02.09.2011

Die Beschneidung weiblicher Genitalien

Uralt, grausam, antisexuell: Praxis der Verstümmelung geht weiter

In den modernen Ländern der Welt hat die sexuelle Revolution trotz Kommerzialisierung den Frauen viele Freiheiten gebracht, ihr Leben selbst zu bestimmen und auch sexuell zu genießen. Am anderen Ende dieser lichten Welt jedoch gibt es so etwas wie einen dunklen Kontinent, in dem an die 150 Millionen Frauen als genital Verstümmelte körperlich, psychisch und kulturell von diesen Freiheiten ausgeschlossen sind. Die Praxis ist uralt, wird meist rituell oder quasi-rituell vollzogen und erweist sich als nur schwer beeinflussbar. Auch heute noch werden mehr als zwei Millionen Mädchen jedes Jahr beschnitten, alle zehn Sekunden ein weiteres.

"Alle 11 Sekunden"

http://www.youtube.com/v/LQOuQj923fM?hl=de_DE&version=3

Der aktiv gegen Genitalverstümmelung vorgehende Terre des Femmes (Menschenrechte für die Frau e.V.) ließ schon 2009 diesen Clip umsetzen.

Ein kurzer Überblick zur weiblichen Genitalbeschneidung

Nach einer Studie im Auftrag von Terre des Femmes aus dem Jahr 2005 sind 80 % der weltweit etwa 140 Millionen genital beschnittenen Frauen so verstümmelt, dass ihnen die Klitoris oder ein Teil davon entfernt wurde sowie die Schamlippen oder ein Teil davon (Typ 1 und 2, nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO, siehe unsere Informationen auf Seite 2 des Artikels). 15 % haben die Verstümmelung des dritten Typs erfahren, die "pharaonische", die eine Schließung der Scheide beinhaltet. In Ländern wie Eritrea, Dschibuti und Somalia wird ausschließlich der dritte, "pharaonische" Typ der Genitalverstümmelung durchgeführt.

Die Risiken dieses Eingriffs für die Frauen reichen von einer Infektion durch unhygienische Bedingungen, die allerdings mittels Anwendung der modernen Medizin zu bewältigen wären, bis zu Unfruchtbarkeit, psychischen Traumata, lebenslangen Schmerzen beim Urin lassen, im schlimmsten Fall bis zum Tod der Betroffenen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass 10 % der beschnittenen Frauen an daraus folgenden "akuten Konsequenzen" sterben, z.B. an Blutvergiftung oder großem Blutverlust; weitere 15 % sterben an langfristigen Schäden wie Komplikationen bei der Entbindung.

Eingriff ohne Anästhesie

Der Zeitpunkt, wann die Mädchen beschnitten werden, variiert …
Der Zeitpunkt, wann die Mädchen beschnitten werden, variiert …

Die Anwendung moderner Medizin ist eher im städtischen Milieu verbreitet und mit hohen Kosten für die Familie verbunden. Meist wird die Verstümmelung in einer unhygienischen Umgebung vorgenommen, mit kaum oder gar keiner Anästhesie, mithilfe vieler Frauen, die das Mädchen festhalten. Zu den häufigen Folgen für Mädchen gehören in diesem Falle die unbeabsichtigte Verletzung der Harnröhre oder des Analschließmuskels, was in manchen Fällen zu Inkontinenz oder zu Ödemen mit späteren Folgen für das Urogenitalsystem führt.

Infolge der unhygienischen Versuche, die starke Blutung zu stillen, kommt es oft zu der schon erwähnten Blutvergiftung, zu Wundbrand, Tetanus, Polio, Hepatitis oder HIV, vor allem dann, wenn die Instrumente für mehrere Beschneidungen verwendet werden. Besonders häufig treten die Infektionen im Bereich der Harnorgane auf, die Steine und Entzündungen im Nierenbecken zur Folge haben. Weitere Folgen sind Zystenbildungen und Erschwernisse im Zusammenhang mit der Menstruationsblutung.

