Erotik Scherzartikel können auf unverkrampfte Art und Weise zum eigentlichen Highlight eines Abends hinführen. Denn wer gemeinsam lacht, entdeckt vielleicht schnell noch ganz andere, deutlich erotischere Gemeinsamkeiten. So ist es zumindest bei unserer Kolumnistin Sophie Andresky gewesen, die dank eines Verflossenen namens Wolli von ganz besonderen Sexgadgets erfahren durfte und sich ihm dann umso unverkrampfter hingab.
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- Hüpfpimmel und Penis-Pasta
- Fuck your Friends
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Hüpfpimmel und Penis-Pasta
Es geschah im Jugendzimmer von Wolli, auf dem Bett aus Spanplatten, das direkt in eine Spanplatten-Schrankwand überging, als ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Penis sah. Genauer gesagt einen Pimmel, einen Hüpfpimmel. Wolli hatte ihn feixend aufgezogen und ließ ihn über die Schreibtischplatte höppeln - auch dieser Schreibtisch war ein Spanplattenmöbel, denn nur Jungs mit intellektuellen Eltern hatten Echtholzmassiveinrichtungen, aber bei denen saß ich nie auf dem Bett, weil diese Jungs zum Geigenunterricht mussten oder in der Astronomie-AG Modelle bauten.

Damals dachte ich noch, ein Jungsgehirn funktioniere so ähnlich wie ein Hüpfpimmel: Wenn nur jemand käme und es aufzöge, würde es schon zu rattern beginnen. Aber damals glaubte ich auch, Morten Harket von A-ha würde irgendwo einsam in Norwegen sitzen, melancholisch auf den Horizont starren und auf mich warten.
Wolli hatte nicht nur Scherzartikel zum Aufziehen, er hatte außerdem Biergläser, auf denen Mädchen im Bikini zu sehen waren, die nackt wurden, wenn man eine kalte Flüssigkeit ins Glas goss. In seinem Regal standen eine Gummititte, auf deren Nippel man klingeln konnte, und eine Tüte mit Penis-Nudeln, die er ungekocht zu knuspern pflegte, was er besonders cool fand, bis ihm ein anderer Junge sagte, das sei "doch total schwul", ständig Schwanzpasta weichzulutschen.

Was mich in Wollis Schlafzimmer aber am meisten interessierte, war das Plakat mit Toni Ungerers fickenden Fröschen. "Frisch frosch fröhlich frei" stand darüber, und zu sehen waren ekstatische Kermits beim Rudelbums, beim Kopulieren mit Damenpumps oder beim gegenseitigen Flagellieren. Bis ich auf Wollis Bett landete, war mir nicht klar gewesen, dass es so viele Spielarten des Fummeln, Fickens und Fistens gab.
Als wir uns aber endlich zu unseren eigenen Feuchtgebieten vorgetastet hatten und ich Wollis zwar nicht hüpfenden, aber immerhin deutlich zuckenden Schwanz in der Hand hielt und feststellte, dass er erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Scherzartikel hatte, als wir es also endlich taten, da wurde es nicht die Schubkarrennummer mit Popostöpsel, die 69 mit Rosettenschleck oder das Blaskonzert im Kopfstand, da wurde es ganz simpler, schneller, schwitziger Teeniesex, pubertäre zweieinhalb Minuten, und dazu kam der Soundtrack aus verlegenem Stöhnen und Schmerzgejaule, wenn wir uns wieder mal die Zehen an der Spanplattenschrankwand stießen.
Hätte damals schon jemand den Begriff "Generation Porno" erfunden und uns prophezeit, dass eine sexuelle Verrohung der Jugend unausweichlich sei angesichts von schamlos schmulenden Fröschen - wir hätten ihm direkt nach diesen zweieinhalb Minuten sagen können, was er da für einen Bullshit redet. Damals wie heute. Ficken ist immer noch ficken. Und der Anfang ist immer eher g’schamig als geil, egal was man vorher konsumiert.
Faszinierend finde ich im Nachhinein, was mich so alles angemacht hat, bevor es dann wirklich mit Wollis kleinem schrumpligen Pillermann losging. Pat Mallets Comics von den kleinen grünen Männchen, die es ununterbrochen mit großbusigen blonden Frauen trieben, machten mich zum Beispiel tatsächlich feucht. Geschadet hat es mir nicht, zumindest nicht in dem Sinn, dass ich heute meine erotischen Phantasien mit außerirdischen Sexbestien bestücken würde.
Geblieben ist allerdings ein Faible für pornographische Comics. Mangasutras können schon sehr sexy sein, wenn man über den manchmal merkwürdigen japanischen Humor und die vielen, vielen, endlos vielen Sprechblasen mit feuchten Geräuschen ("splash", "swish", "woosh" usw.) einmal hinwegsieht.
Das Absurde dieser Comics und all dieser Sex-Gadgets, wie zum Beispiel auch diese Überraschungseier mit tintenfischglibberigen Taschenmösen, wie sie neuerdings die Fun Factory als sexy Mitbringsel verkauft und die ich gern statt Blumen überreiche, wenn ich bei männlichen Freunden zum Essen eingeladen bin, hat aber auch eine sehr charmante Seite: Es bringt das Thema auf den Tisch und das auf eine so platte Art, dass man irgendwie reagieren muss.
Sobald man aus dem Sandkastenalter rauswächst, in dem "zeigst du mir deins, zeig ich dir meins" völlig okay ist, kommt der magische Point of no Return, an dem ganz klar gilt: Schluss jetzt mit Reden und rein in den Rammelmodus. Und das bleibt immer eine knifflige Sache. Wer weiß, ob Wolli und ich jemals bis zum klebrigen Teil gekommen wären, wenn wir nicht vorher über den Hüpfpimmel gekichert hätten. Wollis Zugang zum Sex war ebenso simpel wie der Rest von ihm.

