blamage. Sein Selbstbewusstsein scheint angekratzt, weil ihn sein bestes Stück im Stich gelassen hat, bzw. kein Stich möglich war. Dabei war es doch sein erstes Date und er ganz heiß auf die Dame seiner Lust. Als sie nach einem längeren Abend im Hotelzimmer gelandet sind, stürzt Frau sich auf ihn und er kriegt keinen hoch. So wie Herr O. klagen viele Männer von Zeit zu Zeit über ein erschlafftes Glied und das zu gänzlich unpassenden Zeitpunkten. Doch was ist geschehen?

Mit der Lust in der Hose war es bei Herrn O. vorbei, als die Dame sich überhaupt nicht mehr an ihm interessiert zeigte, sondern sich just im Hotelzimmer angekommen an seinem besten Teil zu schaffen machte und sich dessen bemächtigte, ohne auch nur um Erlaubnis zu fragen. Von Warmmachen und Warmreden, von erotischem Spiel war keine Rede mehr. Die holde Dame war so fordernd, dass es ihm sowohl die Sprache, als auch die Lust verschlug. Sie erinnerte ihn jetzt eher an eine Pornodarstellerin als an die Frau, mit der er eben noch beim Dinner nett zusammen saß.
Sie war tatsächlich sehr überrascht über seine tote Hose und bezog es auf ihr Aussehen. "Gefalle ich dir nicht? Findest du mich nicht anziehend?" "Doch!" entgegnete Herr O. Darauf Sie: "Dann bin ich wohl auf einen Schlappschwanz reingefallen". Sie zieht sich an und zieht wortlos von dannen. Herr O. bleibt verstört und gekränkt zurück. Das ist ihm noch nie passiert. Doch einmal ist immer das erste mal, sagte er sich. Ab sofort krochen Versagensängste in ihm hoch und er zermarterte sich das Hirn.
Mit seiner Frau konnte er seitdem auch nicht mehr schlafen und seit Wochen getraut er sich auch kein weiteres Date mehr zu vereinbaren. Herr O. glaubt an Impotenz zu leiden.
Die Lust beginnt im Kopf
Ein einmalig erschlafftes Glied ist jedoch keine erektile Dysfunktion und in etwa 40% der sexuellen Erstbegegnungen reagiert der kleine Freund des Mannes nicht wie gewünscht. Doch da spielt eher der Kopf verrückt, als der Hannes des Mannes.
Lust beginnt im Kopf. Kann der Mann die Dame nicht gut riechen, benimmt sie sich nicht einfühlsam, sind die körperlichen Reize nicht reizvoll oder ist die Begegnung einfach nicht stimmig, sendet der ganze Körper eindeutige Botschaften. Dies war bei Herrn O. der Fall und hinzu kam das furchtbar schlechte Gewissen gegenüber seiner Frau, welches ihn sofort plagte, als er mit der holden Dame das Hotelzimmer betrat.

Mögliche Ursachen für die körperliche Unlust
Menschen sind ganzheitliche Wesen, so dass viele Faktoren für eine vorübergehende Unlust verantwortlich gemacht werden können. Sind die Anforderungen im Beruf momentan sehr groß, droht Stress, Überlastung oder steht sogar die Angst vor einer Kündigung ins Haus, "können" manche Männer einfach nicht den Kopf freibekommen.
Selbiges gilt für tief greifende Partnerschaftsprobleme. Klar schaffen es einige Paare, sich im Schlafzimmer auch wieder zu versöhnen, doch wenn die Konflikte zu stark werden, geht auch die Lust aufeinander verloren. Handelt es sich um Paare, die sich schon länger kennen, spielen häufig Langeweile im Bett oder unerfüllte Wünsche und Bedürfnisse eine Rolle.
Auch bei Männern, die eine Affäre haben, ist das Phänomen verbreitet, weil es sich um ein unterbewusstes schlechtes Gewissen gegenüber der Ehefrau handelt. Bei sich neu anbahnenden Verbindungen, spielen häufig Versagensängste und überhöhte Erwartungen an eine erste Begegnung eine Rolle.
Weiterhin konnte festgestellt werden, dass unter Männern, die lange enthaltsam waren oder sich eher selten selbst befriedigten, die Gefahr einmal zu versagen eher höher ist als bei sexuell sehr aktiven Männern. Auch scheint die Überflutung mit sexuellen Reizen durch Videos, Fotos und Pornos einen nicht unbeachtlichen Einfluss zu haben.
Was hilft bei Unlust?

Es mag sich einfältig anhören, doch es ist so. Überwindet man(n) seine Scheu und Scham und spricht seine Schwierigkeiten, seine Wünsche, seine Sorgen an, ist schon der erste Schritt getan. Denn häufig braucht es die "Außensicht", um das berühmte eigene Brett vor dem Kopf zu sehen.
Bei Herrn O. half ein solches einmaliges Gespräch und ein weiteres mit seiner Frau, um ihr gegenüber seine wahren sexuellen Bedürfnisse und Wünsche zu äussern und mit ihr die Langeweile im Bett zu besiegen.
Anstatt Pornos zu schauen, benutzte er sein eigenes Kopfkino und legte ab und an dabei selbst Hand an. Diese Geschichten erzählte er seiner Frau und schrieb sie sogar für sie auf, als er merkte, dass sie seine Phantasien durchaus mochte. Beide erlernten darüber hinaus tantrische Massagen sowie die "schlaffe" Penetration, was nicht nur ihr sexuelles Spektrum erweiterte, sondern ihnen wieder richtig Lust aufeinander machte. Medikamente und ein Arztbesuch waren in diesem Falle nicht nötig.
Eine dringende Empfehlung
Hält die erektile Dysfunktion aber längere Zeit wiederholt an und es beginnt sich ein Teufelskreis zwischen Grübeln, Versagensangst und sexuellem Rückzug anzubahnen, ist der Gang zum Arzt erforderlich!