Körperliche und psychische Folgen der Beschneidung

Besonders für die infibulierten Frauen ("pharaonische Beschneidung") wird das Menstruieren danach oft zu einem Horrorerlebnis mit starken Schmerzen und einer um Tage verlängerten Blutung. Infolge der Infektionen können sich die Eileiter verkleben, was wiederum zur Unfruchtbarkeit führt. Diese ist in den genannten Gesellschaften ein Grund zur Scheidung, was für die Frauen einer Katastrophe gleichkommt, da sie sozial und wirtschaftlich völlig durch den Ehemann definiert werden und von ihm abhängig sind.

Die psychischen Folgen für die Betroffenen können sehr unterschiedlich ausfallen. Die WHO geht davon aus, dass die Traumatisierung der Frauen infolge der Verstümmelung der durch eine Vergewaltigung ähnelt. Alpträume, Schlaflosigkeit, Depressionen, Dissoziationen, Verhaltensstörungen, gestörtes Essverhalten, unberechenbare Aggressionen und häufige Suizidversuche können einer Beschneidung folgen.

In manchen Gesellschaften wird von dem Mädchen oder der Frau verlangt, dass sie bei der Operation ihre Gefühle unterdrückt, da ihr Verhalten in dieser Situation als stellvertretend für ihre Persönlichkeit angesehen wird. Wenn das Mädchen schreit und seinen Gefühlen freien Lauf lässt, kann es passieren, dass das seinen Wert auf dem Heiratsmarkt senkt. Die Unterdrückung der Emotionen in dieser psychisch und physisch höchst dramatischen Situation fügt deshalb der physischen Verstümmelung oft eine psychische Deformation hinzu.

Häufig fühlen sich die Mädchen von ihren Verwandten im Stich gelassen und der Gewalt der Beschneiderin ausgeliefert, was die Vertrauensbasis für immer erschüttert, weil es als Verrat empfunden wird. Der Zwiespalt der Situation, dass das, was dem Mädchen so viele Schmerzen bereitet, von der Dorfgemeinschaft frenetisch gefeiert wird, kann ebenfalls psychische Störungen hervorrufen. Auch das Miterleben des Todes von nahen weiblichen Verwandten an den Folgen des Eingriffes kann nur schwer verarbeitet werden, da das Thema weitgehend tabuisiert ist.

... manche Frauen werden erst nach der ersten Entbindung beschnitten. Oder gar noch einmal "beschnitten"/vernäht.
... manche Frauen werden erst nach der ersten Entbindung beschnitten. Oder gar noch einmal "beschnitten"/vernäht.

Für viele Frauen bedeutet die Verstümmelung ein Leben ohne erfüllende Sexualität. Das ist wohl auch das, was dadurch kulturell intendiert wird. Für viele der so Verstümmelten ist der Geschlechtsverkehr eine Qual, die sie jedoch nicht verhindern können, ohne gesellschaftliche Sanktionen zu erfahren.

Auch die Entbindung kann für die verstümmelten Frauen zu einem Risiko für ihr Leben und das des Kindes werden. Der Geburtskanal kann sich aufgrund der Vernarbung nicht ausreichend dehnen, was zu einer Verzögerung und einem möglichen Sauerstoffmangel für das Kind führen kann. Ein Gebärmuttervorfall und Inkontinenz bei der Mutter führt unter Umständen zu sozialer Ausgrenzung.

Wie viele Mädchen und Frauen sind betroffen?

Nach den Schätzungen der WHO sind weltweit 130 bis 150 Millionen Mädchen und Frauen beschnitten. Und es hört nicht auf: Jedes Jahr werden weiterhin Mädchen beschnitten, meist sind sie zwischen vier und zwölf Jahre alt. Die WHO schätzt die Anzahl der weiterhin neu Beschnittenen auf drei Millionen jährlich. Das sind mehr als achttausend jeden Tag. Ungefähr alle zehn Sekunden wird ein weiteres Mädchen verstümmelt, rund um die Uhr, jeden Tag, jede Woche, das ganze Jahr lang. Etwa ein Viertel davon stirbt an den Folgen, die anderen drei Viertel haben ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Die Praktiken der Genitalverstümmelung von Mädchen werden in 28 afrikanischen Ländern ausgeführt: in Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Dschibuti, Elfenbeinküste, Eritrea, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Demokratische Republik Kongo, Liberia, Mauretanien, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Tansania, Togo, Tschad, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik, wobei die Verbreitung von Land zu Land stark variiert.

