Im Zuge ihrer Mär um den perfekten One Night Stand brachte uns unsere Kolumnistin Sophie Andresky inzwischen sowohl das Kennenlernritual als auch die Schritte vor dem eigentlichen Akt nahe. Heute kommen wir zum vermeintlichen Höhepunkt eines jeden One Night Stands ... ihr ahnt es, beide Parteien, die sich für den Augenblick gesucht und gefunden haben, wollen ...
Endlich ficken!
Ficken ohne Liebe ist nicht das Problem. Es gibt Dinge, die machen mit dem großen Unbekannten mehr Spaß als mit dem Partner, dessen Eltern man mit Schwarzwälderkirsch bebackt und mit dem man sich die Gummiente im Badezimmer teilt.

Mit einem Fremden kann man anders sein, als man eigentlich ist, ohne die Konsequenzen ziehen zu müssen. Die Hardcore-Feministin kann sich mal eine Nacht als tussiges Mädi geben und wie eine minderjährige VIVA-Moderatorin quietschen, die schüchterne Moralische kann als Vamp auftreten und es sich von zwei Kerlen gleichzeitig besorgen lassen. Das Gänseblümchen darf mal zuschlagen und die Intellektuelle die Nutte vom Dienst darstellen.
One-Night-Stands sind im Grunde Rollenspiele. Und alles ist im grünen Bereich, solange alle am Gefummel und Geschubber beteiligten Respekt vor den drei goldenen Grundregeln haben, die im Schrein der heiligen Orgasma feierlich angetackert sind:
- Niemand überschreitet die abgesprochenen Grenzen.
- Beide kriegen, was sie wollen.
- Weitergetratscht wird nichts.
Pannen drohen trotzdem genug: Da war zum Beispiel dieser scharfe ultramännliche Glatzkopf, der küssen konnte wie kein anderer. Ich hätte mich am liebsten an seinen Lippen festgesaugt wie ein Hausmeisterpümpel. Der Mann war reines Testosteron, und ich freute mich darauf, aus dem lauten Club zu kommen und es mir von diesem ultramännlichen Typen besorgen zu lassen.
Dann auf seinem Futon sprach er plötzlich mit einer Fistelstimme wie Charlies Tante und wollte "Schlampe" von mir genannt werden. Da ich überhaupt keine Lust hatte, die Rückkehr der Mumie zu ficken, war der Abend für mich schnell vorbei.

Oder die elegante Tangotänzerin, mit der jeder Schritt und jede Drehung wie ein Vorspiel war und die mir währenddessen heiße Versprechungen von Dominanz und Unterwerfung ins Ohr flüsterte. Experimentierfreudig schälte ich mich im Hotelzimmer aus meinen Highheels, während sie weiter von Bondage und Demut erzählte. Von Vertrauen und Phantasie erzählte. Vom Hölzchen aufs Stöckchen erzählte. So eine Labertasche habe ich selten gehabt. Ich fing nur deswegen mit der 69 an, damit sie endlich den Mund hielt.
Unvergessen auch der Moment, in dem die WG-Kumpels meines One-Night-Stands plötzlich mitten beim Sex in der Tür standen und Streit wegen des leeren Bierkastens vom Zaun brachen und dabei demonstrativ ignorierten, dass ich nackt auf ihrem Mitbewohner saß.
Oder das Pärchen, mit dem ich zu gern meine Phantasien vom flotten Dreier ausgelebt hätte, der dann aber unvorbereitet zu einem weniger flotten Fünfer mutierte, weil die beiden zwei sabbernde Riesenköter besaßen, die mit schlabberigen Mutanten-Zungen vor dem Bett hechelten.
Und an die Nacht, in der sich beim Knutschen vor der Haustür plötzlich das Toupet des Mannes löste und ihm in die Stirn rutschte, möchte ich lieber nicht mehr denken (liebe Männer: Haarausfall ist nicht ehrenrührig, also klebt euch bitte keinen Mopp mehr auf den Kopf!).

Warum ich das Jagen und Erlegen trotzdem nicht lassen kann? Weil es doch immer wieder Männer und Frauen gibt, die so hinreißend, intensiv und überwältigend sind, dass ich mich mit ihnen fühle wie Alice im Wunderland.
Die letzte Nacht, in der alles stimmte, passierte wieder mal im Hotel. Ich weiß auch nicht wieso, aber alles an Hotels macht mich wuschig. Die flauschigen Teppiche in den Korridoren, die Kristalllüster, die Marmorbäder, die Uniformen der Pagen, aber vor allem die Hotelbar natürlich.
Nach einem langen Blick von meinem Cosmopolitan rüber zu seinem Martini war eigentlich alles klar. Meinen Namen wollte er nicht wissen, und ich habe nicht nach seinem gefragt. Im Zimmer zog er mich und sich komplett aus, mit BH und Höschen und allem, ohne seinen Kuss zu unterbrechen, und ließ sich durch nichts ablenken. Er war Petting-Weltmeister, und wenn ich eins liebe, dann Männer, die knutschen und fummeln können, als gäbe es nichts Besseres auf der Welt.
Er fickte puristisch, erst Missionarsstellung und dann a tergo, aber das mit Hingabe und Konzentration und so viel Freude an der Sache, dass ich zwischendurch immer wieder dachte: "Der ist zum Ficken geboren." Er wusste viel über Klitorisse und wie man ihnen huldigt, wartete meine Orgasmen charmant ab und machte dann bis zu seinem weiter, bis wir irgendwann schweißnass dalagen.
Nach einer Weile küsste er mich innig auf die Hand, sah mir tief in die Augen und zog sich an. Ich habe ihn nie wieder getroffen. Aber in diesem Hotel steige ich immer gern ab und trinke in der Bar einen Cosmopolitan auf ihn.
Was tun, wenn das Date vom letzten Abend am nächsten Morgen nicht verschwunden ist und jetzt auch noch aus dem Mund müffelt? Dazu mehr in der nächsten Folge.




