Unsere Kolumnistin Sophie Andresky, eigentlich ausgewiesene Sexpertin, staunt ihrerseits jeden Tag immer wieder aufs Neue, was es auf den angeblich so ausgetretenen Pfaden der Sexualität doch noch alles zu entdecken gibt. Macht euch bereit für ...
Fremde Welten
Sex gehört ja zu den Sachen, die immer spannender werden, je mehr man sich damit beschäftigt. Als passionierte Sexpertin hat man nie ausgelernt, denn da draußen gibt es galaktische Weiten, unbekannte Zivilisationen und Welten, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Manches ist heiß, vieles ist sehr lustig, einiges taugt immerhin als Anekdote auf Partys, anderes finde ich nur bizarr oder abstoßend. Es gibt eben nichts, was es nicht gibt.

Eine Freundin, von der ich so ein Detailwissen gar nicht erwartet hätte, bereicherte zum Beispiel neulich meinen Wortschatz mit "Klabusterbeere", was, so erklärte sie mir, Dreckkügelchen meint, die sich in einer haarigen Männerporitze bilden – ein Phänomen, das mir bisher - göttin sei dank - noch nie leibhaftig begegnet ist. Übrigens möchte ich an dieser Stelle Werbung für die Haarentfernungsmethode des "Sugarns" machen, die sich vor allem für solche Stellen, die meistens im Finstern liegen, bestens eignet, weil die Haare mit Hilfe einer Zucker-Zitronen-Paste komplett mit der Wurzel ausgerissen werden und weich nachwachsen, weswegen es keine Pickel gibt und auch nicht so höllisch juckt. Wer sich also von seiner Partnerin einen Anilingus wünscht, für den ist ein Termin bei einer freundlichen und sachkundigen Depiladora das Mindeste.
Und um meine Wissenslücke komplett zu schließen, brachte mir eben diese scheue, meist Rollkragen tragende Freundin auch noch folgenden, angeblich altdeutschen Trinkspruch bei: "Wer einer Jungfrau düstre Grotte mit einem Samenguss erquickt, wer eine ganze Hurenrotte mit steifem Schwanz im Stehen fickt, wer fickt bis ihm die Ohren rasseln, im Arsche die Klabusterbeeren prasseln und dann noch nach Befried’gung schreit, dem sei mein erstes Glas geweiht!" Nicht sagen konnte sie mir allerdings, zu welchem Anlass und in welcher Runde es angemessen wäre, mit diesen weisen Worten sein Glas zu erheben.
Aber nicht nur Männer haben untenrum Zustände, die man gar nicht so genau wissen möchte, wir Frauen sind ja auch nicht ohne.

Manche von uns benutzen zum Beispiel, und das habe ich von einer eher ökologisch angehauchten Kollegin, die auch schon mal gern durch die Anden wandert, eine Mondtasse. Das kann man sich vorstellen wie eine Art Sektflöte aus weichem Kautschuk, die man sich während der Periode statt eines Tampons in die Muschi schiebt, um das Blut darin aufzufangen. "Alle paar Stunden rausnehmen, auskippen, durchspülen, fertig. Irre umweltschonend", erklärte sie mir begeistert. Ich persönlich möchte nicht, dass sich sektflötenartige Trichter an meinem Muttermund festsaugen. Ich möchte überhaupt nicht, dass sich da irgendwas festsaugt.
Und obwohl ich ein großer Fan von Intimität und Offenheit in einer Beziehung bin, so sollte man doch bestimmte Dinge nicht vor dem Partner tun, wenn man sich weiterhin miteinander amüsieren möchte. Monatshygiene gehört dazu (allerdings hat Philip Roth, einer der besten und versautesten Schriftsteller, der ganz wunderbar originelle und rasend komische Onanierszenen geschrieben hat, in seinem Buch "Das sterbende Tier" eine sehr beeindruckende Menstruationsblutszene untergebracht), überhaupt eigentlich jede Form von Hygiene, bei der Körperinneres nach außen befördert wird, wie auch beim Gebrauch von Zahnseide: Wer möchte schon miterleben, wie Essensreste, von der Zahnseide hervorgeschleudert, gegen den Badezimmerspiegel klatschen?

Sehr viel Spaß hatte ich wiederum bei der Recherche des "Adlers". In einem aus dem Amerikanischen übersetzten Buch hatte ich gelesen, dass eine Frau "den Adler mache", ohne dass ich mir darunter etwas vorstellen konnte. Ich fragte also in der Sex-Redaktion einer großen Frauenzeitschrift nach, die mir auch nicht weiterhelfen konnte, aber ihrerseits neugierig wurde und sich beim amerikanischen Mutterhaus umhörte. "To make the Eagle" ist demnach eine Position, bei der eine Frau vor einem Mann kniet und ihm einen bläst, während sie gleichzeitig mit beiden Händen rechts und links je einen weiteren Mann wichst. Das Zusammenspiel der Bewegungen von Armen und Kopf soll dann an einen fliegenden Adler erinnern. Oder an eine erstickende Pute, das kommt darauf an. Bio-Frauen aus Freilandhaltung, sag ich da nur.)

Auf der letzten "Venus"-Messe überraschte mich ein Verkäufer, der lebensechte, originalgroße Silikon-Sexpuppen nach realen Körperscans anbot. Wenn man also gern seine Freundin, die Lieblingshure oder seinen Schäferhund nachgebildet haben möchte, lässt man das Lieblingsobjekt dort bei diesem freundlichen Herrn im Labor einscannen und abgießen. Und der Schäferhund ist jetzt keine abwegige Idee, denn im Katalog gibt es bereits eine Satyrfigur, die den Oberkörper eines deutschen Porno-Starletts und den Unterkörper eines Pferdes hat. Dass diese Sex Dolls mit drei Körperöffnungen, Körperheizung, Atemfunktion und Herzschlag geliefert werden können, machte die Monstrosität dann auch nicht mehr fett.
Das ist, glaube ich, auch kein Anblick, den man bei seinem Partner erleben möchte: Wie er hocherregt ein halbes Pferd bespringt und dabei die Klabusterbeere besingt.
Was es noch so für Peinlichkeiten im Intimleben gibt und wieso ein bisschen G'schamigkeit eine sehr heiße Sache sein kann, dazu mehr in der nächsten Kolumne.