Die unterschiedliche Verbreitung der Genitalbschneidungstypen in ausgewählten afrikanischen Ländern © Buster Baxter für Wikipedia
Die unterschiedliche Verbreitung der Genitalbschneidungstypen in ausgewählten afrikanischen Ländern © Buster Baxter für Wikipedia

In Ägypten sind 96 % aller 15 bis 49 Jahre alten Frauen beschnitten. In Kamerun sind es nur 1,4 %. Neben Afrika finden wir diese Praxis auch im Jemen, in manchen Regionen der Vereinigten Arabischen Emirate, im Irak, Iran, auf den Philippinen, in Malaysia, in Israel unter den äthiopischen Jüdinnen sowie in manchen Regionen Indiens und Pakistans.

6,5 Millionen der beschnittenen Frauen leben in Europa (Angaben nach www.graf-berlin.de/graf%20fgm.html). Für sie wurden die Beschneider entweder aus dem Heimatland geholt, oder es wurde jemand aus der gleichen Kulturgruppe angeheuert, der im Gastland im medizinischen Bereich beruflich Fuß gefasst hat.

Oft werden die Mädchen aber auch für die Durchführung des Rituals in das Heimatland geschickt. Nach Einschätzung von Amnesty International leben in Deutschland 30 000 Migrantinnen, die beschnitten wurden, und Terre des Femmes schätzt, dass in Deutschland etwa 6000 Mädchen aktuell gefährdet sind, verstümmelt zu werden. Der Eingriff ist hier zwar illegal, wird jedoch heimlich vorgenommen, man weiß nur nicht wie oft.

Die Beschneidung - ein altes Kulturgut (oder Kulturschlecht)

Die Beschneidung wird gemäß der Tradition von Heilerinnen, Hebammen oder professionellen Beschneiderinnen ausgeführt. Deren Beruf zählt in den betroffenen Kulturen zu den bestbezahlten und ehrwürdigsten. In manchen Regionen Afrikas sind es die Frauen von Schmieden, die zu Beschneiderinnen werden, man sagt ihnen Zauberfähigkeiten nach. Auch Barbiere und Medizinmänner tun es.

In vielen Traditionen wird die Verstümmelung im Rahmen von Initiationsriten durchgeführt. In diesem Fall sind die Mädchen etwa 12 bis 14 Jahre alt. Je nach Tradition ist der Zeitpunkt jedoch sehr unterschiedlich. In manchen Fällen wird der Eingriff gleich nach der Geburt vorgenommen, in anderen in der Pubertät, manche Frauen werden erst nach der ersten Entbindung beschnitten.

Neuere Erhebungen ergaben, dass immer mehr Mädchen im Säuglingsalter oder frühen Kindesalter beschnitten werden: Je jünger das Kind, desto weniger muss ihm erklärt werden oder ist Widerstand zu befürchten.

Aus Ägypten über den Islam in die Welt

In Ägypten fand man das erste Zeugnis, das von der weiblichen Beschneidung spricht, auf einem Papyrus aus dem Jahr 163 v.u.Z. Viel früher schilderte bereits der antike Historiker Herodot seine Erkenntnisse bezüglich der weiblichen Genitalverstümmelung in Ägypten. Dieses Land scheint für uns die Ursprungsquelle dieses archaischen Rituals zu sein. Die Statistiken von 2009 sprechen von 96 % genital verstümmelter Ägypterinnen zwischen 15 und 49 Jahren.

Eine Theorie lautet, dass die Muslime bei ihrer Eroberung Ägyptens (um 640 u.Z.) die Praxis der Beschneidung in ihre Religion integriert haben und bei der Ausweitung ihres Machtbereichs über die Welt verbreiteten. Dabei fiel dieser Ritus, worum es dabei ursprünglich auch immer ging, vor allem in Afrika auf den fruchtbaren Boden einer unterentwickelten, archaischen und patriarchalen Gesellschaft.