Blöd nur, dass wir uns hinterher, nachdem das Froschgequake vorbei war, nie was zu sagen hatten, und mir langsam klar wurde, dass ich wohl doch eher auf die Jungs aus der Astronomie-AG oder aus der Geigenstunde stehe. Mit denen kann man sich nun nächtelang blendend unterhalten, aber manchmal kommen sie doch sehr viel schwerer in die Gänge - und unter den Schlüpfer - als die feixenden Wollis dieser Welt.
Beim nächsten Date mit so einem Kandidaten werde ich wohl einfach mal eine Tüte Penis-Pasta kochen und kommentarlos servieren. Wenn er wirklich so schlau ist, wird er wohl ganz nonverbal kapieren, worum es geht.
Die nächste Kolumne dreht sich genau darum, worum es eigentlich geht: ums Geficktwerden. Ums Stoßen, Rammeln, Begatten und Pimpern. Warum das für uns Frauen so schön ist und wieso Männer, die feministische Frauen ficken, im Bett auch mal egoistisch sein dürfen, dazu mehr beim nächsten Mal.
Und wer nicht bis nächsten Monat auf Neues von Sophie Andresky warten möchte, der sollte den Buchhändler seiner Wahl frequentieren, denn dort findet ihr Sophies neueste Veröffentlichung. Diese hört auf den Titel ...
Fuck your Friends
Beim Verfassen ihres ersten Erotik Romans Vögelfrei hat Sophie Andresky offensichtlich Blut geleckt und präsentiert nun ihr neuestes Werk.
Worum geht es in "Fuck your Friends"?
Es sieht aus wie das vollkommene erotische Abenteuer: Als Ellen und Hyper das jüngere Pärchen Irina und Oskar kennen lernen, entdecken sie die Lust zu viert und geraten in einen Sexrausch, in dem sie sämtliche Variationsmöglichkeiten auskosten. Das Kleeblatt scheint perfekt, alle verlieben sich ineinander und planen sogar eine gemeinsame Zukunft.
Aber dann stellt sich heraus, dass jeder der vier etwas zu verbergen hat. Was sie in Wahrheit verbindet, ist ein Netz aus Intrigen, Gier und Egoismus. Aus Freundschaft wird Verrat, aus Erotik Berechnung und aus Liebe Hass. Am Ende bleiben vom großen Glück eine Blutlache in einer Garderobe, ein zertrümmertes Gewächshaus und ein Paar, das entscheiden muss, ob es überhaupt noch eines ist.
Details
Fuck your Friends
Sophie Andresky
Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Veröffentlichungsdatum: 30. August 2010
ISBN-13: 978-3453675889








