"Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft." Dieses Zitat von Friedrich E. D. Schleiermacher ist noch heute die wohl bekannteste Erkenntnis überhaupt zum Thema. Und das in einer Zeit, in der der Treuebegriff auch dank neuer Beziehungsformen einer starken Wandlung unterzogen zu sein scheint, wie wir in dem Sei mir treu Artikel bereits festgetellt haben.
Im Zuge dieser allgemeinen Entwicklungen erscheinen viele Paare heutzutage als extrem offen. Sie erzählen sich alles und halten sich für die besten Freunde. Auch über Affären ist der moderne Partner in der Regel informiert. Doch was ist davon zu halten? Unser Mitglied Graciella geht der Frage auf den Grund.
Die Sache mit der Eifersucht

Da erzählte mir doch jüngst ein Mann, dass er unter der Eifersucht seiner Partnerin zu leiden hat. Sie haben sich im JOYclub kennen gelernt und sind seit Monaten ein Paar. Sie ist ebenfalls im JOYclub und schaut ständig auf seine Freundschaftsliste, fragt, wen er anmailt und mit wem er chattet. Auch hätte sie ihn bereits gezwungen, eine Frau von seiner Kontaktliste zu entfernen. Der Mann fühlt sich von den Eifersuchtsszenen mittlerweile so bedroht, dass er unlängst zwei Gästebucheinträge entfernte und seine gesamte Freundesliste löschte, nur um keinen Ärger zu bekommen.
Und auch zwei Verheiratete, die im JOYclub ihre Zweitpartnerschaften leben, bekamen sich wegen Eifersüchteleien, ausgelöst durch virtuelle Flirts mit einer Drittperson in die Haare...
Handelt es sich hier um Einzelfälle, oder ist das die Regel? Wo verläuft die Grenze zwischen Normalität und krankhafter Erscheinung?
Gründe für Eifersucht

Verlustangst, Besitzanspruch, sich durch eine weitere Person bedroht fühlen, sich hilflos fühlen, sich nicht genug beachtet fühlen, misstrauisch sein und mangelndes Selbstwertgefühl sind häufig genannte Gefühle, die mit Eifersucht einhergehen. Während Frauen eher auf tatsächliche oder eingebildete emotionale Untreue mit Eifersucht reagieren, tun dies Männer eher, wenn es sich um eine eingebildete oder tatsächliche sexuelle Untreue handelt.
Bei der Eifersucht handelt es sich um ein evolutionäres Erbe. Es kratzt an der Urangst des Mannes, nicht genügend zu "leisten" und dass ein Nachkomme eventuell nicht sein genetisches Material trägt, sondern das eines "Rivalen". Eine Frau reagiert mit Eifersucht auf die Urangst, ein Kind alleine aufziehen zu müssen…
Eifersucht ist ein Gefühlsgemisch – manche leiden mehr, manche weniger
In BDSM-, Polyamory- und Swingerkreisen leiden viele Partner nach eigener Auskunft weniger unter Eifersucht, oder lernen darüber hinaus zu wachsen. In monogamen Beziehungen ist die Eifersucht verbreiteter.
Wie sehr jemand von Eifersucht betroffen ist, hängt vom eigenen Selbstwertgefühl ab und davon, welche Erfahrungen ein Mensch mit verlässlicher, dauerhafter Liebe gemacht hat.

Vertrauensverlust als Erfahrung in der frühen Kindheit oder in den eigenen Beziehungen der Vergangenheit, Verlust von geliebten Menschen in der Kindheit, mangelndes Selbstbewusstsein ... alles, was extrem von anderen abhängt, macht anfällig für Eifersucht. Auch die Erfahrung, nichts "entbehren, teilen" zu müssen, stets und überall im Mittelpunkt zu stehen und ungeteilte Aufmerksamkeit als Recht zu beanspruchen, kann dazu führen, dass Menschen mehr oder weniger zu Eifersucht neigen.
Wurde ein Kind von einem geliebten Menschen "im Stich gelassen" oder gar "enttäuscht", greift Mensch zu ganz verschiedenen Strategien. Eine mündet in einem mangelnden Selbstwertgefühl. Die Betroffenen beginnen damit, sich selbst ständig zu hinterfragen und beziehen den Verlust auf sich selbst (geben sich selbst die Schuld). Das bleibt nicht ohne Konsequenzen. Einige Menschen fangen dann an, sich zu schützen, indem sie alles rund um sich herum zu kontrollieren und zu steuern versuchen, einschließlich zwischenmenschlicher Beziehungen. Eifersucht ist damit eine Art Streben nach Sicherheit.
Was hilft gegen Eifersucht?
Sprechen. Wenn ein Partner zu Eifersucht neigt, ist ein persönliches Gespräch unbedingt notwendig. Jeder hat seine "Achillesfersen". Wenn wir den Partner darüber aufklären, wo diese sind, dann kann derjenige darauf achten. Ein liebevoller Satz wie: "Ich habe manchmal Angst, ich könnte Dich verlieren.", könnte vielfach entspannen.
Vertrauen ist ein Geschenk. Treue auch. Schenkt eurem Partner, was auch ihr von ihm erwartet, Vertrauen.
Mit den eigenen Sonnenseiten sein Selbstbewusstsein stärken. Jeder Mensch möchte für den geliebten Partner da sein. Schenkt euch gegenseitig Aufmerksamkeit in Form von Zeit und liebevollen "Ich mag an dir ..." Sätzen.

Sich selbst genügen, sich nicht abhängig machen. Wer seine eigenen Interessen und Freundschaften pflegt, ist unabhängiger und damit weniger anfällig für Eifersucht.
Gefährdet die Eifersucht die Beziehung, schränkt sie den Entscheidungsspielraum des Partners sehr ein und ist auch nicht mittels Gesprächen einzudämmen, ist eine psychologische Beratung sicherlich wünschenswert.
Formen der Eifersucht
Leichte Eifersucht besteht, wenn sich ein leichtes Stechen im Herzen einstellt, wenn der Partner seine Aufmerksamkeit einem Anderen schenkt. Hier besteht noch kein Grund zur Beunruhigung. Diese Reaktion ist gesund und belebt die Beziehung, da beide Partner sich nie ganz sicher sind und sich daher umeinander bemühen…
Schädliche Eifersucht geht einher mit Schlafstörungen, Bauchweh, Durchstöbern von Taschen & Jacken, Lesen von SMSen und Fragen wie: "Wo warst du, mit wem, bis wann, warum?" und Haltungen wie "Ich glaube ihm/ihr nicht, egal was er/sie sagt.". Bei dieser Eifersucht leiden beide. Der eine muss ständig seine Liebe "beweisen", der andere misstraut. Eifersucht als Obsession. In diesem Falle sollte man sich Unterstützung holen.
Die gefährliche Eifersucht. Die Verlustangst beherrscht den Betroffenen. Er hat die Gefühle nicht mehr unter Kontrolle. Eifersucht geht langsam mit Hass- und Rachegefühlen einher. Hier sollte dringend gehandelt werden.
"Der Eifersüchtige ereifert sich weniger über den Verlust seiner Geliebten als darüber, dass ein anderer ihm vorgezogen wird."
Paul Ree