Eine über Generationen weitergereichte Grausamkeit

In Deutschland kämpft der Verein "Terre des Femmes" mit eindrücklichen Plakaten gegen die Beschneidung der Frauen. © Terre des Femmes und Heymann Brandt de Gelmini
In Deutschland kämpft der Verein "Terre des Femmes" mit eindrücklichen Plakaten gegen die Beschneidung der Frauen. © Terre des Femmes und Heymann Brandt de Gelmini

Die weibliche Genitalverstümmelung ist in den Ländern und Ethnien, wo sie praktiziert wird, ein Teil der Tradition. Wer sich der Tradition widersetzt, muss mit gesellschaftlichen Ausgrenzungen rechnen. In einer Gesellschaft, in der eine Frau alleine nicht überlebensfähig ist, lässt ihr das fast keinen Ausweg. Solange die betroffenen Gesellschaften keine Individualisierungstendenzen zeigen und die Frau keine ökonomische Unabhängigkeit erreicht, wird es vermutlich so bleiben.

Die Vorstellung, dass die Sexualität der Frau nicht anders zu bändigen sei und die Familienehre allein durch die operative Zügelung in Form von Beschneidungen zu erreichen ist, begleitet diese Tradition.

In vielen Gesellschaften hält sich hartnäckig der Mythos von der Frau als Nymphomanin, die erst durch die Klitorisentfernung zu einer normalen Frau wird. Schon der byzantinische Arzt Aetios von Amida (um 600 n.u.Z.) beschrieb die Funktion der Beschneidung bei den Ägyptern als eine Methode der Zügelung des sexuellen Verlangens.

In den heutigen Gesellschaften sind es vor allem die Schwiegermütter und die Väter, die am Bestehen des grausamen Rituals festhalten. Die ersten, weil sie so die Ehre ihrer Söhne zu schützen meinen, die Väter der Mädchen vor allem deshalb, weil die Mitgift mit dem Grad der Verstümmelung steigt.

Was der Islam dazu sagt

Auch die religiösen Autoritäten haben nicht immer ein Interesse daran, die bestehenden Traditionen zu ändern. Obwohl der Koran und die islamischen Überlieferungen (Hadithe) keine direkten Anweisungen zur Bescheidung geben, lassen sich die heiligen Sprüche doch so auslegen, dass die Verstümmelung gerechtfertigt wird. Unter den Frauen, die keine Bildung haben, die nicht mal lesen können, steht jedoch der Koran als eine Begründung der Genitalverstümmelung hoch im Kurs, obwohl er dazu gar nichts sagt. Doch nicht die Religionszugehörigkeit, sondern die Zugehörigkeit zu einer Ethnie bestimmt, ob ein Mädchen beschnitten wird oder nicht.

Weil die meisten der beschnittenen Frauen Muslime sind, bringt man dieses Phänomen leicht mit dem Islam in Verbindung. Die Statistiken belegen jedoch, dass es nicht so einfach ist. In Gebieten wo die Vertreter einer bestimmten Ethnie leben und die Verstümmelung praktizieren, sind meist alle Mädchen betroffen, unabhängig davon, ob sie muslimischen, christlichen, jüdischen oder anderen Glaubens sind.

2005 veröffentlichten islamische Geistliche eine Fatwa (Rechtsgutachten) gegen die weibliche Genitalverstümmelung in Somalia. Sie wiesen in ihren Untersuchungen nach, dass der Koran nirgendwo eine solche Praxis vorschreibt oder rechtfertigt und erklärten diese Grausamkeit als "unislamisch".

Auch in Ägypten kam es durch islamische Gelehrte zur Ächtung der Beschneidung, als auf Initiative der deutschen Menschenrechtsorganisation Target, religiöse Führer an der Azhar-Universität in Kairo mit internationalen Wissenschaftlern über die Problematik dieser Praxis diskutierten und sie verurteilten.

Zwei Jahre später führten Proteste der breiten Öffentlichkeit anlässlich des Todes zweier Mädchen zu einer Gesetzesverabschiedung, nach der die Durchführung der weiblichen Genitalverstümmelung in Ägypten mit einer Strafe von drei Monaten bis zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von bis zu 900 US Dollar geahndet wird. Eine Gesetzeslücke blieb jedoch weiterhin bestehen: Bei "medizinischer Notwendigkeit" soll sie erlaubt sein.

Die Klitoris ist giftig

Eine weitere irrige Annahme, durch die die Beschneidung legitimiert wird, ist die Krankheitsvorbeugung. In manchen Gegenden herrscht der Glaube, dass bei einer unbeschnittenen Frau die Gebärmutter herausfallen könne oder durch die weite Öffnung Insekten hineinkriechen könnten. Die Beschneidung wird zudem als allgemeine Erleichterung der Schwangerschaft und Entbindung hochgehalten. Eine magische Vorstellung geht davon aus, dass die Klitoris auf jeden und alles, mit dem sie in Berührung kommt, giftig wirkt. Um den Mann zu schützen, müsse man sie herausschneiden.

Die Initiation zur Frau durch die Beschneidung

Das Arbeitsgerät einer traditionellen Beschneiderin © Tsp-medientechnik für Wikipedia
Das Arbeitsgerät einer traditionellen Beschneiderin © Tsp-medientechnik für Wikipedia

Eine große Rolle spielt die Beschneidung in vielen Kulturen als Zeichen der Initiation des Mädchens in die Gemeinschaft als ein vollwertiges, heiratsfähiges Mitglied. In vielen afrikanischen Gemeinschaften wird der Übergang von Kindstatus zum Erwachsenenstatus von einer Reihe von Zeremonien begleitet. Meistens haben die Mädchen eine Zeit lang außerhalb des Dorfes zu leben und sich dem Unterricht durch ältere Frauen zu unterziehen.

Als krönender Abschluss und unwiderrufliches Symbol ihrer Zugehörigkeit wird dann die Verstümmelung vorgenommen. Trotz der furchtbaren Schmerzen wird sie von vielen mit Stolz ertragen, denn erst danach sind sie "richtige Frauen". Als Initiationsritus verliert die Beschneidung jedoch immer mehr an Bedeutung, da die Mädchen in immer jüngerem Alter beschnitten werden.

Die Beschneidung als Identifikationsmerkmal

Da die Beschneidung auch ein Identifikationsmerkmal darstellt, wird sie auch bewusst als eine Abgrenzungstaktik gegen die feindliche Umwelt oder als Zeichen einer kulturellen Identität eingesetzt. So regt sich unter afrikanischen Frauen Widerstand gegen eine Stigmatisierung und aus ihrer Sicht verzerrende Darstellung der Beschneidung.

Ein Beispiel ist das Statement der Gruppe "African Women Are Free to Choose (AWA-FC)" vom Februar 2009. Diese Frauen distanzieren sich von der Gewalttätigkeit dieses Ritus und plädieren für die freie Entscheidung einer jeden Frau, sich beschneiden zu lassen oder auch nicht. Sie kritisieren die westliche Welt dafür, dass diese durch ihre Weltanschauung den afrikanischen Ländern Gesetze gegen die genitale Verstümmelung aufzwingt, die der kulturellen und körperlichen Empfindung der Mehrheit der afrikanischen Frauen zuwiderläuft. Die Erklärung der AWA-FC richtete sich vor allem gegen eine journalistische Darstellung der Situation in Sierra Leone. Die folgende Darstellung wurde der GTZ (Deutsche Entwicklungshilfe) für Sierra Leone entnommen.

Politik&Religion in Sierra Leone

Terre des Femmes Vorstandsvorsitzende Irmingard Schewe-Gerigk fordert Bundesgesundheitsminister Bahr auf, sich endlich dem Thema weibliche Genitalverstümmelung anzunehmen. Des Weiteren soll die weibliche Genitalverstümmelung in den medizinischen Diagnoseschlüssel aufgenommen werden, damit Betroffenen schneller und besser geholfen werden kann. Foto © Terre des Femmes
Terre des Femmes Vorstandsvorsitzende Irmingard Schewe-Gerigk fordert Bundesgesundheitsminister Bahr auf, sich endlich dem Thema weibliche Genitalverstümmelung anzunehmen. Des Weiteren soll die weibliche Genitalverstümmelung in den medizinischen Diagnoseschlüssel aufgenommen werden, damit Betroffenen schneller und besser geholfen werden kann. Foto © Terre des Femmes

Die Situation in Sierra Leone ist ein Beispiel für die Verknüpfung von Politik mit religiösen und kulturellen Bräuchen. In diesem Land sind 90 % aller Frauen verstümmelt. Die Alphabetisierungsrate liegt mit 47 % bei den Männern und 27 % bei den Frauen sehr niedrig. Die Frauen haben bei Familienangelegenheiten meist kein Mitspracherecht. Die Beschneidung ist in Sierra Leone die erste Stufe der Einweihung des Mädchens in einen der sogenannten Geheimbünde. Diese hatten ursprünglich den Sinn, das Mädchen auf das Frausein vorzubereiten. Heute haben sie diese Funktion weitgehend verloren, da die Beschneidung an Kindern jedes Alters vollzogen wird. Was blieb, ist die Einbettung des Rituals in die Struktur des Geheimbundes.

Die Politik ist in diese Praxis insofern involviert, als der politische Aufstieg in Sierra Leone von der Mitgliedschaft in einem dieser Bünde abhängt. Zudem hat sich die Bezahlung der Beschneidung für eine große Anzahl von Mädchen als ein probates Mittel für die Gewinnung von Wählern erwiesen. Ein Gesetz zum Verbot der Beschneidung gibt es in Sierra Leone nicht.

Der Forderung nach einer freien Entscheidung der Frauen lässt sich entgegnen, dass diese nur dort mehr als ein Feigenblatt ist, wo Frauen keine Angst vor gesellschaftlichen Sanktionen haben müssen. Doch das trifft für die Mehrheit der Frauen weder in Sierra Leone noch in den meisten betroffenen Ländern zu.

Wo über dieses Thema aufgrund seiner Tabuisierung nicht mal diskutiert werden kann und die Aussteiger aus dieser Praxis geächtet werden, ist eine freie Entscheidung nicht möglich.

Engagement gegen ein grausames Ritual

In Deutschland befassen sich verschiedene Vereine und Institutionen mit der weiblichen Genitalverstümmelung und versuchen ihr Einhalt zu gebieten. Für mehr Informationen - auch zur Beschneidung der Frau - empfehlen wir folgende Webseiten: Target, Terre des Femmes und Tabu e.V..

© Julia Koloda

Quellen:
www.gtz.de/de/dokumente/de-fgm-laender-sierraleone.pdf
www.frauenrechte.de/online/images/downloads/fgm/EU-StudieFGM.pdf
www.verein-tabu.de/genitalvertuemmelung.html
www.unicef.org/protection/index_genitalmutilation.html
www.fluechtlingshilfe.ch/herkunftslaender/africa/kamerun/kamerun-female-genital-mutilation/at_download/file
www.gtz.de/de/dokumente/de-fgm-laender-aegypten.pdf
www.graf-berlin.de/graf%20fgm.html
www.amnesty.de
www.thepatrioticvanguard.com/article.php3?id_article=3752
www.whqlibdoc.who.int/hq/2011/WHO_RHR_11.18_eng.pdf
Wikipedia

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Kommentare


Da das Ursprungsthema Beschneidung inhaltlich umfassend diskutiert wurde und auf letzten Seiten Off Topic - Diskussionen und Beleidigungen überwiegten, sperren wir den Thread an dieser Stelle.

Danke für eure konstruktiven Beiträge zum Thema.

*geschlossen*
Liebe Grüße
JOY-Team
xxxotb
Asylbewerberschwemme?

Alkashan, da muss ich dich leider enttäuschen.
Selbst wenn sich die Urteile jetzt mehr und mehr positiv entschieden werden, für Asyl, bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Schwemme aus.
Zu dem ist es ja nicht so, dass man in Deutschland ankommt, sagt "Asyl" und zack hat man es.
Es werden Interviews geführt, über Glaubwürdigkeit entschieden (was auch zu einer ziemlichen Falle werden kann für betroffene Frauen- siehe Trauma), abgelehnt, geklagt (sofern Geld/RA, Mut vorhanden).

Es gibt wesentlich einfachere Wege, wenn man versuchen möchte einen Aufenthalt zu bekommen.

Kurzes OT,
die meisten Wirtschaftsflüchtinge kommen aktuell eher aus Serbien und der Ecke da unten.
Die Hauptzahl der Asylbewerber sind aus Afghanistan, gefolgt von Irak, Serbien, Iran.
Und wie man sich denken kann, sind auch unter dieser Zahl einige Wirtschaftsflüchtlinge dabei, die schnell mal einen anderen Asylgrund angeben.
Afrika ist in der Statistikübersicht dir mir vorliegt nicht mal erwähnt.
Ach und btw. ein Blick auf die Statistik der abgelehnten Anträge sagt mir, dass bis zum Berechnungszeitraum Juli 55,5% eine Ablehnung erhielten.

Soviel zur Schwemme.
Ich glaube, das Problem hier nur im Ansatz aufzulösen wird an einer unterschiedlichen ethischen Vorstellungen scheitern.

Durch Gewährung von Asyl wird weder das Problem an der Wurzel bekämpft, noch löst es die Probleme der einzelnen betroffenen Frauen.
Habe ich nicht behauptet, aber es schützt die Frauen, die es geschafft haben zu fliehen, bevor sie beschnitten wurden vor einer Beschneidung und sollten sie beschnitten worden sein, ihnen die Flucht nach Deutschland gelungen sein, vor körperlichen und seelischen Gefahren in ihrem Heimatland.
Ausserdem sollte eine Frau geflohen sein und wird wieder zurückgeschickt, kann sie mit fast 100% Sicherheit damit rechnen sozial ausgeschlossen zu werden oder bedroht (siehe oben).

nö, nicht wirklich.*snief*
aber bin ich da nicht in bester gesellschaft? *traurig*
head_on_ist

Findest du den Post hier passend? *gruebel*

jaja, die eigenen pupse riechen immer gut. nur die der anderen stinken *lol*
@head_on_ist

kam mir doch gerade der gedanke, ob im sudan darüber dikutiert, westlichen frauen asyl zu gewähren, um sie von der zerstörung ihrer moral und vor dem zwang zu multiplen orgasmen zu bewahren.
Oder vor den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums, usw., usw. ... *zwinker*
Man...

... ist da heute der Wurm dirn. Entschuldigung libelle 6 muss das heißen.*gruebel* gehe jetzt glaube ich in die *heiha*
kulturelle differenzen

kam mir doch gerade der gedanke, ob im sudan darüber dikutiert, westlichen frauen asyl zu gewähren, um sie von der zerstörung ihrer moral und vor dem zwang zu multiplen orgasmen zu bewahren.
abwegiger gedanke? keineswegs *lol*
@safira4: zu faul zum googeln

Da Du ja zu faul zum googeln bist, hier mal ein vielleicht hilfreicher Link (sozusagen "aus erster Hand"):
Links nur für Mitglieder
*zwinker*
@libella 6

schmeiß doch mal google an und suche männliche Beschneidung in Afrika. Mit welchen Methoden dort vorgegangen wird kannst du niemals mit den medizinischen Bedingungen hierzulande vergleichen! Und du schreibst selber freiwillige. Denke nicht, dass das in Afrika immer freiwillig passiert. *headcrash*



*hae* bin ich das etwa nicht???
nein warst du nicht und bist du nicht. in deinem vorletzten Post war eine Beleidigung imlpeziert und jetzt bist du bei männlicher Beschneidung obwohl die Überschrift des Threads wie lautet?

@all Ich weiß OT aber sowas geht garnicht.

Klar ist ein Vergleich zwischen männlicher Beschneidung und weiblicher Beschneidung nahe liegend. Und macht wenn ich Kamelienschenkes Aussage Glauben schnecke auch Sinn die Probleme gemeinsam zu betrachten.(Tue ich übrigens *zwinker*) Was man nicht vergessen darf ist die männliche Beschneidung hier und die in Afrika gleich zu setzen geht nicht.
Hier: bei medizinischer Notwendigkeit, freiwilligem Wunsch.
In Afrika oft unter Zwang und wesentlich schlechteren medizinischen Bedingungen.

MFG
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Die Autorin
Julia Koloda, Jg. 80, Magistra der Philosophie, Psychologie und Literaturwissenschaften, beschäftigt sich seit Jahren theoretisch und praktisch mit spirituellen Dimension des Lebens aus philosophischer und psychologischer Perspektive.
connection Tantra special
Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von der Zeitschrift connection Tantra special zur Verfügung gestellt und stammt aus Ausgabe 89.
Die Beschneidung weiblicher Genitalien
Geist und Materie, Glauben und Wissen, Herz und Verstand widersprechen sich nur scheinbar. Religion und Sex, Spiritualität und Ökologie, Selbstverwirklichung und soziales Handeln sind auf natürliche Weise miteinander verbunden. Die Zeitschrift connection steht mit ihren Beiträgen zu Spiritualität, Liebe und Bewusstsein für religiöse Toleranz, Humor und ein ganzheitliches Verständnis von Mensch und Natur.
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